Vier Minuten

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Filmdaten
Originaltitel Vier Minuten
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2006
Länge 111 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Chris Kraus
Drehbuch Chris Kraus
Produktion Alexandra Kordes
Meike Kordes
Musik Annette Focks
Kamera Judith Kaufmann
Schnitt Uta Schmidt
Besetzung

Vier Minuten (2006) ist ein Spielfilm des deutschen Regisseurs und Produzenten Chris Kraus mit Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung in den Hauptrollen.

Handlung[Bearbeiten]

Seit über 60 Jahren gibt die von der Geschichte betrogene Pianistin Traude Krüger Klavierunterricht im Frauengefängnis Luckau. Dort trifft sie auf die 20-jährige Jenny, wegen Mordes verurteilt, verschlossen, unberechenbar, aggressiv und musikalisch hochbegabt. Traude bietet Jenny an, sie als Schülerin aufzunehmen, unter der Bedingung, dass sie als Nachwuchspianistin am Wettbewerb Jugend musiziert teilnimmt. Jenny zeigt wenig Interesse an dem Wettbewerb, akzeptiert aber die Bedingung. Stück für Stück erfährt man die Lebensgeschichten der beiden Frauen – die der von Gewalt traumatisierten Jenny aus Gesprächen und die der von Verlust und Schuldgefühlen geplagten Traude durch ausschnitthafte Rückblenden in ihre Jugend am Ende des Zweiten Weltkrieges. Trotz vieler Hürden und Rückschläge nähern sich die beiden Frauen langsam einander an. Jenny erreicht das Finale des Wettbewerbs. Die Schlussszene zeigt Jennys Auftritt im Wettbewerb, der die titelgebenden vier Minuten dauert.

Produktion[Bearbeiten]

Chris Kraus hat acht Jahre am Drehbuch gearbeitet. Die Hauptfigur ist inspiriert von einer Frau, die Chris Kraus in seiner Jugend kannte. Er beschreibt sie als „eine alte Dame, streng, preußisch, unvorstellbar hemdsärmelig“.[1] Der Film zeigt die Widmung „Für Gertrud Krüger (1917–2004)“.

Das Budget des Films betrug 1,4 Millionen Euro.[2] Beim Casting behauptete die 25-jährige Schauspielerin Hannah Herzsprung wahrheitswidrig, gut Klavier spielen zu können. Sie begann daraufhin sofort, Klavierspielen zu lernen. Die Aufnahmen ihrer Hände beim Spielen wurden trotzdem teilweise gedoubelt.[3] Monica Bleibtreu trug eine Alterungsmaske aus Latexgummi und dicke Brillengläser. Chris Kraus entdeckte die Komponistin Annette Focks und deren Interpretation von Schumanns Konzert in a-moll für Pianoforte mit Begleitung des Orchesters für die entscheidende Schlussszene erst drei Wochen vor Drehbeginn.

Das im Film als Deutsche Oper Berlin bezeichnete Opernhaus ist in Wirklichkeit die Württembergische Staatsoper in Stuttgart (Außenszene) und das Oldenburgische Staatstheater (innen). Das Gefängnis befindet sich im brandenburgischen Luckau.

Rezeption[Bearbeiten]

Der Film war bereits Ende 2005 fertiggestellt, wurde jedoch zunächst weder von der Berlinale noch von Verleihern angenommen, bis er 2006 auf dem Internationalen Filmfestival Shanghai gezeigt und als bester Film ausgezeichnet wurde. Erst danach wurde Vier Minuten auch in Deutschland zum Erfolg.[4] Nach dem Kinostart am 1. Februar 2007 wurden hier bis Ende 2008 etwa 485.000 Zuschauer erreicht. Der Film hatte weltweit in mehr als zwanzig Ländern Kinostarts und erzielte in Europa insgesamt über eine Million Zuschauer[5] sowie weltweite Kinoeinnahmen in Höhe von über neun Millionen US-Dollar.[6] Besonders erfolgreich lief er dabei in Italien und Frankreich mit jeweils über 160.000 sowie in Spanien mit über 144.000 Kinobesuchern.[5]

Kritiken[Bearbeiten]

„Vitales Drama um die Entwicklung von Menschen, die lernen, sich nach alten Verwundungen aus ihrer inneren Verkapselung zu befreien. Dank der brillanten Hauptdarstellerinnen sowie der furiosen visuellen Gestaltung ein herausragender Film von fast physischer Intensität.“

Lexikon des Internationalen Films[7]

„Im Duo gleichen Hannah Herzsprung und Monica Bleibtreu manche Unebenheit des Drehbuchs durch ihr nuancenreiches Spiel aus und entwickeln eine im deutschen Kino rare emotionale Intensität.“

Barbara Schweizerhof: taz[8]

„Was auf den ersten Blick so deutsch-autorenfilm-unchic aussieht, erweist sich als ein atemberaubendes Tauziehen zweier nahezu tödlich verletzter Seelen, wie wir es lange nicht gesehen haben.“

Hanns-Georg Rodek: Die Welt[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film gewann insgesamt 46 internationale Auszeichnungen.[9]

2004

2006

2007

  • New Faces Award
    • Beste Nachwuchsdarstellerin (Hannah Herzsprung)
  • Deutscher Filmpreis
    • Filmpreis in Gold als bester Spielfilm
    • Beste darstellerische Leistung – weibliche Hauptrolle (Monica Bleibtreu)
  • Undine Award
    • Beste jugendliche Hauptdarstellerin in einem Kinospielfilm (Hannah Herzsprung)
  • Hamptons International Film Festival
    • Rising Star Award (Hannah Herzsprung)
    • Publikumspreis
  • Sofia International Film Festival
    • Beste Regie (Chris Kraus)
  • Deutscher Kamerapreis
    • Bester Schnitt (Uta Schmidt)

2008

  • Shooting Star 2008 (Hannah Herzsprung)
  • Rencontres Cinématographiques de Cannes
    • Publikumspreis
  • Festival international Musique et Cinéma in Auxerre
    • Beste Darstellerin (Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anmerkungen des Regisseurs, Offizielle Website
  2. News-ArchivJanuarJahr 2007. Auf: jasmin-tabatabai.com, abgerufen am 13. Februar 2008
  3. „Ich habe mir meine eigenen Noten gemalt“ Interview mit Hannah Herzsprung, Spiegel Online, 5. Februar 2007
  4. a b Große Berg- und Talfahrt in „Vier Minuten“, Die Welt, 31. Januar 2007
  5. a b Vier Minuten in der Lumiere Datenbank über Filmbesucherzahlen in Europa, abgerufen am 7. März 2013.
  6. Vier Minuten bei Box Office Mojo, abgerufen am 7. März 2013.
  7. Vier Minuten im Lexikon des Internationalen Films
  8. Duell am Klavier, taz, 1. Februar 2007
  9. Auszeichnungen laut Offizieller Website