Vietnamkrieg

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Vietnamkrieg
VietnamMural.jpg
Datum 1955 bis 1. Mai 1975 (vollständige Einnahme Saigons)
Ort Vietnam
Ausgang Eroberung Südvietnams durch Nordvietnam
Konfliktparteien
FNL Flag.svg Nationale Front für die Befreiung Südvietnams (NLF)

Vietnam Nord 1955Nordvietnam Nordvietnam

Unterstützt von:
China VolksrepublikVolksrepublik China VR China
Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion

Vietnam SudSüdvietnam Südvietnam

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Unterstützt von:
Korea SudSüdkorea Südkorea
ThailandThailand Thailand
AustralienAustralien Australien
Philippinen 1919Philippinen Philippinen
NeuseelandNeuseeland Neuseeland
China RepublikRepublik China Republik China

Truppenstärke
Nordvietnam (PAVN) und NLF 300.000
VR China 170.000 (1969); keine Kampftruppen
Sowjetunion 3.000; keine Kampftruppen
Südvietnam 1.048.000
USA 543.400 (1/1969)
Südkorea 50.003
Thailand 11.568
Australien 7.672
Philippinen 2.061
Neuseeland 552 (Maximalzahlen)
Verluste
Nordvietnam (PAVN) und NLF 1,1 Mio. Südvietnam (ARVN) 225.000,
USA 58.220,
Südkorea 4407,
Australien 423,
Thailand 351,
Neuseeland 83
Gesamtverluste: 2–5,1 Mio. Vietnamesen, davon 1,3 Mio. Soldaten; 63.500 Soldaten anderer Staaten.

Der Vietnamkrieg (englisch Vietnam War, vietnamesisch Chiến tranh Việt Nam; seltener auch Chiến tranh Mỹ „Amerikanischer Krieg“) wurde von etwa 1955 bis 1975 in und um Vietnam geführt. Weil er an den Indochinakrieg (1946–1954) anschloss und sich auf ganz Indochina erstreckte, wird er auch Zweiter Indochinakrieg genannt. Wegen der direkt und indirekt beteiligten Supermächte gilt er als Stellvertreterkrieg im Kontext des Kalten Krieges.

Er begann nach Vietnams Teilung (1954) als Bürgerkrieg in Südvietnam (1955–1964). Dabei wollten die Viet Minh, aus denen 1960 die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams (englisch National Liberation Front, abgekürzt NLF; „Vietcong“) hervorging, die antikommunistische Regierung Südvietnams stürzen und das Land wiedervereinigen. Das kommunistisch regierte Nordvietnam unterstützte die NLF, die USA unterstützten Südvietnam militärisch. Ab Februar 1965 ließ US-Präsident Lyndon B. Johnson Nordvietnam bombardieren und entsandte ab März immer mehr US-Bodentruppen nach Südvietnam, die dort die NLF bekämpften. Daraufhin unterstützten die Sowjetunion und die Volksrepublik China Nordvietnam, sechs Staaten unterstützten die USA und Südvietnam militärisch. Ab 1964 griffen die Kämpfe auf Laos, ab 1970 auf Kambodscha über. Nach der Tet-Offensive der NLF stellte Johnson bis November 1968 die Bombardierungen ein. Sein Nachfolger Richard Nixon zog die US-Truppen ab 1969 schrittweise aus Südvietnam ab und schloss nach neuen Bombardierungen im Januar 1973 einen Waffenstillstand mit Nordvietnam. Bis zum 1. Mai 1975 eroberten nordvietnamesische Truppen Südvietnam vollständig und beendeten den Krieg.

In ihm starben ab 1955 bzw. 1965 zwischen zwei und über fünf Millionen Vietnamesen, darunter über 1,3 Millionen vietnamesische Soldaten, sowie 58.220 US-Soldaten und 5.264 Soldaten ihrer Verbündeten. Mehrere Millionen Vietnamesen wurden verstümmelt und dem hochgiftigen Entlaubungsmittel Agent Orange ausgesetzt.

Vorgeschichte

Indochinakrieg

Hauptartikel: Indochinakrieg und Geschichte Vietnams

Der vietnamesische Nationalist Hồ Chí Minh hatte 1919 bei der Friedenskonferenz von Versailles gemäß den Prinzipien des 14-Punkte-Programms von US-Präsident Woodrow Wilson ein unabhängiges, geeintes und demokratisches Vietnam vorgeschlagen. Wilson hatte dies abgelehnt. Ho wurde 1920 Anhänger der Imperialismustheorie Lenins, wonach der Kapitalismus in ein weltweites Endstadium getreten und seine Herrschaft durch Volksaufstände in industriell unterentwickelten Ländern am ehesten zu brechen und langfristig zu überwinden sei. Ho wollte diese Theorie in Vietnam unabhängig von sowjetischer oder chinesischer Dominanz verwirklichen.[1]

Hồ Chí Minh (1946)

Seit 1858 stand Vietnam unter französischer Kolonialherrschaft. Im Juni 1940 besiegte das nationalsozialistisch regierte Deutschland Frankreich im Westfeldzug. Ab Juli 1940 unterstand Vietnam während des Zweiten Weltkrieges dem vom NS-Regime geduldeten französischen Vichy-Regime. Dieses gestattete dem mit NS-Deutschland verbündeten Kaiserreich Japan ab Juli 1940, Vietnam mit japanischen Truppen zu besetzen. Gegen diese Doppelherrschaft bildete Ho Chi Minh 1941 eine Koalition antikolonialistischer, nationalistischer und kommunistischer Gruppen, die Vietminh. Sie kämpften mit zunächst etwa 5000 Mann gegen die Besatzer und für Vietnams Unabhängigkeit. Seit März 1945 unterstützten die USA die Vietminh militärisch und logistisch. Diese nutzten die Kapitulation Japans am 15. August 1945 zur Augustrevolution. Danach ließen sie konkurrierende Nationalisten, Trotzkisten, Anhänger oder Partner von Franzosen und religiösen Sekten als „Vaterlandsverräter“ verhaften, vielfach foltern und durch „Tötungskomitees“ ermorden. Am 2. September 1945 rief Ho die unabhängige Demokratische Republik Vietnam (DRV) aus und wurde ihr Präsident.

Unter Charles de Gaulle wollte Frankreich seine früheren Kolonien in Indochina wiedererlangen, besetzte bis Ende 1945 Südvietnam und vereinbarte mit Ho im März 1946 eine auf fünf Jahre befristete Übergangsregelung.[2] Der französische Angriff auf Hải Phòng (November 1946) löste den als antikolonialen Guerillakrieg geführten Indochinakrieg der Vietminh gegen Frankreich aus.[3] Um weitere Finanzhilfen der USA für seine Kolonialtruppen zu erhalten, förderte Frankreich einen antikommunistischen Nationalismus in Vietnam. Dazu vereinbarte es 1949 mit dem früheren Kaiser Bảo Đại einen unabhängigen, geeinten „Staat von Vietnam“ (SOV) im Rahmen der überseeischen Union Française, bestimmte ihn zum Staatsoberhaupt und verpflichtete sich zum Aufbau einer nationalen Armee und Staatsverwaltung. Als Bao Dai erkannte, dass er einflussloser Repräsentant eines von Frankreich kontrollierten Marionettenstaates sein sollte, verließ er Saigon und blieb in Frankreich.[4]

Während des Indochinakrieges leitete die kommunistische Partei Vietnams eine Agrarreform nach chinesischem Vorbild ein, bei der bis zu 50.000 Bauern und Vietminh der älteren Generation, die man als von den französischen Kolonialherren korrumpiert ansah, ermordet wurden.[5]

Nach der Niederlage der französischen Truppen in der Schlacht von Điện Biên Phủ vereinbarten Kriegsgegner und beteiligte Großmächte auf der Indochinakonferenz in Genf (8. Mai–21. Juli 1954) einen sofortigen Waffenstillstand, den beidseitigen Truppenrückzug, eine entmilitarisierte Pufferzone entlang des 17. Breitengrades und landesweite, international beaufsichtigte demokratische Wahlen der künftigen Regierung für 1956. Kambodscha, Laos und beide Teile Vietnams sollten unabhängig werden und keinem Militärbündnis angehören. Die Sowjetunion und die Volksrepublik China folgten damit den Forderungen der USA, um deren weiteres Engagement in Indochina zu verhindern. Mit ihnen, Frankreich und Großbritannien unterzeichneten die Vietminh das Abkommen, da sie mit Hos Wahlsieg rechneten. Die USA und Bao Dai lehnten es trotz dieses Entgegenkommens ab, um keine Vereinigung ganz Vietnams unter kommunistischer Herrschaft zu begünstigen. Die USA verpflichteten sich aber, die Beschlüsse nicht mit Drohungen und Gewalt zu verändern.[6] Die französischen Kolonialtruppen zogen sich bis Oktober 1954 nach Südvietnam zurück und überließen Hanoi den Vietminh. Von 100.000 südvietnamesischen Vietminh zogen etwa 90.000 nach Nordvietnam um, die übrigen blieben als Kader Hos für die Wahlen von 1956 in Südvietnam.[7]

Indochinapolitik der Großmächte

Die Sowjetunion unter Josef Stalin blieb nach dem Zweiten Weltkrieg an guten Beziehungen zu ihrem Kriegsalliierten Frankreich interessiert und unterstützte Hos Unabhängigkeitsstreben offiziell daher nicht, trug aber mit Waffenlieferungen zum Sieg der Vietminh im Indochinakrieg bei. Bei der Indochinakonferenz zwang der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow die Vietminh jedoch, dem Rückzug aus Südvietnam zuzustimmen. Bis 1950 erkannte die Sowjetunion die DRV nicht an.[8]

Die 1949 gegründete Volksrepublik China hatte den Unabhängigkeitskampf der Vietminh mit im eigenen Bürgerkrieg erbeuteten Waffen und Trainingslagern entlang der Grenze zu Nordvietnam unterstützt und die DRV 1950 anerkannt. Sie befürwortete auf der Indochinakonferenz jedoch die befristete Teilung des Landes und eine Zweijahresfrist bis zu nationalen Wahlen.[9]

Die USA hatten Ho bis zur Kapitulation Japans (2. September 1945) als Alliierten behandelt. Das Office of Strategic Services half den Vietminh auch danach weiter.[10] US-Präsident Franklin D. Roosevelt unterstützte das Selbstbestimmungsrecht der Völker und wollte Indochina von europäischer Kolonialherrschaft und japanischer Besatzung befreien, es dazu unter internationale Treuhänderschaft stellen und China daran beteiligen. Nachdem de Gaulle im Oktober 1944 die Provisorische Regierung der Französischen Republik leitete und Japan die noch dem Vichy-Regime unterstellten französischen Kolonialtruppen in Indochina am 9. März 1945 entmachtet hatte, drängten die europäischen Alliierten Roosevelt, Frankreich am Kampf gegen Japan zu beteiligen. Ob er seinen Treuhänderplan vor seinem Tod am 12. April 1945 fallen ließ und Frankreich eine Rekolonisierung Indochinas erlaubte, ist umstritten.[11]

Sein Nachfolger Harry S. Truman kannte Roosevelts Nachkriegspläne kaum und ließ Indochinas Dekolonisierung fallen. Im Mai 1945 erkannte er Frankreichs Souveränität über Indochina an. Auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 vereinbarte er mit den übrigen Alliierten die Teilung Vietnams und Ausdehnung des South East Asia Command (SEAC: das alliierte Truppenkommando in Südostasien) bis zum 16. Breitengrad. Nationalchina unter Chiang Kai-shek besetzte den nördlichen, Großbritannien und Frankreich besetzten bis September 1945 den südlichen Teil Vietnams mit Saigon.[12] Die US-Marine half ihnen beim Transport neuer Truppen von Europa nach Südvietnam.[13]

Seit 1947 verfolgte Truman die Eindämmungspolitik (englisch containment policy), die das Ziel hatte, die kommunistische Expansion weltweit mit allen verfügbaren Mitteln einzudämmen. Nach Mao Zedongs Sieg gegen die Nationalchinesen 1949 warf Joseph McCarthy Truman vor, Chinas „Verlust“ an die Kommunisten verschuldet zu haben. Auch wegen dieses innenpolitischen Drucks wollte Truman den Vormarsch der Vietminh aufhalten. Darum unterstützte er seit Februar 1950 (Sicherheitsmemorandum 142) militärisch Bao Dais Marionettenregime und somit Frankreichs Kolonialherrschaft.[14] Dabei verfolgten die USA auch ökonomische Interessen: Der Markt Indochina und Vietnams Exportprodukte Zinn, Gummi und Reis sollten für antikommunistische Staaten Südostasiens, darunter das besiegte Japan, verfügbar bleiben.[15]

Zu Beginn des Koreakrieges im Juni 1950 entsandte Truman gleichzeitig US-Militär nach Südkorea und Indochina, um die Volksrepublik China zu schwächen und Frankreich für den Aufbau der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft in Westeuropa gegen den Ostblock zu gewinnen. Ho galt in den USA nun als Werkzeug der sowjetischen und chinesischen Kommunisten zur Eroberung ganz Südostasiens.[16] Als die Sowjetunion und die Volksrepublik China die DRV 1950 anerkannten, erkannten die USA im Gegenzug die SOV als einzigen rechtmäßigen Staat Vietnam an und verpflichteten sich, Frankreichs Indochinakrieg und Bao Dais Regime finanziell abzusichern.[17] Dazu schlossen sie mit Südvietnam am 23. Dezember 1950 einen militärischen Beistandsvertrag und am 7. September 1951 einen Vertrag über Wirtschafts- und Technologiehilfen. Zudem wurde eine US-Vertretung in Saigon eingerichtet.[18]

Seit 1952 vertrat Truman die Domino-Theorie, wonach der Kommunismus ideologisch unvermeidbar nach Weltherrschaft strebe, so dass ein kommunistisches Regime eine Kettenreaktion in seinen Nachbarstaaten bewirken würde, die letztlich die USA bedrohe. Die Metapher der fallenden Dominosteine sollte komplexe Vorgänge in entfernten Regionen mit der nationalen Sicherheit der USA verknüpfen.[19] Alle fünf US-Regierungen, die am Vietnamkrieg beteiligt waren, vertraten trotz interner Nuancen Dominotheorie und Eindämmungspolitik.[20] Truman erklärte Indochina zur Schlüsselregion: Würde ein Land dort unter kommunistische Kontrolle geraten, so würden ganz Südostasien und der Mittlere Osten folgen. Das würde die Sicherheit Westeuropas und Interessen der USA in Fernost gefährden. Daher müsse ein Sieg der Vietminh in Indochina auf jeden Fall verhindert werden. Die Richtigkeit dieser Analyse, Erfolgsaussichten und Folgekosten des US-Engagements wurden nicht hinterfragt.[21]

Von 1952 bis 1954 steigerten die USA ihre Finanz- und Militärhilfen für Frankreich auf 2,76 Milliarden Dollar bzw. von 40 auf 80 % der Gesamtkosten des Indochinakriegs.[22]

Dwight D. Eisenhower, US-Präsident von Januar 1953 bis Januar 1961, vertrat eine Rollback-Politik und gab der Abwehr kommunistischer Expansion in Indochina auch auf Rat seines Außenministers John Foster Dulles sehr großes Gewicht. Anfang 1954 sandte er ohne Zustimmung des US-Kongresses erstmals zehn B-26-Bomber und 200 US-Soldaten, im März zudem Fluggeräte zum Abwurf von Napalm nach Südvietnam, um Frankreichs Kampf gegen die Vietminh zu unterstützen. Zugleich forderte er ein US-Oberkommando für alle künftigen antikolonialen Militäraktionen Frankreichs in Indochina, um sich Handlungsspielraum nach der sich abzeichnenden Niederlage Frankreichs zu verschaffen. Er widerstand der Forderung der Vereinten Stabschefs und des Nationalen Sicherheitsrats, einige Atomwaffen gegen die Vietminh einzusetzen, um die Schlacht von Dien Bien Phu zu entscheiden.[23]

Nach Frankreichs Niederlage erreichte die US-Regierung im September 1954 die Gründung der SEATO, die bei einer „bewaffneten Aggression“ gegen irgendeinen Unterzeichnerstaat gegenseitige Konsultationen und gegebenenfalls gemeinsames militärisches Eingreifen vorsah. Laos, Kambodscha und Südvietnam waren keine Bündnismitglieder, wurden in einem Zusatzprotokoll aber als Gebiet definiert, in dem eine bewaffnete Aggression als gegen die Interessen der Unterzeichner gerichteter feindlicher Akt betrachtet werden sollte. Formen und Umstände einer vertragsrelevanten Aggression und die Reaktionen der Mitglieder darauf waren jedoch nicht präzise festgelegt. Der unklare Vertrag diente den USA dazu, spätere Militäraktionen in Indochina mit internationaler Autorität zu versehen.[24]

Seit 1960 unterstützte die Volksrepublik China Nordvietnam erneut und die damals neugegründete NLF mit Waffen, Militärberatern und Bautrupps. Seit 1965 unterstützte auch die Sowjetunion beide mit solchen Mitteln.

Verlauf

Diems Diktatur in Südvietnam

Ngô Đình Diệm, 8. Mai 1957.

Staatsoberhaupt Bao Dai ernannte am 7. Juli 1954 den Katholiken Ngô Đình Diệm zum Premierminister Südvietnams. Etwa eine Million meist römisch-katholische Nordvietnamesen siedelten im folgenden Jahr, unterstützt durch Schiffe der US-Marine, nach Südvietnam um. Die CIA förderte die Massenflucht mit antikommunistischer Propaganda, um Diem Rückhalt zu verschaffen.[25] 90 % der Südvietnamesen waren Buddhisten, die traditionell tolerant gegenüber Nichtbuddhisten eingestellt waren. Diem bevorteilte jedoch Katholiken aus dem Norden bei der Postenvergabe für Staatsämter und behandelte den Buddhismus nicht als Religion, sondern als Verein. Damit erzeugte er langfristig wirksame Antipathien gegen seine Anhänger in der Landbevölkerung.[26]

Diem stand unbotmäßigen Teilen seiner Armee und starken Privattruppen der Sekten Cao Dai und Hoa Hao sowie der mafiösen Binh Xuyen in Saigon gegenüber. Nur mit Hilfe der CIA, des US-Offiziers Edward Lansdale und des US-Sondergesandten J. Lawton Collins konnte er Umsturzversuche vereiteln. Collins, den US-Präsident Eisenhower mit allen Vollmachten dazu ausgestattet hatte, sorgte 1955 dafür, dass südvietnamesische, nicht mehr französische Offiziere Diems neu aufgebaute „Armee der Republik Vietnam“ (ARVN) leiten durften. Diem lehnte jedoch jede Zusammenarbeit mit anderen antikommunistischen Kräften Südvietnams ab und begann ab Februar 1955 gegen die Sektenvertreter vorzugehen. Als er damit in Saigon einen Bürgerkrieg provozierte, empfahl Collins der US-Regierung dringend, ihn fallenzulassen. Dem kam Diem zuvor, indem er die ARVN in der „Schlacht um Saigon“ vom 27. April bis 2. Mai 1955 unter hohen Opfern, aber siegreich gegen die Binh Xuyen einsetzte. Im Einklang mit US-Außenminister Dulles und einer von Senator Mike Mansfield geführten Senatsmehrheit entschied Eisenhower daraufhin, Diems Regime bedingungslos zu stützen.[27]

Diem erhielt fortan großzügige US-Finanzmittel, großenteils zum Aufbau der ARVN nach dem Vorbild der US-Armee. Er investierte nur minimale Anteile der US-Hilfen für Sozial- und Wirtschaftspolitik. Südvietnams Wirtschaft wurde immer stärker von US-Importen abhängig. Die städtischen Ober- und Mittelschichten profitierten von verbilligten Konsumgütern aus den USA. Der Aufbau einer eigenen Industrie wurde dabei vernachlässigt. Diem militarisierte die öffentliche Ordnung und strukturierte seine Streitkräfte so, dass keine unabhängigen Machtzentren entstehen sollten. Das verminderte deren Schlagkraft entscheidend.[28] Im Oktober 1955 setzte er Bao Dai ab und ließ sich als neuer Präsident in einem Referendum bestätigen, dessen Ergebnis (98,2 %) gefälscht war. Im März 1956 segnete ein mit seinen Anhängern besetztes Parlament die von ihm konzipierte Verfassung für die Republik Vietnam ab, die keine echte Gewaltenteilung vorsah.[29] Damit war Vietnam geteilt in zwei Staaten, die beide die rechtmäßige Staatsform für ganz Vietnam beanspruchten.[30]

Bürgerkrieg

Ab 1955 ließ Diem Dorfbewohner der im zentralen Hochland lebenden Bergvölker (Montagnards) umsiedeln, ihr Land konfiszieren und an etwa 210.000 meist katholische Anhänger übergeben, um ein soziales Bollwerk gegen eine Infiltration der Vietminh zu schaffen. Zudem protegierte er Verwandte und Anhänger in Leitungsämtern. Damit zerstörte er die Jahrtausende alte dörfliche Selbstverwaltung.[31] Daraufhin gründeten die Montagnards ihre eigene Organisation, die sich 1958 zur Bajaraka ausdehnte und Autonomie für ihre Siedlungsgebiete forderte. Montagnards wurden von beiden Seiten des Bürgerkriegs rekrutiert, der nun begann.[32]

Diem und sein Familienclan galten der großen Mehrheit der Südvietnamesen wegen seiner diktatorischen Innenpolitik als skrupellose, korrupte Marionetten des Westens. Das erhöhte die Chancen für Hos Sieg bei den gesamtvietnamesischen Wahlen.[30] Daher sagte Diem diese 1956 ab und brach damit die Genfer Vereinbarung von 1954. US-Präsident Eisenhower unterstützte ihn dabei. Südvietnams Streitkräfte waren bislang auf Abwehr erwarteter konventioneller Angriffe aus Nordvietnam ausgerichtet, nicht aber auf Bekämpfen von Aufständischen (Counterinsurgency). Die USA übernahmen nunmehr ihre Ausbildung und Ausrüstung.[33] Dafür entsandten die USA zunächst 350 Offiziere als „Militärberater“ (Ausbilder, Aktionsplaner und -Leiter) nach Südvietnam und stationierten die 1953 gegründete 77th Special Forces Group dort.[34] Damit traten die USA erstmals als eigenständiger Konfliktpartner in Vietnam auf und leiteten so ihren späteren Kriegseintritt ein.[35]

Vom Sommer 1955 bis 1959 führte Diems Regime die To-Cong-Kampagne („Denunziert die Kommunisten!“) durch. 1955 schloss er die Grenze nach Nordvietnam und unterband den Postverkehr dorthin.[36] Mit neu erlassenen repressiven Gesetzen wurden tausende Südvietnamesen auf bloßen Verdacht einer Regimegegnerschaft unbefristet verhaftet oder unter Hausarrest gestellt, gefoltert, vielfach zum Tod verurteilt und erschossen, seit 1959 auch von mobilen Sondergerichten. Damit reduzierte Diem bis 1959 die Kader der Vietminh um zwei Drittel. Er schaffte Kommunalwahlen ab und ernannte tausende seiner Anhänger zu Verwaltungsbeamten der Provinzen, Distrikte und Dörfer Südvietnams.[37] Als Reaktion darauf verübten die Vietminh von 1957 bis 1961 bis zu 4000 Attentate auf Diems Verwaltungsbeamte.[38]

Seit 1959 kam es zu Gefechten zwischen ihnen und der ARVN. Trotz zunehmenden Rückhalts in der Bevölkerung, die Diems Unterdrückungsmaßnahmen ablehnte, wurden immer mehr Vietminh in Südvietnam getötet oder inhaftiert. Um ihren Einfluss auf die zu Gegenwehr bereiten Südvietnamesen nicht zu verlieren, drängten sie Nordvietnams Regierung, Kampftruppen zu entsenden. Diese hatte der eigenen sozialen und wirtschaftlichen Umwandlung bislang Vorrang gegeben. Ab September 1959 ließ sie in Südvietnam geborene ehemalige Vietminh in den Süden zurückkehren. Diese transportierten Waffen, Nahrung und andere Hilfsgüter über eine Dschungelroute nach Süden, die später als Ho-Chi-Minh-Pfad bekannt wurde.[30] In der Schlacht um Tua Hai im Februar 1960, dem ersten großen Kampf des Vietnamkriegs, eroberten etwa 300 Vietminh das Hauptquartier des 32. Regiments der ARVN in Tay Ninh (55 km von Saigon entfernt) und erbeuteten dort große Mengen von Nachschub.[39]

Nordvietnams Einheitspartei, die Lao Dong, entwickelte sich 1960 zur Massenpartei von etwa 500.000 Mitgliedern. Ihr Fünfjahresplan vom September 1960 verlangte vorrangig den Aufbau von Schwerindustrie und Infrastruktur sowie die Kollektivierung der Landwirtschaft. Die Führung lag bei Premier Phạm Văn Đồng und Parteisekretär Lê Duẩn. Auf seinen Aufruf hin vereinten sich die Vietminh am 20. Dezember 1960 mit weiteren Oppositionsgruppen zur „Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams“ (NLF).[40] Sie wurde bei einem Kongress der verbotenen kommunistischen Partei Südvietnams gegründet, die Diems Sturz und die Vertreibung der US-Armee als ihre Hauptziele festgelegt hatte. Die NLF bildete nach dem Vorbild der Revolutionsarmee Mao Zedongs eine Gegenregierung aus geschulten Kadern, die die Landbevölkerung zum Aufstand motivierten und bewaffneten Widerstand organisierten. Dabei trat Nordvietnam wegen der Genfer Vereinbarung von 1954 nicht als Akteur in Erscheinung, faktisch befolgte die NLF jedoch Hanois Vorgaben.[41] Ihre Gegner setzten sie mit ihrem militärischen Zweig gleich und nannten sie Vietcong (VC).[42] Ziel der NLF war, den Rückzug der US-Militärberater zu erzwingen und eine Koalitionsregierung aller Gruppen Südvietnams zu bilden.

