Villa Carlotta

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Villa Carlotta
Prinzessin Charlotte von Preußen (1831–1855), Italienisch: Carlotta
Villa Carlotta-Springbrunnen
Villa Carlotta-Treppe

Die Villa Carlotta ist eine Sommerresidenz aus dem 18. Jahrhundert in Tremezzo am Comer See, Lombardei, Italien. Sie dient heute als Museum und ist von einer grosszügigen und mehrfach gegliederten Parkanlage umgeben. Bevor der italienische Staat sie nach dem 1. Weltkrieg für sich in Anspruch nahm, war sie im Besitz des Fürstenhauses Sachsen-Meiningen.

Geschichte[Bearbeiten]

1690 wurde unter dem Mailänder Bankier Giorgio II. Clerici mit dem Bau der Villa begonnen. Unter seinem Sohn Antonio Giorgio Clerici wurde sie vollendet. Als dieser 1768 verstarb, erbte die Enkelin Claudia Clerici die Villa. 1801 verkaufte sie die Villa an Gian Battista Sommariva, der in der Cisalpinischen Republik (1797–1802) eine politische Karriere anstrebte. Als jedoch Napoleon Francesco Melzi d´Eril gegenüber ihm den Vorzug gab, endeten seine politischen Ambitionen und er widmete sich verstärkt dem Ausbau des Gartens und der Erweiterung der Kunstsammlung. Er starb 1826 und bereits 1838 auch sein Sohn Luigi. Das Erbe wurde zwischen seiner Frau Emilia Seillière und zahlreichen Verwandten aufgeteilt, sodass die Villa 1843 an Marianne von Nassau Prinzessin der Niederlande, der Frau Prinz Albrechts von Preußen, verkauft werden musste.

Prinzessin Marianne gab die Villa ihrer Tochter Prinzessin Charlotte von Preußen als Geschenk zur Hochzeit mit Georg II. von Sachsen-Meiningen. Die Villa blieb im Besitz der Familie von Sachsen-Meiningen bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Sie wurde am 15. August 1915 unter italienische Staatsaufsicht gestellt. Der Intendant Max Wundel mußte als deutscher Staatsbürger während des Krieges die Villa verlassen. Die Interessen der Eigentümer wurden vom Schweizerischen Konsulat wahrgenommen.[1]

Um die Rückgabe der Villa entbrannte ein zwölfjähriger Kampf. 1921 teilte der Finanzverwalter der Provinz Como dem Verwalter des Eigentümers mit, der gesamte Besitz sei in das Eigentum des italienischen Staates übergegangen.[2] Der Wert der Villa wurde in der „Schadensdarstellung Seiner Hoheit...“ mit 8'762'500 Mark angegeben. 1927 erfolgte der endgültige Entscheid des italienischen Staates, daß die Villa aufgrund ihres hohen nationalen Wertes in italienischen Staatsbesitz überführt werde. Nach der Enteignung wurde die Ente Autonomo Villa Carlotta gegründet, der sich um die Erhaltung und Pflege der Villa und des Gartens kümmert.

Villa[Bearbeiten]

Die Villa, die von der Familie Clerici im klassischen Stil des 18. Jahrhunderts errichtet worden war, wurde im Directoire-Stil unter Graf Sommariva erneuert. Er ließ das Dachgesims mit einer Balustrade und Vasen versehen, sowie den Risalit mit einer Uhr über der Loggia krönen. Die Villa steht auf der obersten von fünf Terrassen, die in den Hang angelegt wurden. Vom Seeufer führt eine doppelläufige Treppe mit dekorativen Balustraden über die Terrassen zur Villa.

Das Innere der Villa ist heute ein Museum. Die Sammlung zeigt, neben Möbelstücken aus der Zeit der verschiedenen Besitzer, Werke von Canova, Thorvaldsen, Migliara und Hayez.

Der Garten[Bearbeiten]

Die gesamte Parkanlage nimmt eine Fläche von ca. 8 ha ein und besteht aus unterschiedlichen Abschnitten. Unmittelbar um die Villa, zum Seeufer hin, liegt der italienische Garten mit geschnittenen Hecken und Pergolen mit Orangen- und Kamelienbäumchen. Den Hang aufwärts breitet sich der Rhododendron- und Azaleengarten aus. Der Bambusgarten bietet auf einer Fläche von 3000 m² über 25 Bambusarten. Die Familie Sachsen-Meiningen erweiterte den Garten um einen Steingarten und einen Englischen Garten mit seltenen Bäumen und einer künstlichen Schlucht.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Judith Chatfield: Die schönsten italienischen Gärten. Köln 1991.
  • Carlo Ferrario, Sandro Chierichetti: Como und sein See – Meisterwerke der Kunst und Architektur, Villen und Gärten. Brunner & C.: Como 1985. (63 Seiten)
  • Attilio Sampietro: Villa Carlotta. Menaggio 1992.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Hofmarschallamt: Brief des Konsuls in Mailand vom 2. August 1916. In: Die Verwaltung der Villa Carlotta betr. Schriftwechsel 1915-1924. (HMA 316)
  2. Thüringisches Staatsarchiv Meiningen, Hofmarschallamt: Sachdarstellung zu der Schadensmeldung. in: Villa Carlotta 1852-1930. (HMA 304)

45.9863888888899.2309166666667Koordinaten: 45° 59′ 11″ N, 9° 13′ 51″ O