Vidovdan

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Der Vidovdan (deutsch Sankt-Veits-Tag) ist der Gedenktag des heiligen Vitus oder Veit am 15. Juni. Wenn – wie in Teilen der Ostkirche – der julianische Kalender verwendet wird, entspricht er dem 28. Juni im gregorianischen Kalender.

Ursprünglich war er einer Theorie zufolge der Feiertag des altslawischen Gottes Svantovit (auch interpretiert als Sveti Vid, deutsch etwa der heilige Seher). Er war der oberste Kriegsgott der heidnischen Slawen. Der genannten Theorie zufolge konstruierte die christliche Kirche den heidnischen Feiertag zu ihrem Sankt-Veits-Tag um.

Im Zuge der panslawischen Bewegungen gewann der Sankt-Veits-Tag besondere, nationale Bedeutung als slawischer Vidovdan. Theorien wie die oben genannte entstanden und gaben dem Vidovdan einen altslawischen Charakter. Vom 19. Jahrhundert an wurde an diesem Tag in Bratislava ein Sokolfest veranstaltet, an dem sich alle slawischen Bewohner Österreich-Ungarns zu einer gemeinsamen Kundgebung trafen.

Der Veitstag und Serbien[Bearbeiten]

Besondere Bedeutung hat der Vidovdan als Gedenk- und Feiertag für die Serben. Am Sankt-Veits-Tag, dem 15. Juni 1389, fand die Schlacht auf dem Amselfeld zwischen einem serbischen Heer, mit bosnischer Unterstützung, auf der einen Seite und einem osmanischen Heer auf der anderen statt, bei der beide Heerführer, Knez Lazar Hrebeljanović und Sultan Murad I., umkamen. Als Symbol der Aufopferung für die christlichen Werte und des Kampfes gegen die osmanischen Fremdherrscher ging diese Schlacht in die serbische Geschichte und Mythologie ein. Der Jahrestag der Schlacht wird in Serbien am 15. Junijul./ 28. Junigreg. gefeiert. Die 500-Jahr-Feier im Jahr 1889 fiel in eine Epoche der Nationalisierung des jungen serbischen Staates und gilt als erste große Inszenierung der serbischen Nation. In den Feiertagskalender der serbisch-orthodoxen Kirche wurde der Tag erst 1892 offiziell aufgenommen.[1]

Am 28. Juni 1914 erschoss der bosnische Serbe Gavrilo Princip, der Mitglied der Mlada Bosna war, den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo, was im weiteren Gang der Ereignisse zum Ersten Weltkrieg führte. Nach dem Ende dieses Krieges wurde im Königreich Jugoslawien die Verabschiedung der deshalb so genannten „Vidovdan-Verfassung“ feierlich auf den 28. Juni 1921 gelegt.

Mit Vorbedacht legte die Kominform im Jahr 1948 die Verurteilung der Anführer der kommunistischen Partei Jugoslawiens in einer „Resolution über den Zustand in der KP Jugoslawiens“ auf den 28. Juni. Die Resolution stellte fest, dass die jugoslawische KP durch ihren von Moskau unabhängigen Kurs in den Grundfragen der Außen- und Innenpolitik vom Marxismus-Leninismus abgewichen sei und eine feindselige Politik gegenüber der Sowjetunion führe. Das Datum markiert den endgültigen Bruch zwischen Moskau und Belgrad.[2]

Die bekannte Amselfeld-Rede Slobodan Milošević', die als Vorbote des nahenden Zerfalls Jugoslawiens angesehen wird, wurde am Vidovdan 1989, dem 600. Jahrestag der Schlacht, gehalten. Am Vidovdan 2001 hingegen wurde Slobodan Milošević von den serbischen Behörden an das UN-Kriegsverbrechertribunal im Den Haag ausgeliefert.

Am 28. Juni 2008 errichteten Serben im Nordkosovo, parallel zum kosovarischen, ein eigenes Parlament.[3][4]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Sundhaussen, Holm: Geschichte Serbiens. Wien, Köln, Weimar 2007; S. 189
  2. Carl Gustaf Ströhm, Tito, Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1980, S. 82 f., ISBN 3-404-60028-2.
  3. [1]
  4. [2]