Da Nordvietnam das Eingreifen der USA in den Bürgerkrieg im Süden vermeiden wollte, unterstützte es die NLF bis 1961 nur politisch, nicht militärisch. Sie blieb bis 1965 großenteils auf alte französische oder von der ARVN erbeutete Waffen angewiesen. Nach dem Eintreffen der ersten US-Militärberater erlaubte Hanoi die Rückkehr vieler der 1954 in den Norden geflohenen Vietminh in ihre frühere Heimat. Bis 1964 stieg ihre Zahl in Südvietnam von etwa 4.500 auf 10.000.[43] Die NLF verstand sich als Motor einer Sozialrevolution, mobilisierte die Bauern und führte in den Dörfern Verfahren ein, die deren Eigenverantwortung förderten.[44] Durch ihre Umverteilungsmaßnahmen erhielt sie rasch Zulauf bei der Landbevölkerung. Bis Ende 1961 kontrollierte sie 75 % der ländlichen Gebiete Südvietnams.[45]

Eskalation

Der seit Januar 1961 amtierende US-Präsident John F. Kennedy stellte mit seiner antikommunistischen Rollback-Politik die Weichen zur Eskalation des Vietnamkriegs. Entscheidend wurde ein Bericht seiner Berater Walt Rostow und Maxwell Taylor über ihren Vietnambesuch Anfang 1961: Die USA müssten sich unumkehrbar zum Erhalt Südvietnams verpflichten und dazu die Counterinsurgency-Strategie verstärken.[46] Infolge der Kubakrise sollte die neue Strategie der Flexible Response den Handlungsspielraum der USA gegenüber kommunistischen Staaten und Aufstandsbewegungen erweitern, ohne einen Atomkrieg zu riskieren. Darum ordnete Kennedy einige verdeckte Militäroperationen gegen Nordvietnam an und erhöhte die Zahl der US-Militärberater in Südvietnam bis 1962 von 400 auf 16.575. 1962 flog die US-Air Force bereits 50.000 Luftangriffe gegen vietnamesische Dörfer, die als Vietcong-Dörfer galten, und setzte dabei auch Napalm ein.[47]

Ein „Zippo Monitor“ der Mobile Riverine Force beschießt das Ufer mit Napalm

Im Mai 1961 erlaubte Kennedy das Absetzen kleiner, schwer bewaffneter Geheimkommandos von südvietnamesischen Agenten, die von US-Militärberatern ausgebildet wurden, in Nordvietnam. Die nötigen Flüge organisierte die ARVN und tarnte sie mit einer privaten Luftfahrtgesellschaft. Später wurden dazu auch Piloten aus Taiwan ausgebildet. Von diesen Aktionen sollte die US-Bevölkerung auch dann nichts erfahren, wenn Nordvietnam sie entdeckte. Dies geschah erstmals bereits im Juli 1961. Fast alle weiteren eingeschleusten Agenten wurden kurz nach ihrer Landung in Nordvietnam entdeckt und inhaftiert. Gleichwohl wurden die Agententeams bis Mitte 1964 auf mehrere hundert Personen erhöht. Die Zusammenarbeit zwischen Südvietnam und Taiwan wurde dabei auch nach Diems Sturz fortgesetzt.[48]

US-Außenminister Dean Rusk und US-Verteidigungsminister Robert McNamara begründeten den verstärkten US-Einsatz im November 1961 mit dem SEATO-Vertrag. Ein Appeasement würde zum Sieg der Kommunisten in ganz Indochina, zum Verlust der Glaubwürdigkeit der USA bei asiatischen Verbündeten und zur Zerstörung der SEATO führen.[49] Die von den Stabschefs, dem Verteidigungsministerium und Diem geforderte Entsendung regulärer Truppen und gezielte Bombenangriffe auf Hanoi lehnte Kennedy aber ab. Stattdessen ließ er die Mittel für die ARVN stark aufstocken, die Eliteeinheit Green Berets entsenden und das Military Assistance Command, Vietnam (MACV) nahe Saigon als Oberkommando einrichten. Er autorisierte die CIA, im Norden Sabotageakte durchzuführen. Die Operation 34A („OPLAN34“) wurde gestartet. Das Saigoner Büro der CIA wurde damit zu einem Aktivposten, dessen Aktivitäten der US-Kongress nicht ausreichend überwachte.

Zwischen 1959 und 1961 bildeten die US-Militärberater in der geheimen Operation White Star in Laos die Royal Laotian Army aus und gewannen Rekruten des Stammes der Meos. Vor allem wegen der enormen US-Waffenlieferungen, darunter Hubschraubern, gepanzerten Truppentransportern und moderner Artillerie, war die ARVN 1962 militärisch gegen die Widerstandskämpfer erfolgreich und übernahm die strategische und taktische Initiative im Bürgerkrieg.[50]

Diem und sein Bruder Ngo Dinh Nhu, der Sicherheitschef, benutzten die Guerilla-Abwehrstrategie jedoch vor allem zur verstärkten Unterdrückung der Bauern. Dazu sah der aufwändige Taylor-Staley-Plan vor, die Landbevölkerung ab März 1962 in „Wehrdörfern“ zu konzentrieren. Dagegen wehrten sich die meisten Dorfbewohner, weil es ihre religiösen Gebräuche verletzte und ihre ohnehin schwierige soziale Lage zusätzlich verschlechterte. Außer in einigen Hochlandgebieten, wo die CIA den Plan durchführte, war das Wehrdorfprogramm ein fataler Rückschlag für Diems Regime. Anfang 1963 in der Schlacht um Ap Bac schlug ein einziges, relativ schlecht bewaffnetes, aber entschlossenes NLF-Bataillon die Angriffe numerisch weit überlegener Verbände der ARVN zurück. Dabei zeigte sich die Unfähigkeit der südvietnamesischen Offiziere.

Von der CIA angefertigte Karte Südvietnams

Im Mai 1963 löste Diem mit einem Verbot der buddhistischen Flagge in Hue monatelange schwere Unruhen aus, die ganz Südvietnam erfassten (Buddhistenkrise). Bei Protestdemonstrationen erschoss die Polizei Frauen und Kinder. Es kam zu Hungerstreiks und Selbstverbrennungen. Im August stellte Diems Bruder Nhu das Land unter Kriegsrecht. Zugleich knüpfte er über Frankreichs Staatspräsident de Gaulle erste Kontakte mit Hanoi, ohne den US-Botschafter zu informieren.

Kennedy stand nun vor der Wahl, weiter ein korruptes und in Südvietnam abgelehntes Regime zu stützen, das die Siegchancen der NLF durch sein Verhalten erhöhte, oder Diem zu stürzen und damit in Südvietnams Souveränität einzugreifen. Nur Paul Kattenburg riet in dieser Situation, das US-Militär aus Südvietnam abzuziehen und das Land sich selbst zu überlassen, wurde aber im Nationalen Sicherheitsrat zurückgewiesen. Wichtige Berater Kennedys wie Averell Harriman und George Wildman Ball wollten Diem fallenlassen. Kennedy ernannte Henry Cabot Lodge junior zum neuen US-Botschafter in Saigon. Lodge sollte von Diem die Absetzung Nhus verlangen und andernfalls unzufriedene ARVN-Generäle zu einem Putsch ermutigen. Um den Druck auf Diem zu erhöhen, empfahlen McNamara und Maxwell Taylor Kennedy nach ihrem Besuch in Saigon im September den Abzug der US-Militärberater und Reduktion der Militärhilfe für die ARVN.[51] Daraufhin zog Kennedy am 11. Oktober 1963 1.000 Militärberater ab.[52] Er wollte die übrigen bis 1965 aus Vietnam zurückziehen.[53] Am 2. November 1963 stürzten unzufriedene ARVN-Offiziere Diem und Nhu; beide wurden nach ihrer Festnahme ermordet. Lodge, der von dem Putschplan gewusst und Diem nicht darüber informiert hatte, stritt nach seiner Rückkehr in die USA im Juni 1964 jede US-Beteiligung ab. Mehrere Berater Kennedys, darunter Vizepräsident Lyndon B. Johnson,[35] sahen in dem Putsch später einen schweren Fehler, der die USA noch stärker an Südvietnam gebunden habe.[54]

Kriegseintritt der USA

Nach dem tödlichen Attentat auf John F. Kennedy am 22. November 1963 rückte Johnson in das Präsidentenamt auf. Er hatte die Containmentpolitik seiner Vorgänger stets unterstützt. Am 26. November bestätigte er ein für Kennedy verfasstes Memorandum, das Südvietnam fortgesetzte Hilfe gegen jede kommunistische Aggression versprach. Er werde nicht zulassen, dass „Vietnam den gleichen Weg nimmt wie China“, sondern dafür sorgen, dass Südvietnams Generäle „die Kommunisten das Fürchten lehren“.[55] Um seine auf sozialen Ausgleich gerichtete Innenpolitik der Great Society im US-Kongress abzusichern, wollte er außenpolitisch umso mehr die US-Interessen in Indochina wahren und das Überleben Südvietnams garantieren.[56]

Dessen neuer Machthaber General Dương Văn Minh, ein Buddhist, strebte gegen Johnsons Willen einen Kompromiss mit der NLF an und forderte von den US-Militärs mehr Zurückhaltung. Im Januar 1964 wurde er mit Zustimmung Johnsons von einer von General Nguyễn Khánh geführten Offiziersgruppe gestürzt. Weitere Militärcoups folgten; bis Ende 1967 kam es in Südvietnam zu keiner stabilen Regierung mehr.[57] Nordvietnam nutzte diese Lage und schickte mehr Kämpfer und Material dorthin.[58] Damit sollte die NLF zuerst das zentrale Hochland und das Mekongdelta unter ihre Kontrolle bringen, um danach auch in den Großstädten Südvietnams anzugreifen.[59]

Bei seinem Vietnambesuch im März 1964 stellte McNamara fest, dass die NLF 40 % der Gebiete Südvietnams und bis zu 90 % der Gebiete um Saigon kontrollierte. Die ARVN hatte im Mekongdelta 3000 Soldaten verloren, enorme Anteile ihrer Soldaten desertierten, viele akzeptierten Kanh nicht als Oberbefehlshaber. Öffentlich behauptete McNamara dennoch Fortschritte bei der Abwehr der NLF. Intern empfahl er, die Militärhilfe zu erhöhen und vor der Präsidentschaftswahl (November 1964) keine US-Bodentruppen zu entsenden. Diese würden die Kampfmoral der ARVN nur weiter schwächen und dann immer mehr US-Truppen erforderlich machen (Schneeballeffekt). Daraufhin verstärkte Johnson die von Kennedy initiierte verdeckte OPLAN34: Dabei führten CIA, US-Armee und ARVN gemeinsame Sabotageakte in Nordvietnam durch, um das Regime in Saigon zu entlasten und zu stabilisieren. Zudem ließ er das Verteidigungsministerium die Bombardierung Nordvietnams nun detailliert planen. Er ernannte Maxwell Taylor zum US-Botschafter in Saigon, berief General William Westmoreland zum Oberkommandierenden des MACV und steigerte die Zahl der US-Militärberater in Südvietnam bis Ende 1964 von 16.000 auf 23.300. Zugleich bot er Hanoi Wirtschaftshilfe an, falls es die Unterstützung der NLF einstellen und das Regime in Saigon anerkennen würde; andernfalls müsse es mit US-Luftangriffen rechnen (Seaborn-Mission). Im Gegenzug bot Hanoi an, ein neutrales Südvietnam anzuerkennen, falls die USA ihr Militär dort vollständig abziehen würden. Auch bei einem Vermittlungsversuch von UN-Generalsekretär U Thant im September 1964 bestanden beide Seiten auf diesen unvereinbaren Forderungen.[60]

Seit Mai 1964 wollte Johnson seinen geplanten Kriegseinsatz vom US-Kongress autorisieren lassen, um diesen und damit auch die US-Bevölkerung stärker einzubinden. Die Resolution dazu sollte wegen eines fehlenden Kriegsanlasses erst nach der Präsidentschaftswahl im November vorgelegt werden.[61] Im Wahlkampf stellte Johnson seinen Gegenkandidaten Barry Goldwater als gefährlichen Kriegstreiber dar, der den Vietnamkrieg ausweiten und die USA in einen Atomkrieg mit der Sowjetunion stürzen werde, und versprach, keine Bodentruppen nach Vietnam zu senden.[62]

US-Präsident Johnson gibt Bombardierung Nordvietnams bekannt, 4. August 1964

Am 31. Juli 1964 griff ein südvietnamesisches Sabotagekommando im Rahmen von „OPLAN34“ zwei nordvietnamesische Inseln an. Am 1. August lief das US-Kriegsschiff USS Maddox in den Golf von Tonkin ein, um die Vietnamesische Volksarmee (PAVN) elektronisch auszuforschen. Aus ungeklärten Gründen entsandte Nordvietnams Küstenwache am 2. August drei Schnellboote zur Maddox. Diese fürchtete einen Torpedoangriff, eröffnete das Feuer, versenkte eins der Boote, beschädigte die übrigen und meldete diesen „Tonkin-Zwischenfall“ der US-Regierung. Am 4. August meldete die USS Turner Joy (DD-951) während eines Gewitters irrtümlich weitere Torpedoangriffe, zog die Meldung aber zurück. Die NSA legte Johnson nur jene 10 % des für den Zwischenfall relevanten Funkverkehrs vor, die einen Angriff nahelegten.[63] Johnson ordnete am selben Abend erste Luftschläge auf Hanoi an und begründete diese im US-Fernsehen als Vergeltung für „wiederholte unprovozierte Gewaltakte“. Die Beteiligung der US-Kriegsschiffe an Sabotageaktionen wurde dem Kongress verheimlicht. Staatssekretär George Ball gab später zu, dass sie in den Golf von Tonkin entsandt worden waren, um einen Kriegsgrund zu provozieren. Die sofortigen Vergeltungsschläge waren seit Monaten vorbereitet gewesen.[64]

Am 7. August beschloss der US-Kongress nach kurzer Debatte mit nur zwei Gegenstimmen (Ernest Gruening, Wayne Morse) die Tonkin-Resolution. Diese erlaubte der US-Regierung „alle notwendigen Maßnahmen, um irgendeinen bewaffneten Angriff auf US-Streitkräfte abzuwehren und weitere Aggression zu verhindern.“ Sie sollte eine förmliche Kriegserklärung ersetzen und diente den USA bis zu ihrer Rücknahme 1970 als Legalisierung aller folgenden Kampfeinsätze ihres Militärs in Indochina. Johnson erreichte die Kongressmehrheit dafür mit Hilfe von Senator William Fulbright und dem Versprechen, er plane vor der Wahl keine Entsendung von Bodentruppen.[65] Er brachte Kritik Goldwaters zum Schweigen, er sei „weich zum Kommunismus“, und errang einen Erdrutschsieg bei den Präsidentschaftswahlen im November 1964.[66]

Mit den gezielten und angedrohten weiteren US-Luftschlägen erprobte die US-Regierung, wie sich 1970 herausstellte, ein um 1960 entwickeltes Konzept der „Nötigungsdiplomatie“, das koordinierte Gewalt und Verhandlungsangebote kombinierte. Bewirkt wurde das Gegenteil: Die Regierung in Hanoi rechnete nicht mehr mit dem Rückzug der USA nach dem Zusammenbruch des Regimes in Südvietnam, sondern mit einer Invasion der USA in ganz Vietnam und stellte sich darauf ein, US-Truppen auch im Süden direkt zu bekämpfen.[67] Ab September 1964 entsandte sie daher bewaffnete Kampftruppen über den Ho-Chi-Minh-Pfad nach Südvietnam und ließ diesen dafür weiter ausbauen.[68]

Am 1. November 1964 griff die NLF in Bien Hoa erstmals direkt eine US-Militärbasis an. Das bestärkte Johnson in seiner Absicht, Nordvietnam zu bombardieren, um die NLF im Süden zu schwächen. Zunächst bezahlten die USA eine Aufstockung der ARVN um 100.000 auf 660.000 Mann, um das Regime von General Nguyễn Khánh zu stützen. Im Dezember 1964 verübte die NLF einen Bombenanschlag auf ein Saigoner Hotel, wo US-Militärberater wohnten, und besiegte zwei numerisch und waffentechnisch weit überlegene ARVN-Bataillone bei Binh Gia. Nun wollten Johnsons Berater Nordvietnam früher bombardieren, um Südvietnams Regime vor dem Zusammenbruch zu retten.[69]

Verbündete Staaten

Die Volksrepublik China hatte die NLF 1960 als erster Staat anerkannt. Dabei sah sie ihre Rolle als Unterstützer von Befreiungsbewegungen gegen beide Supermächte, Sowjetunion und USA, in Ländern der Dritten Welt.[9] Nach dem Tonkin-Zwischenfall erklärte sie, im Fall einer US-Invasion Nordvietnams einzugreifen. Mao ließ dazu Truppen von 300.000 bis 500.000 Mann nahe der Südgrenze Chinas aufstellen, dort zwei Flugplätze bauen und nordvietnamesische Piloten ausbilden. Im Dezember 1964 schlossen beide Staaten ein Militärhilfeabkommen. Im Juni 1965 trafen erste chinesische Hilfstruppen in Nordvietnam ein. Bis 1969 half die Volksrepublik China Nordvietnam vor allem mit Personal zur Instandsetzung und Erhaltung von Straßen, Schienenwegen und Flugplätzen, stellte Luftabwehrkräfte bereit und lieferte militärisches Material.[70]

Seit dem Chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis konkurrierte die Sowjetunion mit der Volksrepublik China, die im Oktober 1964 Atommacht wurde, um politischen Einfluss in Indochina. Am 14. Oktober 1964 wurde Nikita Sergejewitsch Chruschtschow in der Sowjetunion gestürzt. Er hatte die friedliche Koexistenz mit den USA verfolgt und Nordvietnam deshalb zwar mit rund 500 Millionen Dollar Wirtschaftshilfe und leichten Waffen unterstützt, die Lieferung von Flak-Geschützen und Panzerabwehrwaffen jedoch stets abgelehnt. Nach seinem Sturz verwies Hanoi die wenigen sowjetischen Militärberater des Landes. Sein Nachfolger Leonid Iljitsch Breschnew vereinbarte daraufhin mit Hanoi im Februar 1965 ein Militärhilfeabkommen.[71] Nach den ersten Bombenabwürfen der USA auf Nordvietnam ging die Sowjetunion ab November 1964 auf Konfrontationskurs zu den USA und verurteilte alle weiteren US-Bombardierungen. Sie lieferte Nordvietnam Boden-Luft-Raketen, Flugzeuge, darunter Mig-21, und für Angriffe auf US-Basen geeignete Artillerie. Somit erhielt Nordvietnam nun von beiden Staaten erhebliche Kriegsmittel und spielte sie bei deren Vergabe und bei der diplomatischen Unterstützung bis zum Kriegsende erfolgreich gegeneinander aus. Ho war dabei eher am Bündnis mit der Sowjetunion, Le Duan eher an China interessiert.[72] Bis 1968 entsandte die Sowjetunion 2000 Militärberater und überflügelte China als wichtigster Waffenlieferant Nordvietnams. Bis 1975 gewährte sie zudem Kredite im Wert von rund fünf Milliarden Dollar. Die Volksrepublik China dagegen zog ihre Berater ab 1967 aus Nordvietnam zurück und stellte ihre Wirtschaftshilfe während der Kulturrevolution weitgehend ein. Nach dem Zwischenfall am Ussuri (März-September 1969) nahm sie sie wieder auf und lieferte in den Folgejahren Waren im Wert von 500 Millionen Dollar an Nordvietnam.[73]

DDR-Zuschlagmarke der Serie Unbesiegbares Vietnam von 1969

Die DDR rief ihre Bürger seit 1965 zu „internationaler Solidarität“ mit Nordvietnam auf. Für humanitäre Hilfe bestimmte Spenden wurden auch für militärische Mittel benutzt.[74] Deren Umfang ist jedoch unbekannt. Seit 1973 bildete die DDR pro Jahr 20 bis 30 Nordvietnamesen zu Offizieren aus.[75]

Die US-Regierung versuchte seit April 1964, so viele Staaten wie möglich als Unterstützer ihres Vietnameinsatzes zu gewinnen („More Flags“-Programm), um diesen nicht unilateral aussehen zu lassen. Bis Dezember sandten 15 Staaten meist symbolische Hilfsbeiträge. Nur die SEATO-Mitglieder Australien, Neuseeland, die Philippinen, Thailand sowie Südkorea und Taiwan stellten bedeutende nichtmilitärische Güter bereit. Johnson bat die SEATO-Staaten dann um Kampftruppen. Großbritannien lehnte ab, da es seit 1963 die nachkoloniale Federation um Malaysia gegen Angriffe Indonesiens mit 30.000 Soldaten schützte: darunter den US-Militärstützpunkt in Singapur, den die USA für ihre Eindämmungspolitik gegenüber der Volksrepublik China brauchten. Die übrigen Staaten entsandten Militär nur gegen das Versprechen der USA, alle damit verbundenen Kosten zu tragen.[76]

Die SEATO stimmte dem US-Einsatz nie offiziell zu. Südkorea, kein SEATO-Mitglied, stellte bis 1966 die meisten Streitkräfte, erhielt dafür umfassende Wirtschafts-, Modernisierungs- und Militärhilfen und vertragliche Zusagen der USA, ihre Truppen in Südkorea nicht zu reduzieren. Der philippinische Präsident Ferdinand Marcos erhielt zusätzlich 80 Millionen Dollar Wirtschaftshilfe für eine nichtmilitärische Hilfstruppe, zog diese aber 1969 angesichts heftiger Bürgerproteste wieder ab. Thailand erlaubte den USA seit 1964 die Nutzung seiner Flugplätze für Bombenangriffe auf Laos und Nordvietnam, dann auch den Bau von acht US-Militärbasen mit 37.000 US-Soldaten. Es erhielt für eine 1967 entsandte Division jährlich 75 Millionen Dollar Militärhilfe. Australien unterstützte mit den USA 1965 den blutigen Militärputsch von Suharto in Indonesien und stockte seine Hilfstruppen für Südvietnam bis 1967 auf.[77] Zusammen entsandten diese Staaten bis 1969 maximal 68.850 Soldaten, die sie in unterschiedlichem Tempo bis 1973 wieder abzogen:[78]

Jahr Australien Neuseeland Philippinen Südkorea Thailand
1964 200 30 17 150 -
1966 4.525 155 2.061 44.566 244
1968 7.661 516 1.576 50.003 6.005
1969 7.672 552 189 48.869 11.568
1972 130 50 50 36.790 40

Die NATO hatte das US-Engagement in Indochina bis 1963 vorbehaltlos als mit ihren Zielen identisch bejaht. Der Truppenaufmarsch der USA in Südvietnam löste 1964 jedoch Besorgnis aus, er könne das Bündnis schwächen. Nach dem Tonkin-Zwischenfall wiesen die NATO-Staaten Forderungen der USA zurück, eigene Truppen nach Vietnam zu senden. Seit Juli 1965 zeigten sich die skandinavischen Staaten besorgt über die Eskalation und zivile Opfer und forderten die USA zum Verhandeln mit ihren Kriegsgegnern auf. Zweifel an den behaupteten Kriegsgründen der USA und deren Nichtkonsultation der NATO verstärkten die Kritik. Frankreich unterstützte wie schon 1954 ein neutrales Südvietnam und verurteilte die Bombardierung Nordvietnams. Der damalige Bundesaußenminister Gerhard Schröder (CDU) dagegen fürchtete, Niederlage in oder Rückzug der USA aus Südvietnam könne die Sowjetunion zu erpresserischen Vorstößen in Europa ermutigen und somit die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährden.[79]

