Gewöhnlicher Schneeball
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Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus) |
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Viburnum opulus | ||||||||||||
| L. |
Der Gewöhnliche Schneeball (Viburnum opulus), auch Gemeiner Schneeball, Herzbeer, Blutbeer, Dampfbeere, Drosselbeerstrauch, Geißenball, Glasbeere, Schlangenbeere, Wasserholder, Wasser-Schneeball genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Schneebälle (Viburnum).
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Beschreibung
Der wohlriechende Strauch kann Wuchshöhen von 1,5 bis 4 m erreichen. Die gegenständigen, gestielten Laubblätter sind drei- bis fünflappig und auf beiden Seiten gleich grün gefärbt.
In trugdoldigen Blütenständen stehen die weißen Blüten zusammen. Die äußeren großen Blüten sind steril; die innere, deutlich kleineren und glockigen Blüten fruchtbar.
Die rote, erbsengroße, beerenähnliche Steinfrucht enthält einen herzförmigen Samen. Die Früchte reifen von August bis November.
[Bearbeiten] Ökologie
Der Gewöhnliche Schneeball ist ein winterkahler breitbuschiger Strauch und ein Intensiv- und Flachwurzler mit VA-Mykorrhiza.
Die Blüten sind homogame, schüsselförmige „Scheibenblumen“. Die sterilen Randblüten sind stark vergrößert und dienen als Schauapparat. Der Nektar wird offen dargeboten. Der Blütenduft geht vermutlich vom Pollenkitt aus. Die Blütezeit reicht von Mai bis August. Bestäuber sind Insekten verschiedener Arten (außer Falter), besonders Fliegen, die ähnlich wie bei den Doldenblütlern auf dem Blütenstand umherlaufend die Bestäubung vollziehen. Auch spontane Selbstbestäubung ist erfolgreich.
Die Fruchtreifeder beerenähnlichen Steinfrucht liegt zwischen August und November. Die Früchte sind Wintersteher mit Verdauungsverbreitung. Sie werden von manchen Vögeln, z.B. von Drosseln, gemieden, aber von anderen Vögeln im Laufe des Winters gefressen. Die zerquetschten Früchte haben einen deutlichen Schweißgeruch.
Die Vegetative Vermehrung kann erfolgen, weil tief in die Erde gesteckte Zweige von selbst anwachsen.
[Bearbeiten] Vorkommen
Diese Pflanzenart ist in ganz Europa, West- und Nordasien verbreitet. Sie ist in der Ebene bis in die Alpen in Höhenlagen von 1000 Meter zu finden. Der Gemeine Schneeball ist vor allem an feuchten Gebüschen, Ufern von Bächen, Flüssen und Seen sowie an Waldrändern anzutreffen.
[Bearbeiten] Inhaltsstoffe und Toxizität
Rinde, Blätter und unreife Früchte enthalten Oxalate, Saponine, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Pectin und das Glykosid Viburnin.
Der Schneeball hat als Giftpflanze den Toxizitätsgrad „giftig“,[1] den beispielsweise auch das Echte Johanniskraut hat.[2] Über die Giftigkeit der Beeren finden sich in der Literatur widersprüchliche Angaben (schwach giftig bis giftig).[3]
[Bearbeiten] Nutzung
Die Rinde wird bis heute als krampflösendes Mittel, insbesondere bei Menstruationsbeschwerden, arzneilich verwendet. Die Früchte sind gekocht für Marmelade oder Gelee verwendbar. In Teilen Osteuropas werden die reifen „Beeren“ auch roh gegessen.
In osteuropäischen Ländern werden die roten Beeren gegen Erkältung in heißem Wasser zerdrückt, mit Honig gesüßt getrunken. Werden im Herbst auf allen kleinen Märkten verkauft. Die Beeren werden üblicherweise nach dem ersten Frost geerntet und gelten erst dann als reif, vermutlich werden Giftstoffe durch Gefrieren abgebaut. Außerdem kristallisiert bei Frost Fruchtzucker aus, der den ansonsten stark säuerlich-bitteren Geschmack überdeckt.
Der Name Dampfbeere kommt daher, weil früher die Beeren in der Volksmedizin als Mittel gegen den „Dampf“, wie man Asthma und Atemnot seinerzeit nannte, verwendet wurden.[4]
Vor allem in der Türkei und besonders in der zentralanatolischen Stadt Kayseri werden die Früchte in Fässern mit Leitungswasser eingelegt. Das Wasser in den Fässern wird alle 2 Wochen einmal ausgetauscht. Nach gut einem Monat sind die eingelegten Beeren "reif" und werden dann vor allem im Sommer ausgepresst und mit Wasser und Zucker zu einem wohlschmeckenden Erfrischungsgetränk "Gilaboru" vermischt. Diesem Getränk wird eine heilende Wirkung bei Nierensteinen nachgesagt.
Der Gewöhnliche Schneeball wird auch als beliebte Zierpflanze in Gärten, Parks und Anlagen angepflanzt. Hierbei kommt oft die Sorte Roseum, die auch Garten-Schneeball genannt wird, zur Anwendung; diese besitzt einen kugeligen Blütenstand mit ausschließlich sterilen Schaublüten. Die Wildform eignet sich für Gehölzanpflanzungen in Wildpflanzengärten. Wegen ihres hohen Ausschlagvermögens lässt sie sich gut beschneiden und als Heckenpflanze verwenden.
[Bearbeiten] Geschichte
Die deutsche Bezeichnung Schneeball dürfte seit dem 17. Jh. gebräuchlich sein, da der sterile gefüllte Schneeball mit ballförmigen Blütenständen (V. opulus 'Roseum') erst um 1594 entstand. Vorher waren zutreffendere Namen geläufig: Herzbeere (wegen der herzförmigen Samen), Glasbeere (wegen der glasig wirkenden Früchte), Blutbeere (wegen des roten dickflüssigen Fruchtsaftes) und Wasserholder, weil der Gewöhnliche Schneeball gern am Wasser wächst und seine Blüten den Blüten des Holunderstrauches ähneln. [5]
[Bearbeiten] Parasiten
Insbesondere die Schwarze Bohnenlaus überwintert auf dem Schneeball, um im Frühling an den jungen Triebe zu saugen. Aber auch andere Blattlausarten bevorzugen den Strauch. Auf den Schneeball als Lebensraum und Nahrungsquelle spezialisiert haben sich die Schneeballblattkäfer.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Institut für Veterniärtoxikologie, Universität Zürich: Viburnum opulus Abgerufen am 26. Mai 2011.
- ↑ Institut für Veterniärtoxikologie, Universität Zürich: Hypericum perforatum Abgerufen am 26. Mai 2011.
- ↑ Institut für Veterniärtoxikologie, Universität Zürich: Viburnum opulus - Botanik Abgerufen am 26. Mai 2011.
- ↑ Andreas Schmeller: Bayerisches Wörterbuch, 1837. S510
- ↑ Dericks-Tan, Vollbrecht: Auf den Spuren der Wildfrüchte in Europa, ISBN 978-3-00021129-4, Abadi-Verlag 2009. S. 258
- R. Düll/ H. Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder, 7. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1