Viktor Tilgner

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Viktor Tilgner, Lithographie von Adolf Dauthage 1881
Bischof Heiller
Grabdenkmal Holly
Ganymed Brunnen in Bratislava
Gladiator und besiegter Sklave
Porträtbüste des Architekten Carl Gangolf Kaiser
Viktor Tilgners Bruckner-Denkmal im Wiener Stadtpark, Zustand 1908

Viktor Oskar Tilgner (* 25. Oktober 1844 in Pressburg; † 16. April 1896 in Wien) war ein österreichischer Bildhauer und Porträtist. Er ist der Hauptvertreter des Neobarock innerhalb der Plastik der Wiener Ringstraße.

Leben[Bearbeiten]

Victor Tilgner wurde als Sohn des Hauptmannes Carl und Ida Tilgner in Pressburg geboren, übersiedelte aber schon als Kind nach Wien und war seither mit dieser Stadt verbunden. Sehr früh wurde sein Interesse und Talent vom Bildhauer Franz Schönthaler erkannt, der auch sein erster Lehrmeister wurde.

Auf der Akademie der bildenden Künste Wien begann er zunächst bei Franz Bauer zu studieren, wechselte aber schon bald zum Tiroler Bildhauer Josef Gasser, der durch seine Nähe zu Heiligenplastiken in Tilgner das „barocke“ Interesse weckte und ihn in das praktische Schaffen einführte. Parallel führte ihn der Medailleur Joseph Daniel Böhm in die Kunst des Ziselierens ein.

Viktor Tilgners realistischer Akademismus war von Hans Makart, einem führenden Maler der Ringstraßenepoche beeinflusst, mit dem er auch 1874 Italien bereiste. Daneben hatte der Bildhauer auch Kontakt mit Johann Strauss und gehörte zum Künstlerkreis rund um Karl Graf Lanckoronski. Stark beeinflusst wurde er auch vom französischen Bildhauer Jean-Baptiste Gustave Deloye, der 1873 im Rahmen der Weltausstellung nach Wien gekommen war.[1]

Viktor Tilgner hatte mehr als die letzten 20 Lebensjahre sein Atelier in einem ehemals als Gewächshaus genutzten Seitentrakt des Palais Schwarzenberg, Heugasse 1 (heute: Prinz-Eugen-Straße 1), Wien-Landstraße;[2] die Wohnung des Künstlers befand sich nächstgelegen auf Wohllebengasse 1, Wien-Wieden[3].

Tilgner, der trotz eines sich seit geraumer Zeit bemerkbar machenden Herzleidens noch am Tag vor seinem Tode in der Bauhütte am Mozart-Denkmal geweilt hatte,[2] erlag am Vormittag des 16. April 1896 in seiner Wohnung einem Herzschlag.[4] Einen Tag nach dem Ableben wurde von ärztlicher Seite dem vom Verstorbenen zu seinen Lebzeiten für den Falle eines plötzlichen Todes geäußerten Wunsch nach einem Herzstich entsprochen.[5] Am 18. April 1896, nach erster Einsegnung in der (überfüllten) Karlskirche, machte der Kondukt Zwischenstation am Wiener Künstlerhaus, wo dessen Vorstand Julius Deininger (1852–1924) sowie Rudolf Weyr (1847–1914), Club der Plastiker, Abschiedsworte sprachen, danach wurde Viktor Tilgner im Beisein der Witwe, Marianne, sowie des Bruders, Oskar, in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.[6] Am 3. Oktober 1897 wurde Tilgner auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab in stiller Weise wiederbestattet (Gruppe 14 A, Nummer 28)[7]. Das bei diesem Anlass gesetzte Grabdenkmal war von der Witwe bei den Mitarbeitern von Tilgners Atelier als deren letzte Arbeit in Auftrag gegeben worden und hatte eine vom Verstorbenen einst angefertigte Skizze zur Grundlage.[8]

Werke[Bearbeiten]

Das Denkmal für Wolfgang Amadeus Mozart im Wiener Burggarten gilt als Hauptwerk Tilgners und war gleichzeitig dessen letztes. Sie war ursprünglich für den Platz vor der Albertina geschaffen. Die bewegten Puttenfiguren am Sockel, die die Macht der Mozartschen Musik darstellen, deuten stilistisch schon auf den Jugendstil hin. Es wurde einige Tage nach Tilgners Tod enthüllt.

Sein weiteres Werk umfasste Bauplastiken für die Hofmuseen, das Burgtheater, die Neue Hofburg und die Hermesvilla sowie mehrere Brunnenanlagen (Tilgner-Brunnen im Volksgarten, 1877), Denkmäler (Werndl-Denkmal in Steyr, 1894) und einige Grabmonumente. Bekannt war er auch für seine Porträtbüsten (u. a. Pedro Calderón de la Barca, Shakespeare, Molière, Gotthold Ephraim Lessing, Goethe, Friedrich Schiller, Friedrich Hebbel, Franz Grillparzer und Friedrich Halm für das Burgtheater) und viele Medaillons.

Der Großteil des Nachlasses von Tilgner ging an seine Heimatstadt und ist heute in der Städtischen Galerie Bratislava zu sehen. Seine Werke schmücken alle wichtigen Gebäude der Wiener Ringstraße und anderer Plätze.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1868: Hofpreis und Stipendium
  • 1868: Füger-Medaille
  • 1874: Karl Ludwig Medaille
  • 1874: Goldmedaille in München (für Büste Führlich)
  • 1880: Reichel-Preis (für die Brunnengruppe Triton und Nymphe)
  • 1882: Große Goldmedaille Wien (für die Brunnengruppe Amorino auf Delphin)
  • 1883: Professortitel
  • 1888: Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste Wien
  • 1891: Große Goldmedaille und Ehrendiplom von München (für den Puttenbrunnen)
  • 1897: Tilgnerstraße in Wien-Wieden
  • 1928: Tilgnergasse in Wien-Liesing

Literatur[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Viktor Tilgner – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ludwig Hevesi: Victor Tilgners ausgewählte Werke. Wien 1897.
  2. a b † Victor Tilgner (1844–1896). In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 11368/1896, 17. April 1896, S. 5 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  3. Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger. Band 1896,2. Hölder, Wien 1896, S. 1119. – Online.
  4. † Bildhauer Victor Tilgner. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 11367/1896, 16. April 1896, S. 2 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  5. Kleine Chronik. (…) Victor Tilgner. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 11369/1896, 18. April 1896, S. 1, Mitte unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  6. Tilgner’s Leichenbegängniß. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 11370/1896, 19. April 1896, S. 7, Mitte unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  7. Hedwig Abraham: Prof. Victor Tilgner. In: viennatouristguide.at, abgerufen am 16. Juli 2012.
  8. Localbericht. (…) Das Ehrengrab für Victor Tilgner. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 11893/1897, 1. Oktober 1897, S. 6, Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.