Bundeskanzler Ludwig Erhard unterstützte den US-Kriegseinsatz auch gegenüber skeptischen NATO-Partnern, gab den USA aber im April 1965 mit 30 Millionen Dollar weniger als die Hälfte der geforderten Summe.[80] Er versuchte im Dezember 1965, die Zahlungsfristen für deutsche Rüstungskäufe in den USA zu verlängern, die der frühere Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß den USA 1961 zum Ausgleich der US-Devisen für die in der Bundesrepublik stationierten US-Truppen zugesagt hatte.[81] Johnson wies diesen Vorstoß im September 1966 zurück. Der Dissens mit den USA über die Aufteilung der Militärkosten trug wesentlich zum Sturz Erhards bei. Sein Nachfolger Kurt Georg Kiesinger vereinbarte daraufhin mit den USA und Großbritannien im Januar 1967, die Zentralbanken der EWG und die westdeutschen Banken würden ihre Reserven von US-Dollar nicht zum Ankauf von Gold nutzen. Damit stützte die Bundesrepublik wesentlich den Dollarkurs und seine Funktion als Leitwährung, die das durch den Vietnamkrieg verursachte US-Haushaltsdefizit erheblich gefährdet hatte.[82]

Willy Brandt kritisierte den Kriegseinsatz der USA weder als Bundesaußenminister noch als Bundeskanzler, um die Sicherheitsgarantien der USA für Berlin nach der Berlinkrise 1961, die deutsch-amerikanische Freundschaft, den Ruf der SPD als atlantische Partei und seine Entspannungspolitik nicht zu gefährden. 1965 kritisierte er die Dominotheorie, Anfang 1968 nannte er den Rückzug der USA aus Vietnam wünschenswert und lehnte deutsche Militärbeiträge ab. Im Februar forderte die SPD auf Druck der Parteibasis einen sofortigen Bombardierungsstopp. Brandt betonte dagegen den Friedenswillen der USA und äußerte auch für Nixons Bombardierungen 1972 Verständnis.[83]

Als die USA bis Juli 1966 zwei Drittel ihrer Aufklärungsflugzeuge und bis 1967 66.000 Soldaten aus Westeuropa nach Südvietnam verlegt hatten, konnten sie ihre Sicherheitsgarantie für die NATO-Staaten nicht mehr erfüllen. Nachdem die Sowjetunion den Prager Frühling 1968 militärisch niedergeschlagen hatte, rückten die NATO-Staaten wieder enger an die Seite der USA.[84] Blockfreie Staaten wie Indien dagegen sahen das Verhalten der USA in Vietnam und das der Sowjetunion im Ostblock als vergleichbare gewaltsame Einmischung an.[85]

Bombardierungen

Boeing B-52 beim Bombenabwurf

Die USA wollten Nordvietnam nicht erobern und seine Existenz nicht gefährden, um keinen Atomkrieg mit der Sowjetunion und/oder China zu riskieren. Sie wollten Südvietnam solange halten, bis Nordvietnam es anerkennen und seine Infiltrationsversuche einstellen würde. Deshalb bombardierten sie anfangs begrenzte Ziele und steigerten ihre Bodentruppen graduell, ohne die volle Kapazität der US Army einzusetzen. Dabei verließ sich das Oberkommando des MACV auf seine technisch und materiell überlegenen Waffen, die Luftüberlegenheit der US Air Force und die Beweglichkeit seiner Hubschrauber, die US-Truppen rasch überall hin transportieren konnten. Weil Nordvietnam diesem „Technowar“ nichts Gleichwertiges entgegensetzen konnte, erwartete man, dass es seine Kräfte bald erschöpfen und Kämpfe einstellen würde.[86] Die Bombardierung von Militärstützpunkten Nordvietnams, von der NLF beherrschten Gebieten Südvietnams und Nachschublinien auch in Nachbarstaaten sollte den Krieg für Nordvietnam unbezahlbar machen, es von der Unterstützung der NLF abbringen, diese von Nachschub abschneiden und Grenzkontrollen im Süden erleichtern.[87] Politisch sollte sie Südvietnams Regime stabilisieren und die konservative Opposition in den USA zufriedenstellen, die eine unbeschränkte Bombardierung Nordvietnams verlangte.[88]

Nach dem Angriff der NLF auf den US-Stützpunkt Camp Holloway bei Plei Cu befahl Johnson die dreiwöchige Operation Flaming Dart (7.-28. Februar 1965) als Strafaktion. Dabei wurden nordvietnamesische Truppenstandorte bombardiert, die man als Unterstützer der NLF-Angriffe im Süden ansah.[89] Nachdem die NLF weitere US-Basen im Süden angriff, beschlossen die US-Stabschefs die Operation Rolling Thunder. Dabei wurden zunächst acht Wochen lang 94 Ziele in Nordvietnam bombardiert, hauptsächlich Nachschubdepots und Transportknotenpunkte. Vom 13. bis 18. Mai gab es eine Bombardierungspause für Verhandlungen. Dabei hielt Nordvietnam sein für die USA unannehmbares Ziel eines unabhängigen und wiedervereinigten Vietnam fest, reparierte rasch Schäden am Ho-Chi-Minh-Pfad und stellte sowjetische Luftabwehrraketen um Hanoi und andere Industriezentren auf.

Johnson widerstand Forderungen des US-Militärs, auch dicht bevölkerte Ballungszentren zu bombardieren.[90] Er suchte die Ziele wöchentlich selbst aus, nahm Großstädte, Deichanlagen und Grenzgebiete nahe der Grenze zu China von den Bombardierungen aus und stellte heraus, dass nur militärisch als wichtig erachtete Anlagen zerstört werden sollten. Die Bombardierung betraf zunächst Regionen um den 17. Breitengrad, später immer weiter nördlich gelegene Gebiete, darunter auch viele militärisch unbedeutende Orte. Sie töteten laut McNamara „wöchentlich 1000 Zivilisten“, auch mit Napalm und Splitterbomben.[91]

Datum Bombardierungen Abwurfmengen (Tonnen)
1965 25.000 63.000
1966 79.000 136.000
1967 108.000 226.000

Obwohl die Bomben Nordvietnams Infrastruktur, Militäreinrichtungen und Energieproduktion bis 1968 weitgehend zerstörten, verfehlten sie das strategische Ziel, die Infiltration Südvietnams zu stoppen und Verhandlungen zu erzwingen.[92] Sie erreichten stattdessen, dass Nordvietnams Bevölkerung zusammenrückte, nachts mit riesigen Menschenmengen so viele Zerstörungen wie möglich reparierte, viele Industrieanlagen unter die Erde verlegte und den Transport von Kriegsmaterial und Kämpfern nach Südvietnam steigerte. Mithilfe sowjetischer Waffen wurde seine Luftverteidigung erheblich effektiver, so dass Nordvietnam bis 1968 950 US-Flugzeuge abschoss.[93]

Ab 3. April 1965 bombardierte die US Air Force zudem jene Bereiche des Ho-Chi-Minh-Pfades, die durch Laos führten (Operation Steel Tiger). Ab 6. Dezember 1965 versuchten auch US-Bodentruppen den Pfad zu unterbrechen, besonders bei den Gebirgspässen zwischen Nordvietnam und Laos (Operation Tiger Hound). Nach der am 1. November 1968 gestoppten Bombardierung Nordvietnams befahl Johnson die Operation Commando Hunt, um das inzwischen ausgebaute Wegenetzwerk in Laos zu unterbrechen. Damit wurden für 1969 geplante NLF-Angriffe in Südvietnam verzögert, aber es gelang nie, den Pfad völlig zu zerstören.[94]

Chemische Kriegführung

Eine UC-123B versprüht Agent Orange (1962)

Seit den 1950er-Jahren hatten US-Militärlabors in Fort Detrick mit Herbiziden experimentiert, die im Zweiten Weltkrieg als Chemiewaffen entwickelt und danach kommerziell genutzt worden waren, und ihre Wirkung in der Natur für militärische Zwecke getestet.[95] Seit 1959 wurden diese Mittel in Südvietnam getestet. Aufgrund der Erfolgsberichte darüber machte US-Präsident Kennedy diese Stoffe 1961 zum zentralen Bestandteil einer flexiblen, innovativen Counterinsurgency-Strategie und ordnete ihren Einsatz in Vietnam persönlich an.[96] Dabei nutzte die US-Regierung eine Lücke im Genfer Protokoll von 1925 aus, das Krieg mit Chemiewaffen nur gegen Menschen, aber nicht gegen Pflanzen verbot.[97] Um den Großbestellungen der US-Armee nachkommen zu können, ließen die Hersteller Dow Chemical und Monsanto die Synthese der Ausgangsstoffe bei höherer Temperatur ablaufen, wodurch der Dioxin-Gehalt anstieg.[98]

Besprühte Gebiete in Südvietnam. Grün: Entlaubung, Rot: Erntevernichtung

Im Juli 1961 trafen die ersten Lieferungen unter Kodenamen wie Agent Orange, Agent Blue, Agent Purple und Agent White in Südvietnam ein. Im Januar 1962 begann die Operation Ranch Hand („Farmgehilfe“): Dabei versprühten die US-Air Force und die ARVN in Vietnam und den Grenzgebieten von Laos und Kambodscha systematisch solche dioxinhaltigen Herbizide. Diese entlaubten den Dschungel, um Straßen, Wasserwege und Grenzgebiete zu entblößen, Ernten zu vernichten und so den NLF-Kämpfern Schutz, Hinterhalte, Nahrung und sozialen Rückhalt zu entziehen.[99] Unter Johnson wurde daraus ab 1965 das historisch größte Programm chemischer Kriegführung: Dabei versprühten die USA bis 1971 etwa 20 Millionen Gallonen (80 Millionen Liter) der mit Dioxin verunreinigten Herbizide.[100] 1971 wurde der Einsatz dieser Mittel gestoppt.[101]

Bodenkrieg

Während Johnson und der Nationale Sicherheitsrat Auswahl, Zeitpunkte und Intensität der Bombardierungen bestimmten, entschied das MACV über Aufstellung und Einsätze der US-Bodentruppen. General Westmoreland betrachtete den Vietnamkrieg als konventionellen Krieg, bei dem es auf die Kampfunfähigkeit, also das Töten, Fangen oder Verletzen möglichst vieler Gegner mit möglichst wenigen eigenen Verlusten ankam („Abnutzungsstrategie“). Dazu diente die Methode des Search and Destroy. Ihr Erfolgsmaßstab war der Body Count, also die Menge getöteter Gegner.[102]

Am 8. März 1965 landeten die ersten US-Kampftruppen in Đà Nẵng, um den dortigen Stützpunkt zu schützen. Weitere US-Truppen umgaben die jeweiligen US-Militärbasen („Enklave-Strategie“). Dann erhielt die Erste Kavalleriedivision den Auftrag, das Vorrücken der NLF im zentralen Hochland Südvietnams aufzuhalten. Weitere Kampftruppen konzentrierten sich auf die Gebiete nahe der demilitarisierten Zone (17. Breitengrad). Sie sollten eigene Militärbasen schützen, zugeteilte Gebiete durchsuchen, aufgefundene NLF-Kampfeinheiten vernichten, Grenzregionen kontrollieren und das Einsickern von NLF-Kräften verhindern. Das MACV verteilte die US-Kampftruppen nicht danach, möglichst viele Gebiete zu erobern, sondern danach, dem Gegner möglichst große Verluste zuzufügen, um ihm militärische Angriffe dauerhaft unmöglich zu machen.[103] Dazu setzten Hubschrauber kleine luftbewegliche Infanterie-Einheiten in einem Gebiet ab, das sie durchkämmten. So wenige Männer wie möglich sollten als eine Art „Köder“ den Kontakt zum Gegner herstellen. Sobald sie gegnerische Kämpfer entdeckten oder von diesen angegriffen wurden, fixierten sie deren Standort und forderten Luftunterstützung an. Diese vernichtete die Gegner durch massives Feuer, soviel wie verfügbar war.[104]

Die weitaus meisten Gebiete für diese Suchaktionen lagen in den Küstenebenen, einige im zentralen Hochland, in der Khe-Sanh-Region nahe der Grenze zu Laos und im Mekongdelta. Überall gab es vom Durchkämmen ausgenommene Zonen, weil die nächste US-Basis zu wenige Soldaten oder die NLF zuviele Kämpfer dort hatte. Diese Zonen wurden bei Rück- oder Überflügen unkontrolliert mit Artillerie beschossen oder mit restlichen Bomben beworfen. Dafür verbrauchte die US-Armee 1966 und 1967 fast 50 % ihrer Kampfmunition, in manchen zugeteilten Gebieten bis zu 85 %. Damit tötete sie eine unbekannte Zahl Zivilisten und vertrieb Überlebende aus ihren Wohngegenden. Dies erschwerte die spätere „Pazifizierung“ erheblich.[105]

Hubschraubereinsatz in Vietnam, 1966

Viele unerfahrene US-Soldaten leerten ihre kompletten Magazine im Dauerfeuer, so dass spätere Versionen des M16-Gewehres einen 3-Schuss-Modus erhielten. Zudem setzten die meisten US-Befehlshaber, die über einen relativ großen Handlungsspielraum verfügten, bei Kontakt zum Gegner auf die Feuerkraft ihrer Kommandos. 70 % der abgefeuerten Artilleriegeschosse wurden allerdings in Situationen verbraucht, bei denen es zu gar keinen oder nur leichten Gefechten kam. Statistisch wurden pro getötetem NLF-Kämpfer 50.000 Schuss verwendet.

Obwohl sie entgegen den Erwartungen keine messbare, entscheidende Dezimierung der NLF erreichten, forderten die US-Stabschefs immer mehr Soldaten und Feuerkraft. Bis Ende 1965 sandte die US-Regierung 184.000, bis Ende 1966 400.000, bis Ende 1967 485.000, bis Januar 1968 548.000 US-Soldaten in den Vietnamkrieg.[106] Allen US-Maßnahmen fehlten objektive Maßstäbe, was sie tatsächlich erreichten. So blieb unklar, ob mehr eingesetzte US-Bodentruppen prozentual mehr Gegner töteten:[107]

Datum US-Truppen Operationen Getötete Gegner
02/1966 208.000 57 4727
12/1966 385.000 89 3864
12/1967 486.000 129 7938
12/1969 479.000 90 9936
12/1970 335.000 90 6185

Die Gesamtzahlen des Body Count kamen durch systematisch gefälschte Gefechtsberichte zustande, weil die NLF-Kämpfer ihre Toten in der Regel mitnahmen, die US-Soldaten keine fremden Leichen im Dschungel suchen wollten und diese kaum von Zivilisten unterscheidbar waren. Das unbeobachtete Töten von Zivilisten und Übertreiben der Zahlen wurde üblich, weil Beförderungen von möglichst hohen Body Counts abhingen. Zudem befahl das MACV im Februar 1966, die Verluste des Gegners müssten bis zum Jahresende die von Hanoi bekanntgegebene Infiltration neuer Kämpfer unbedingt übersteigen. Reden von Regierungsmitgliedern erhöhten den Erfolgsdruck. So behauptete Dean Rusk im März 1967, es gebe Beweise, dass der Gegner seine Kräfte nicht aufrechterhalten könne. Im Herbst sprach Westmoreland von „Licht am Ende des Tunnels“; der Sieg sei nun absehbar.[108] Intern bestritt die CIA dies seit Frühjahr 1967 und schätzte die Zahl der NLF-Kämpfer doppelt so hoch ein wie das MACV, da sie den Ausgleich der Verluste durch eine rasche Rekrutierung in Südvietnam annahm. Das MACV dagegen bestritt das Scheitern seiner Zermürbungsstrategie. Die US-Regierung akzeptierte seine niedrigere Schätzung und segnete damit die systematischen Falschangaben beim Body Count ab. So blieb diese Art der Erfolgsmessung auch nach der Tet-Offensive bestehen.[109]

Verschiedenartige Maßnahmen sollten das „Schlachtfeld“ Südvietnam (eine eindeutige Front gab es gegen Guerillas nicht) gegen Infiltration isolieren. Dazu integrierte die US-Armee eine „Ranger Force“ in die ARVN, vergrößerte deren Spezialeinheiten und richtete Bootspatrouillen gegen Nachschub auf dem Seeweg ein. Auch das Wehrdorf-Programm der CIA, die Studies and Observation Group, Minenfelder und Garnisonen sowie die spätere Invasion von Laos dienten diesem Zweck. Jedoch verfehlten alle diese Maßnahmen ihr Ziel, weil Südvietnams Grenze zu lang, in zu viel Wildnis gelegen waren und der Ho-Chi-Minh-Pfad ständig neu aufgebaut und erweitert wurde.[107]

NLF-Kämpfer 1968 in einem Erdbunker

Nach schweren Niederlagen im ersten Kriegsjahr zog die PAVN ab Juli 1966 alle wehrfähigen Nordvietnamesen ein und wuchs von 250.000 auf 400.000 Mann. Bis zu 5.000 davon gelangten monatlich über den Ho-Chi-Minh-Pfad in den Süden, bis dort 1966 etwa 200.000 PAVN-Soldaten neben rund 120.000 Guerillakämpfern kämpften. Ihr Oberbefehlshaber General Nguyen Chi Tanh setzte anfangs auf überfallartige Angriffe auf ARVN- und US-Basen, die hohe Verluste unter den Angreifern forderten. Nach der verlorenen Schlacht im Ia-Drang-Tal (November 1965) änderte er die Strategie, vermied Großschlachten und verwickelte vor allem Sicherheitspatrouillen der ARVN in viele zerstreute Einzelkämpfe. 95 % dieser Kampfeinsätze führten Einheiten von 300 bis 600 Mann durch. Um die Lufthoheit der US-Airforce unwirksam werden zu lassen, bewegten sie sich nur nachts und während der Regenzeit, bevorzugten den Nahkampf und benutzten ausgedehnte Tunnelsysteme als Waffendepots und Rückzugsorte. Damit zwangen sie die US-Bodentruppen, sich zu verteilen, immer mehr Sicherungsaufgaben von der ARVN zu übernehmen und stets in ihre Basen zurückzukehren. US-Soldaten, denen Sprache und Kultur des Landes fremd waren, konnten kaum zwischen Guerillas und Bauern unterscheiden, mussten aber immer mehr vietnamesische Dörfer selbst kontrollieren und verstärkten durch ihr Verhalten den Eindruck, ein ausländischer Aggressor bedrohe das Volk und müsse von allen Vietnamesen gemeinsam bekämpft werden. Trotz vielfacher waffentechnischer und numerischer Unterlegenheit behielten Tanhs Truppen so die strategische Initiative und zerstörten die Aussicht der USA, ihren Kriegseinsatz und eigene Verluste örtlich und zeitlich zu begrenzen.[110] Die NLF konnte Verluste bis 1968 stets auffangen und ihre gezielten Nadelstiche fortsetzen. Obwohl US-Armee und ARVN zuletzt fast fünfmal so viele Soldaten aufboten, hielten ihre Gegner einen stetigen Strom an Material und Kämpfern aufrecht, die gut ausgebildet und meist weitaus motivierter waren.[111] Die ARVN konnte einmal besetzte Gebiete selten lange halten. Zudem musste die US-Armee viele Soldaten zum Schutz ihrer Militärbasen und dort gelagerten Waffen einsetzen, da diese ständig angegriffen wurden. Auch höhere Tötungsraten späterer US-Operationen schränkten den Aktionsradius der NLF nicht ein: Sie entschied weiterhin, wo, wann und wie lange gekämpft wurde. 1969 gingen weiterhin 75 % aller Kämpfe von ihr aus.[112]

Das Thieu-Regime

Im Februar 1965 entmachteten die ARVN-Generäle Nguyễn Cao Kỳ, Nguyễn Khánh Thi und Nguyễn Văn Thiệu das Kanh-Regime und versprachen den USA enge Zusammenarbeit gegen die NLF. Im März 1965 warnte Thieu die USA, die NLF beherrsche bereits 75 % Südvietnams. Er forderte verstärkte US-Bodeneinsätze, damit die ARVN eher defensive Aufgaben übernehmen konnte. Damit überließ diese den US-Truppen immer mehr die Kontrolle des Landes. In der ARVN und den Städten Südvietnams blieb das eigene Militärregime umstritten.[113]

Im März 1966 entließ Ky den Buddhisten Thi, der die ARVN-Einheiten von fünf nördlichen Provinzen befehligte. Dagegen protestierten die Buddhisten der Region, die mit der NLF ein Kriegsende aushandeln wollten. Ihr Führer Tri Quang erhielt enormen Zulauf von Teilen der ARVN. Obwohl Thieu baldige Wahlen für eine verfassunggebende Versammlung versprach, nahmen die Proteste zu, bis Ky Đà Nẵng mit Hilfe von US-Truppen besetzen und buddhistische Pagoden umzingeln ließ. Daraufhin setzten Demonstranten in Huế das US-Konsulat in Brand. Auch in Saigon protestierten immer mehr Buddhisten, Katholiken und andere Zivilisten gegen den US-Kriegseinsatz. Während die Überläufer der ARVN mit Ky und Thieu verhandelten, besetzten US-Truppen und loyale ARVN-Truppen Huế Anfang Juni und schlugen den Aufstand blutig nieder (180 Tote, über 700 Verletzte). Damit war der Versuch städtischer Südvietnamesen, den Krieg zu beenden, gescheitert. Im September 1967 hielten Ky und Thieu zwar demokratische Wahlen ab, an denen aber kaum Buddhisten teilnahmen. Trotz starker Wahlmanipulationen erhielt Thieu nur 34,8 % der Wählerstimmen. Die verfassunggebende Versammlung focht das Wahlergebnis an. Erst nach einer Intervention von US-Botschafter Ellsworth Bunker wählte sie Thieu zum Präsidenten Südvietnams und ließ zwei seiner Gegenkandidaten verhaften. Die meisten Südvietnamesen erkannten Thieu daher nicht an, sondern betrachteten ihn als US-Marionette.[114]

Südvietnam, 26. Oktober 1966 (von links): Lyndon B. Johnson, William Westmoreland, Nguyễn Văn Thiệu, Nguyễn Cao Kỳ (ganz rechts)

Thieu schuf einen auf Korruption basierenden Konsens, indem er die Generäle der ARVN an den Subventionen der USA beteiligte. Zudem unterstützte ihn die chinesischstämmige Handelselite. Die Militärs teilten auch illegale Märkte wie den Verkauf von Heroin unter anderem an US-Soldaten unter sich auf.[115] Auch unter Thieu diente die ARVN vor allem der Machtzuteilung und Machtkontrolle und blieb deshalb militärisch wenig effektiv.

