Victor von Bruns

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Bildnis Victor von Bruns (Ölgemälde von Roland Risse, Tübinger Professorengalerie)

Paul Victor von Bruns (auch Viktor) (* 9. August 1812 in Helmstedt; † 19. März 1883 in Tübingen) war ein deutscher Chirurg.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn des Geheimen Justizrats Johann Georg Theodor Bruns (1786-1835) und dessen Frau Friedericke (1786–1822), der Tochter des Johann Heinrich Justus Köppen (1755-1781), stammte aus einer Helmstedter Gelehrtenfamilie, die ursprünglich aus Holstein eingewandert war. Bereits sein Großvater, der Orientalist Paul Jakob Bruns (1743–1814), hatte sich als Professor in Halle und Helmstedt einen Namen als vielseitig gebildeter Mann gemacht. So wuchs Bruns in wohlbehüteten familiären Verhältnissen auf. Victor von Bruns studierte ab 1831 in Braunschweig, Tübingen, Halle und Berlin. Er ließ sich 1837 in Braunschweig als Arzt nieder, lehrte ab dem Jahr 1839 das Fach Anatomie und schrieb sein Lehrbuch der „allgemeinen Anatomie“. Bruns wandte sich ausschließlich der Chirurgie zu und wurde 1843 als Professor der Chirurgie nach Tübingen berufen. Hier wirkte er bis 1881. Nachfolger wurde sein Sohn Paul von Bruns.[1]

Leistungen[Bearbeiten]

Bruns betätigte sich auf allen Gebieten der Chirurgie, er arbeitete im Bereich der plastischen Chirurgie. Besondere Erfolge erzielte er in der Lippen- und Wangenrekonstruktion und als Facharzt für Kehlkopfkrankheiten. Dies brachte ihm einen über Deutschlands Grenzen weit hinausgehenden guten Ruf ein. Bruns wird eine sichere Technik im Gebrauch des Kehlkopfspiegels nachgesagt, dessen Anwendung er vervollkommnet hat. Bruns bereitete den Weg für die Wundbehandlung. Ihm gelang die Herstellung von saugfähiger Verbandwatte aus Baumwolle durch Entfettung und Bleichung.

Victor von Bruns war 1872 Gründungsmitglied der DGCH, der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1854: Ritterkreuz des Ordens der württembergischen Krone, [2], mit dem der württembergische Personaladel verbunden war
  • 1868: Ehrenbürger der Stadt Tübingen
  • 1871: Kommenturkreuz des Ordens der württembergischen Krone[3]

Werke[Bearbeiten]

  • Handbuch der praktischen Chirurgie (Tübingen 1854-60, 2 Bde.; mit Atlas 1853ff)
  • Durchschneidung der Gesichtsnerven beim Gesichtsschmerz (Tübingen 1859)
  • Behandlung schlecht geheilter Beinbrüche (Berlin 1861)
  • Die erste Ausrottung eines Polypen in der Kehlkopfhöhle ohne blutige Eröffnung der Luftwege (2. Auflage, Tübingen 1862; Nachtrag 1863)
  • Chirurgische Heilmittellehre (Tübingen 1868-73)
  • Arzneioperationen oder Darstellung sämtlicher Methoden der manuellen Applikation von Arzneistoffen (Tübingen 1869)
  • Die Laryngoskopie und laryngoskopische Chirurgie (Tübingen 1865, mit Atlas; 2. Ausg. 1873)
  • Die Galvano-Chirurgie (Tübingen 1870)
  • Die galvanokaustischen Apparate und Instrumente (Tübingen 1878)
  • Die Amputation der Gliedmaßen durch Zirkelschnitt mit vordern Hautlappen (Tübingen 1879)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Killian: Meister der Chirurgie. 2. Aufl., Thieme, Stuttgart 1980, S. 208.
  2. Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Württemberg 1869, S. 45
  3. Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Württemberg 1877, S. 24

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]