Vier-Quadranten-Modell des Gehirns

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Das Vier-Quadranten-Modell des Gehirns (HBDI®, engl. Herrmann Brain Dominance Instrument) ist ein Modell zur Denkstilanalyse von Ned Herrmann (1922–1999). Das Modell besagt, dass Menschen unterschiedliche Denkweisen haben, die sich im Laufe des Lebens aus den Genen der Eltern und durch die Sozialisation beim Heranwachsen ausgebildet haben. Auf der Grundlages dieses Modells kann man – völlig wertfrei – durch eine Selbstanalyse mit Hilfe eines Fragebogens erkennen, welche Denkstile man bevorzugt, nutzt oder eher vermeidet. Die Anwendungen sind vielfältig: Ausbildungs- und Berufswahl, Selbststeuerung, Lernstilanalyse, Konfliktbearbeitung, Zusammenstellung von Teams usw.

Grundlagen und geschichtlicher Hintergrund[Bearbeiten]

Das HBDI® basiert auf den als Dreieiniges Gehirn („Triune Brain“) bekannten Erkenntnissen von Paul D. MacLean und der Hemisphärentheorie von Roger Sperry.

Roger Sperry entdeckte bei seinen Forschungen die duale Spezialisierung des Gehirns und erhielt für seine Forschungen über die unterschiedliche Arbeitsweise der beiden Großhirnhemisphären 1981 den Nobelpreis. Unterschiedliche Arten zu denken und damit auch wahrzunehmen, zu artikulieren und zu kommunizieren haben in unterschiedlichen Teilen unseres Gehirns ihren Ausgangspunkt. Die linke Hälfte des Großhirns (linke Hemisphäre) ist für die Mehrzahl aller Menschen führend für Sprache, logisches Denken und kritische Vernunft. Hier arbeiten wir eher Schritt für Schritt, analysieren und können mit Zahlen und Begriffen umgehen. Die rechte Gehirnhälfte übernimmt die Führung, wenn es darum geht, mit Mustern, Bildern, Visionen und nonverbalen Ideen umzugehen. Emotionen, die aus dem limbischen System kommend das Großhirn erreichen, werden eher in der rechten Gehirnhälfte verarbeitet, dort können wir Musik empfinden, und unser Unterbewusstsein scheint sich ebenfalls eher der rechten Gehirnhälfte zu bedienen. Zwei- bis dreihundert Millionen Nervenfasern verbinden über den sogenannten Balken (Corpus Callosum) die beiden Hemisphären und sorgen für eine sehr schnelle Verknüpfung aller Informationen. Das bedeutet, dass wir das Zusammenspiel der unterschiedlichen Denk- und Verhaltenspräferenzen nicht als getrennte Prozesse empfinden. Man könnte sich zwei Partner vorstellen, die sich die jeweiligen Aufgaben zuspielen, für die sie besser geeignet sind.

Eine weitere wesentliche Theorie über die Arbeitsweise unseres Gehirns stellte Paul D. MacLean mit seinem Triune Brain auf: Neocortex, limbisches System (MacLean führte den Begriff »limbisch« ein) und Reptiliengehirn (Stammhirn) bilden eine entwicklungs-geschichtlich gewachsene »Dreieinigkeit«.

Auf der Grundlage von Erkenntnissen der Wissenschaft und seiner praktischen Tätigkeit entwickelte Ned Herrmann sein metaphorisches Modell der Hirndominanzen. Er geht bei der Differenzierung noch einen Schritt weiter, indem er die Hemisphären wiederum in jeweils eine obere (cerebrale) und untere (limbische) Ebene unterteilt.

Das limbische System sitzt im Zentrum des Gehirns. Es ist im Wesentlichen verantwortlich für unsere Gefühle, unser Verhalten und unser Gedächtnis. Es bestimmt unser affektives und zwischenmenschliches Verhalten. Die Wahrnehmung im oberen Modus bedeutet eine gedankliche, die im unteren Modus eine gefühlsmäßige Verarbeitung der Informationen.

Herrmann hat diese Zusammenhänge in seinem Diagramm mit vier Quadranten metaphorisch dargestellt.

Vier-Quadranten-Modell des Gehirns von Ned Herrmann[Bearbeiten]

Das HBDI® basiert nicht auf der Lokalisationstheorie; es benutzt die Gehirnarchitektur lediglich als Metapher. Metaphorisch bedeutet in diesem Sinne, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Denkpräferenzen einerseits und biologischen Gehirnfunktionen andererseits nicht beabsichtigt ist und nicht hergestellt wird.

Das HBDI® kommt damit zu einer Darstellung unserer Denkstile in Form von vier Quadranten A (blau), B (grün), C (rot) und D (gelb) bzw. 4 Modi (links, rechts, cerebral und limbisch).

Jeder Mensch weist eine Kombination dieser vier verschiedenen Ichs auf - des rationalen (A), des sicherheitsbedürftigen (B), des fühlenden (C) und des experimentellen Ichs (D). Je nach Individuum sind die unterschiedlichen Ichs dabei verschieden stark ausgeprägt.

Bei den hier beschriebenen theoretischen Ich-Konzepten handelt es sich jeweils um Prototypen: Das rationale Ich (A) liebt beispielsweise Zahlen und Fakten, geht logisch vor oder ist analytisch. Das sicherheitsbedürftige Ich (B) ist zuverlässig und pünktlich und geht strukturiert vor. Das fühlende Ich (C) ist emotional, hilfsbereit und expressiv, während das experimentelle Ich (D) sich schließlich durch Eigenschaften wie Kreativität, Risikofreude und Intuition auszeichnet.

Fragebogen[Bearbeiten]

Ned Herrmann hat einen auf seiner Theorie aufbauenden Fragebogen entworfen, mit dem man die Dominanz der Quadranten analysieren kann. Der Fragebogen wird Herrmann Brain Dominance Instrument (HBDI®) genannt und namensrechtlich geschützt. Nach seinem Ausscheiden bei General Electric gründete Herrmann die Applied Creative Services Ltd. in Lake Lure, NC, USA, die sich auf den Vertrieb des Fragebogen und das Consulting spezialisiert hat. Es existieren auch andere, ebenfalls namensrechtlich geschützte Bezeichnungen, in Deutschland z. B. unter dem Namen Herrmann Dominanz Instrument (HDI, bzw. H.D.I). Wissenschaftliche Validierungsstudien von verschiedenen Instituten wurden zum HBDI® durchgeführt und bestätigen dessen Validität.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ned Herrmann: Creative Brain, Brain Books 1989, ISBN 978-0944850015
  • Ned Herrmann: The Whole Brain Business Book: Harnessing the Power of the Whole Brain Organization and the Whole Brain Individual, Mcgraw-Hill Professional 1996, ISBN 978-0070284623
  • Ned Herrmann: Kreativität und Kompetenz. Das einmalige Gehirn. Mit dem Originalfragebogen, Henrich 1991, ISBN 978-3894590086

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Victor Bunderson, The Validity of the Herrmann Brain Dominance Instrument, WICAT Education Institute