Verhandlungs- und Vermittlungsangebote

Da sich die fortgesetzte Bombardierung Nordvietnams innen- und außenpolitisch nur durch parallel gezeigte Verhandlungsbereitschaft rechtfertigen ließ, bot Johnson Hanoi in der ersten Bombardierungspause im Juli 1965 erstmals Verhandlungen über die Anerkennung Südvietnams an. Das diente vor allem der Beruhigung der US-Bevölkerung. Im Dezember 1965 bot die US-Regierung in einem 14-Punkte-Plan erneut an, die Bombardierungen einzustellen, wenn Hanoi die Unterstützung der NLF in Südvietnam beende. Diese sollte weiterhin nicht in Südvietnam mitregieren dürfen. Nordvietnam machte umgekehrt das Einstellen der Luftangriffe zur Vorbedingung für Verhandlungen. Vermittlungsversuche von polnischen (November 1966), britischen und sowjetischen Diplomaten (Februar 1967) scheiterten jeweils an zeitgleich verstärkten US-Luftangriffen. Bis 1967 gab es an die 2000 solche Vorstöße von Einzelpersonen aus Drittstaaten.[116]

Bei der Konferenz von Glassboro im Juni 1967 vereinbarte Johnson mit dem sowjetischen Ministerpräsidenten Alexei Nikolajewitsch Kossygin den Einstieg in eine Begrenzung der strategischen Atomwaffen. Kossygin lehnte jedoch Johnsons Angebot ab, auch über die Abrüstung von antiballistischen Raketensystemen zu verhandeln: Wegen des Vietnamkriegs der USA, der ihre kriegerische Absicht zeige, könne die Sowjetunion nicht auf die Anschaffung solcher Abwehrsysteme verzichten.[117]

Im September 1967 bot Johnson mit der „San-Antonio-Formel“ erstmals an, die Luftangriffe einzustellen, sobald Nordvietnam in ernsthafte Verhandlungen einwillige und keine weiteren Kämpfer nach Südvietnam sende. Dann könne die NLF eine politische Rolle in Südvietnam spielen. Da er das Ziel eines unabhängigen Südvietnam und eines militärischen Sieges über die NLF festhielt und gleichzeitig Hanois Außenbezirke bombardieren ließ, reagierte Nordvietnam nicht auf das Angebot. Die dortige Führung hielt Verhandlungen seit dem Bruch der Genfer Beschlüsse von 1954 nur noch nach eindeutigen militärischen Erfolgen für sinnvoll und gab ihr Ziel eines vollständigen Rückzugs der USA, einer Machtbeteiligung der NLF und späteren Wiedervereinigung Vietnams nie auf. Verhandlungsangebote nutzte sie vor allem dazu, die US-Luftangriffe in der westlichen Öffentlichkeit moralisch zu diskreditieren.[118]

Von 1965 bis 1968 versuchte Johnson mehrmals, Papst Paul VI. als Vermittler zwischen den Kriegsparteien zu gewinnen. Er erbat vom Papst öffentliche Kritik an Nordvietnam, seiner Behandlung der US-Kriegsgefangenen, und Einflussnahme auf katholische Amtsträger in Südvietnam, NLF-Anhänger unter den Südvietnamesen von den US-Zielen zu überzeugen. Paul VI. lehnte diese Rolle ab und telegrafierte stattdessen im Februar 1965 an Johnson, er befürchte, der bevorstehende US-Kriegseinsatz könne in einen allgemeinen Krieg eskalieren. Ende 1967 erklärte er Johnson, er verstehe seine guten Absichten, könne aber niemals Krieg zustimmen. Er bot an, der Sowjetunion die friedlichen Ziele der USA zu erläutern. Er plante, eine Weihnachtsmesse in Saigon zu feiern und dann Nordvietnam zu besuchen. Nach der Tet-Offensive ließ Johnson diese Vermittlungsangebote jedoch zugunsten der Pariser Gespräche fallen.[119]

Tet-Offensive 1968

Saigon während der Tet-Offensive 1968

Seit 1961 hatte die NLF ihre Strategie analog zu Maos Volkskriegskonzept auf Eroberung ländlicher Regionen begrenzt, um Südvietnams Großstädte im Küstengürtel einzuschnüren. Wegen hoher NLF-Verluste im Süden forderte General Tanh im Juni 1967 in Hanoi, die als zweite Stufe vorgesehene Städteeroberung vorzuziehen. Daraufhin bereitete sein Nachfolger Vo Nguyen Giap einen koordinierten Überraschungsangriff lokaler Guerillakämpfer mit Kräften der NLF und PAVN auf die meisten Groß- und Provinzhauptstädte Südvietnams vor. Dieser sollte den USA zeigen, dass ihr Militär kein Zentrum Südvietnams dauerhaft sichern könne und ein Sieg somit illusorisch sei, sie zur Deeskalation bewegen, die ARVN zersplittern und im Idealfall einen allgemeinen Aufstand gegen das Regime in Südvietnam einleiten. Um den Überraschungseffekt zu erhöhen, wurde das vietnamesische Neujahrsfest (Tet), an dem traditionell Waffenruhe herrschte, als Angriffsdatum gewählt.[120]

Waffen wurden in Südvietnams Städte geschmuggelt. Zur Ablenkung zog Giap im Herbst 20.000 PAVN-Soldaten bei einer US-Basis zusammen und begann am 21. Januar 1968 die Schlacht um Khe Sanh. Um eine Niederlage wie in Dien Bien Phu unbedingt zu vermeiden, verteidigte Westmoreland diese US-Basis mit 50.000 US- und ARVN-Soldaten. Johnson ließ die Umgebung bis April mit der historisch dichtesten Menge Sprengstoff (100.000 Tonnen) bombardieren. Giap war die Ablenkung gelungen.[121]

Brennendes Camp der NLF in Mỹ Tho (5. April 1968)

Nach einzelnen verfrühten Angriffen begann am 31. Januar 1968 die Tet-Offensive. Dabei griffen rund 84.000 Kämpfer simultan zahlreiche Provinz- und Distrikthauptstädte an und versuchten diese zu erobern. Einen solchen heftigen Großangriff hatte die US-Armee trotz Warnungen ihrer Geheimdienste nicht erwartet.[122] In Saigon drangen NLF-Kommandos bis in die US-Botschaft vor. Sie wurden aber in Straßenkämpfen von ARVN-Kräften rasch zurückgedrängt und in den meisten Städten in wenigen Tagen ausgeschaltet. Dabei zerstörten US-Kampfhubschrauber ganze Stadtviertel. Das Ergebnis in Bến Tre kommentierte der US-Befehlshaber mit dem bekannten Satz: „Wir mussten Ben Tre zerstören, um es zu retten.“ Nur in der Schlacht um Huế hielten sich 7.500 PAVN-Soldaten bis zum 24. Februar. Sie ermordeten zwischen 2.000 und 6.000 unbewaffnete Zivilisten. Bei der Rückeroberung in Häuser- und Straßenkämpfen starben 216 US-Soldaten. Huế wurde fast vollständig zerstört. 100.000 Einwohner mussten fliehen.

Getötete NLF-Kämpfer, Saigon, Februar 1968

Bis März 1968 starben bei der Tet-Offensive über 14.000 Zivilisten, davon 6.000 in Saigon, 25.000 wurden verwundet und 670.000 obdachlos. Der erhoffte Aufstand der Südvietnamesen blieb aus. Die NLF verlor bis zu 40.000 Kämpfer (50 %), viele frühere Hochburgen und Rückzugsgebiete und damit erhebliche wirtschaftliche Ressourcen, Ansehen und Rekrutierungschancen bei der Landbevölkerung. Diese erhoffte nun fast nur noch ein Ende der Kämpfe. Die NLF-Truppen erholten sich nie mehr von ihren Verlusten. Die reguläre PAVN musste diese ausgleichen und trug fortan die Hauptlast des Krieges.[123]

Am 3. April 1968 beschloss Nordvietnams Führung, Verhandlungen mit den USA aufzunehmen. Ho, der seit 1965 nur noch als moralischer Schlichter interner Richtungskämpfe auftrat, forderte am 20. Juli 1968 letztmals, den Krieg bis zum endgültigen Sieg fortzusetzen. Er starb am 2. September 1969 ohne Nachfolger. Staatschef wurde Ton Duc Thang. Zwischen den Parteifunktionären Le Duan, der auf einen raschen militärischen Sieg gedrängt hatte, und Truong Chinh, der langfristiger Aufbau- und Überzeugungsarbeit Vorrang geben wollte, kam es zum Streit über die Folgerungen aus der Niederlage für die weitere Kriegführung.[124]

„Pazifizierung“

Die US-Generalstäbe wollten die Niederlage der NLF nutzen, um erweiterte Kriegspläne durchzusetzen. Westmoreland schlug im Februar 1968 ein Landeunternehmen gegen PAVN-Stellungen an der Küste Nordvietnams nahe der entmilitarisierten Zone vor und verlangte Angriffe von Bodentruppen auf PAVN-Rückzugsgebiete in Laos und Kambodscha und verschärfte Luftangriffe, um den Ho-Chi-Minh-Pfad wirksam zu unterbrechen. General Earle Wheeler unterstützte den Plan und forderte dafür Ende Februar weitere 206.000 US-Soldaten, also die Einberufung von Reservisten: Andernfalls werde Nordvietnam langfristig siegen. Erfolgskriterien und einen Zeitrahmen für diese neuen Bodeneinsätze nannte er nicht.

US-Verteidigungsminister McNamara trat Ende Februar 1968 infolge der Tet-Offensive und Konflikten mit Johnson um die Militärstrategie zurück.[125] Sein seit 1. März amtierender Nachfolger Clark M. Clifford befürwortete eine Rückkehr zur Enklaven-Strategie von 1965: Die US-Armee sollte sich ab sofort auf den Schutz der Großstädte begrenzen, der ARVN das Bekämpfen der Gegner überlassen und so den Vietnamesen einen internen Verhandlungsfrieden ermöglichen. Bevor Johnson seine Entscheidung für Cliffords Plan bekanntgeben konnte, veröffentlichte die New York Times am 10. März die Truppenforderung der Generäle. Daraufhin formierte sich Widerstand im US-Kongress: 139 von 400 Abgeordnete des Repräsentantenhauses verlangten in einer Resolution eine umfassende Neubewertung des gesamten US-Kriegseinsatzes. Johnsons außenpolitische Berater McGeorge Bundy, George Ball und Dean Acheson rieten anders als im Vorjahr am 25. März gegen Ausdehnung und unveränderte Fortsetzung des Krieges. Die Tet-Offensive bewirkte einen Meinungsumschwung: Die überraschende Offensivkraft des Gegners, den man am Rande des Zusammenbruchs geglaubt hatte, zerstörte die Hoffnung der US-Bürger auf das baldige Kriegsende und Johnsons Glaubwürdigkeit. Die Wähler fühlten sich von der Regierung irregeführt, die jahrelang den baldigen Sieg nach der jeweils nächsten Eskalation versprochen hatte. Hinzu kam die enorme Belastung des Staatshaushaltes und der US-Wirtschaft durch den Krieg.[126]

Am 31. März 1968 gab Johnson in einer Rede an die Nation bekannt: Er werde die Bombardements begrenzen, Nordvietnam Verhandlungen anbieten und nicht zur Wiederwahl antreten. Er ernannte Averell Harriman zum US-Vertreter für die geplanten Pariser Friedensgespräche und forderte Südvietnam auf, mehr Verantwortung für den Krieg zu übernehmen. Wie realistisch der letzte Punkt war, wurde in den USA kontrovers diskutiert.[127] Nordvietnam ging auf Johnsons Angebot ein und begann ab Mai 1968 in Paris Verhandlungen mit den USA. Beide Seiten hielten jedoch ihre Kriegsziele fest. Johnson stellte zwar ein Ende der Bombardements nördlich des 20. Breitengrades in Aussicht, verdreifachte aber die Bombardierungen in Südvietnam. Aufständische Gebiete wie das dicht besiedelte Mekongdelta ließ er dreimal so stark bombardieren wie den Norden. Der militärische Effekt dieses Vorgehens war minimal, da der Gegner weite Teile seiner Infrastruktur und Logistik unter die Oberfläche verlagert hatte. In der Hälfte der bombardierten Gebiete im Süden war die NLF nicht aktiv, so dass dort nur die Zivilbevölkerung getroffen wurde.[128]

Ende März ersetzte Johnson Westmoreland durch General Creighton Abrams. Dieser verkleinerte die US-Einheiten zu mobilen und nahkampferprobten Einsatzkommandos, die auch bisher gemiedene Sumpf- und Dschungelgebiete durchkämmten. Er vermehrte die „Search-and-destroy“-Einsätze, an denen sich im März und April rund 100.000 US-Soldaten beteiligten. Das im Juni 1968 gestartete „Phoenix-Programm“ der CIA sollte der NLF die Operationsbasis endgültig entziehen. Dabei gingen von US-Offizieren ausgebildete Spezialeinheiten der ARVN gegen lokale Kämpfer vor. Bis Mitte 1971 verhafteten sie 28.000 Guerillakämpfer, erschossen 20.000 und bewogen 17.000 auch mit Folter, die Seiten zu wechseln. Das Thieu-Regime benutzte das Programm zum Eliminieren von Oppositionellen, so dass die Spezialeinheiten auch viele nichtkommunistische Zivilisten ermordeten. Insgesamt töteten sie bis zu 50.000 Menschen.[129]

Parallel dazu intensivierte das US-Militär die 1966 begonnene „Pazifizierung“, die die ländlichen Regionen unter Kontrolle des Thieu-Regimes bringen sollte. Mit einem „Revolutionären Entwicklungsprogramm“ imitierte die ARVN die Methoden der NLF: Teams von je 60 Vietnamesen zogen in ein Dorf, boten soziale Dienste an und versprachen Sicherheit, um die Einwohner auf Thieus Seite zu ziehen. Das Programm war bisher an häufig fehlender Abstimmung zwischen US- und ARVN-Truppen, nicht weitergeleiteten oder verschleppten Entscheidungen in den korrupten Saigoner Behörden, mangelhafter Ausbildung der Rekruten und vielen Anschlägen der NLF auf sie gescheitert. Erst nach der Tet-Offensive und infolge des Phoenix-Tötungsprogramms zeigten die Beeinflussungsversuche breitere Wirkung.[130]

Ab Herbst 1968 übergab das US-Militär im Zuge der von Johnson versprochenen „De-Amerikanisierung“ der ARVN mehr Eigenverantwortung. Dazu wurde diese von 685.000 auf 800.000 Mann vergrößert, ihre Ausbildung verbessert und ihre Bewaffnung modernisiert. Abrams ließ ARVN- und US-Einheiten erstmals gemeinsam kämpfen, um ihnen die Offensiven gegen die NLF allmählich ganz zu überlassen. Südvietnams Generäle waren jedoch nicht an einer Ausweitung der Kampfeinsätze interessiert. Die Desertionen in der ARVN stiegen sprunghaft an. Die Stadtbevölkerung Südvietnams sah sich von den USA verraten. Am 1. November 1968 stellte Johnson die Bombardierung Nordvietnams ein.[131] Diese Maßnahme und der von Johnson verkündete Durchbruch in Richtung Friedensverhandlungen mit Vietnam erfolgte auch aus taktischen Gründen vor dem Hintergrund der Präsidentschaftswahl und ging als ein sogenannter October Surprise in die Geschichte ein.[132]

„Vietnamisierung“

Soldat der 101. US-Luftlandedivision in Vietnam

Der Republikaner Richard Nixon war als strenger Antikommunist bekannt. Er hatte 1954 einen US-Luftangriff auf Dien Bien Phu gefordert, Diems Diktatur und die Eskalation der Bombardierungen vorbehaltlos unterstützt. Er glaubte wie seine Vorgänger an die Dominotheorie, wollte Südvietnam daher unbedingt erhalten und die US-Unterstützung nicht aufgeben. Er sah den Vietnamkrieg aber als Hindernis dafür, die globale Hegemonie der USA in einer multipolaren, von mehreren Großmächten dominierten Welt zu wahren. Daher strebte er mit Geheimdiplomatie eine Entspannung der Beziehungen zur Sowjetunion und Volksrepublik China an, die auch deren Waffenhilfe an Nordvietnam beenden sollte. Dazu zentralisierte er die politischen Entscheidungsprozesse seiner Regierung im Nationalen Sicherheitsrat um Sicherheitsberater Henry Kissinger. Nixons Außenminister und Verteidigungsminister blieben profillose Befehlsempfänger.[133]

Nixon gewann die US-Präsidentschaftswahl 1968 mit dem Versprechen, einen „Frieden mit Ehre“ auszuhandeln. Zu seinem Wahlsieg trug bei, dass Thieu seine Teilnahme an den Pariser Gesprächen drei Tage vor dem US-Wahltermin absagte. Nixon hatte Thieu zuvor über Anna Chennault kontaktiert und ihn dazu gedrängt, die Verhandlungen noch vor der Wahl scheitern zu lassen.[134] Er wollte ebenso wenig wie seine Vorgänger vor US-Bürgern und Verbündeten als Verlierer des Vietnamkriegs dastehen, sondern sie von seinem Friedenswillen überzeugen und zugleich Nordvietnam zur Akzeptanz des Saigoner Regimes zwingen, um den US-Kriegseinsatz ohne Glaubwürdigkeitsverlust beenden zu können. Darum lehnten er und Kissinger einen einseitigen Abzug der US-Truppen ab. Um innenpolitisch die nötige Zeit für einen Verhandlungserfolg mit Nordvietnam zu gewinnen und seine Deeskalationsabsicht zu zeigen, schlug Nixon am 14. Mai 1969 im US-Fernsehen den gleichzeitigen Abzug der PAVN- und US-Truppen vor und garantierte den Erhalt des Thieu-Regimes. Am 8. Juni sagte er Thieu bei ihrem ersten Treffen zu, die ARVN für die Selbstverteidigung angemessen aufzurüsten und ihn stets von allen Geheimgesprächen mit Hanoi zu unterrichten. Am 9. Juli zogen die ersten US-Soldaten aus Südvietnam ab. Hanoi lehnte Nixons Vorschläge jedoch umgehend ab, da die von den USA abhängige ARVN bloß deren Krieg fortsetzen solle. Im Juli bildete die NLF eine provisorische Revolutionsregierung (PRG), die Hanoi sofort als einzige legitime Vertretung des südvietnamesischen Volkes anerkannte. Die PRG wurde in allen von der NLF beherrschten Gebieten organisiert und durch Nguyễn Thị Bình in Paris vertreten. Am 30. Juli versprach Nixon Thieu bei seinem Besuch in Saigon streng vertraulich weitere Bombardierungen Nordvietnams, damit Thieu dem US-Truppenabzug zustimmte.[135]

Nach der am 25. Juli 1969 erklärten Nixon-Doktrin wollten die USA verbündete asiatische Staaten weiterhin militärisch und ökonomisch unterstützen, aber ihnen die militärische Selbstverteidigung überlassen. Damit gab Nixon die von Johnson im Vorjahr eingeleitete Deeskalation als seinen Politikwechsel aus. In Südvietnam wurde diese „Vietnamisierung“ als US-Innenpolitik auf Kosten der ARVN abgelehnt. Creighton W. Abrams bremste wegen seiner Erfahrungen mit der ARVN das Abzugstempo. Die USA erhöhten deren Truppen auf über eine Million Mann, rüsteten sie mit modernen Waffensystemen auf und bildeten sie daran aus. Die Kämpfe der ARVN mit NLF und PAVN nahmen danach ab, und einige ARVN-Einheiten waren militärisch erfolgreich. Jedoch blieben Desertionen und Korruption in der ARVN verbreitet. Das Thieu-Regime blieb unpopulär und von US-Finanzhilfe abhängig.[136]

Südvietnam 1970 und der Einfall in Kambodscha

Im März 1970 weitete Thieu auf Druck der USA das Pazifierungsprogramm aus und beschloss eine Landreform. Bis 1972 erhielten 800.000 südvietnamesische Familien Land. Der Anteil der Grundeigentümer stieg von 29 auf 56 % der Bevölkerung. Mit dem Ausbau der Infrastruktur und Produktionsanreizen gelang es Thieus Regime in zwei Jahren, weite Teile Südvietnams zu kontrollieren. Wegen der durch Flüchtlingsströme veränderten Besiedlungsstruktur, dem fortgesetzten Phoenixprogramm, dessen Brutalität der NLF neue Anhänger zutrieb, der Korruption in den Behörden, einer weiteren manipulierten Wahl und der allgemeinen Kriegsmüdigkeit erhielt Thieu jedoch weiterhin kaum Sympathien der Bevölkerung und verfehlte damit sein Ziel, Südvietnam dauerhaft zu stabilisieren. Ein Bericht des US-Senats resümierte im Februar 1970: Unter Thieu bleibe Südvietnam auf US-Hilfe angewiesen, die Vietnamisierung könne mit ihm nur scheitern.[137]

Ab Juni 1969 zogen die USA 25.000, ab September weitere 60.000, ab März 1970 150.000, 1971 177.000 US-Soldaten aus Südvietnam ab. Etwa alle sechs Monate folgten weitere 50.000 Mann. Ende 1970 standen noch 334.000, 1971 noch 157.000, 1972 noch 95.000 (davon nur 6000 Kampftruppen), Anfang 1973 noch 27.000 US-Soldaten in Südvietnam.[138]

Invasionen in Kambodscha und Laos

US-Präsident Richard Nixon gibt am 30. April 1970 den Angriff auf Kambodscha bekannt

Nixon wollte seinen Ruf als Antikommunist nutzen und Nordvietnam durch unberechenbares Vorgehen überzeugen, er würde sogar einen Atomkrieg riskieren, um einen Erfolg der Pariser Gespräche zu erzwingen. Er nannte diese Strategie intern Madman theory. Im Februar 1969 befahl er die streng geheime Operation MENU, von der nicht einmal der Stabschef der Air Force erfuhr. Dabei warf die US-Luftwaffe mit stillschweigender Duldung von Prinz Norodom Sihanouk in 14 Monaten rund 100.000 Tonnen Bomben auf Rückzugsgebiete der NLF und PAVN in Kambodscha und Laos. Anschließend durchsuchten US-Spezialtrupps die betroffenen Gebiete, um Überlebende zu töten. Dabei starben eine unbekannte Menge Zivilisten. Der Nachschub für die NLF verringerte sich um nur 10 %. Die PAVN wich ins Landesinnere Kambodschas aus und verstärkte den laufenden Kambodschanischen Bürgerkrieg. Im Juni 1969 stellte Nixon Nordvietnam ein Ultimatum bis zum 1. November, in Verhandlungen über einen wechselseitigen Truppenabzug aus Südvietnam einzuwilligen, und drohte andernfalls mit schweren Folgen. Als Hanoi ablehnte, brachten seine Sicherheitsberater Nixon nur mit Mühe davon ab, Luftangriffe auf Hanoi und eine Seeblockade Nordvietnams zu befehlen.[139]

Am 18. März 1970 stürzte der US-freundliche Minister Lon Nol wahrscheinlich mit Hilfe der CIA den Regenten Kambodschas, Prinz Sihanouk. Lon Nol wollte die Rote Khmer und die mit ihr verbündeten PAVN-Kräfte vertreiben. Diese Lage nutzte die US-Armee für eine Bodenoffensive gegen Grenzgebiete Kambodschas nahe Saigon, in denen sie das Hauptquartier der NLF vermutete. Am 1. Mai 1970 rückten dort 43.000 Soldaten der ARVN und 31.000 US-Soldaten ein. In der „Schlacht von Kambodscha“ töteten sie rund 2000 NLF-Kämpfer, zerstörten viele Waffenlager und Bunker, ohne aber das Hauptquartier zu finden. Die meisten NLF-Kräfte wichen weiter ins Landesinnere aus und halfen den Roten Khmer dort, ihre Herrschaft allmählich auf fast 50 % Kambodschas auszudehnen. Zugleich dünnte der Vorstoß die US- und ARVN-Truppen in Südvietnam aus und entlastete somit die dortigen NLF-Kräfte. In den USA wuchsen die Proteste auch im US-Kongress auf einen Höchststand, so dass Nixon die Invasion Kambodschas im Juni 1970 beenden musste.[140]

Im September 1969 beschloss der US-Kongress ein gesetzliches Verbot von US-Bodentruppen in Thailand und Laos. Im Dezember 1970 verbot er Nixon US-Bodeneinsätze in Laos. Vom 8. Februar bis 24. März 1971 versuchte die ARVN allein die Nachschublinien der NLF in Laos zu unterbrechen (Operation Lam Son 719), um der Vietnamisierung und Verhandlungen mit Nordvietnam Zeit zu verschaffen. Doch die NLF erfuhr von den Einsatzplänen und schlug die ARVN-Truppen in die Flucht. Nur massive US-Luftangriffe verhinderten, dass sie völlig aufgerieben wurden.[141]

Weitere schwere Luftangriffe der USA auf Kambodscha und Laos fanden in den Operationen 'Commando Hunt' von 1968 bis 72 und 'Freedom Deal' von 1970 bis 73 statt. Die Ziele dieser Operationen wurden jedoch nicht erreicht.[142] Die Kambodschanische Regierung schätzte später, dass insgesamt mehr als 20 Prozent der Güter des Landes während des Krieges zerstört wurden.[143]

Oster-Offensive 1972

Nach der verlorenen Tet-Offensive hatte NLF-General Giap dem Aufbau konventioneller Streitkräfte in Südvietnam Vorrang vor Guerillagefechten gegeben. Für diesen Aufbau erhielt Nordvietnam 1970 neue Waffenlieferungen von Sowjetunion und China, indem es ihren Konflikt geschickt ausnutzte. Die NLF festigte während der Kambodscha-Invasion 1970 ihren Einfluss im Mekongdelta, band dort dauerhaft ARVN-Kräfte und konnte so bis Mitte 1971 auch in anderen Teilen Südvietnams wieder Fuß fassen. Im Juli 1971 bot Kissinger der Volksrepublik China bessere Beziehungen zu den USA an, wenn sie Hanoi zum Einwilligen in Kompromisse bei den Pariser Gesprächen nötigen würde. Nixon wollte die Volksrepublik China als erster US-Präsident im Februar 1972 besuchen. Nordvietnams Premierminister Phạm Văn Đồng versuchte Mao erfolglos von diesem Besuchsplan abzubringen. Um der befürchteten Annäherung zwischen USA und China zuvorkommen, bereitete Hanoi eilig einen Großangriff der PAVN auf Südvietnam vor.[144]

Erneut schätzten US-Geheimdienste beobachtete Truppenbewegungen in Nordvietnam falsch ein. Im März überschritten 120.000 PAVN-Soldaten in drei Angriffskeilen die Grenzen zu Südvietnam und eroberten in wenigen Tagen die fünf nördlichen Provinzen, große Teile des zentralen Hochlandes mit Kon Tum und drangen bis 70 km vor Saigon vor. Da Thieu alle ARVN-Kräfte zum Schutz der Großstädte zusammenziehen musste, eroberte die NLF im Mekongdelta viele ARVN-Basen. Dies zeigte dem Thieu-Regime, dass Frieden nur mit der NLF erreichbar wäre, und den USA, dass die Vietnamisierung ebenso illusorisch war wie ein militärischer Sieg.

