Victor Oehrn

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Victor Oehrn (* 21. Oktober 1907 in Kedabek, Kaukasus; † 26. Dezember 1997 in Bonn) war ein deutscher Marineoffizier und U-Boot-Kommandant während des Zweiten Weltkriegs.

Karriere[Bearbeiten]

Oehrn trat am 1. Oktober 1927 als Seekadett in die Reichsmarine ein. Nach seiner Infanterieausbildung in Stralsund wurde er am 1. Oktober 1927 zum Seekadetten befördert. Im Anschluss daran erhielt er seine Bordausbildung auf dem Kreuzer Berlin, absolvierte den Fähnrichslehrgang an der Marineschule Flensburg-Mürwik und machte zwei Navigationsbelehrungsfahrten auf dem Tender Frauenlob und dem Vermessungsschiff Meteor.

Anschließend absolvierte Victor Oehrn eine weitere Bordausbildung auf dem Leichten Kreuzer Königsberg. Er wurde im Juni 1931 zum Oberfähnrich zur See und im Oktober desselben Jahres zum Leutnant zur See befördert. Auf diesem Schiff fuhr er bis zum Herbst 1932 als Divisionsleutnant. Anschließend fungierte er als Kompanie- und Ausbildungsoffizier bei der Schiffsstammdivision in Stralsund. Im Juni 1933 wurde er zum Oberleutnant zur See befördert und anschließend bis Sommer 1935 als Ausbildungsoffizier auf dem leichten Kreuzer Karlsruhe verwendet. Im Juli 1935 wechselte er zur neu geschaffenen U-Bootwaffe. Victor Oehrn wurde der U-Flottille Weddigen zugeteilt, deren Chef zu dieser Zeit Karl Dönitz war. Im Januar 1936 erhielt er das Kommando auf U 14, das er bis zum 4. Oktober 1937 innehatte. Im Oktober 1936 wurde Victor Oehrn zum Kapitänleutnant befördert. In den folgenden Jahren war er Kompaniechef an der Marineschule Mürwik, diente im Stab des Kommandierenden Admirals der Ostsee und schließlich erneut Kompanieführer der Stralsunder Schiffsstammabteilung. Von November 1938 bis August 1939 erhielt Victor Oehrn eine Ausbildung an der Marine-Akademie. In dieser Zeit fuhr er auf dem Leichten Kreuzer Leipzig und dem Aviso Grille.

Im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Da Victor Oehrn als einer der wenigen U-Boot-Kommandanten die Deutsche Marine-Akademie absolviert hatte, wurde er als Admiralstabsoffizier in den Stab des FdU[A 1] beordert. Karl Dönitz hatte eine hohe Meinung von Oehrn, bezeichnete ihn als "urteilsfähigen Admiralstabsoffizier" und schrieb ihm einen großen Anteil am Entschluss zu, die Planung der Unternehmung Günther Priens nach Scapa Flow, dem Stützpunkt der britischen Home Fleet anzugehen [1], die dieser Mitte Oktober mit U 47 durchführte. Im Januar des Folgejahres erhielt Victor Oehrn das Eiserne Kreuz Zweiter Klasse. Im Mai 1940 erhielt Victor Oehrn das Kommando auf U 37, das er bis Oktober desselben Jahres innehatte. Mit diesem Boot unternahm er - erst von Wilhelmshaven aus, später von Lorient - vier Feindfahrten und versenkte insgesamt 24 Schiffe mit einem Volumen von 104.746 BRT.

Im Sommer 1940 wurde ihm das Eiserne Kreuz erster Klasse und im Oktober das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Im Anschluss an sein Bordkommando wurde er zum Ersten Admiralstabsoffizier (Asto) unter Karl Dönitz ernannt. Im August 1941 wurde zum Korvettenkapitän befördert und im November desselben Jahres zum Führer der U-Boote Italien ernannt, gleichzeitig bekleidete er die Position des 1. Admiralstabsoffizier U-Boote Italien. Im selben Monat wurde Victor Oehrn mit dem Italienischen Kriegskreuz mit Schwertern ausgezeichnet.

Während einer Mission in Nordafrika im Juli 1942 wurde Oehrn bei El Alamein schwer verletzt und gelangte in britische Kriegsgefangenschaft in Alexandria. Mit Hilfe des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz gelangte er im November 1943 durch einen Gefangenenaustausch nach Deutschland zurück. Im August 1944 wurde Victor Oehrn zum Fregattenkapitän befördert. Das Kriegsende erlebte er als Leiter der Operationsabteilung des Oberkommandos der Marine.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach Kriegsende diente Oehrn zunächst im Deutschen Minenräumdienst, aus dem er im August 1945 entlassen wurde.

Von März 1960 bis Mai 1963 war er Vorsitzender der Marine-Offizier-Vereinigung.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. ab Oktober 1939 umbenannt in BdU
  1. K. Dönitz: "Zehn Jahre und zwanzig Tage", Bernard & Graefe, Koblenz (1985), S. 67

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodore P. Savas: Lautlose Jäger. Ullstein Verlag, ISBN 3-548-24621-4
  • Rainer Busch und Hans-Joachim Röll: Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe von 1939 bis Mai 1945. Band 5 aus Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Verlag E.S. Mittler & Sohn 2003; ISBN 3-8132-0515-0;

Siehe auch[Bearbeiten]