Viktorshöhe

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Dieser Artikel beschreibt die Erhebung Viktorshöhe im Höhenzug Ramberg im Harz.
Viktorshöhe ist auch der Name eines Anwesens im Bonner Ortsteil Schweinheim, siehe Viktorshöhe (Bad Godesberg).
Viktorshöhe
Hölzerner Beobachtungsturm vor dem Einsturz

Hölzerner Beobachtungsturm vor dem Einsturz

Höhe 581,5 m ü. NHN [1]
Lage nahe Friedrichsbrunn; Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt (Deutschland)
Gebirge Harz (Ramberg, Ostharz)
Koordinaten 51° 41′ 9″ N, 11° 4′ 57″ O51.68583333333311.0825581.5Koordinaten: 51° 41′ 9″ N, 11° 4′ 57″ O
Viktorshöhe (Sachsen-Anhalt)
Viktorshöhe
Holzturm im Hintergrund, Gästehaus des ehemaligen Ferienheimes im Vordergrund
Wirtschaftsgebäude mit Gaststätte des ehemaligen Ferienheimes

Die Viktorshöhe nahe Friedrichsbrunn im sachsen-anhaltischen Landkreis Harz ist mit 581,5 m ü. NHN[1] die zweithöchste Erhebung des Höhenzugs Ramberg, einem Granitmassiv im Harz.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Viktorshöhe befindet sich im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt etwa 3 km östlich des Dorfs Friedrichsbrunn, einem südlichen Ortsteil der Stadt Thale, und etwa 3,7 km nordwestlich von Mägdesprung, einem Ortsteil der Stadt Harzgerode. Am oder nahe der Erhebung entspringen der Hagentalbach im Nordosten, der Krebsbach im Süden, der Friedenstalbach im Südwesten und der Kältetalbach im Nordwesten.

Auf der Nordostflanke der Viktorshöhe steht in Gipfelnähe ein Sendeturm, auf ihrer Südostflanke das Bärendenkmal und auf ihrer Südwestflanke liegen die Felsgruppen der Großen Teufelsmühle und Kleinen Teufelsmühle. Rund 1,5 km südwestlich vom Gipfel der Viktorshöhe, die gemächlich in dieser Richtung abfällt, liegt am Friedenstalbach der Bergrat-Müller-Teich mit dem einiges unterhalb davon gelegenen Erichsburger Teich. Etwas weiter südwestlich davon befindet sich oberhalb des Bachtals die Burgruine Erichsberg. Zirka 2 km östlich des Gipfels breitet sich der Bremer Teich aus. Etwa 1,8 km westnordwestlich erhebt sich im Naturschutzgebiet Spaltenmoor mit dem Wegenerskopf (587,1 m) die höchste Erhebung des Rambergmassivs.

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Jagdhaus auf der Viktorshöhe war auf Veranlassung des Fürsten Viktor Friedrich im Jahr 1750 neben einem Brunnenhäuschen errichtet worden.[2] Noch im 18. Jahrhundert entstand dort der erste Aussichtsturm.[3] 1892 hatte sich ein auf der Viktorshöhe stehendes Gebäude zu einer beliebten Ausflugsgaststätte entwickelt. 1897 wurde aus Eichenstämmen ein 20 m hoher Turm errichtet, von dem aus eine Aussicht bis zum Kyffhäuser möglich war.[4] Im Jahr 1927 wurde die bis dahin bestehende und mit einem Schankrecht versehene Försterei aufgelöst. Als letzte Förster sind die Herren Jacobi und Sachtler überliefert. Das Anwesen wurde jedoch als Gastwirtschaft weiter betrieben und ausgebaut.[5]

1946 hielt sich der anhaltische Bezirkspräsident Heinrich Deist senior im Gasthaus Viktorshöhe auf. Er wurde Zeuge eines in der Nacht zum 14. Juli 1946 erfolgten Überfalls auf das Gasthaus, der von drei sowjetischen Soldaten verübt wurde. Der Besitzer der Viktorshöhe erhielt Dolchstiche in den Rücken und wurde mit einem Revolver geschlagen. Ihm wurden 600 Reichsmark, ein Radio und Kleidung geraubt. Auch die Hausgäste wurden beraubt.[6] Bis 1958 blieb Saalmann Gastwirt der Viktorshöhe.[5] 1959 wurde die Viktorshöhe Betriebsferienheim, wobei die Gaststätte jedoch öffentlich blieb.[7]

Ende der 1970er Jahre wurde der Gebäudekomplex zu einem Betriebsferienheim des VEB Draht- und Seilwerke Rothenburg. Die daneben befindliche Gaststätte war weiterhin ein beliebtes Wander- und Ausflugsziel. 1990 wurde die Gaststätte geschlossen.[3] Die seit Beginn der 1990er Jahre leerstehenden Gebäude zerfielen nach und nach. Die zurückgelassenen Einrichtungsgegenstände liegen in der Gegend verteilt herum und bieten ein kriegsähnliches Bild von Zerstörung und Verwahrlosung.

Nahe dem Gipfel stand bis zu seinem Einsturz im November 2012 ein hölzerner Turm, welcher unter anderem als Feuerwachturm und Stellfläche für Antennen verschiedener Funkdienste genutzt wurde. In den 1980er Jahren wurde der Turm wegen seiner guten Höhenlage, auch von Funkamateuren der damaligen Bezirkscontestmannschaft des DDR-Bezirkes Halle, unter dem Amateurfunkrufzeichen "Y34H", bei zahlreichen internationalen Amateurfunkwettbewerben genutzt. Dieser Turm wurde nicht als Aussichtsturm errichtet, sondern diente als Ort für ein trigonometrisches Hochsignal über einem trigonometrischem Punkt (TP) 1. Ordnung der Landesvermessung und zu diesem Zweck als Beobachtungsturm. Durch den Fortschritt der Technik verlor dieses Hochsignal – wie auch in anderen Bundesländern – an Bedeutung.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Rosemarie und Gerhard Kellermann, Chronik der Stadt Gernrode, Gernroder Kulturverein Andreas Popperodt e. V. 2013, S. 38
  3. a b Rosemarie und Gerhard Kellermann, Chronik der Stadt Gernrode, Gernroder Kulturverein Andreas Popperodt e. V. 2013, S. 73
  4. Rosemarie und Gerhard Kellermann, Chronik der Stadt Gernrode, Gernroder Kulturverein Andreas Popperodt e. V. 2013, S. 55
  5. a b Rosemarie und Gerhard Kellermann, Chronik der Stadt Gernrode, Gernroder Kulturverein Andreas Popperodt e. V. 2013, S. 61
  6. Wilfried Lübeck: Die Fälle häufen sich – Übergriffe sowjetischer Soldaten in Sachsen-Anhalt 1945–1947, Mitteldeutscher Verlag Halle (Saale), ISBN 978-3-89812-873-5, Seite 146
  7. Rosemarie und Gerhard Kellermann, Chronik der Stadt Gernrode, Gernroder Kulturverein Andreas Popperodt e. V. 2013, S. 68