Für Nixon waren eine militärische Niederlage und der Verlust Südvietnams im Wahljahr 1972 jedoch unannehmbar. Er kündigte am 8. Mai 1972 als bisher schwerste Eskalation des Krieges die Verminung des Hafens von Hải Phòng, eine Seeblockade und erneute Flächenbombardierungen Nordvietnams an. Bei dieser Operation Linebacker warf die US-Luftwaffe im Juni 112.000 Tonnen Bomben ab, darunter erstmals auch sich selbst elektronisch ins Ziel steuernd Präzisionsgelenkte Munition (eng. Smart Bombs). Diese unterbrachen den Nachschub für die PAVN wirksam, so dass die ARVN deren Kräfte bis zum Juli zurückschlagen konnte. Dabei starben rund 100.000 PAVN- und 25.000 ARVN-Soldaten. Erneut flohen hunderttausende Südvietnamesen aus ihren Dörfern. Entgegen Warnungen der Berater Nixons protestierten Sowjetunion und China nur schwach gegen die Eskalation und setzten ihre Entspannungspolitik mit den USA fort. Dies zeigte Hanoi, dass Kompromisse mit den USA unvermeidbar waren. Die meisten US-Bürger stimmten der erneuten Bombardierung Nordvietnams laut Umfragen zu. Jedoch wuchs der Widerstand im US-Kongress, den Krieg weiter zu finanzieren.[145]

Pariser Waffenstillstand

Kissinger hatte seit 1967 Kontakte mit Vertretern Nordvietnams. Im Auftrag Nixons, von dem weder Thieu noch US-Außenminister William P. Rogers wussten, bot er Hanoi im Dezember 1968 und erneut im Mai 1969 Geheimgespräche an, um die mit vier Parteien komplizierten Pariser Gespräche zu umgehen und Thieu, der jede Reduktion von US-Hilfe ablehnte, zu Kompromissen zu zwingen. Er sah voraus, dass sich das Saigoner Regime nach dem US-Truppenabzug nicht halten werde. Die Geheimgespräche sollten den USA einen Rückzug ohne Glaubwürdigkeitsverlust gestatten. Am 21. Februar 1970 traf Kissinger erstmals den kommunistischen Spitzenpolitiker Lê Đức Thọ, mit dem er fortan regelmäßig verhandelte. Tho sah Nordvietnam als Sieger des Krieges und lehnte jede Lösung ab, die den Kommunisten in Südvietnam keine dominante Rolle zubilligen würde. Erst nach der Bombardierung 1972 sah er das Anliegen der USA, ohne Gesichtsverlust aus dem Krieg herauszukommen, als im eigenen Interesse liegend an.[146]

Kissinger konnte jedoch keinen wechselseitigen Truppenabzug durchsetzen, da der einseitige Truppenabzug der USA weit fortgeschritten war und US-Kongress wie US-Bürger eine weitere Eskalation ablehnten. Im Herbst 1972 erkannte Tho den Fortbestand des Thieu-Regimes vorläufig an und schlug einen nationalen Rat zur Vorbereitung allgemeiner Wahlen vor, in dem auch die NLF und neutrale Gruppen gleichberechtigt vertreten sein sollten. Nordvietnam werde einem Waffenstillstand sofort zustimmen und alle Kriegsgefangenen austauschen, falls die USA ihre Angriffe einstellen und in 60 Tagen aus Südvietnam abziehen würden. Kissinger setzte ein gemeinsames Kontrollgremium für den Waffenstillstand und internationale Überwachung des Friedensprozesses durch.

Thieu, der in Paris nicht mitverhandelt hatte, hatte inzwischen durch seinen Geheimdienst von Kissingers Geheimgesprächen mit Tho erfahren. Daraufhin lehnte er den Vertragsentwurf strikt ab. Kissinger versuchte den Kompromiss mit diplomatischem Druck zu retten und erklärte am 25. Oktober: „Wir glauben, der Frieden steht vor der Tür.“ Damit begünstigte er Nixons hohen Wahlsieg im November 1972. Dieser wollte ein für die USA und Südvietnam günstigeres Abkommen aushandeln. Er überließ der ARVN große Waffenbestände der US-Armee (Operation Enhance Plus) und versprach Thieu in geheimen Briefen, er werde weitere Luftangriffe anordnen, falls Hanoi den Waffenstillstand nach dem US-Abzug missachte. Am 13. Dezember befahl er die Operation Linebacker II, um Hanoi zum Einlenken zu zwingen. Dabei flog die US-Luftwaffe vom 18. bis 29. Dezember 1972 (außer am Heiligabend) pausenlos 3.500 Angriffe auf Nordvietnam, tötete 2000 Zivilisten und zerstörte einige Viertel Hanois. Damit erreichte das Ansehen der USA weltweit einen historischen Tiefpunkt.[147]

Unterzeichnung des Pariser Abkommens

Danach beteiligte sich Nordvietnam wieder an den Pariser Gesprächen. Der Vertragsentwurf vom Oktober wurde nur noch in Randdetails verändert. Am 27. Januar 1973 unterzeichneten alle Beteiligten das Pariser Abkommen. Es verpflichtete die USA zum vollständigen Truppenabzug in 60 Tagen, Nordvietnam zur Freilassung aller Kriegsgefangenen, untersagte allen Fremdmächten militärische Einmischung in Laos und Kambodscha, erlaubte Nordvietnam, etwa 140.000 PAVN-Soldaten in Südvietnam zu lassen, und der NLF, die von ihr kontrollierten Gebiete bis zur allgemeinen Wahl zu verwalten. Die entmilitarisierte Zone um den 20. Breitengrad wurde in eine vorläufige Demarkationslinie umgewandelt und war somit keine völkerrechtlich anerkannte Grenze mehr. Damit erfüllte der Vertrag alle Hauptforderungen Nordvietnams, nicht aber Südvietnams, das den Verbleib von US-Truppen im Land und Abzug der PAVN gefordert hatte. Sein Fortbestand hing allein davon ab, ob die USA Nixons geheime briefliche Zusagen an Thieu einhalten würden. Zudem versprach Nixon Nordvietnam in einem geheimen Zusatzprotokoll Milliardenhilfe für den Wiederaufbau. Bis Ende März verließen offiziell die letzten stationierten und kriegsgefangenen US-Soldaten Vietnam. Erstmals seit etwa 100 Jahren standen dort keine ausländischen Truppen mehr. Die US-Regierung stellte das Abkommen als den von Nixon fünf Jahre zuvor versprochenen „ehrenvollen Frieden“ dar, obwohl ihr die Vertragsmängel bewusst waren: Kissinger schätzte die Überlebensdauer des Thieu-Regimes auf anderthalb Jahre.[148]

Nordvietnam erobert Südvietnam

Von März bis 15. August 1973 bombardierte die US-Luftwaffe die südlichen Grenzgebiete Kambodschas weiter mit 250.000 Tonnen Sprengstoff. Zwei von sieben Millionen Kambodschanern flohen. Nixon musste die Angriffe einstellen lassen, weil der US-Kongress im Juni alle Finanzmittel dafür gestrichen hatte. Zudem setzte der Kongress Wirtschaftshilfe für Nordvietnam aus, bis alle Fälle vermisster US-Soldaten geklärt wären. Im November beschloss er die War Powers Resolution. Sie befristete jede künftige US-Militärintervention auf zunächst 60 Tage, die der US-Präsident nur mit Erlaubnis einer Mehrheit der Kongressabgeordneten verlängern konnte oder in weiteren 30 Tagen beenden musste. Der Kongress leitete zudem das Amtsenthebungsverfahren gegen Nixon ein. Darum konnte dieser sein Beistandsversprechen an Thieu nicht einhalten.[149]

Beide Regimes in Vietnam brachen häufig das Pariser Abkommen. Die ARVN-Generäle nahmen nicht am Nationalen Rat teil und besetzten 1973 etwa 1000 Dörfer, um ihren Machtbereich auszudehnen. Obwohl die ARVN mit 1,1 Millionen fast viermal so viele Soldaten hatte wie die PAVN, hatten bei ihr zwei Drittel davon, bei der PAVN nur 10 % (etwa 30.000 Soldaten) stationäre und defensive Aufgaben. Sie überließen der ARVN kampflos Gebiete, die im Kriegsfall nur schwer zu verteidigen wären. Nordvietnam baute den Ho-Chi-Minh-Pfad zu einer breiten Straße mit Versorgungslagern aus und legte eine 2000 km lange Pipeline bis ins südliche Kambodscha an. Bis zum Jahresende 1974 kontrollierte die PAVN ein relativ geschlossenes Gebiet in Südvietnam. Die NLF band 50 % der ARVN-Truppen im Mekongdelta.[150]

Durch den Abzug der US-Armee verloren 300.000 Südvietnamesen ihre Arbeitsplätze; die Arbeitslosigkeit stieg in Südvietnam auf 40 %. Die Ölkrise 1973 verteuerte Importe und verstärkte Inflation und Rezession. Zudem verursachte das Thieu-Regime durch Marktkontrolle erhöhte Preise und sinkende Vorräte für Reis. Es kam zu Versorgungsengpässen in den Städten. 1974 bewilligte der US-Kongress der ARVN noch 700 Millionen Dollar Militärhilfe, die nach Abzug von Transportkosten auf 300 Millionen sanken und somit kaum noch effektive Kampfeinsätze ermöglichten. Wegen sinkender Kampfmoral und zu niedrigem Sold desertierten 1974 240.000 ARVN-Soldaten. Die Korruption in und zwischen den Truppenteilen wuchs. Da viele ihrer Soldaten plünderten, lehnten immer mehr Bauern die ARVN ganz ab. Südvietnams nichtkommunistische Opposition war zerstritten. Die Oberschicht brachte allmählich ihren Besitz aus dem Land. Thieu blieb passiv und verließ sich bis zu Nixons Rücktritt im August 1974 auf die Zusagen der noch 9000 US-Militärberater, die USA würden ihm notfalls beistehen.[151]

Flucht von Vietnamesen vor den kommunistischen Truppen

Anfang Dezember 1974 besetzte die NLF die Provinzhauptstadt Dong Xoai nahe Kambodscha. Am 18. Dezember beschloss Hanoi daraufhin eine Frühjahrsoffensive der PAVN zur Eroberung des zentralen Hochlandes Südvietnams, um 1976 einen Aufstand in den Großstädten einzuleiten. Im März 1975 überschritt die PAVN die Demarkationslinie nach Südvietnam mit 16 Divisionen und eroberte wie geplant zunächst Ban Me Thuot. Thieu gab das zentrale Hochland daraufhin auf und befahl der ARVN den Rückzug in die Küstenregion um Saigon, um seine Herrschaft zu retten. Der befehlshabende ARVN-General verließ jedoch mit seiner Familie das Land. Die führerlosen ARVN-Truppen flohen ungeordnet und ermöglichten so der PAVN das ungehinderte Vorrücken. Am 25. März eroberte sie Huế, Tage später Đà Nẵng, im April Pleiku, Nha Trang und Bien Hoa ohne die erwarteten verlustreichen Schlachten. Nun beschloss Hanoi, auch Saigon anzugreifen. Am 21. April floh Thieu ins Ausland; General Duong Van Minh übernahm für neun Tage sein Amt. Gerald Ford, der als Vizepräsident in Nixons Amt nachgerückt war und seine Wahlchancen zum US-Präsidenten wahren wollte, lehnte wie von Hanoi erwartet erneute US-Luftangriffe und Soforthilfen für die ARVN gegen den Rat von US-Stabschef Frederick C. Weyand ab. Während der US-Kongress darüber beriet, rückte die PAVN schon gegen Saigon vor.[152]

Am 21. April erreichte sie Saigons Stadtrand. Erst daraufhin leiteten CIA und US-Militärberater eine Evakuierung ein. In der Folgewoche brachten US-Piloten pro Tag etwa 7.500 Personen mit Passagierflugzeugen aus Saigon. Am 28. und 29. April zerstörten nord- und südvietnamesische Bomben den Flughafen. Große US-Helikopter brachten am 29. und 30. April nochmals 7.014 Personen aus der Stadt auf US-Flugzeugträger vor der Küste. Insgesamt verließen über 130.000 Südvietnamesen ihr Land; etwa 30.000 davon erreichten die Philippinen. Als deren Präsident Marcos die weitere Aufnahme von Flüchtlingen verweigerte, nahm Guam 50.000 Südvietnamesen auf.[153] Auf dem Gelände der US-Botschaft kam es in den letzten 18 Stunden der Evakuierung mit Hubschraubern (Operation Frequent Wind) zum Kampf zwischen fluchtwilligen Vietnamesen und US-Bürgern und Schusswechseln zwischen US-Wachpersonal und ARVN-Soldaten. Am 30. April nahm die PAVN die Innenstadt und um 11:30 den Präsidentenpalast Saigons ohne Widerstand ein. Sie wurde vielfach freudig von den Südvietnamesen begrüßt. Am Nachmittag erklärte Duong Van Minh die Kapitulation, die nur der deutsche Journalist Börries Gallasch aufzeichnete.[154] Mit der vollständigen Einnahme Saigons am 1. Mai 1975 endete der jahrzehntelange Vietnamkrieg.

Bilanz

Tote und Verletzte

Die Gesamtzahl der durch diesen Krieg getöteten Vietnamesen wird verschieden geschätzt, weil Kriegszeitraum und Kriegsgebiete verschieden bestimmt werden, amtliche Aufzeichnungen fehlen, geheimgehalten oder gefälscht wurden, viele Opfer nicht identifizierbar oder unauffindbar waren und bis heute Menschen an kriegsbedingten Schäden sterben.

Ausgehend von Krankenhausstatistiken in Südvietnam, schätzte Guenter Lewy 1978, dass 1,2 Millionen vietnamesische Zivilisten von 1965 bis 1974 durch Kriegshandlungen getötet wurden. Ein Komitee des US-Senats schätzte diese Opfer damals auf 1,4 Millionen.[155] Rudolph J. Rummel schätzt, dass von 1960 bis 1975 1.747.000 Vietnamesen durch Krieg getötet wurden. Hinzu kommen vietnamesische, laotische und kambodschanische Opfer der Demozide, die vor, in und nach diesem Krieg stattfanden.[156] Marc Frey schätzte 2,3 Millionen von 1961 bis 1975 im Krieg getötete Vietnamesen.[157] Gesamtschätzungen reichen bis zu vier Millionen, etwa einem Achtel der Gesamtbevölkerung Vietnams, davon 2,6 Millionen Südvietnamesen und 1,1 Millionen PAVN- und NLF-Kämpfer.[158] Während des US-Kriegseinsatzes befragte US-Bürger glaubten dagegen, es habe nur etwa 100.000 vietnamesische Kriegsopfer gegeben.[159]

Nordvietnam veröffentlichte während des Krieges keine oder viel zu niedrige Verlustzahlen, um Demoralisierung oder Aufstände der eigenen Bevölkerung zu vermeiden. Am 3. April 1995 gab Vietnam bekannt, dass von 1954 bis 1975 im Krieg je zwei Millionen nord- und südvietnamesische Zivilisten (12–13 % der Gesamtbevölkerung) und 1,1 Millionen PAVN-Soldaten und NLF-Kämpfer gestorben seien. 600.000 Soldaten seien verwundet worden.[160] Zudem töteten im Krieg verwendete Sprengsätze, etwa Landminen, nach Angaben Vietnams von 1975 bis 2011 über 42.000 und verletzten über 62.000 Vietnamesen.[161] An von Agent Orange verursachten Schäden starben bis 2009 weitere 400.000 Vietnamesen.[162]

Demnach starben im Vietnamkrieg etwa viermal so viele Zivilisten wie Soldaten. Als Ursachen dafür gelten die hochtechnisierte Kriegführung, massive Flächenbombardements und Artilleriebeschuss in bewohnten Gegenden, das wahllose Töten in Free-Fire-Zonen, die Gleichsetzung von Bauern und Guerillakämpfern und der Einsatz chemischer Kampfmittel auf Distanz.[163]

Das US-Militär registrierte seit dem 8. Juni 1956 exakt 58.220 in Vietnam getötete US-Soldaten. 55.661 davon starben in Südvietnam, 40.934 in Kämpfen, besonders viele in den Jahren 1967 (11.100), 1968 (16.600) und 1969 (11.600). 38.000 gehörten zum Heer, ungefähr 14.000 zur Marineinfanterie. 49.380 waren Weiße, 7.243 Afroamerikaner. 48.717 waren einfache Soldaten, 7.881 Offiziere.[164] Über die Hälfte waren 21 Jahre oder jünger, 18 davon hatten noch nicht ihr 18. Lebensjahr vollendet.[165] Der jüngste Gefallene war ein 15-jähriger Marineinfanterist, der bei seiner Rekrutierung ein falsches Geburtsdatum angegeben hatte.[165][166] 18 % der Todesfälle wurden durch Friendly Fire verursacht.[167] 153.303 US-Soldaten wurden verwundet.[168] Die mit den USA und Südvietnam verbündeten Truppen verloren zusammen 5.264 Soldaten, über 4000 davon aus Südkorea.[169]

Folgeschäden

Die kriegsbedingte Bevölkerungsstruktur, soziale Umwälzungen, Verwüstungen, Kriegsverletzungen, Traumatisierungen und Folgekrankheiten belasten Millionen Vietnamesen und verkürzen ihre Lebenserwartung. Bei Kriegsende 1975 hatte Südvietnam eine Million Kriegswitwen, 875.000 Waisenkinder, 200.000 Behinderte und 200.000 Prostituierte.[170] Hinzu kommen die Folgen interner Vertreibungen und Fluchtwellen. In Laos flohen zwischen 1960 und 1970 bis zu 700.000 Menschen, 40 % davon Angehörige der Meos, vor den Bombenangriffen der US-Air Force. Mindestens 40.000 starben durch Kämpfe, weitere 100.000 durch Hunger und Krankheiten während des Krieges.[171]

Landminen-Opfer in Vietnam

Wissenschaftler schätzen, dass die US Air Force von 1965 bis 1971 die zwei- bis dreifache Menge an Bombenmunition (bis zu 7 Millionen Tonnen) auf Vietnam abwarf wie im gesamten Zweiten Weltkrieg. Sie hinterließen geschätzte 21 Millionen Bombenkrater; manche Regionen Vietnams sind so dicht übersät damit, dass sie einer Mondlandschaft gleichen. Geschätzte 3,5 Millionen Landminen und etwa 300.000 Tonnen nicht explodierter Kriegsmunition befinden sich im Boden Vietnams.[172]

U.S. Fairchild UC-123B versprühen Agent Orange

Dioxinhaltige Herbizide, vor allem Agent Orange, richteten langfristige Umweltschäden an. Die versprühte Menge entspricht 400 kg reinem Dioxin. Sie traf geschätzte 3,3 Millionen Hektar Wald, kontaminierte 3000 vietnamesische Dörfer[173] und vergiftete geschätzte 24.000 Quadratkilometer dauerhaft. Dieses Siebtel der Gesamtfläche Südvietnams umfasst einen weit höheren Prozentsatz der einst fruchtbaren Ländereien und Wälder. Zudem wurden 1200 Quadratmeilen (etwa 3000 km²) Südvietnams mit Bulldozern eingeebnet.[174] 2007 litten eine Million Erwachsene und 150.000 Kinder in Vietnam an Krebskrankheiten, psychischen und genetischen Schäden. Da Dioxine und Erbgutschäden persistent sind, werden sie weitere Generationen betreffen.[100]

Die US-Hersteller hatten im Februar 1965 verabredet, vor der US-Regierung geheim zu halten, dass ihre mit Dioxinen verunreinigten Herbizide innere Organe schwer schädigen. Im Herbst 1969 bewies eine Studie, dass Agent Orange Schäden am Erbgut, Fehlbildungen von Föten und Fehlgeburten verursacht. 1970 wurde es zunächst in den USA verboten. Ab 1978 reichten an Krebs erkrankte Vietnamveteranen erste Sammelklagen gegen Monsanto ein, denen sich Arbeiter des Unternehmens anschlossen. Von Monsanto in Auftrag gegebene Studien, die einen Zusammenhang zwischen Kontamination mit seinen Produkten und Krebserkrankungen der Kläger bestritten, erwiesen sich 1986 als methodisch gefälscht.[175] 1991 beschloss der US-Kongress daher ein Gesetz, dass US-Kriegsveteranen, die an auf Agent Orange zurückführbaren Krankheiten leiden, als Kriegsverletzte einstuft. Das erleichterte ihnen den Erhalt von Entschädigungszahlungen. Nach und nach erkannte das Department für Veteranenangelegenheiten 14 Krankheiten an, die Entlaubungsmittel verursachen können: darunter Parkinson, multiples Myelom, Typ-2-Diabetes, Herzschwäche und Prostatakrebs. Prozesse von damals auf offener See eingesetzten US-Marine-Soldaten, hinsichtlich des Kontakts mit Herbiziden mit im Inland eingesetzten Soldaten gleichgestellt zu werden, laufen noch.[176]

Über 40.000 US-Soldaten wurden bis 1970 in Vietnam heroinabhängig. 330.000 Heimkehrer waren Ende 1971 arbeitslos. Über 300.000 von bis dahin zwei Millionen Veteranen wurden bis Ende 1972 straffällig und inhaftiert.[177] Seit 1969 wurde allmählich bekannt, dass hunderttausende Vietnamveteranen unerkannte und unbehandelte Traumatisierungen erlitten hatten. Diese verursachten eine besondere post traumatic stress disorder (PTSD). Eine jahrelang durchgeführte wissenschaftliche Studie ergab bis 1982: 478.000 (15,2 %) von 3,14 Millionen Veteranen litten an voller, weitere 350.000 (11,1 %) an partieller PTSD. Unter Afroamerikanern (20,6 %), Hispanics (27,9 %) und durch Kriegsverletzungen Behinderten lagen die Prozentanteile noch höher. Nur ein geringer Bruchteil davon hatte sich deswegen medizinisch behandeln lassen. Daraufhin wuchs im US-Kongress die Bereitschaft, spezielle Therapiezentren und -programme für Vietnamveteranen zu finanzieren.[178]

Kosten

1966 gab die US-Regierung doppelt soviel für den Vietnamkrieg aus wie für soziale Reformprogramme. Bis 1968 stiegen die Kriegskosten auf 80,5 Milliarden Dollar und verursachten einen Anstieg der Inflation von 2,7 auf 4 %. Im März 1968 kam es zu einer Krise des Goldmarkts. Daraufhin forderten auch Wirtschaftseliten in den USA ein baldiges Kriegsende.[179]

Die US Army registrierte 8.612 zerstörte Flugzeuge und 4.868 zerstörte Helikopter im Wert von etwa 12 Milliarden Dollar. Die verbrauchte Munition kostete 37 bis 42 Milliarden Dollar. Der durchschnittliche Öl- und Gasverbrauch der Armee von einer Million Barrel pro Tag trug zur Ölkrise von 1973 bei. James Donovan schätzte die Kriegskosten der USA inklusive der Unterhaltskosten alliierter Armeen auf 108,5 Milliarden Dollar.[180] Laut Anthony S. Campagna belastete der Kriegseinsatz der USA ihren Verteidigungshaushalt mit etwa 173 Milliarden Dollar. Indirekte und spätere Kosten, etwa für den Unterhalt der verbündeten Truppen, Wirtschaftshilfen für deren Staaten, Entschädigungen für kriegsverletzte US-Veteranen, Zinsen für Kriegskredite sowie Steuerkosten der Wehrpflicht und Steuerausfälle durch Kriegstote schätzte er auf zusätzliche 332 Milliarden. Die Belastungen des Staatshaushalts durch kriegsbedingte Inflation und Exportrückgänge seien darin noch nicht berücksichtigt.[181]

Die USA verweigern Vietnam bis heute Reparationen oder andere Entschädigungen. Stattdessen musste Vietnams Regierung 1993 die Schulden des früheren Südvietnams übernehmen, um Kredite zu erhalten und die Aufhebung eines Embargos der USA zu erreichen. 2007 bewilligten die USA erstmals 400.000 Dollar zur Beseitigung von Dioxinrückständen in Danang.[182] Im Mai 2009 verdoppelte US-Präsident Barack Obama diese Hilfe von drei auf sechs Millionen Dollar. Entschädigungsklagen von krebserkrankten Vietnamesen wiesen US-Gerichte jedoch zurück.[162]

