Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau

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Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau (Begriffsklärung) aufgeführt.

Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau ist eine Novelle von Stefan Zweig aus dem Jahr 1927.[1]

Rahmen[Bearbeiten]

Der Erzähler wohnt in einer kleinen Pension an der Riviera in der Nähe von Monte Carlo. Einem Gast, Vater von zwei halbwüchsigen Töchtern, brennt die Frau mit einem jungen Mann durch. Die unerhörte Begebenheit wird unter den Gästen der Pension kontrovers diskutiert. Mrs C., eine bejahrte schottische Dame, kommt mit dem Erzähler ins Gespräch, sie vertraut ihm und erzählt ihm unter vier Augen eine ungewöhnliche und unvergessliche Begebenheit ihres Lebens.

Handlung[Bearbeiten]

Mrs. C. will sich die Erlebnisse eines Tages von der Seele reden, der 25 Jahre zurückliegt. Damals war die begüterte Frau im zweiten Jahr verwitwet. Die beiden Söhne gingen inzwischen eigene Wege; brauchten und wollten ihren Beistand nicht mehr.

An einem Tag im März begegnet Mrs. C. in dem Kasino von Monte Carlo ihrer neuen Liebe. Ein etwa 24-jähriger angehender österreichischer Diplomat mit polnischen adeligen Wurzeln, zurzeit in Nizza lebend, spielt und verliert. Mrs. C., die achtzehn Jahre Ältere, will den Verlierer vor dem Suizid bewahren. Der junge Mann, der nur noch einen Revolver und vier Patronen besitzt, hält die Dame für eine Kokotte und zerrt sie in das schäbige Hotel, in der er sich nach ihrem Willen ausschlafen soll.

Als Mrs. C. am Morgen aufwacht, liegt sie neben dem halbbekleideten jungen Polen. Mrs. C. begibt sich in ihr Hotel, legt das Trauerkleid ab und besorgt Bargeld. Denn der Pole hat seine Tante um Wertsachen erleichtert, diese veräußert und das Bare verspielt. Nach dem Willen der Mrs. C. soll der Spieler die Wertgegenstände zurückkaufen und der Tante zurückgeben. Der Pole verspricht es hoch und heilig. Sobald der Wahnwitzige aber frisches Geld hat, vergisst er sein Versprechen, verspielt wiederum alles, will nichts mehr von Mrs. C. wissen, weil sie ihm nur Unglück bringe und erschießt sich. Mrs. C. hatte den jungen Mann über alle Maßen geliebt. Sie wäre ihm sonstwohin gefolgt – ebenso wie die treulose Frau des Fabrikanten ihrem jungen Liebhaber aus der kleinen Pension nachgelaufen ist. Liebe zu einem viel jüngeren Mann hatte die über ein Jahr trauernde Mrs. C. zu einer neuen Frau gemacht, die ihr Streben so verstand: „Alles tun, nur ihn nicht lassen!“[2]

Zur Interpretation[Bearbeiten]

Zweigs Erzählung hat manche Ähnlichkeit mit dem Roman 24 Stunden im Leben einer empfindsamen Frau (1824)[3] von Constance zu Salm-Reifferscheidt-Dyck. Zunächst ist es der Titel, aber auch die Situation der Frau: Der von ihr Geliebte ist einer stärkeren Liebe gefolgt. Vor allem aber spielt sich das Geschehen wesentlich im Inneren der Frau ab.

Zweigs Hauptgestalt ist von der Gewalt der Gefühle des Mannes fasziniert, die er mehr als jeder andere Mensch, den sie kennt, nach außen dringen lässt. Als sie das Gefühl hat, dass er sich aufgegeben hat, findet sie einen Sinn ihres Lebens darin, sein Leben zu retten. Zunächst will sie ihn am Selbstmord hindern. Als sie den vollen Hintergrund seiner Spielleidenschaft erfahren hat, versucht sie, ihn davon zu heilen.[4]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Die Erzählung wurde unter anderem 1931 von Robert Land mit Henny Porten und Walter Rilla (Titel: 24 Stunden aus dem Leben einer Frau), 1953 als "Affair in Monte Carlo" mit Merle Oberon und Richard Todd in den Hauptrollen, 1967 von Dominique Delouche mit Danielle Darrieux und zuletzt 2002 von Laurent Bouhnik mit Agnès Jaoui und Michel Serrault verfilmt.

1961 gab es eine US-Fernsehfassung unter der Regie von Silvio Narizzano mit Ingrid Bergman und Rip Torn.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Stefan Zweig: Verwirrung der Gefühle. Drei Novellen. (Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau. Untergang eines Herzens. Verwirrung der Gefühle). Leipzig Insel-Verlag 1927.
  • Stefan Zweig: Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau. In: Novellen. Bd. 2, S. 319-394. Aufbau-Verlag, Berlin 1986.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gabriella Rovagnati: „Umwege auf dem Wege zu mir selbst". Zu Leben und Werk Stefan Zweigs. Bouvier Verlag, Bonn 1998. (Abhandlungen zu Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft. 400.) ISBN 3-416-02780-9

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verwendete Ausgabe, S. 531
  2. Verwendete Ausgabe, S. 380, 9. Z.v.u.
  3. Constance de Salm: "24 Stunden im Leben einer empfindsamen Frau", Hoffmann und Campe-Verlag, Hamburg 2008, 128 Seiten (Rezension)
  4. Weitere Interpretationsansätze: "Eine Schwäche der Fabel ist ihre Vorhersehbarkeit. Als der junge Pole von Mrs. C. kein Bargeld (Verwendete Ausgabe, S.377,2) annehmen will, ist dem Leser das schlimme Ende klar. Mit Geld in den Händen wird der Hasardeur wiederum in den Spielsaal eilen und verlieren. Glaubhaft hingegen ist die Liebesgeschichte der Mrs. C. - ihre „entsetzliche Begegnung“ (Verwendete Ausgabe,S. 391,11) - vorgetragen. Der Leser nimmt der Schottin die Beteuerung ab: Sie hat nicht mit dem Jungen geschlafen, sondern nur eine Nacht lang neben ihm gelegen. Als treuherzig empfindet der Leser manches Geständnis der Mrs. C. - zum Beispiel die Enttäuschung, wenn sie bedauert, dass der Pole sie „einzig als eine Heilige verehrte... und nicht... als eine Frau.“ (Verwendete Ausgabe, S. 378, 5. Z.v.u.) Manche Wendung Stefan Zweigs wirkt im 21. Jahrhundert verkitscht: „Glanz von Rührung durchfeuchtete seinen Blick;...“ (Verwendete Ausgabe, S. 377, 11. Z.v.u.)<Hedwig Storch>