Villa Foscari

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Villa Foscari genannt La Malcontenta am Brenta-Kanal
Villa Foscari Gartenseite
Villa Foscari Plan Bertotti Scamozzi 1781
Villa Foscari Schnitt Bertotti Scamozzi 1781
Malcontenta interno 2.jpg

Villa Foscari genannt La Malcontenta ist der Name einer in Mira an einem der Mündungskanäle der Brenta gelegenen Villa. Sie wurde zwischen 1550 und 1560 nach Plänen des italienischen Architekten Andrea Palladio erbaut.

Lage[Bearbeiten]

Der Brenta-Kanal, an dem die Villa liegt, war früher eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen Padua, der Universität der Lagunenstadt, und der Stadt Venedig. Der Reisende auf dem Weg nach Fusina empfand die Villen an der Brenta als einen Vorort Venedigs. Die Lage machte die Villa von Venedig per Schiff leicht erreichbar.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Malcontenta ist eine der repräsentativen Villen, die seit dem 15. Jahrhundert im Zuge der von Venedig betriebenen Terraferma-Politik im östlichen Oberitalien von venezianischen Adelsfamilien erbaut wurden. Die beiden Auftraggeber, die Brüder Nicolò und Alvise Foscari, im Fries genannt, entstammten einer der mächtigsten Familien der Stadt, die mit Francesco Foscari einen der großen Dogen und Kriegshelden der Republik gestellt hatte. Die Villa wurde sowohl für repräsentative als auch ökonomische Zwecke erbaut. Wie alle venezianischen Villen der Terraferma, war sie ursprünglich mit Ställen, Gesinde- und Wirtschaftsbauten, Mauern und Toren und sogar mit einer eigenen kleinen Kirche ausgestattet. Erhalten ist nur das Herrschaftsgebäude, das mit seiner jetzt in einem weitläufigen Park isolierten Lage, nicht mehr den ursprünglichen Absichten von Architekt und Auftraggebern entspricht.

Von Venedig bequem auf dem Wasserweg zu erreichen, fanden sich hier bedeutende Gäste ein wie der französische König Heinrich III., der 1574 Gast der Foscari in der Malcontenta war. Durch Sondergenehmigung von der Schmuckverordnung befreit, trugen die vornehmen Venezianerinnen bei derartigen Anlässen Juwelen, Spitzen und Roben von derartiger Pracht, dass der dänische König Friedrich IV. 1709 die venezianische Porträtistin Rosalba Carriera beauftragte, die Schönheiten in Miniaturen zur Erinnerung festzuhalten. Die Villa ist heute wieder im Besitz der Familie Foscari, die den Bau einer sorgfältigen Renovierung unterzog.

Name[Bearbeiten]

Die Überlieferung hält hartnäckig an der Legende fest der Name “Malcontenta”, die Unzufriedene, gehe auf eine, wegen ehelicher Untreue, hierher verbannte Dame des Hauses Foscari zurück. Tatsächlich rührt der Name von einer weit vor der Errichtung der Villa zurückliegenden Unzufriedenheit her, nämlich dem Protest der Städte Padua und Piove di Sacco gegen die 1431 von Venedig angeordnete Grabung eines neuen Bettes für den Brentakanal, an dem heute das Dorf Malcontenta liegt.

Architektur[Bearbeiten]