Kriegsverbrechen

Mordopfer von My Lai

Infolge der Tet-Offensive hob General Westmoreland die Schutzregeln der US-Armee für Zivilisten im Februar 1968 befristet auf und erlaubte Truppenführern, Orte umkämpfter Regionen ohne Rücksprache und mit Waffen und Verbänden ihrer Wahl anzugreifen. Die Task Force Barker hatte in ihren Einsätzen etwa 20 % ihrer Männer verloren und wenige Body Counts vorzuweisen. Ihr Offizier Ernest Medina unterwies seine Soldaten am 15. März, auch Frauen und Kinder ihres Suchbereichs als Feinde zu behandeln, und forderte sie damit zum Morden auf.[183] Am 16. März 1968 ermordeten mindestens 22 US-Soldaten beim Massaker von My Lai 504 Personen, meist Frauen, Kinder und Alte, und addierten diese Opfer zu den von ihnen getöteten NLF-Kämpfern. Hubschrauberpilot Hugh Thompson junior verhinderte weitere Morde und evakuierte einige Dorfbewohner. Erst ein Jahr später erreichte der unbeteiligte Zeuge Ron Ridenhour eine interne Ermittlung. Keiner der wenigen Überlebenden wurde als Zeuge gehört.[184] Am 5. Dezember 1969 machte ein Bericht von Seymour Hersh das Massaker weltweit bekannt.[185] Der leitende Lieutenant William Calley wurde 1971 dafür zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach einer Revision wurde die Haftstrafe auf dreieinhalb Jahre reduziert. Im November 1974 erließ Nixon ihm die Reststrafe.[186]

Die US-Regierung stellte das Verbrechen als isolierte Einzeltat dar, um ihre Truppen nicht früher zurückziehen zu müssen. Bis zu 150 aktiv und passiv beteiligte Vietnamveteranen, darunter John Kerry, bezeugten daraufhin auf zwei Konferenzen („Winter Soldier Investigation“, Dezember 1970, Januar/Februar 1971), dass ähnliche Verbrechen täglich vorgekommen seien.[187] In My Lai seien nur besonders viele Dorfbewohner auf einmal getötet worden. Offiziere hätten neue US-Soldaten subtil, aber wirksam in das systematische Ermorden von Zivilisten und Gefangenen eingewiesen. Heute weist eine Mahn- und Gedenkstätte auf diese Verbrechen hin.[188]

Video von der Operation Baker, 1967

Das Magazin Toledo Blade machte 2003 Kriegsverbrechen der Tiger Force bekannt. Diese beging 1967 bei Zwangsumsiedlungen (Strategic Hamlet Program) in den Provinzen Quảng Ngãi und Quảng Nam sieben Monate lang zahlreiche Massenmorde beim Durchkämmen zerstörter Dörfer. Die US-Armee ermittelte von 1971 bis 1975 18 mutmaßliche Täter, stellte sie aber nicht vor Gericht. 2003 erklärten drei der Täter öffentlich, sie hätten nur Befehle ausgeführt. Derartige Mordaktionen seien bei allen US-Bodentruppen üblich gewesen, besonders in free-fire zones, wo Zivilisten als Freiwild galten. US-Militärakten verzeichnen solche Verbrechen von hunderten Kampfeinheiten. Das oberste US-Militärgericht verfolgte nur 36 dieser Fälle und verurteilte 20 Täter. Als Verbrechensursachen gelten die Frustration über den Guerillakrieg und der Body Count, von dem Beförderungen abhingen. Laut Guenter Lewy meldeten US-Offiziere Morde ihrer Soldaten selten, sondern notierten sie als Erschießung flüchtiger Vietcongkämpfer, um die Tötungsbilanz zu erhöhen.[189]

Deborah Nelson („The War behind me“, 2008) fand in den Nationalarchiven hunderte routinemäßige Aktennotizen über ähnliche Kriegsverbrechen in Vietnam wie das von My Lai. Darunter waren jede größere Einheit der US-Armee und alle größeren Counterinsurgency-Operationen in Vietnam vertreten, die inmitten der Zivilbevölkerung durchgeführt wurden. US-Militärgerichte hatten die Verbrechen intern ermittelt, nachdem Nixon 1969 gefordert hatte, die US-Armee müsse von den Titelseiten der Presse verschwinden. In anonymen Briefen von US-Soldaten an Vorgesetzte standen etwa Aussagen wie „ein My Lai jeden Monat für über ein Jahr“. US-Soldaten ließen beispielsweise Dorfbewohner durch vermintes Gelände vorweglaufen, folterten Gefangene mit Waterboarding und Elektroschocks, erschossen grundlos Jugendliche und Kinder. Die genaue Zahl der Täter und Taten ist unbekannt. 23 Täter wurden verurteilt, die meisten wurden freigesprochen. Ein Soldat, der ein 13-jähriges Mädchen als Verhörer in einem Kriegsgefangenenlager vergewaltigt hatte, wurde zu 20 Jahren harter Arbeit verurteilt, aber nach 7 1/2 Monaten entlassen. Die US Army wies Journalisten auf ihre internen Verfahren hin, worauf diese weitere Recherchen meist einstellten. Daher blieben diese Verbrechen weithin unbekannt. In den USA gilt My Lai daher bis heute irrtümlich als Ausnahmefall.[190]

Verhör gefangener NLF-Kämpfer

Die ARVN brach mit Schlägen und Folter oft die Genfer Konventionen zum Schutz von Kriegsgefangenen. Zudem sind mindestens 48 Massaker südkoreanischer Soldaten in Dörfern Südvietnams dokumentiert, fünf davon in der Provinz Binh Dinh.[191]

Von Südkoreanern ermordete Vietnamesin, Phong-Nhi-Massaker, 12. Februar 1968

Nordvietnamesen und NLF-Mitglieder ermordeten öfter Zivilisten in Südvietnam, die als Kollaborateure galten, und Gefangene ihrer Gegner. Bekannt wurden etwa die Massaker von Vien Cau (1964), Dong Xoai (1965), Long Binh (400 Tote), Son Tra (1968) und Phu Thuan (1970).[192] Beim Massaker von Dak Son (5. Dezember 1967) töteten oder verschleppten NLF-Kämpfer etwa 1900 von 2000 Dorfbewohnern. Beim Massaker von Hué während der Tet-Offensive 1968 töteten sie bis zu 5000 Menschen, auch Kinder.[193]

US-Aufklärungsfoto vom Gefangenenlager Sơn Tây bei Hanoi

Etwa 760 US-Soldaten gerieten zwischen 1954 und 1973 in Kriegsgefangenschaft Nordvietnams oder der NLF. Nordvietnam nutzte das ehemals französische Hỏa-Lò-Gefängnis in Hanoi („Hanoi Hilton“) für abgeschossene US-Piloten und versuchte, sie mit Folter und Isolationshaft zu Aussagen gegen den US-Einsatz zu zwingen.[194] Im Juli 1965 exekutierte die NLF drei Gefangene öffentlich als Vergeltung für Hinrichtungen von NLF-Gefangenen durch Diems Regime. Daraufhin drängten die USA Diem, diese einzustellen. Im Oktober 1965 verurteilte das IRC alle Verstöße gegen die Genfer Konvention in Vietnam und mahnte das Diem-Regime, das Leben von südvietnamesischen Kriegsgefangenen ebenso zu schützen wie das von US-Soldaten. Die NLF ließ zwei US-Soldaten frei, nachdem diese sich öffentlich gegen den US-Einsatz ausgesprochen hatten. Im Juni 1966 mussten US-Kriegsgefangene als Vergeltung für US-Luftangriffe auf Hanoi stundenlang durch Hanois Straßen marschieren und wurden von Stadtbewohnern misshandelt. Soldaten schützten jedoch ihr Leben. Die US-Regierung bat die Sowjetunion, Polen, Indien, Schweden und den Vatikan um diplomatischen Protest gegen die Behandlung dieser Gefangenen. Zugleich drohten US-Senatoren Nordvietnam massive Vergeltung an. Ho rückte daraufhin von weiteren Schauprozessen gegen gefangene US-Soldaten ab.[195] Nach seinem Tod 1969[196] oder nach der gescheiterten Gefangenenbefreiung aus dem Kriegsgefangenenlager Sơn Tây durch ein US-Kommando am 21. November 1971 (Operation Kingpin) stellte Nordvietnam die Folter von US-Kriegsgefangenen vollständig ein. Diese wurden damals im „Hanoi Hilton“ konzentriert.[197]

Politische Wirkungen

Kriegsopposition in den USA

Die US-Regierung hielt die Tätigkeiten der Militärberater geheim und informierte die Bürger kaum über Ausmaß, Ziele und Wirkungen ihres Kriegseinsatzes in Vietnam. Erst ab 1965 wurde dieser in den USA breit diskutiert. Westliche Berichterstatter konnten relativ unbehelligt Kriegsereignisse beobachten und mit den üblichen militärischen Beschränkungen darüber berichten. 1965 waren 400 US-Journalisten in Südvietnam akkreditiert, die auch an US-Gefechtseinsätzen teilnehmen durften.[198] 1968 stieg ihre Zahl auf 650. Jedoch begleiteten laut MACV nur 35 % davon Kampftruppen an die Front, und nur etwa 10 % von 4100 Berichten zeigten Kämpfe. Keiner der leitenden US-Journalisten hielt den Krieg für falsch, sondern kritisierte allenfalls „taktische“ Probleme mit der ARVN aus Sicht des eigenen Militärs. Dieses billigte häufige Zensurmaßnahmen der ARVN.[199] Die meisten Fernsehberichte blieben auf der Linie der US-Regierung. Grausamkeiten wurden erst während der Tet-Offensive gezeigt.[200] Der erste „Fernsehkrieg“ der Geschichte beanspruchte von 1968 bis 1973 etwa 20 bis 25 % der Abendnachrichten in den USA. Viele Kampfszenen der meist drei bis vier Minuten langen Berichte wurden nachträglich gestellt und konzentrierten sich auf individuelle Heldentaten. Über Kriegsverbrechen, Lust am Töten, das Tragen von Körperteilen getöteter Gegner als Trophäen, Drogenprobleme und Disziplinverfall unter US-Soldaten wurde dagegen nicht berichtet.[201] Die US-Medien berichteten zur Hauptsendezeit viermal häufiger über getötete US-Soldaten als über getötete Vietnamesen.[202]

Zu den frühesten Kritikern des Vietnamkriegs gehörte seit 1954 Isidor Feinstein Stone, der 1963 nach Diems Sturz vorhersagte: Die USA würden ihren Krieg für Südvietnam verlieren.[203] Seit 1964 war auch Walter Lippmann Kriegsgegner.[204] Berichte über die Tet-Offensive trugen zum Meinungsumschwung in den USA bei. Weltbekannt wurden die Exekution des NLF-Gefangenen Nguyễn Văn Lém durch den Polizeichef von Saigon Nguyễn Ngọc Loan vor laufender Kamera und das Foto des neunjährigen Mädchens Kim Phuc, das nach einem Napalmangriff nackt, mit schweren Verbrennungen und schreiend an US-Soldaten vorbei aus seinem brennenden Dorf lief.[205] Walter Cronkite befragte im Februar während der Kämpfe in Hue US-Soldaten und kommentierte: Der Krieg sei in eine ausweglose Sackgasse geraten, nicht zu gewinnen und Verhandlungen mit Nordvietnam seien die einzig realistische Alternative.[206]

In regelmäßigen landesweiten Gallup-Umfragen, ob der US-Kriegseinsatz ein „Fehler“ gewesen sei, antworteten mit Nein 61 % (1965), 50 % (1966), 44 % (1967), 34 % (1968), 24 % (1971). Demnach hielten die meisten US-Bürger den Kriegseinsatz nur im ersten Jahr für richtig. Mit dessen Dauer und der Zunahme der Opfer nahm dieser Anteil stetig ab. Jedoch bejahten 1967 nur 6 % den sofortigen Ausstieg, 80 % dagegen eine Eskalation, um das Kriegsende zu beschleunigen. Erst ab Ende 1968 bejahte eine Mehrheit den Abzug, erst Ende 1970 den sofortigen Abzug der US-Truppen.[207]

Antikriegsdemonstration, Washington DC, 1967

Der unglaubwürdige Kriegsgrund, die anhaltenden Bombenangriffe auf Nordvietnam ohne Kriegserklärung, die Informationspolitik der US-Regierung, Chemiewaffeneinsatz, die Body Counts, Kriegsverbrechen und anderes entzogen dem Krieg für viele jede moralische Rechtfertigung. Aus älteren Gruppen der Bewegung gegen Atomwaffen und der Bürgerrechtsbewegung der 1950er sowie der Gegenkultur der Hippies („make love not war“), der Studentenbewegung und Neuen Linken der 1960er Jahre entstand ab Herbst 1964 eine Friedensbewegung, die zu den größten Protestbewegungen in den USA zählt. Sie erprobte neue Formen des zivilen Ungehorsams für weitgehende emanzipatorische und antiautoritäre Ziele einer umfassenden Gesellschaftsveränderung.[208] Sie bestand aus einer Vielzahl verschiedener Gruppen ohne Dachorganisation und war nach einem von Johnson angeforderten CIA-Bericht weder kommunistisch gelenkt noch beeinflusst.[209]

Demonstration in den USA gegen den Krieg

Zwischen November 1964 und März 1965 töteten sich vier Pazifisten in den USA durch Selbstverbrennung aus Protest gegen den Napalmeinsatz der USA. Ab 24. März 1965 fanden monatelang an über 100 Hochschulen Vietnamtage mit Teach-ins statt. Protestiert wurde auch gegen autoritäre Strukturen im Bildungssystem. An der ersten nationalen Antikriegsdemonstration am 17. April, organisiert von den Students for a Democratic Society (SDS) unter Tom Hayden, nahmen etwa 20.000 Menschen teil. Die US-Regierung entsandte ab 15. Mai während der Bombardierungspause „Wahrheitsteams“ von Diplomaten an die Hochschulen, um für ihren Standpunkt zu werben. Bei „Friedensparaden“ in 80 Städten der USA am 15. und 16. Oktober 1965 nahmen bereits etwa 100.000 Personen teil.[210] Weitere landesweite Großdemonstrationen gegen den Vietnamkrieg fanden am 15. April 1967 (New York City: 200.000; San Francisco: 50.000), am 16. Oktober 1967 (Washington DC: 50.000), am 15. Oktober (250.000) und 15. November 1969 (500.000) statt. Am 21. Oktober 1967 durchbrachen etwa 5000 von 50.000 Demonstranten die Polizeiabsperrung vor dem Pentagon und holten die US-Flagge vom Gebäude. Meist vom SDS organisierter Widerstand richtete sich zunehmend gegen den „militärisch-industriellen Komplex“, die Militärforschung und finanzielle Förderung von Universitäten durch das Verteidigungsministerium. Bei Aktionen gegen Dow Chemical und Rekrutierungszentren der US-Armee kam es ab 1969 öfter zu Gewalt gegen Personen. Landesweit organisierten sich tausende Bürgerinitiativen gegen Einberufungen von Wehrpflichtigen und für Stadtteilarbeit, die sie als alternativen sozialen Friedensdienst anboten. Leitfiguren der Neuen Linken gründeten dafür die Dachorganisation National Citizens for a New Policy (NCNP). Bei einer Konferenz im Sommer 1967 fanden sie keine gemeinsame Linie für das Wahljahr 1968: Es blieb umstritten, ob man sich der Wahl verweigern, eine alternative Antikriegspartei gründen oder prominente Kriegsgegner als unabhängige Gegenkandidaten aufstellen solle.[211]

Jane Fonda mit Phan Thi Minh, 1975[212]

Manche Aktivisten wie Jane Fonda und Joan Baez reisten nach Nordvietnam, um Kriegsschäden zu besichtigen und ein „anderes Amerika“ zu zeigen. Große Teile der US-Bevölkerung sahen diese Kriegsgegner als Verräter; es kam zu Gegendemonstrationen und körperlichen Angriffen. Bei den Kriegsgegnern stritten radikale Linke, die die NLF als antikoloniale Befreiungsbewegung sahen, mit liberalen Demokraten, die Johnsons Sozialpolitik unterstützten und die US-Soldaten heimholen wollten.[210] Eine starke Strömung der Antikriegsbewegung war der christliche Pazifismus, vertreten etwa von Abraham Johannes Muste,[213] Daniel und Philip Berrigan.[214]

Martin Luther King, Rede gegen den Vietnamkrieg, St. Paul/Minnesota

Martin Luther King, Führer der Bürgerrechtsbewegung, hatte seit März 1965 für Verhandlungen mit der NLF plädiert. Am 4. April 1967 stellte er sich mit seiner bislang schärfsten Predigt ganz auf die Seite der Kriegsgegner und wurde deren Sprecher. Der Vietnamkrieg und die Armut in den USA blieben bis zum 4. April 1968, als er ermordet wurde, Hauptthemen seiner Reden.[215] Jesu Christi Gebot der Feindesliebe gelte auch gegenüber Kommunisten. Die USA hätten seit 1945 Vietnams nationale Selbstbestimmung verhindert, korrupte Diktatoren gestützt, Dorfbewohner in Konzentrationslager gepfercht, ihre Böden und Wälder vergiftet und für jeden getöteten Vietcong mindestens 20 Zivilisten getötet. Die US-Regierung müsse die Bombardierungen sofort stoppen, ein Abzugsdatum für die US-Truppen nennen und die NLF an einer künftigen Regierung Vietnams beteiligen.[216]

Während des Vietnamkrieges wuchs der Widerstand gegen die Wehrpflicht in den USA auf einen historischen Höchststand. Etwa 600.000 Verstöße gegen das Gesetz von 1948, das Einberufung aller Männer zwischen 18 und 26 vorsah, wurden von 1964 bis 1973 registriert. 210.000 davon (bis zu 10 % aller damaligen Strafverfahren in den USA) wurden strafverfolgt. Zehntausende entzogen sich der Einberufung durch Kriegsdienstverweigerung, Desertion und zivilen Ungehorsam wie das öffentliche Verbrennen oder Zurücksenden von Wehrpässen. Die US-Regierung verschärfte das gesetzliche Strafmaß für solche Aktionen ab August 1965 auf bis zu fünf Jahre Haft und hohe Geldstrafen.[217] 30.000 bis 50.000 Einberufene flohen nach Kanada oder Schweden. Wegen des „Babybooms“ der 1950er-Jahre gefährdete dies Rekrutierung und Personalstand der US-Armee nicht. Angehörige der unteren sozialen Schichten wurden jedoch überproportional eingezogen.[218] Johnson hob die Zurückstellung von Vollzeitstudenten im Juni 1966 auf und bewirkte damit eine erhebliche Zunahme der Verweigererzahlen. Nachdem Nixon die allgemeine Wehrpflicht 1969 durch ein Lotteriesystem ersetzte, nahm sie wieder ab. Arme Afroamerikaner gingen anfangs oft freiwillig zur US-Armee, von der sie beruflichen und sozialen Aufstieg erhofften. Im Zuge der 1966 entstandenen Black Power-Bewegung, die im Vietnamkrieg und Bürgerrechtskampf den gleichen Rassismus gegen farbige Unterdrückte am Werk sah, nahm diese Tendenz deutlich ab.[219]

In der US-Armee nahm die Kriegsablehnung allmählich zu. Manche US-Soldaten in Vietnam verweigerten Befehle, stellten Antikriegszeitschriften her und verteilten sie heimlich, griffen Vorgesetzte an und erschossen einige. Die US-Regierung wagte nicht mehr, Militärs bei einer Antikriegsdemonstration einzusetzen, da sie ihre Solidarisierung mit den Protestlern fürchtete.[220] Im November 1967 gründete sich die Gruppe „Vietnamveteranen gegen den Krieg“, die 1970 stark anwuchs. Am 23. April 1971 warfen etwa 700 Mitglieder ihre Medaillen und Ordensbänder auf die Treppen des Kapitolgebäudes. 20 bis 25 % der beteiligten US-Soldaten hielten den Vietnamkrieg für falsch.[221]

Veteranenmarsch gegen den Krieg, April 1971

FBI-Direktor J. Edgar Hoover ließ Antikriegsaktionen an Hochschulen seit April 1965 überwachen, Agenten in Aktionsgruppen einschleusen, Listen verdächtigter Personen (meist SDS-Mitglieder) anlegen und das FBI mit Hochschulwachleuten zusammenarbeiten. Seit April 1966 teilte das FBI seine Überwachungsberichte mit Geheimdiensten und Militär, seit März 1968 regelmäßig auch mit dem Weißen Haus. Infolge dieser Berichte klagte der Generalstaatsanwalt Ramsey Clark im Januar 1968 fünf Aktivisten wegen einer Verschwörung gegen die Wehrpflichtgesetze an. Alle 28.000 Unterzeichner einer Petition dagegen und Berichterstatter darüber galten laut Anklageschrift als Mittäter. Am 9. Mai begann das FBI die geheime Kampagne COINTELPRO, die Aktivitäten von Antikriegsgruppen behindern, neutralisieren oder stoppen sollte. Das FBI verknüpfte die Kampagne mit drei Überwachungsprogrammen der CIA (Operation CHAOS, Project MERRIMAC und Project RESISTANCE) sowie einem Telephon- und Telegramm-Überwachungsprogramm der NSA (MINARET). Bis 1974 wurden dabei Akten von mindestens 23.500 Personen angelegt. In tausenden Fällen wurden Telephone abgehört und Briefe geöffnet. Die US-Armee erhielt erbetene Informationen über überwachte Personen, setzte bis 1971 ihrerseits 1500 zivile Agenten zur Überwachung von Kriegsgegnern ein und legte Indexkarten von über 100.000 zivilen Protestlern und 760.000 Einzel- oder Gruppenaktivitäten an. Diese Programme wurden durch eine Senatsanhörung 1971 aufgedeckt und dann offiziell eingestellt.[222]

Die Antikriegsbewegung beeinflusste die Präsidentschaftswahlen von 1968 und 1972 erheblich. Während die Republikanische Partei den Krieg geschlossen unterstützte, spaltete sich die Demokratische Partei in „Falken“ und „Tauben“. Ab Dezember 1967 trat der demokratische Senator Eugene McCarthy als Kriegsgegner gegen Johnsons Wiederwahl an. Nach seinem Erfolg in den Vorwahlen von New Hampshire am 12. März 1968 bewarb sich auch Robert F. Kennedy, der seit 1965 zum Kriegsgegner geworden war, um die Nominierung seiner Partei. Auch deshalb verzichtete Johnson am 31. März auf eine zweite Kandidatur. Am 4. April gab Kennedy das tödliche Attentat auf King bei einem Wahlkampfauftritt bekannt und verhinderte mit einer versöhnlichen Rede Aufruhr vor Ort. Er galt deshalb als aussichtsreicher, mehrheitsfähiger Kandidat, bis auch er am 5. Juni 1968 durch ein Attentat ermordet wurde. Die Antikriegsbewegung versuchte daraufhin vergeblich, beim Parteitag der Demokraten im August die Nominierung von Vizepräsident Hubert Humphrey zum Präsidentschaftskandidaten zu verhindern. Ein Sit-in von etwa 10.000 Kriegsgegnern wurde bei laufender Fernsehübertragung durch starke Polizei- und Militärkräfte gewaltsam aufgelöst. Dies vertiefte die Spaltung der Demokraten und erhöhte die Wahlchancen Richard Nixons erheblich. Dieser versprach „Frieden mit Ehre“ in Vietnam, „Gesetz und Ordnung zuhause“[223] und behauptete, er habe einen Geheimplan zur Befriedung Vietnams. Erst als Johnson die Bombardierungen Nordvietnams eingestellt hatte und Humphrey einen baldigen Truppenrückzug für die Pariser Gespräche anbot, holte dieser in den Umfragen auf. Nixons knappe Mehrheit bedeutete somit einen Wählerauftrag, den Krieg zu beenden.[224] George McGovern wurde 1972 unter 12 Mitbewerbern aufgrund seiner klaren Antikriegshaltung Präsidentschaftskandidat der Demokraten. Doch auch er verlor gegen Nixon, da nur ein Teil der Demokraten seinen Kurs unterstützte.[209]

Für viele US-Bürger brach Nixon mit den neuen US-Angriffen auf Kambodscha sein Wahlversprechen, den Krieg zu vietnamisieren und zu beenden. Nixons Versuch, unter Berufung auf die Tonkin-Resolution weitere 200.000 US-Soldaten nach Indochina zu entsenden, rief Widerstand im US-Kongress hervor. Senator William Fulbright bedauerte sein früheres Kriegsengagement und setzte eine Untersuchungskommission zum Tonkin-Zwischenfall durch. Diese stellte am 11. April 1970 fest, dass es 1964 höchstwahrscheinlich keinen Angriff Nordvietnams gegeben hatte. Daraufhin zogen US-Senat und Repräsentantenhaus die Resolution nacheinander zurück.[225]

Die landesweite Antikriegsbewegung, die ihre Aktionen schon eingestellt hatte, rief ab April 1970 zu neuen Protesten auf. Am 4. Mai erschossen 28 Soldaten der US-Nationalgarde vier Protestteilnehmer oder Zuschauer auf dem Gelände der Kent State University. Dieses Kent-State-Massaker bewirkte die bislang größte Protestwelle in den USA: 1,5 bis zwei Millionen Studenten (etwa 25 %) traten in den Streik.[226] Nun distanzierten sich auch Gewerkschaftsverbände, die den Krieg bis dahin vorbehaltlos unterstützt hatten.[227] Am 8. Mai 1970 demonstrierten 100.000 Kriegsgegner vor dem Weißen Haus. Nixon suchte den direkten Kontakt, sprach aber nur über Sport. Der US-Senat verbot Nixon am 30. Juni, Militärberater nach Kambodscha zu senden, kambodschanische Truppen mit der US-Air Force oder finanziell zu unterstützen, auch über andere Staaten. Das zwang ihn, den Truppenabzug der USA zu beschleunigen.[228] Wegen der Kriegsausweitung und der getöteten Demonstranten wurde erstmals ein Impeachment gegen Nixon gefordert.[229] Nach landesweiten Antikriegsdemonstrationen mit Millionen Teilnehmern warnte Nixon am 3. November die „schweigende Mehrheit“ der USA: Ein sofortiger US-Abzug werde „Blutbäder“ in Vietnam nach sich ziehen; nicht Nordvietnam, nur US-Bürger könnten die USA demütigen. Er erhielt danach im Umfragen 70 % Zustimmung für den bekannten Teil seiner Politik, nicht aber für eine neue militärische Eskalation.[230]

Im Sommer 1971 übergab Daniel Ellsberg, ein früherer Berater McNamaras, die Pentagon-Papiere an die Presse. Nach diesem Geheimbericht über die Indochinapolitik der USA seit 1945 hatten US-Militärexperten die Unterstützung des Regimes in Südvietnam schon unter Eisenhower kritisiert, die langfristigen Erfolgsaussichten gegen die NLF bezweifelt und gewarnt, der Vietnamkrieg sei militärisch kaum zu gewinnen. Kein US-Präsident hatte gewagt, diese Zweifel und entsprechende Rückzugspläne öffentlich zu vertreten. Die Papiere bewiesen auch, dass das Pentagon den Tonkin-Zwischenfall bewusst als Kriegsgrund benutzt hatte. Aus der Festnahme einiger Einbrecher in das Hauptquartier der Demokratischen Partei entwickelte sich der Watergate-Skandal. In dessen Verlauf wurde Nixon schließlich als Auftraggeber der illegalen Überwachung von Oppositionspolitikern und Kriegsgegnern wie Daniel Ellsberg enttarnt. Daraufhin beschloss der US-Kongress seine Amtsenthebung.[231] Dieser kam Nixon 1974 mit seinem Rücktritt zuvor.

