Viktor Pöschl

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Viktor Pöschl (* 28. Januar 1910 in Graz; † 1. Februar 1997 in Heidelberg) war ein deutsch-österreichischer Altphilologe.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Der Sohn eines gleichnamigen Chemikers, der Rektor der Handelshochschule Mannheim war, besuchte in Mannheim das Karl-Friedrich-Gymnasium, studierte ab 1928 Klassische Philologie und Romanistik in Heidelberg, Grenoble, Cambridge, München und Berlin und wurde 1933 in Heidelberg bei Otto Regenbogen mit einer Arbeit über Cicero promoviert. Danach absolvierte er das Referendariat und die Assessorzeit am Karl-Friedrich-Gymnasium in Mannheim. Nach der Habilitation in Heidelberg 1939 mit einer Arbeit über Sallust wurde er 1940 Privatdozent in München, später an der Universität Prag und 1948 in Graz. Während des Krieges leistete er Dienst im Reichsluftfahrtministerium. Nach erneuter Habilitation in Graz 1948 erhielt Pöschl 1950 einen Ruf nach Heidelberg, wo er bis 1976 als ordentlicher Professor lehrte und forschte.

Sein Hauptinteresse galt Vergil, den er durch Betonung der Tiefe der Symbolik und der Eigenständigkeit gegenüber dem Vorbild Homer als Dichter von eigenem Rang wiederentdeckte. Die romantische Tradition einseitiger Wertschätzung des Originalgenies und die daraus abgeleitete Bevorzugung der griechischen gegenüber der römischen Kultur seit dem 19. Jahrhundert hatte, vor allem in Deutschland, zu einer Abwertung Vergils als eines bloßen Homer-Epigonen geführt. Mit dieser Neubewertung Vergils, die auch international, vor allem in den USA stark beachtet wurde, führte er nicht nur eine Wende in Vergils Beurteilung herbei, sondern stimulierte auch die Vergilforschung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Weitere Arbeiten galten Cicero, Sallust und Horaz und Tacitus und in diesem Zusammenhang besonders den römischen Wertbegriffen. Auch Cäsar, den Pöschl für eine ideale Verkörperung römischen Wesens hielt und als Schriftsteller wie als Staatsmann gleichermaßen hochschätzte, stand im Zentrum seiner Interessen.

Seit 1954 Mitglied, war er von 1974 bis 1978 Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Seit 1962 Mitglied der Union Académique Internationale, war er deren Präsident von 1983 bis 1986. Seit 1976 war er korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, seit 1985 der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres. Von 1976 bis 1978 war er Vorsitzender der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften.

Schriften[Bearbeiten]

  • Römischer Staat und griechisches Staatsdenken bei Cicero. diss. phil. Heidelberg 1933, Berlin 1936; 2., unveränd. Aufl. Wissenschaftl. Buchgesellschaft, Darmstadt 1962.
  • Grundwerte römischer Staatsgesinnung in den Geschichtswerken des Sallust Habilitationsschrift Heidelberg 1939, Heidelberg 1940; 2., unveränd. Aufl. de Gruyter, Berlin 1967.
  • Die Dichtkunst Virgils. Bild und Symbol in der Äneis. Rohrer, Wiesbaden 1950; überarb. 3. Auflage 1977.
  • Horaz und die Politik. Winter, Heidelberg 1956; 2., verb. Aufl. 1963.
  • Römische Dichtung. Artemis, Zürich 1959.
  • Die Hirtendichtung Virgils. Winter, Heidelberg 1964.
  • Horazische Lyrik. Winter, Heidelberg 1970.
  • Zeitkritik bei Tacitus. Winter, Heidelberg 1972.
  • Die neuen Menanderpapyri und die Originalität des Plautus. Winter, Heidelberg 1973.
  • Das Problem der Adelphen des Terenz. Winter, Heidelberg 1975.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]