Villa Cahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eingangstor zur Villa Cahn (2011)

Die Villa Cahn ist eine Villa in Plittersdorf, einem Ortsteil des Bonner Stadtbezirks Bad Godesberg. Sie liegt oberhalb des Rheinufers an der Straße Am Büchel. Die Villa steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[1]

Luftaufnahme der Villa Cahn

Die vom hannoverschen Architekten Edwin Oppler entworfene neugotische, schlossähnliche Villa wurde für den jüdischen Bankier Albert Cahn von 1868 bis 1870 errichtet. Cahn trug in dem Gebäude eine wertvolle Kunstsammlung mit kostbaren niederländischen und altdeutschen Gemälden sowie Keramiken, Waffen und Glasmalereien zusammen; die Möbel des Hauses waren aufwendige Neuanfertigungen nach Entwürfen des Architekten oder Kopien nach alten Stücken. Da er keine Nachkommen hatte, vererbte Cahn das Anwesen der Familie seiner Schwester. Gemäß eigener Verfügung wurde er nach seinem Tod eingeäschert und die Urne im Park der Villa beigesetzt.

Während des Dritten Reichs musste die Eigentümerfamilie aufgrund ihrer jüdischen Abstammung und Gegnerschaft zum Nationalsozialismus aus Deutschland fliehen. Teile der Kunstsammlung mussten bereits zu diesem Zeitpunkt zur Finanzierung der Flucht verkauft werden, der Rest wurde mitgenommen und teilweise später ebenfalls veräußert. Während des Dritten Reiches wurde das Grab des Erbauers geschändet, die Reste des Grabsteins befinden sich heute auf dem jüdischen Friedhof in Frankfurt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das weitgehend ausgeplünderte Anwesen der Familie zurückerstattet, jedoch nur noch teilweise bewohnt und später verkauft, nachdem man kurzfristig sogar den unrealistischen Plan gehabt hatte, die Villa in die USA zu translozieren.

Das Gebäude war seit 1979 endgültig ungenutzt dem Verfall überlassen, große Teile der inneren Einbauten gingen durch Diebstahl und Vandalismus verloren, weitere Schäden richtete eine nicht denkmalgerechte und letztlich unfertig abgebrochene Sanierung Anfang der 1980er Jahre an. Dabei wurde im Inneren der gesamte Verputz abgeschlagen, so dass die (zuletzt bereits überstrichenen) Wandmalereien zerstört wurden, auch entfernte man fast alle noch erhaltenen Teile der wandfesten Ausstattung wie Türen, Fußböden und Holzverkleidungen. Immerhin erneuerte man das Dach und verschloss die Fenster des Gebäudes so dass es zunächst gesichert war.

Da jedoch keine weiteren Arbeiten mehr erfolgten und Villa sich selbst überlassen wurde, verfiel sie wieder bis der heutige Eigentümer Frank Asbeck 1997 das etwa 10.000 m² große Gelände kaufte und die Villa durch aufwändige Renovierungen vor dem fortschreitenden Verfall rettete. Fenster, Deckengemälde, Holzschnitzereien und Einbauten wurden (soweit noch vorhanden) restauriert oder rekonstruiert. Ebenso wurde der gesamte Sanitär- und Heizungsbereich erneuert. Die alte Heizung bestand aus mehreren offenen Kaminen, die mittels Luftschächten auch entlegene Räume der Villa mit warmer Luft versorgen konnten. In dem verwinkelten Keller mit seinen Verbindungen aus sehr engen Gängen, wurde eine Wellness- und Badelandschaft mit Whirlpool errichtet. Seit der Renovierung ist die eigentliche Villa im Inneren des vollständig eingezäunten Grundstücks für Passanten von keiner Seite aus mehr sichtbar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Brönner: Die Villa Cahn. Ein „deutsches Haus“ am Rhein. J. P. Bachem, Köln 1991, ISBN 3-7616-1001-7. (= Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland, Band 31.)
  • Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914. Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, Band 3, Katalog (2), S. 21–25. (zugleich Dissertation Universität Bonn, 1994)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Villa Cahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Bonn, S. 4, Nummer A 911

50.6930097.169693Koordinaten: 50° 41′ 35″ N, 7° 10′ 11″ O