Kriegsopposition in anderen Staaten

In Australien und Neuseeland entstanden 1967 starke Protestbewegungen gegen den Vietnamkrieg, die auf den Abzug der von ihren konservativen Regierungen entsandten Hilfstruppen aus Südvietnam drängten. In Großbritannien waren Regierung und Bevölkerung anfangs mehrheitlich für den US-Kriegseinsatz. Harold Wilson entzog sich jedoch US-Forderungen nach Militärhilfe und unternahm eigenständige Vermittlungsversuche zusammen mit der Sowjetunion. 1967 nahmen britische Proteste gegen den Krieg stark zu. Im Dezember versuchten Demonstranten die US-Botschaft in London zu stürmen. Ab 1968 rückten auch konservative britische Medien von den USA ab. Die Pariser Gespräche milderten die Proteste, festigten aber die verbreitete Kriegsablehnung.[232]

Russelltribunal, Stockholm 1967

Frankreich lehnte den US-Kriegseinsatz von Beginn an ab. 70 % der Franzosen waren 1965 dagegen. De Gaulle trat bis zu Frankreichs Austritt aus der NATO öffentlich für Vietnams Neutralisierung ein, zuletzt 1966 in Phnom Penh, und pflegte Briefkontakt mit Ho. Bei Hubert Humphreys Parisbesuch 1967 kam es zu schweren, teils gewaltsamen Protesten. Das Vorgehen der Pariser Polizei gegen studentische Vietnamproteste löste den Pariser Mai 1968 aus, der fast zum Sturz de Gaulles führte.[233]

Im Mai und November 1967 führten Bertrand Russell und Jean-Paul Sartre in Stockholm und Kopenhagen das erste Russell-Tribunal durch, das geltendes Völkerrecht ohne institutionellen Auftrag auf den Vietnamkrieg anwandte und vietnamesische Opfer von Bombenangriffen befragte. Außenminister Dean Rusk wies mehrere Einladungen des Tribunals zur Zeugenaussage ab. Dieses verurteilte die Kriegführung der USA in Vietnam als Völkermord.[234]

Die westdeutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre protestierte vor allem gegen die kritiklose Unterstützung der USA, die als Merkmal eines unbewältigten Faschismus in der eigenen Nachkriegsgesellschaft galt. 1965 sahen nur 44 % der Westdeutschen den Vietnamkrieg der USA als Verteidigung der Freiheit gegen den Kommunismus. Das Komitee für Frieden und Abrüstung (KFA) und der SPD-nahe SHB organisierten im Herbst 1965 erste landesweite Proteste. Gefordert wurden Vietnams Selbstbestimmung gemäß der Genfer Beschlüsse von 1954 und die Einstellung aller westdeutschen Hilfen für den US-Kriegseinsatz, der „Völkermord“ genannt wurde. Nordvietnams revolutionäre Ziele wurden nicht unterstützt. Der SDS übernahm 1966 die Initiative bei der Antikriegskampagne an den Hochschulen, für die er einen Großteil seiner Mittel ausgab. Er verstand den Vietnamkrieg als Befreiungskrieg der Vietnamesen gegen einen aggressiven US-Imperialismus und weltweiten Kapitalismus. Studentische Proteste sollten der NLF zum Sieg verhelfen. Dabei wurden antiautoritäre Protestmethoden bevorzugt und erprobt.

Die erste große Antikriegsdemonstration am 3. Februar 1966 in West-Berlin war von einem beispiellosen Aufgebot von fast 20.000 Polizisten begleitet. Ihr folgten am 8. Februar Gegenproteste von CDU-Anhängern, bei denen Studenten in die S-Bahn nach Berlin-Ost geprügelt wurden, ohne dass zuschauende Polizei eingriff. Den friedlichen Ostermärschen im April folgte am 22. Mai in Frankfurt am Main der vom SDS organisierte Kongress „Vietnam - Analyse eines Exempels“ mit rund 2000 Teilnehmern. Am 28. November 1966 klagten Demonstranten in München die Bundesregierung an, sie helfe mit Giftgasexperten und Bau von Konzentrationslagern in Südvietnam einem Regime, das sechs oder sieben Hitlers brauche. Dies bezog sich auf General Kys Aussage vom 4. Juli 1965: Sein einziger Held sei Hitler, der sein Land in schrecklicher Lage zusammengehalten habe. In Vietnam würden vier oder fünf Hitlers gebraucht.[235]

Am 6. Dezember 1967 hinderte eine SDS-Anhängerschaft Südvietnams Botschafter an einer Rede bei einer Veranstaltung des RCDS. Bei den folgenden Demonstrationen am 10. und 17. Dezember kam es zu Polizeigewalt. Am Heiligabend wurde Rudi Dutschke von Besuchern der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche verprügelt, als er im Gottesdienst über den Vietnamkrieg diskutieren wollte. Während der Tet-Offensive kam es in vielen westdeutschen Städten zu Demonstrationen. Am 17. Februar 1968 fand in Westberlin ein Internationaler Vietnamkongress statt, bei dem eine „zweite revolutionäre Front“ in den Metropolen proklamiert wurde. Am Folgetag demonstrierten bis zu 20.000 Menschen gegen den Vietnamkrieg. Dutschke ließ sich kurzfristig von dem Plan abbringen, die Route an einer US-Kaserne vorbei zu führen und diese zu stürmen, da die US-Soldaten Schießbefehl hatten. Ein Internationales Nachrichten- und Forschungsinstitut (INFI) wurde gegründet, das sich der Aufklärung über Vietnam widmete. Nach dem Attentat auf Dutschke im April 1968 flauten Antikriegsproteste ab, andere Themen traten in den Vordergrund.[236]

Eine Gallupumfrage von August/Oktober 1966 ergab (Angaben in %):[237]

Position USA GB F BRD
Truppenabzug beginnen 18 42 68 51
Gegenwärtigen Stand beibehalten 18 17 8 19
Angriffe verstärken 55 16 5 15
Keine Meinung 9 25 19 15

Nachkriegspolitik Vietnams

Am 2. Juli 1976, über ein Jahr nach dem Kriegsende, gründete die nun allein regierende kommunistische Partei Vietnams die Sozialistische Republik Vietnam. Damit war der Staat wiedervereinigt und souverän, wie es Ho zeitlebens angestrebt hatte. Saigon wurde in „Ho-Chi-Minh-Stadt“ umbenannt. Die NLF wurde 1977 aufgelöst.

Die Nordvietnamesen töteten seit 1975 etwa 60.000 „unerwünschte“ Südvietnamesen, internierten hunderttausende Anhänger des Thieu-Regimes in Zwangsarbeitslager und setzten sie einer Umerziehung aus; manche wurden gefoltert. Bis 1978 wurden die meisten, bis 1995 alle politischen Häftlinge freigelassen.[238]

Bootsflüchtling aus Vietnam in einem Flüchtlingslager in Malaysia 1980

Seit März 1978 verstaatlichte die Regierung wichtige Wirtschaftszweige und überführte die Landwirtschaft in Kooperativen, um sich von der Öffnung der Volksrepublik China für den Kapitalismus abzusetzen und den wachsenden Einfluss erfolgreicher Unternehmer einzudämmen. Darum flohen etwa 1,5 Millionen meist chinesischstämmige Vietnamesen mit Booten über den Pazifik aus Vietnam; viele dieser „Boatpeople“ ertranken. Die, die Hongkong erreichten, verbrachten oft viele Jahre in Flüchtlingscamps oder wurden wieder nach Vietnam abgeschoben. Über 100.000 wanderten in die USA aus, wo sie eine relativ verarmte Randgruppe bilden.[239]

Mit der Eroberung von Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh am 17. April 1975 begannen die Roten Khmer ihre jahrelange Gewaltherrschaft. Sie ermordeten bis 1978 über zwei Millionen Kambodschaner, was heute als Genozid[240] oder Demozid[241] eingestuft wird. Wegen häufiger Grenzübergriffe und Flüchtlingsströme aus dem Nachbarstaat ließ Vietnam seine Streitkräfte im Dezember 1978 in Kambodscha einmarschieren, wo sie die Roten Khmer stürzten. Daraufhin überfiel die Volksrepublik China im Februar 1979 Grenzgebiete zu Vietnam und besetzte vorübergehend einige seiner Inseln, auf denen große Erdölvorkommen vermutet wurden. Die Roten Khmer führten bis zu einem Waffenstillstand 1991 einen Guerillakrieg gegen Vietnams Truppen, der das Land ökonomisch zusätzlich belastete. Ab 1986 ließ die Regierung im Rahmen des Đổi mới zwar eine Teilprivatisierung der Landwirtschaft zu und steigerte sein Wirtschaftswachstum. Der Großteil der 80 Millionen Vietnamesen blieb jedoch arm.[242]

Nachkriegspolitik der USA

Der US-Kongress verweigerte 1973 Mittel für den Wiederaufbau Vietnams. US-Präsident Gerald Ford verhängte entgegen Nixons Hilfszusagen ein Wirtschaftsembargo gegen Vietnam, das bis 1994 in Kraft blieb. Nachdem die Roten Khmer die Regierungsmacht in Kambodscha (April 1975), die Pathet Lao in Laos (Dezember 1975) erobert hatten, herrschten Kommunisten in drei Staaten Indochinas. Die meisten US-Bürger lehnten eine Wiederaufnahme des Krieges jedoch ab. Ford berücksichtigte diese Haltung im Mai 1975 mit der Aussage: Die USA könnten ihren früheren Stolz wiedererlangen, jedoch nicht durch einen neuen Krieg, der, soweit er die USA betreffe, beendet sei.[243] Er verhinderte 1976 Vietnams Aufnahme in die UNO. Sein Nachfolger Jimmy Carter hielt daran fest, um befürchteten Widerstand im US-Kongress zu vermeiden und dessen Zustimmung für die volle diplomatische Anerkennung der Volksrepublik China zu erreichen.

US-Präsident Ronald Reagan setzte Vietnam mit der Frage der vermissten US-Soldaten ab 1983 stark unter Druck und blieb dabei, auch nachdem Vietnam 1985 unbegrenzte Kooperation seiner Behörden bei der Suche anbot. Sein Nachfolger George H. W. Bush blockierte Kredite des IWF, die Frankreich Vietnam vermitteln wollte. Erst US-Präsident Bill Clinton erlaubte 1993 solche IWF-Kredite. 1995 verstärkten die Veteranen beider Staaten ihre Kontakte und förderten einen Veteranentourismus nach Vietnam. 1997 eröffneten beide Staaten Botschaften in Washington und Hanoi und vereinbarten ein Programm, mit dem vietnamesische Offiziere US-Soldaten im Dschungelkampf ausbildeten. Seitdem intensivierten sich auch die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder.[244]

Vietnam Veterans Memorial in Washington D.C.

Der Vietnamkrieg bewirkte eine nachhaltige Abneigung der meisten US-Bürger gegen weitere US-Militärinterventionen. Schon 1966 vermied die US-Regierung stärkere Hilfen für Thailand, um nicht in dessen innere Konflikte hineingezogen zu werden. Aus dem gleichen Grund beendete der US-Kongress im Dezember 1975 eine Geheimoperation der CIA im Bürgerkrieg in Angola. Gegner solcher Aktionen prägten die Parole „Keine weiteren Vietnams!“ Befürworter bezeichneten diese Haltung seit 1978 als „Vietnamsyndrom“ und werteten sie so als abnormalen, krankhaften Zustand ab, den es zu überwinden gelte, um den Kalten Krieg zu „gewinnen“.[245]

Der Vietnamkrieg hatte die Annäherung der USA an die Volksrepublik China verzögert und seine Bindung an viele rechtsgerichtete Diktaturen in Lateinamerika verstärkt. Danach mussten die USA innen- wie außenpolitisch auf ihren internationalen Ansehensverlust Rücksicht nehmen. Erst nach dem Scheitern der Geiselbefreiung im Iran 1979 erhielten US-Interventionen wieder Mehrheiten der US-Bevölkerung. Ronald Reagan erklärte in seinem Präsidentschaftswahlkampf 1980: Der Vietnamkrieg sei aus „edlem Grund“ geführt worden. Nie wieder dürften US-Soldaten in einen Krieg geschickt werden, wenn die Regierung sich fürchte, sie siegen zu lassen. Er ließ in Grenada militärisch intervenieren und antikommunistische Bürgerkriegsparteien in Nicaragua und El Salvador unterstützen, beendete aber die Militärpräsenz der USA 1982 im Libanon sofort nach einem Bombenanschlag auf US-Soldaten. Das 1982 errichtete Vietnam Veterans Memorial in Washington kam ohne Staatsbeitrag durch Privatspenden zustande.

1985 schrieb Nixon: Seit dem Fall Saigons, einer Schlüsselschlacht im „Dritten Weltkrieg“ (gemeint waren Stellvertreterkriege der Supermächte in der Dritten Welt seit 1945), habe der neue Isolationismus in den USA zum Fall weiterer „Dominosteine“ (Laos, Kambodscha, Mozambique, Angola, Äthiopien, Südjemen, Nicaragua) an den Sowjetkommunismus beigetragen. Erst Reagan habe diese Niederlagenserie der USA gestoppt. Doch der „Geist von Vietnam“ treibe die Kongressdebatten über eine Intervention in El Salvador und Hilfe für die Contras in Nicaragua an. „Wir müssen uns von der lähmenden Krankheit des Vietnamsyndroms reinigen, um weitere Niederlagen im Dritten Weltkrieg zu vermeiden.“[246]

Vor dem Golfkrieg von 1991 holte die US-Regierung die Zustimmung des US-Kongresses und ein UN-Mandat ein, bildete eine breite militärische Kriegskoalition, sandte eine weit überlegene Truppenzahl, gab ihr ein klar definiertes Ziel und zensierte die Berichterstattung.[247] Der schnelle und „überwältigende“ Sieg der USA galt als erfolgreiche Überwindung des nationalen „Vietnamtraumas“.[248] Der damalige US-Präsident George H. W. Bush glaubte, man habe das „Vietnamsyndrom“ endgültig beseitigt. Nach dem Irakkrieg und zunehmenden Opfern und Kosten der Besetzung des Irak seit 2003 tauchten Vietnamvergleiche in den USA jedoch wieder auf.[249]

Rezeption

Geschichtswissenschaft

Die Sicht der kriegsbeteiligten US-Regierungen lautete stets: Ein aggressiver, auf Welteroberung zielender Kommunismus habe die anfangs zögernden USA zu immer stärkerem militärischen Engagement zur Verteidigung der Völker Südostasiens und schließlich zum direkten Kriegseinsatz zum Schutz des souveränen und freien Südvietnam gezwungen. Der eigentlich militärisch schon gewonnene Krieg habe durch innenpolitische Faktoren nicht siegreich beendet werden können.[250]

Nordvietnamesische Historiker stellen dem entgegen: Die Vietnamesen hätten ihr Land nicht als geteilte zwei Staaten, sondern als eine Nation gesehen. Nordvietnam habe seinen Einsatz für die NLF daher nicht als Bürgerkrieg, sondern immer als gerechten Kampf aller Vietnamesen um nationale Selbstbestimmung gegen eine imperialistische Intervention der USA verstanden, um die Aussicht auf Wiedervereinigung ihres Volkes zu wahren. Sie hätten Südvietnam nicht als souverän, sondern nur als von den USA protegierten Marionettenstaat betrachten können, dessen Regime die Genfer Vereinbarung 1956 mit US-Hilfe gebrochen habe.[251]

David Halberstam beschrieb den Krieg 1967 in seinem preisgekrönten Erfahrungsbericht als Erster als „Sumpf“ (quagmire), in den die USA geraten seien. Diem und Thieu zu stützen sei eine politische Fehlentscheidung früherer US-Regierungen gewesen, die nicht das Allgemeinwohl der Vietnamesen angestrebt hätten. Tyrannischer Nepotismus, Korruption, nicht durchgesetzte Gesellschaftsreformen hätten Südvietnams ökonomische und militärische Abhängigkeit verstärkt. Daher sei der Krieg um Vietnams Zukunft nicht zu gewinnen.[252] Neil Sheehan beschrieb die Lage in Südvietnam 1966 ähnlich.[253] Frances FitzGerald beschrieb die US-Politik in Vietnam 1968 als zerstörerischen Zusammenprall mit der Kultur des Konfuzianismus. Einfache Vietnamesen empfänden eine Sozialrevolution nicht als gewaltsamen Abbruch von Tradition, sondern als von Zeit zu Zeit nötigen Wandel. Wegen der in der Kolonialzeit zerstörten ländlichen Ordnungen habe die NLF den Hass der Bauern gegen Diems Bürokratie lenken können. Die US-Finanzhilfen hätten Diems Regime zum Dienstleister der USA gemacht, das US-Militär zum Schutz vor dem eigenen Volk brauchte. Die traditionelle Unterwürfigkeit vieler Südvietnamesen bei gleichzeitiger Reserviertheit gegen politischen Rat habe rassistische Ressentiments der US-Soldaten gegen undankbare und minderwertige „gooks“ (Abwertung von Asiaten) und Kriegsverbrechen verstärkt. Die Vietnamisierung verlängere nur das Leiden der Südvietnamesen unter Thieus Regime. Angesichts des durch Flächenbombardierung verursachten Flüchtlingselends, Korruption, Anomie und Entfremdung zwischen Volk und Regime sei eine Sozialrevolution unausweichlich.[254] Das Buch erschien 1972, wurde rasch zum Bestseller und stärkte die Antikriegsbewegung.[255]

Im Anschluss an solche kritischen Kriegsberichte vertraten die meisten US-Historiker ab 1965 eine später als „orthodox“ bezeichnete Sicht: Die US-Regierungen hätten den Krieg durch ihr militärisches Engagement wesentlich verursacht und ihn trotz vielfacher Überlegenheit wegen eines nicht funktionierenden Südvietnam nicht gewinnen können. Sie hätten einen im Kern nationalistischen Selbstbestimmungskampf durch die Einordnung in den Kalten Krieg fehlgedeutet und weder die verbündeten noch die gegnerischen Vietnamesen verstanden.[256]

US-Autoren verfassten seit 1975 die mit Abstand meisten Werke zum Vietnamkrieg, beschrieben ihn meist aber begrenzt auf das Handeln der USA und Folgen für sie, stellten auf die USA bezogene Fragen und suchten die Antworten in US-Quellen. George C. Herring kritisierte: Wie die Kriegführenden selbst seien solche Autoren unfähig, die Kluft der Ignoranz gegenüber den verbündeten und gegnerischen Vietnamesen zu überwinden. Die Notwendigkeit, dass man die Kultur, Geschichte und lokale Dynamik von Regionen kennen und verstehen müsse, in die man sich einzumischen überlege, sei in den USA bisher kaum verstanden worden.[257]

Seit 1980 stellten andere US-Historiker dem weiterhin dominierenden „orthodoxen“ Geschichtsbild ein als „revisionistisch“ bezeichnetes Bild gegenüber, wonach der Vietnamkrieg ein gerechter Krieg war, der durch innenpolitische Faktoren („Verrat“) tragisch, aber militärisch unnötig gescheitert sei. Der Militärhistoriker Harry G. Summers nannte in seiner einflussreichen Analyse On Strategy (1982) als Hauptursachen für das Scheitern der USA: Die Führung habe die US-Bevölkerung nicht von Anfang an als strategischen Faktor in ihre Kriegsführung einbezogen und den Krieg als Druckmittel für Verhandlungen, nicht für den militärischen Sieg geführt. Dabei habe man die konventionelle Kriegführung vernachlässigt. Dies habe Nordvietnam entscheidende Vorteile verschafft. Nicht die Guerillataktik der NLF, die 1968 eigentlich schon geschlagen gewesen sei, sondern die konventionelle Invasionsarmee PAVN habe Südvietnam 1975 besiegt. Die US-Armee müsse wieder lernen, begrenzte konventionelle Kriege mit Rückhalt der US-Bürger siegreich zu führen. Im Vorwort zur Neuauflage 1995 stellte Summers fest: Im Golfkrieg 1991 hätten die USA gesiegt. Er widersprach Robert McNamara, der den Vietnamkrieg in seinen damals veröffentlichten Memoiren als tragischen Fehler der USA bezeichnet und bedauert hatte, und machte McNamaras fehlenden Siegeswillen seit 1965 für das Scheitern der USA mitverantwortlich.[258] Das Werk wurde zum Strategielehrbuch für die Ausbildung der US-Soldaten, die Sicht des Autors zur Standardposition des US-Militärs. Sie entspricht der Linie der neokonservativen Kräfte in den USA, die rückblickend eine frühzeitige und konsequente Bombardierung und Invasion Nordvietnams als richtige Strategie vertreten und die Interventionskriege der USA seit 1990 entsprechend ausgerichtet haben.

Paul M. Kattenburg beschrieb die Ursachen des „Vietnamtraumas“ der USA 1981 als tragische Folge des Kalten Krieges, der die US-Außenpolitik global bestimmt und eine Kette von Fehlentscheidungen der US-Regierungen verursacht habe.[259] C. Dale Walton wandte sich gegen die Annahme einer unausweichlichen Niederlage der USA und führte diese auf eine Serie strategischer „Irrtümer“ der Entscheidungsträger zurück, die trotz ausreichender Informationen eine Counterinsurgency mit zu wenig Bodentruppen und eine graduelle Bombardierung ohne das Ziel eines Sieges über Nordvietnam bevorzugt hätten.[260]

Bis heute warnen Kritiker mit dem Hinweis auf Vietnam vor dem absehbaren Scheitern von neuen US-Auslandsinterventionen. So zog Raymond M. Scurfield 2006 etliche Parallelen zwischen Vietnamkrieg und Irakkrieg und folgerte, man habe die Lektionen aus Vietnam in den USA vergessen.[261] Die strategiehistorischen Werke Lessons in Desaster und A Better War sollen entscheidend zur Formulierung von Barack Obamas Afghanistanstrategie beigetragen haben.[262]

Romane und Filme

Einflussreiche englischsprachige Frühwerke über die Anfänge des Vietnamkriegs waren der Roman The Quiet American von Graham Greene (1955), The Viet-Minh Regime (1954) und The Two Vietnams (1963) von Bernard Fall. Sie beschrieben Interessengruppen in Vietnam und die Sinnlosigkeit des französischen Kolonialkrieges.[263] In Nordvietnam dienten Romane und Gedichte bis 1975 der Stärkung des revolutionären Krieges und beschrieben kaum Individualität. Seit den 1990er Jahren erscheinen literarisch hochwertige, auch international anerkannte vietnamesische Kriegsromane wie „Bitterer Reis“ von Duong Thu Huong (1993) und „Geboren in Vietnam“ von Le Ly Hayslip (1994). Oliver Stone verfilmte Hayslips Roman als „Zwischen Himmel und Hölle (1993)“.

