Vilis Lācis

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Vilis Lācis (* 29. Apriljul./ 12. Mai 1904greg. in Rīnūži (jetzt Vecmīlgrāvis) bei Riga; † 6. Februar 1966 in Riga) war ein lettischer Schriftsteller und Politiker der Sowjetzeit.

Leben[Bearbeiten]

Lācis wurde in eine Familie der Arbeiterklasse geboren. Er arbeitete zunächst als Hafenarbeiter in Riga und schrieb nur in seiner Freizeit. 1933 veröffentlichte er den Roman Zvejnieka dēls (Der Fischersohn), der ihn zu einem der bekanntesten und meistverkauften Schriftsteller der 1930er Jahre in Lettland machte. Seine Romane fanden nicht immer die Zustimmung intellektueller Kritiker, trafen aber den Geschmack der Massen und wurden in weiten Kreisen der Bevölkerung gelesen.

Während dieser Zeit unterhielt Lācis Kontakte mit der im Untergrund operierenden kommunistischen Partei Lettlands, die nach dem Staatsstreich 1934 von Kārlis Ulmanis verboten worden war. Wegen dieser Kontakte wurde er zeitweise von lettischen Geheimdiensten überwacht. Als Lācis jedoch als Schriftsteller immer erfolgreicher wurde und zu einem der Lieblingsautoren Ulmanis’ wurde, ordnete dieser persönlich die Vernichtung der Akten an. Lācis schrieb Leitartikel, in denen er die Regierung Ulmanis unterstützte, obwohl er im Geheimen immer noch den Kommunisten nahestand, und wurde dafür vom Staat großzügig alimentiert. Unter anderem entstand so eine teure Verfilmung von Zvejnieka dēls.

Lācis’ Verbindungen zu den Kommunisten wurden nach der Okkupation Lettlands durch die Sowjetunion offenbar. Er wurde Ministerpräsident der Lettischen SSR und diente in dieser Funktion von 1940 bis 1959. Allerdings hatte er kaum Macht, da der größte Teil der tatsächlichen Entscheidungen durch das Zentralkomitee der kommunistischen Partei getroffen wurden. Als Ministerpräsident war er jedoch mitverantwortlich für die stalinistischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und unterzeichnete Befehle für die Verhaftung und Deportation von mehr als 40.000 Personen.

Lācis’ Bücher wurden in mehr als fünfzig Sprachen übersetzt, wobei die russischen Übersetzungen die höchsten Auflagen erzielten. Bis heute wurde kein anderer lettischer Schriftsteller häufiger übersetzt.

Weblinks[Bearbeiten]