Vielvölkerstaat

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Vielvölkerstaat (oder nach Hannah Arendt Nationalitätenstaat[1]) ist eine Bezeichnung für (zumeist historische) Staaten, die sich über das Siedlungsgebiet beziehungsweise den Kultur- und Sprachraum von mehreren Völkern oder Ethnien (Nationalitäten) erstrecken. Der Vielvölkerstaat ist ethnisch nicht homogen und wird somit im Gegensatz gesehen zum Einvolkstaat oder Nationalstaat, bestehend (vornehmlich) aus einem Volk (Nationalität).

Die Einwohner eines Vielvölkerstaates bilden, auch wenn sie aus verschiedenen Volksgruppen bestehen, über die gemeinsame Staatsbürgerschaft eine Rechtsgemeinschaft.

Der Begriff des Vielvölkerstaates wird in der Regel im Sinne einer illustrierenden Bezeichnung gebraucht, nicht als analytische Kategorie. So gibt es weder einheitliche Kriterien, unter welchen Voraussetzungen von einem Vielvölkerstaat gesprochen werden kann, noch werden damit theoretische Konsequenzen verbunden. Als Epitheton wird der Begriff regelmäßig im Zusammenhang mit Österreich-Ungarn, der Sowjetunion, dem Osmanischen Reich und Jugoslawien sowie in jüngster Zeit für Russland, die VR China und Südafrika gebraucht. Die Schweiz als Muster für den liberalen Nationalitätenstaat[2] verstand sich bisweilen als Modell für einen Mehrvölkerstaat, also für einen Föderalismus über ethnische, sprachliche und religiöse Zugehörigkeiten hinweg, mit der Aufgabe des Austarierens der Mitsprache von Ständen und Bürgern.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Bauer: Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie. 2. Auflage, Wiener Volksbuchhandlung, Wien 1924.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft. 14. Auflage, München 2011, S. 561.
  2. Martin Schwind: Allgemeine Staatengeographie (= Lehrbuch der Allgemeinen Geographie, Bd. 8), Walter de Gruyter, 1972, S. 222.