In den 1980er Jahren entstanden in den USA um die 300 Filme zum Vietnamkrieg, davor und danach nur wenige. Einige wie „Apocalypse Now“ wurden von US-Regisseuren mit großem Materialeinsatz auf den Philippinen gedreht und waren wie der wirkliche Krieg von Inflation, Drogenkonsum und Umweltzerstörung begleitet.[264] Nur „Green Berets“ („Die grünen Teufel“, 1968) entstand noch während des Krieges. Der Film gilt als antikommunistischer Propagandafilm, der im Stil eines Western „gute“ US-Soldaten „bösen“ Vietcong gegenüberstellt. Viele spätere Filme (repräsentativ etwa „Die durch die Hölle gehen“ (Deer Hunter), 1978; „Platoon“, 1986) fragen nach dem Sinn dieses grausamen Krieges, indem sie einzelne US-Helden zeigen, die in Grenzsituationen seelisch und körperlich verkrüppeln. Dies tut auch der DokumentarfilmDear America – Briefe aus Vietnam“ (1987), der Feldpost und echte Kriegsaufnahmen zusammenstellt.[265]

Ab 1984 erschienen Filme wie „Rambo II – Der Auftrag“ oder „Missing in Action“, in denen unbezwingbare Helden nach Vietnam zurückkehren und dort den Sieg der USA nachholen, der historisch ausblieb. Sie werden als „der imperialen Rhetorik der Reagan-Ära verpflichtet“ und als „billige Therapie“ für das nationale Vietnamtrauma kritisiert.[266]Wir waren Helden“ (2002) zeigt einen patriotischen und religiösen Helden, der zuerst gegen den Kriegseinsatz ist, dann aber dort eine Führungsrolle einnimmt, Kameraden rettet und dann glücklich in Heimat und Familie zurückkehrt. Kaum einer dieser Filme thematisierte politische Hintergründe des Vietnamkriegs. Die meisten kennzeichnet eine simple und pauschale Gut-Böse-Dichotomie und eine Umkehr der Täter-Opfer-Rollen. Manche wie „Hamburger Hill“ beschuldigten Regierungen und liberale Medien der USA, die eigenen Soldaten verraten zu haben. „Full Metal Jacket“ dagegen zeigt einen Krieg der Bilder in einer verfremdeten Kulisse (einer Industriewüste statt eines Dschungels), um die Unfähigkeit der US-Medien zu kritisieren, den Krieg realistisch als sinnlosen Kreuzzug darzustellen.[267]

Die von der Populärkultur vermittelte Sicht einer „(grünen) Hölle Vietnam“ wies Peter Scholl-Latour, der den ersten Indochinakrieg miterlebt hatte, zurück: Nur etwa 100.000 von zwei Millionen in Vietnam eingesetzte US-Soldaten seien an schweren Gefechten beteiligt gewesen. Mit Hubschraubern habe man sie auch in den abgelegensten Stellungen versorgen und Verwundete kurzfristig ausfliegen können.[268]

Vietnams kleine Filmindustrie produziert nur wenige Filme pro Jahr. Auch hier entstanden die meisten Kriegsfilme in den 1980er Jahren. Sie beschreiben individuelle Schicksale oder den Rassismus, dem Kinder von afroamerikanischen US-Soldaten und Vietnamesinnen ausgesetzt sind. Der Film Cyclo (1995) wurde zwar auch in Vietnam gedreht, seine Aufführung dort aber verboten.[269] Als Klassiker des vietnamesischen Kriegsfilms gilt When the tenth month comes von Dang Nhat Minh. Einige bekannte Hollywoodfilme sind als Videokopien in Vietnam in Umlauf. „Rambo“ gilt als lächerlich. Vietnamesische Kriegsfilme haben oft dokumentarischen Charakter; sie zeigen oft ausgedehntes Familienleben und wenig grausame Szenen.[270]

Literatur

Bibliographien und Enzyklopädien
  • Spencer C. Tucker (Hrsg.): The encyclopedia of the Vietnam War: a political, social, and military history. 2. Auflage. ABC-Clio, Santa Barbara, California 2011, 4 Bände.
  • Louis A. Peake: The United States in the Vietnam War, 1954–1975: A Selected, Annotated Bibliography of English-language Sources. Neuauflage, Routledge, 2008, ISBN 978-0-415-95770-0.
  • Edwin E. Moise: The A to Z of the Vietnam War. Revidierte Auflage. Scarecrow Press, August 2005, ISBN 0-8108-5333-7.
  • John C. Schafer (Hrsg.): Vietnamese Perspectives on the War in Vietnam: An Annotated Bibliography of Works in English. Lạc Việt, Yale Southeast Asia Studies, Band 17, 1997, ISBN 0-938692-66-6.
  • David A. Willson, John Newman (Hrsg.): Vietnam War Literature: An Annotated Bibliography of Imaginative Works About Americans Fighting in Vietnam. 3. überarbeitete Auflage. Scarecrow Press, 1996, ISBN 0-8108-3184-8.
  • Anton Legler (I–V), Kurt Hubinek (I), Frieda Bauer (II–V):
Der Krieg in Vietnam I. Bericht und Bibliographie bis 30. September 1968. ISBN 3-7637-0208-3.
Der Krieg in Vietnam II. Bericht und Bibliographie (Oktober 1968 – September 1969). 1971, ISBN 3-7637-0211-3.
Der Krieg in Vietnam III. Bericht und Bibliographie von Oktober 1969 bis September 1971. 1973, ISBN 3-7637-0213-X.
Der Krieg in Vietnam IV. Bericht und Bibliographie. Oktober 1971 – Januar 1973. ISBN 3-7637-0216-4.
Der Krieg in Vietnam V. Bericht und Bibliographie Januar 1973 – Mai 1975. ISBN 3-7637-0217-2.
Bernard & Graefe Verlag für Wehrwesen.
Gesamtdarstellungen
deutsche Autoren
  • Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums. (1998) 8. Auflage. Beck, München 2006, ISBN 3-406-45978-1.
  • Rolf Steininger: Der Vietnamkrieg. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2004, ISBN 3-596-16129-0.
US-amerikanische Autoren
  • Mitchell K. Hall: The Vietnam War (Seminar Studies in History). Longman, 2007, ISBN 978-1-4058-2470-5.
  • Jonathan Neale: Der Amerikanische Krieg. Vietnam 1960–1975. Atlantik-Verlag, Bremen 2004, ISBN 3-926529-17-2.
  • Marilyn B. Young, Robert Buzzanco: A Companion to the Vietnam War. Blackwell, 2002, ISBN 0-631-21013-X.
  • George C. Herring: America's Longest War: The United States and Vietnam, 1950–1975. 4. Auflage. Dushkin/Mcgraw-Hill, 2001, ISBN 0-07-253618-7.
  • Robert D. Schulzinger: A Time for War: The United States and Vietnam, 1941–1975. Oxford University Press, Neuauflage 1999, ISBN 0-19-512501-0.
  • Paul Elliott: Vietnam – Conflict & Controversy. 1998, ISBN 1-85409-320-7.
  • Stanley Karnow: Vietnam, a history. Penguin Books, New York 1997, ISBN 0-670-74604-5.
  • Robert S. McNamara, Brian VanDeMark: Vietnam. Das Trauma einer Weltmacht. Spiegel-Buchverlag, Hamburg 1995, ISBN 3-455-11139-4.
  • Guenter Lewy: America in Vietnam. Oxford University Press, 1978, ISBN 0-19-502732-9.
Vietnamesische Autoren
  • Lien-Hang T. Nguyen: Hanoi's War: An International History of the War for Peace in Vietnam. University of North Carolina Press, Chapel Hill 2012, ISBN 978-0-8078-3551-7.
  • Cheng Guan Ang: The Vietnam War from the Other Side: The Vietnamese Communists' Perspective. Routledge Curzon, 2002, ISBN 0-7007-1615-7.
Teilthemen
  • George J. Veith: Black April: The Fall of South Vietnam, 1973–75. Encounter Books, New York 2011, ISBN 978-1-59403-572-2.
  • Shelby L. Stanton, William C. Westmoreland (Hrsg.): Vietnam Order of Battle: A Complete Illustrated Reference to US Army Combat and Support Forces in Vietnam, 1961–1973. Stackpole, 2003, ISBN 0-8117-0071-2.
  • Tim Page: Ein anderes Vietnam. Bilder des Krieges von der anderen Seite. National Geographic, Hamburg 2002, ISBN 3-934385-65-6.
  • Gabriel Kolko: Anatomy of a War. Vietnam, the United States and the Modern Historical Experience. (1987) 2001, ISBN 1-84212-286-X.
  • Walter L. Hixson (Hrsg.): The Vietnam War: The Diplomacy of War. Routledge Chapman & Hall, 2000, ISBN 0815335342 (Buchauszug online)
  • Fredrik Logevall: Choosing War: The Lost Chance for Peace and the Escalation of War in Vietnam. University of California Press, Berkeley 1999, ISBN 0-520-21511-7.
  • John Prados: The Blood Road: The Ho Chi Minh Trail and the Vietnam War. John Wiley & Sons, New York 1998, ISBN 0-471-25465-7.
  • Gabriel Kolko: Vietnam: Anatomy of a Peace. 1997, ISBN 0-415-15990-3.
  • Ronald Spector: After Tet: The Bloodiest Year in Vietnam. The Free Press, New York 1993, ISBN 0-02-930380-X.
  • Ken Wachsberger, Sanford Berman: Voices from the Underground: Insider histories of the Vietnam era underground press. Mica Press, 1993, ISBN 1-879461-03-X.
  • Neil Sheehan: Die große Lüge. John Paul Vann und Amerika in Vietnam. Europaverlag, Wien/Zürich 1992, ISBN 3-203-51149-5.
  • William Appleman Williams: America in Vietnam: A Documentary History. 1989, ISBN 0-385-19752-7.
  • Terrence Maitland: Raising the Stakes. Boston Publishing Company, Boston 1982, ISBN 0-201-11262-0.
  • Dan Oberdorfer: Tet! The Turning Point in the Vietnam War. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 1971, ISBN 0-8018-6703-7.
Kriegsverbrechen – Kriegsfolgen
  • Nick Turse: Kill Anything That Moves: The Real American War in Vietnam. Metropolitan Books, New York 2013, ISBN 978-0-8050-8691-1.
  • David Zierler: Inventing Ecocide: Agent Orange, Antiwar Protest, and Environmental Destruction in Vietnam. Proquest, 2011, ISBN 978-1-243-97298-9.
  • Bernd Greiner: Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam. Hamburger Edition, Hamburg 2007, ISBN 978-3-936096-80-4.
  • Peter Jaeggi: Als mein Kind geboren wurde, war ich sehr traurig. Spätfolgen des Chemiewaffen-Einsatzes im Vietnamkrieg. Lenos-Verlag, Basel 2000, ISBN 3-85787-298-5.
  • David Fulghum, Terrence Maitland: South Vietnam On Trial: Mid-1970 to 1972. Boston Publishing Company, Boston 1984, ISBN 0-939526-10-7.
  • Warren Hinckle, Steven Chain, David Goldstein (Mithrsg.): Guerillakrieg in USA. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1971, ISBN 3-421-01592-9.
Biografisches
  • Bao Ninh: Die Leiden des Krieges: Roman. Mitteldeutscher Verlag, 2014, ISBN 3954623390 (englisches Original: The Sorrow of War, 2012)
  • Christian G. Appy: Vietnam: The Definitive Oral History, Told from All Sides. Neuauflage, Ebury, 2008, ISBN 978-0-09-191012-9.
  • Michael Zeitlin, Paul Budra: Soldier Talk: The Vietnam War in Oral Narrative. Indiana University Press, 2004, ISBN 9780253344335
  • Harold G. Moore, Joseph L. Galloway: We Were Soldiers Once…And Young. 2002, ISBN 0-06-050698-9.
  • Kevin Hillstrom, Laurie Collier Hillstrom: Vietnam War: Biographies. U.X.L. Vietnam War Reference Library, Cengage Gale, 2000, ISBN 0-7876-4884-1.
  • Philip Caputo: Stosstrupp durch die grüne Hölle, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1989, ISBN 3-404-11360-8.
  • Oriana Fallaci: Wir, Engel und Bestien. Ein Bericht aus dem Vietnamkrieg. (1970) dtv, München 1988, ISBN 3-423-10259-4.
  • Michael Herr: An die Hölle verraten ›Dispatches‹, Rogner & Bernhard, München 1979, ISBN 3-8077-0101-X.
Historiografische Rezeption
  • Andreas Margara: Der Amerikanische Krieg. Erinnerungskultur in Vietnam. Berlin 2012, ISBN 978-3-940132-48-2.
  • Michael Hunt: A Vietnam War Reader: American and Vietnamese Perspectives. Penguin, 2010, ISBN 978-0-14-104702-7.
  • Gary R. Hess: Vietnam: Explaining America's lost War. John Wiley and Sons, 2008, ISBN 978-1-4051-2527-7.
  • Philip D. Beidler: Late thoughts on an old war: the legacy of Vietnam. University of Georgia Press, Athens 2004, ISBN 0-8203-2589-9.
  • Mark Taylor: The Vietnam War in History, Literature and Film. Edinburgh University Press, 2003, ISBN 0-7486-1533-4.
  • Jayne Werner, Luu-Doan Huynh (Hrsg.): The Vietnam War: Vietnamese and American Perspectives. M. E. Sharpe, 1997, ISBN 1-56324-131-5.
Künstlerische Rezeption
  • Mark Heberle (Hrsg.): Thirty years after: new essays on Vietnam war literature, film, and art. Cambridge Scholars, 2009, ISBN 978-1-4438-0123-2.
  • Lee Andresen: Battle Notes: Music of the Vietnam War. Savage Press, 2003, ISBN 1-886028-60-5.
  • Nora M. Alter: Vietnam Protest Theatre: The Television War on Stage. Indiana University Press, 1996, ISBN 0-253-33032-7.
  • Linda Michaud, Gene Dittmar: From Hanoi to Hollywood. The Vietnam War in American Film. Rutgers University Press, 1990, ISBN 0-8135-1587-4.
  • Peter Weiss: Viet Nam Diskurs. Suhrkamp, Berlin 1968
dazu Hyeong Shik Kim: Peter Weiss' "Viet Nam Diskurs": Möglichkeiten und Formen eines Engagements für die Dritte Welt. Peter Lang, 1992, ISBN 3-631-44879-1.
  • Lucy R. Lippard (Hrsg.): A different war: Vietnam in art. Whatcom Museum of History and Art, 1990, ISBN 0-941104-43-5.

Weblinks

 Commons: Vietnamkrieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Vietnamkrieg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Bibliographie
Bilder
Sicht des US-Militärs
Vietnamesische Sicht
Kriegsverbrechen

Einzelnachweise

  1. Donald E. Schmidt: The Folly of War – American Foreign Policy, 1898–2004. Algora Publishing, 2005, ISBN 0-87586-383-3, S. 270..
  2. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 16.
  3. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 20.
  4. Larry H. Addington: America's War in Vietnam: A Short Narrative History. Indiana University Press, 2000, ISBN 0-253-21360-6, S. 37.
  5. Jean-Louis Margolin: Vietnam: Die Sackgasse des Kriegskommunismus. In: Stéphane Courtois (Hrsg.): Das Schwarzbuch des Kommunismus. München 1998, S. 634–636.
  6. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 36–40.
  7. James S. Olson, Randy W. Roberts: Where the Domino Fell: America and Vietnam 1945–1995. 5. Auflage. Wiley-Blackwell, 2011, ISBN 978-1-4443-5841-4, S. 1950.
  8. Spencer C. Tucker: The Encyclopedia of the Vietnam War. A Political, Social, and Military History. 2011, S. 1159..
  9. a b Spencer C. Tucker: The Encyclopedia of the Vietnam War. A Political, Social, and Military History. 2011, S. 199..
  10. Andreas Daum: America, the Vietnam War, and the World: Comparative and International Perspectives. Cambridge University Press, 2003, ISBN 0-521-00876-X, S. 28.
  11. Stein Toenesson: Franklin Roosevelt, Trusteeschip, and Indochina. In: Mark Atwood Lawrence, Fredrik Logevall: The First Vietnam War: Colonial Conflict and Cold War Crisis. Harvard University Press, 2007, ISBN 978-0-674-02371-0, S. 56–73.
  12. Mark Philip Bradley, John Lewis Gaddis: Imagining Vietnam and America: The Making of Postcolonial Vietnam, 1919–1950. 2000, S. 104.
  13. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 18.
  14. Joo-Hong Nam: America's Commitment to South Korea: The First Decade of the Nixon Doctrine. Cambridge Books, 2009, ISBN 978-0-521-12544-4, S. 55.
  15. David L. Anderson (Hrsg.): The Columbia History of the Vietnam War. Columbia University Press, 2010, ISBN 978-0-231-13480-4, S. 27.
  16. Guenter Lewy: America in Vietnam. 1992, S. 4.
  17. Larry H. Addington: America's War in Vietnam: A Short Narrative History. 2000, S. 37.
  18. Nguyen Anh Tuan: America Coming to Terms. The Vietnam Legacy: Years of Trials and Lessons of Experience. 2008, S. 56.
  19. Andreas Daum: America, the Vietnam War, and the World: Comparative and International Perspectives. 2003, S. 47.
  20. Nguyen Anh Tuan: America Coming to Terms. The Vietnam Legacy: Years of Trials and Lessons of Experience. Xlibris, 2008, ISBN 978-1-4363-2943-9, S. 53.
  21. Guenter Lewy: America in Vietnam. 1992, S. 5.
  22. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 26–28.
  23. Marvin Kalb: The Road to War: Presidential Commitments Honored and Betrayed. Brookings Institution Press, 2013, ISBN 978-0-8157-2493-3, S. 39–43.
  24. Larry H. Addington: America's War in Vietnam: A Short Narrative History. 2000, S. 47.
  25. Jan Dodd, Mark Lewis: Vietnam. DuMont, Ostfildern 2006, ISBN 3-7701-6148-3, S. 94.
  26. Seth Jacobs: Cold War Mandarin: Ngo Dinh Diem and the Origins of America's War in Vietnam, 1950–1963. Rowman & Littlefield Publishers, 2006, ISBN 0-7425-4448-6, S. 56.
  27. Seth Jacobs: Cold War Mandarin: Ngo Dinh Diem and the Origins of America's War in Vietnam, 1950–1963. 2006, S. 60.–82
  28. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 54–63.
  29. Seth Jacobs: Cold War Mandarin: Ngo Dinh Diem and the Origins of America's War in Vietnam, 1950–1963. 2006, S. 85.
  30. a b c Spencer C. Tucker: The Encyclopedia of the Vietnam War. A Political, Social, and Military History. 2011, Einleitung S. xli.
  31. Seth Jacobs: Cold War Mandarin: Ngo Dinh Diem and the Origins of America's War in Vietnam, 1950–1963. 2006, S. 90.
  32. Spencer C. Tucker: The Encyclopedia of the Vietnam War. A Political, Social, and Military History. 2011, S. 769..
  33. Spencer C. Tucker: The Encyclopedia of the Vietnam War. A Political, Social, and Military History. 2011, S. 234.
  34. Spencer C. Tucker: The Encyclopedia of the Vietnam War. A Political, Social, and Military History. 2011, S. 1170..
  35. a b  Arno Kohl: Dominotheorie und amerikanische Vietnampolitik 1954–1961. Eine Fallstudie zur Rolle von Leitbildern in der internationalen Politik. Freiburg im Breisgau 2. Juli 2001, S. 32 (Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultäten der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, PDF 4MB, 358 S., abgerufen am 12. Juni 2011).
  36. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 66.
  37. Seth Jacobs: Cold War Mandarin: Ngo Dinh Diem and the Origins of America's War in Vietnam, 1950–1963. 2006, S. 90.
  38. Robert S. McNamara, Robert K. Brigham, James G. Blight: Argument Without End: In Search of Answers to the Vietnam Tragedy. PublicAffairs, 1999, ISBN 1-891620-22-3, S. 161..
  39. Spencer C. Tucker: The Encyclopedia of the Vietnam War. A Political, Social, and Military History. 2011, S. 1096.
  40. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2010, S. 54–63.
  41. David W. P. Elliott: The Vietnamese War: Revolution and Social Change in the Mekong Delta 1930–1975. M E Sharpe, 2006, ISBN 0-7656-0603-8, S. 135.
  42. Gordon Rottman, Howard Gerrard: Viet Cong Fighter (Warrior). Osprey Publishing, 2007, ISBN 978-1-84603-126-7, S. 5 f.
  43. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs, München 2006, S. 107. Nach anderen Angaben entsandte Nordvietnam bis 1964 etwa 80.000 Kämpfer in den Süden: Gordon Rottman, Howard Gerrard: Viet Cong Fighter (Warrior). 2007, S. 6.
  44. Howard Zinn: Eine Geschichte des amerikanischen Volkes, Berlin 2007, S. 463.
  45. Bernd Stöver: Die Befreiung vom Kommunismus. Amerikanische 'Liberation Policy' im Kalten Krieg 1947–1991. Böhlau, Wien 2002, ISBN 3-412-03002-3, S. 844.
  46. Joo-Hong Nam: America's Commitment to South Korea: The First Decade of the Nixon Doctrine. 2009, S. 55.
  47. Bernd Stöver: Die Befreiung vom Kommunismus. Amerikanische 'Liberation Policy' im Kalten Krieg 1947–1991. Wien 2002, S. 844.S. 847.
  48. Edwin E. Moise: Tonkin Gulf and the Escalation of the Vietnam War. University of North Carolina Press, 1996, S. 3f.
  49. Spencer C. Tucker: The Encyclopedia of the Vietnam War. A Political, Social, and Military History. 2011, S. 1487..
  50. Burchett: Partisanen contra Generale, S. 128.
  51. David L. Anderson (Hrsg.): The Columbia History of the Vietnam War. 2010, S. 37.
  52. National Security Action Memorandum No. 263.
  53. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 92 und 97f.
  54. Eugene L. Solomon: Lies and Deceits. iUniverse, 2010, ISBN 978-1-4401-9809-0, S. 493.499
  55. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 99.
  56. David L. Anderson (Hrsg.): The Columbia History of the Vietnam War. 2010, S. 40.
  57. Frank J. Coppa: Encyclopedia of Modern Dictators: From Napoleon to the Present. Peter Lang, 2006, ISBN 0-8204-5010-3, S. 82f.
  58. David L. Anderson (Hrsg.): The Columbia History of the Vietnam War. 2010, S. 39.
  59. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 108f.
  60. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 101–103.
  61. Eric Alterman: When Presidents Lie: A History of Official Deception and Its Consequences. Penguin, Nachdruck 2005, ISBN 0-14-303604-1, S. 195.
  62. Eugene L. Solomon: Lies and Deceits. 2010, S. 500.
  63. Scott Shane (New York Times, 2. Dezember 2005): Vietnam War Intelligence 'Deliberately Skewed,' Secret Study Says
  64. John Hart Ely: War and Responsibility: Constitutional Lessons of Vietnam and Its Aftermath. Princeton University Press, 1995, ISBN 0-691-02552-5, S. 20.
  65. Edwin E. Moise: Tonkin Gulf and the Escalation of the Vietnam War. The University of North Carolina Press, 1996, ISBN 0-8078-2300-7, Einleitung S. I–XI; S. 28–30.
  66. Eugene Secunda, Terence P. Moran: Selling War to America: From the Spanish American War to the Global War on Terror. Praeger Frederick, 2007, ISBN 978-0-275-99523-2, S. 99.
  67. Jayne Werner, David Hunt (Hrsg.): The American War in Vietnam. Southeast Asia Program Publications, 1993, ISBN 0-87727-131-3, S. 9f.
  68. Eric Alterman: When Presidents Lie: A History of Official Deception and Its Consequences. Nachdruck 2005, S. 214.
  69. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 118.
  70. Christine Bragg: Heinemann Advanced History: Vietnam, Korea and US Foreign Policy 1945–75. Pearson Education, 2006, ISBN 0-435-32708-9, S. 126.
  71. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. München 2006, S. 109–111.
  72. Christine Bragg: Heinemann Advanced History: Vietnam, Korea and US Foreign Policy 1945–75. 2006, S. 127.
  73. Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs, 2011, S. 112f. und 203f.
  74. Winfried Heinemann: Die DDR und ihr Militär. Oldenbourg, München 2011, ISBN 978-3-486-70443-3, S. 194.
  75. Klaus Storkmann: Geheime Solidarität: Militärbeziehungen und Militärhilfen der DDR in die „Dritte Welt“. Christian Links, 2012, ISBN 978-3-86153-676-5, S. 33, Fn 128 und S. 392.
  76. Sylvia Ellis: Britain, America, and the Vietnam War. Praeger Frederick, 2004, ISBN 0-275-97381-6, S. 4–6.
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