Die Villa erscheint wie ein einfacher, lediglich mit einem graphisch wirkenden Putzmuster dekorierter Kubus dem jeweils eine Fassaden vorgelagert ist. Sie verbindet Motive aus der venezianischen Bautradition mit der klassischen Architektur. Die Hauptfassade ist, wie auch bei den Palästen Venedigs der Wasserseite zugewandt. Eine Säulenvorhalle mit zehn ionischen Säulen trägt einen Dreiecksgiebel mit Zahnschnitt. Eine symmetrisch angeordnete zweiläufige Treppe führt auf die Höhe des hohen Sockels. Die Fassade der Gartenseite stellt eine der gelungensten architektonischen Leistungen Palladios dar. Die Verteilung der Fensteröffnungen lässt die Disposition der Innenräume erkennen. So bildet die mittlere Thermen-Fenstergruppe den Querschnitt des Hauptsaals ab und spendet dem zentralen kreuzförmigen Saal reichlich Licht. Dessen Decke bilden zwei sich kreuzende Tonnengewölbe. Palladio verwendete bei seinen Villenbauten meist einfache, preiswerte Materialien. So wurde auch bei der Malcontenta verputztes Ziegelmauerwerk, selbst für die Säulen, verwendet. Palladio erweist sich auch hier als Meister, mit kostengünstigem Material monumentale Wirkung zu erzielen. Das Hauptgeschoss liegt drei bis vier Meter über dem Uferniveau, einem möglichen Hochwasser Rechnung tragend. Seitlich der Giebel sind heute verkürzte hohe Aussenkamine.

Innendekoration[Bearbeiten]

Ein Teil der Fresken stammt von dem, von Palladio hochgeschätzten, Battista Franco und blieben nach dessen Tod 1561 unvollendet. Giovanni Battista Zelotti führte dann das Werk weiter. Auch seine Fresken sind nur in Resten vorhanden.

Palladio über die Villa Malcontenta[Bearbeiten]

Im II. Buch seiner “Vier Bücher über die Architektur” schreibt Palladio über sein Werk:

„Nicht weit von Gambarare an der Brenta liegt das folgende Gebäude der Herrn Nicolò und Luigi von Foscari. Dieses Haus erhebt sich elf Fuß über dem Erdboden. In seinem unteren Teil liegen Küchen und ähnliche Räume, die wie auch die oberen gewölbt sind. Bei den größeren Räumen richten sich die Gewölbe nach der ersten Art der Gewölbehöhen. Die quadratischen haben ein Kuppelgewölbe, über den Kämmerchen sind Mezzanine eingerichtet. Das Gewölbe des Hauptsaals ist ein Kreuzgewölbe von halbkreisförmigen Durchmesser und ist so hoch wie der Hauptsaal breit ist. Es ist mit ausgezeichneten Malereien von Battista Veneziano ausgeschmückt. Battista Franco, ein großer Maler unserer Zeit, hätte selbst noch mit der Ausschmückung der großen Zimmer begonnen, aber vom Tode überrascht ließ er das Werk unvollendet. Die Loggia ist von ionischer Ordnung. Das Gesims umläuft das ganze Haus und formt den Giebel über der Loggia und auf der gegenüberliegenden Seite. Unter der Traufe befindet sich ein weiteres Gesims, das über die Fassade hinweg läuft. Die oberen Räume sind wegen ihrer Tiefe Mezzaninen ähnlich, da sie nur acht Fuß hoch sind.“[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrea Palladio: Die vier Bücher zur Architektur, Venedig 1570
  • Gerda Bödefeld, Berthold Hinz: Die Villen im Veneto, Du-Mont Kunst-Reiseführer, DuMont Buchverlag Köln, ISBN 3-7701-1838-3
  • Michelangelo Muraro, Paolo Marton: Villen im Veneto, Könemann 1996, ISBN 3-89508-214-7
  • Guido Beltramini, Andrea Padoan: Andrea Palladio, Bildatlas zum Gesamtwerk, Hirmar Verlag, München 2002, ISBN 3-7774-9330-9
  • Reclams Kunstführer Italien. Bd 3. Oberitalien Ost. Stuttgart 1965, S. 241-242

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Villa Foscari – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1.  A. Palladio: Die vier Bücher zur Architektur. Birkhäuser, überarbeitete Ausgabe 1993, S. 170.

45.43666666666712.201666666667Koordinaten: 45° 26′ 12″ N, 12° 12′ 6″ O