Victor Schœlcher

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Victor Schœlcher, 1885

Victor Schœlcher (* 22. Juli 1804 in Paris; † 25. Dezember 1893 in Houilles bei Paris) war ein französischer Politiker und Gegner der Sklaverei in den französischen Kolonien.

Leben[Bearbeiten]

Die Eltern von Schœlcher stammten aus Fessenheim im Elsass, er selbst wuchs in Paris auf. Nach seiner Ausbildung am Lycée Condorcet verkehrte er auch in den künstlerischen Kreisen von Paris und lernte George Sand, Hector Berlioz und Franz Liszt kennen.

Er erbte die elterliche Porzellanfabrik. Bei einer Geschäftsreise nach Mexiko, Kuba und in die amerikanischen Südstaaten 1829-31 lernte er die damals dort noch herrschende Sklaverei kennen.[1]

Nach seiner Rückkehr nach Paris verkaufte er die Fabrik und begann, sich politisch und publizistisch für die Abschaffung der Sklaverei zu engagieren.

Als Abgeordneter der Nationalversammlung für Martinique 1848 war er Initiator des décret d’abolition de l’esclavage du 27 avril 1848 (Dekret zur Abschaffung der Sklaverei vom 27. April 1848), proklamiert am 22. Mai 1848, das die völlige Abschaffung der Sklaverei in Frankreich und seinen Kolonien festschrieb. 1849 und 1850 vertrat er Guadeloupe in der Nationalversammlung. Nach dem Staatsstreich Napoléons III. 1851 begab er sich ins Exil nach Belgien und später nach London, von wo er erst 1870 nach dem Ende der Herrschaft Napoléons III. wieder nach Paris zurückkehrte und von 1871 bis 1875 erneut Martinique in der Nationalversammlung vertrat. 1875 wurde er zum Senator auf Lebenszeit ernannt.

Victor Schœlcher starb im Jahr 1893 im Alter von 89 Jahren in seinem Haus (24 rue d’Argenteuil, heute Avenue Schoelcher) in Houilles. Nach seinem Tod wurde er neben seinem Vater auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt.

Ehrungen[Bearbeiten]

Denkmal für Victor Schœlcher in Schœlcher auf Martinique

Auf Beschluss der Nationalversammlung der Vierten Republik wurden die sterblichen Überreste von Victor Schœlcher und die seines Vaters am 20. Mai 1949 gleichzeitig mit jenen des Kolonialpolitikers afrikanischer Herkunft Félix Éboué ins Panthéon überführt und in einem Ehrengrab bestattet.

Bereits zu seinen Lebzeiten nahm im Jahr 1888 die damals Case-Navire genannte drittgrößte Gemeinde auf Martinique den Namen Schœlcher an. Ebenfalls nach ihm benannt ist die von ihm initiierte und in seinem Todesjahr eröffnete Bibliothèque Schœlcher in Fort-de-France, der er seine bedeutende Büchersammlung stiftete.

Im Jahr 1952 wurde ein 5000-Francs-Geldschein mit seinem Porträt in Umlauf gebracht. Seit dem Jahr 1982 beherbergt das Haus seiner Vorfahren in Fessenheim ein ihm gewidmetes Museum. Mehrere Schulen und Straßen tragen seinen Namen.

François Mitterrand legte am Tage seiner Amtseinführung als französischer Präsident 1981 eine Rose am Ehrengrab von Schœlcher nieder.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Victor Schœlcher: Esclavage et Colonisation, Avant-propos de Charles-Andre Julien, Introduction d’Aimé Césaire. Textes annotés par Èmile Tersen, Paris: Presses Universitaires de France 1948, Neuauflage unter dem Titel Victor Schœlcher et l’abolition de l’esclavage, Lectoure: Éditions Le Capucin 2004.
  • Jean Jolly (Hrsg.): Dictionnaire des Parlamentaires Français, Notices Biographiques sur les Ministres, Sénateurs et Députés Français de 1889 à 1940. Paris 1960.
  • Nelly Schmidt: Victor Schœlcher et l’abolition de l’esclavage, Paris: Fayard 1999.
  • Aimé Césaire: Commémoration du centenaire de l’abolition de l’esclavage. In: Collection du centenaire de la Revolution de 1848. Paris: Presses universitaires de France 1948; mit erheblichen Veränderungen als Vorwort in: Guy Fau L’Abolition de l’esclavage Le Burin et Martinsart 1972, S. 20–33.
  • Daniel Maximin: L’isolé soleil. Paris: Seuil 1981, dt.: Sonnenschwarz, a. d. Franz., mit Anmerkungen und Nachwort versehen v. Klaus Laabs, Zürich: Rotpunkt 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Victor Schoelcher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Décret du 27 avril 1848 abolissant l’esclavage – Quellen und Volltexte (französisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite der UNESCO (englisch), abgerufen am 6. September 2011.
  2. Ernst Weisenfeld: Geschichte Frankreichs seit 1945, 3. neubearbeitete Auflage, Beck, München 1997, ISBN 3-406-42007-9, S. 266.