Viktor Emil von Gebsattel

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Viktor (Victor) Emil Klemens Franz Freiherr von Gebsattel (* 4. Februar 1883 in München; † 22. März 1976 in Bamberg) war Humanmediziner, Psychiater, Psychotherapeut, Wissenschaftspublizist, Philosoph und Schriftsteller. Er gilt als Pionier einer anthropologischen Medizin, Psychotherapie und Psychologie.

Leben[Bearbeiten]

Viktor Emil von Gebsattel entstammte dem fränkischen Adelsgeschlecht Gebsattel und war der Sohn von Konstantin Freiherr von Gebsattel (1854–1932) und dessen Frau Marie, geb. Freiin Karg von Bebenburg (1860–1927; ⚭ 1882). Er besuchte in Bamberg die Volksschule bzw. das Neue Gymnasium sowie in der Folge das Humanistische Gymnasium. In Berlin studierte er zunächst Jurisprudenz, doch er wechselte bald das Studienfach sowie die Stadt: In München studierte er dann Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte. In München wurde er 1906 promoviert mit der Dissertation „Zur Psychologie der Gefühlsirradiation“ (Irradiation = Ausstrahlung: ein Effekt, der bei der Beurteilung von Wahrnehmungsobjekten auftritt). Sein Doktorvater war der Professor für Philosophie, Theodor Lipps.

Im Anschluss war Gebsattel zunächst Schriftsteller und Übersetzer. Zahlreiche Reisen, insbesondere die nach Frankreich, führten zu Bekanntschaften mit Künstlern wie Henri Matisse, Auguste Rodin oder Rainer Maria Rilke (mit dem er später eng befreundet war). Er war auf Dauer den Künsten verbunden und verfasste selbst auch Lyrik und Prosa.

Im September 1911 nahm Gebsattel am III. Kongress der „Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung“ teil, der in Weimar stattfand. Teilnehmer waren unter anderem C. G. Jung und Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse. Dort lernte der Freiherr auch die umstrittene sowie vielbegehrte 50-jährige Schriftstellerin und spätere Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé kennen, die den jungen Adeligen sehr faszinierte und in ihren Bann zog.

1913 beschloss Gebsattel, Medizin zu studieren. 1915 bis 1920 war er Assistenzarzt in der Münchner psychiatrischen Klinik. Dort, bei Emil Kraepelin, schloss er das Studium ab mit einer Doktorarbeit zum Thema „Atypische Tuberkuloseformen“. Nach anschließender psychoanalytischer Ausbildung sowie psychiatrisch-neurologischer Tätigkeit in München siedelte er nach Berlin über, wo er ein psychiatrisches Privatsanatorium eröffnete.

Der tief im katholischen Glauben verwurzelte Gebsattel befand sich immer im Spannungsverhältnis zwischen den Grundsätzen katholischer Moral und den Einsichten der Psychoanalyse. Während der Ära der Nationalsozialisten fühlte er sich dem Kreisauer Kreis nahe.

Nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur war Gebsattel für kurze Zeit in einer privaten Praxis in Überlingen tätig, dann als Chefarzt der psychiatrischen Privatklinik „Schloss Hausbaden“ bei Badenweiler. An der Universität Freiburg erhielt er einen Lehrauftrag für medizinische Psychologie und Psychotherapie. 67-jährig wurde an die Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg berufen und übernahm die kommissarische Vertretung der ordentlichen Professur für Psychiatrie und Nervenheilkunde. Ebenso hielt er Vorlesungen zur medizinischen Psychiatrie. Die Gründung des Würzburger Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie, die älteste Einrichtung dieser Art im deutschen Sprachraum, geht auf seine Initiative zurück.

Bis 1969 gehörte Gebsattel dem Vorstand des Instituts für Psychotherapie und Medizinische Psychologie an. Gemeinsam mit Gustav Kafka gab er seit 1952 das „Jahrbuch für Psychologie und Psychotherapie“ heraus, wie er überhaupt an mehreren wegweisenden Zeitschriften als Autor und Herausgeber beteiligt war. Er hat unzählige Aufsätze und einige Bücher verfasst.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Zur Psychologie der Gefühlsirradiation (Diss.). In: Archiv für Psychologie. Band 10, 1907
  • Beitrag zum Verständnis atypischer Tuberkuloseformen (Diss.). In: L. Brauer (Hrsg.): Beiträge zur Klinik der Tuberkulose. Leipzig und Würzburg 1920
  • In seelischer Not. Brief eines Arztes. Würzburg 1940 (Christliche Besinnung 26, Hrsg. Romano Guardini u. a.)
  • Von der christlichen Gelassenheit. Brief eines Arztes. Würzburg 1940 (Christliche Besinnung 35, Hrsg. Romano Guardini u. a.)
  • Sigmund Freud und die Seelenheilkunde der Gegenwart. In: Medizinische Klinik. Band 41, 1946
  • Christentum und Humanismus. Wege des menschlichen Selbstverständnisses. Stuttgart 1947
  • Geschlechtsleib und Geschlechtstrieb. Bemerkungen zu einer Anthropologie des Geschlechtslebens. In: Psyche. Band 6, 1953
  • Prolegomena einer medizinischen Anthropologie. Ausgewählte Aufsätze. Berlin 1954
  • Das Menschenbild der Seelenheilkunde. Drei Vorlesungen zur Kritik des dynamischen Psychologismus. 1957
  • Gedanken zu einer anthropologischen Psychotherapie. In: V. E. Frankl, V. E. v. Gebsattel und J. H. Schultz (Hrsg.): Handbuch der Neurosenlehre und Psychotherapie. Band 3, München und Berlin 1959
  • Imago Hominis. Beiträge zu einer personalen Anthropologie. Salzburg 1968

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]