Vierter Weg

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Der Vierte Weg bezeichnet ein von Georges I. Gurdjieff (1872–1949) begründetes spirituelles System zur inneren Evolution des Menschen in seinem täglichen Leben. Ein wesentliches Symbol für diesen transformatorischen Prozess ist das Enneagramm.

Lehrer und Lehre[Bearbeiten]

Der Begründer Gurdjieff spricht von einem Vierten Weg als Synthese und Weiterentwicklung der drei traditionellen Wege des Mönchs, des Yogis und des Fakirs. Der Vierte Weg führt laut Gurdjieff zu einer ganzheitlichen Entwicklung des Menschen zu seinem vollständigen Potential bzw. zur harmonischen Evolution aller Teile oder Zentren, die den Menschen ausmachen: des Denkens, des Fühlens und der Bewegungen des Körpers.

Nach Gurdjieff verläuft der Vierte Weg im Leben - nicht etwa hinter Klostermauern oder im fernen Himalaya - und in 3 Linien unter der notwendigen Führung eines erfahrenen Lehrers:

  • der bewussten Auseinandersetzung mit sich selbst
  • der gemeinsamen Arbeit und des bewussten Austausches mit Gleichgesinnten
  • der Arbeit für die Schule bzw. die Lehre

Wesentliche Elemente dieser Arbeit sind:

  • die beständige Übung der inneren Achtsamkeit (Sich seiner selbst erinnern)
  • die Nicht-Identifikation, z.B. mit Vorlieben und Abneigungen (Bewusstes Leiden)
  • das gemeinsame Studium und die Verifikation (ganzheitliche Erfahrung) universaler Gesetzmässigkeiten, wie sie im Enneagramm und im sogenannten Schöpfungsstrahl von Gurdjieff dargestellt wurden

Neben vielen unbekannten Quellen enthält Gurdjieffs System Elemente des Sufismus (islamische Mystik), gewisser buddhistischer und hinduistischer Traditionen sowie angeblich essenisch-christlicher Mystik. Es gibt auch Anhaltspunkte für einen nicht unbedeutenden pythagoräischen Einfluss. Dies wird deutlich in den mathematisch-systemischen und musikalischen Lehren Gurdjieffs, wie z.B. im Gesetz der Oktave. Sehr wichtig sind daneben die zusammen mit Thomas de Hartmann erfassten und von Herbert Henck eingespielten Klavierstücke. Darunter das kürzeste mit dem Titel Melody for the Enneagramm.

Sein bekanntester Schüler P. D. Ouspensky dokumentierte und publizierte die ersten Vorträge Gurdjieffs aus den Jahren 1915 bis 1917 in Sankt Petersburg. Später kam es allerdings zum Bruch zwischen ihm und Gurdjieff, so dass sich von da an zwei Grundströmungen in der heute weitverzweigten Anhängerschaft des Vierten Weges etablierten:

Ouspensky ging nach London und gründete dort (und später auch in Amerika) eigene Gruppen, während Gurdjieff in der Nähe von Paris das „Institut für die harmonische Entwicklung des Menschen“ eröffnete. Nach Gurdjieffs Tod 1949 führte dessen enge Schülerin Jeanne de Salzmann die Arbeit mit der Gründung verschiedener internationaler Gurdjieff-Foundations weiter.

Heutige Situation[Bearbeiten]

Heute haben sich weltweit zahlreiche „Schulen“ und Gruppierungen etabliert, die sich auf den „Vierten Weg“ bzw. Gurdjieff oder Ouspensky berufen. Davon ist die von Jeanne de Salzmann gegründeten Gurdjieff-Foundations die größte. In Nordamerika schätzt man zwischen 5.000 und 15.000 Anhänger, verlässliche Zahlen sind aber nicht bekannt.

Kritik[Bearbeiten]

Der Vierte Weg wird heutzutage durch manche „Schulen“ und Gruppierungen nachhaltig diskreditiert, indem sie ihn zwar im Namen führen oder sich auf ihn berufen, in Wirklichkeit aber in erster Linie einen Personenkult um einen selbsternannten und oft erkennbar am eigenen Profit orientierten „Lehrer“ und dessen fragwürdige, oft manipulative Methoden darstellen. So besitzt das System des Vierten Weges offenbar auch ein sehr gefährliches Potential, wenn es in die falschen Hände gerät. Gurdjieff selbst betonte dies wiederholt und warnte zudem vor Gruppen, welche seinen Ideen und Lehren tatsächlich zu folgen glauben, sich jedoch nur mit Teilaspekten der Lehre beschäftigen und so zu falschen und dadurch negativen Resultaten kommen.

Andererseits müssen die Ideen von Gurdjieff und Ouspensky gelebt und weiterentwickelt werden, wenn sie nicht in Stagnation verfallen sollen. Aus diesem Grund misst der Vierte Weg dem gesunden, weil kritischen Menschenverstand besondere Bedeutung zu und fordert von jedem, die Qualität der Schule zu prüfen und die Resultate der Arbeit an sich selbst zu verifizieren.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Beelzebubs Erzählungen für seinen Enkel (1950)
  • Begegnungen mit bemerkenswerten Menschen (1963)
  • Aus der wirklichen Welt (Views from the Real World, 1973)
  • Das Leben ist nur wirklich, wenn „ich bin“ (1974)
  • The Herald of Coming Good (1988)

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • P. D. Ouspensky: In Search of the Miraculous (1949, dt.: Auf der Suche nach dem Wunderbaren).
  • P. D. Ouspensky: The Psychology of Man's Possible Evolution (1978).
  • P. D. Ouspensky: Der Vierte Weg.
  • Maurice Nicoll: Psychological Commentaries on the Teachings of Gurdjieff and Ouspensky (1980, 6 Bände).

Weblinks[Bearbeiten]