Victoria Nuland

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Victoria Jane Nuland (* 1961 in New York City) ist eine US-amerikanische Diplomatin. Sie ist zurzeit Assistant Secretary of State im Dienst des US-Außenministeriums und als solche zuständig für Europa und Eurasien.

Victoria Nuland (2006)

Leben[Bearbeiten]

Nuland wurde 1961 als ältestes der vier Kinder des Chirurgen, Professors für Bioethik, Medizingeschichte und Sachbuchautors Sherwin B. Nuland geboren. Ihre orthodox-jüdischen Großeltern (Meyer und Vitsche Nudelman – der Name wurde 1947 von Sherwin B. Nuland offiziell in ‚Nuland‘ geändert) waren Anfang des 20. Jahrhunderts aus Bessarabien, das zu dieser Zeit noch zu Russland gehörte, in die USA eingewandert.[1][2] Bis 1979 besuchte sie die Choate-Rosemary-Hall-Internatsschule, anschließend erreichte sie einen Bachelor-Abschluss an der Brown University. Nuland spricht Russisch, Französisch und ein wenig Chinesisch.

Nuland ist mit dem Historiker Robert Kagan verheiratet, der mit seinem Institut Projekt für das Neue Amerikanische Jahrhundert als ein Vordenker der neokonservativen Außenpolitik unter Präsident George W. Bush galt. Das Paar hat zwei Kinder.

Karriere[Bearbeiten]

Seit 1984 war Nuland im Außenministerium der Vereinigten Staaten tätig.[3] Als Diplomatin war sie unter anderem in der Mongolei, China und Russland stationiert. Später erwies sie sich als parteipolitisch flexibel: Unter dem demokratischen Präsidenten Bill Clinton war sie von 1993 bis 1996 die Stabschefin eines stellvertretenden Außenministers Strobe Talbott, von 2003 bis 2005 arbeitete sie zu Hochzeiten des Irakkriegs als sicherheitspolitische Beraterin des republikanischen US-Vizepräsidenten Dick Cheney.

Vom 20. Juni 2005 bis 2. Mai 2008 war sie Repräsentantin der USA bei der NATO (United States Permanent Representative to NATO). Von 2008 bis 2009 war sie Professorin an der National Defense University. Vom 31. Mai 2011 bis 11. Februar 2013 war sie Sprecherin des US-Außenministeriums und seit dem 18. September 2013 hat sie ihr jetziges Amt inne.

Kontroverse über abgehörtes Telefonat Nulands[Bearbeiten]

Victoria Nuland und Botschafter Geoffrey R. Pyatt begrüßen Petro Poroschenko in Warschau am 4. Juni 2014

Am 4. Februar 2014 wurde ein abgehörtes Telefongespräch Nulands mit dem US-Botschafter für die Ukraine, Geoffrey R. Pyatt, auf der Video-Plattform YouTube unter dem Titel Die Marionetten des Maidan (Марионетки Майдана) veröffentlicht.[4][5] Die beiden Diplomaten diskutieren darin die aktuelle Krise in der Ukraine. Besprochen wird unter anderem, welche Politiker der Opposition der nächsten Regierung in Kiew angehören sollen.

Nuland äußert ihren Unwillen darüber, dass „Klitsch“ (Vitali Klitschko) in die ukrainische Regierung eintreten solle. Sie favorisiere „Jats“ (Arseni Jazenjuk), dem sie sogar das Ministerpräsidentenamt zutraut. Pyatt seinerseits erklärt Nuland, er sei froh, dass sie Jazenjuk da platziert habe, wo dieser am besten in das Szenario passe. („And I'm glad you sort of put him on the spot on where he fits in this scenario.“)[6] Um die Neubesetzung der Regierung voranzutreiben und die Rolle der EU zu unterminieren, habe sie - so Nuland - den stellvertretenden UN-Generalsekretär für politische Angelegenheiten Jeffrey Feltman gebeten, dass der Nahost-Beauftragte Ban Ki-moons, Robert Serry, intervenieren möge: „Ich denke das wäre sehr gut, um zu helfen, die Sache festzumachen und auch, dass die UN dabei helfen, sie festzumachen, und Du weißt schon... Scheiß auf die EU.“ („Fuck the EU“), woraufhin Pyatt erwiderte: „Oh, genau, und ich denke wir müssen etwas machen …“ („Oh, exactly, and I think we've got to do something ...“).[7] Das US-Außenministerium erklärte später, Nuland habe sich bei ihren EU-Kollegen entschuldigt. Auch dürfe der Vorgang nicht überbewertet werden. Nulands Bemerkungen spiegelten nicht wider, was sie tatsächlich über die Beziehungen der USA zur EU denke.[8][9] Der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, deutete an, dass aus Sicht der US-Regierung Russland hinter der Abhöraktion stehe. Das mit russischen Untertiteln versehene Youtube-Video sei von der Regierung in Moskau über den Onlinedienst Twitter verbreitet worden, erklärte Carney, dies „sage etwas über Russlands Rolle aus“.[10]

Am 7. Februar ließ die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verlauten, die Beleidigung der EU sei „absolut nicht akzeptabel“.[11]

In vielen Medien wurde die Äußerung Nulands als höchst peinlich charakterisiert, zumal Nuland auch damit beauftragt ist, die Beziehungen der USA zu europäischen Staaten, die durch den NSA-Skandal beeinträchtigt wurden, wieder zu verbessern.[12] Nuland bezeichnete die gegen sie gerichtete Abhöraktion als eine „ziemlich eindrucksvolle Spionagearbeit“.[13]

Schriften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Victoria Nuland – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cathy Shufro: In Lost in America, a Yale surgeon opens up memories of his father. In: Yale University (englisch).
  2. Judy Siegel-Itzkovich: Writing books on medicine can be therapy. In: The Jerusalem Post, 13. Januar 2007 (englisch).
  3. Salty-tongued Nuland tough cookie, Japan Times vom 9. Februar 2014
  4. Youtube-Video Марионетки Майдана
  5. Transkription des Telefongesprächs
  6. Ukraine crisis: Transcript of leaked Nuland-Pyatt call In: BBC News, 7. Februar 2014.
  7. Alan Cullison, Adam Entous: U.S. Blames Russia for Leaking Profane Call. In: Wall Street Journal, 6. Februar 2014 (englisch).
  8. Ein Ohr hört das andere. In: Südkurier, 10. Februar 2014.
  9. Christoph Sydow: US-Diplomatin entschuldigt sich für "Fuck the EU" In: Spiegel Online, 7. Februar 2014.
  10. Angela Merkel empört über Nulands verbale Entgleisung, Der Tagesspiegel vom 7. Februar 2014
  11. Merkel: Absolut nicht akzeptable Entgleisung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Februar 2014.
  12. Johannes Kuhn: Johannes Kuhn: Malheur mit vier Buchstaben. In: Süddeutsche Zeitung, 7. Februar 2014.
  13. Marc Pitzke: In der Abhörfalle. In: Spiegel Online, 8. Februar 2014.