Villa Ingenohl

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Villa Ingenohl, Ansicht von der Raiffeisenstraße (2013)

Die Villa Ingenohl ist eine Villa im Bonner Ortsteil Gronau, die 1895/96 errichtet wurde. Sie befindet sich oberhalb des Rheinufers (Wilhelm-Spiritus-Ufer) mit der Adresse Raiffeisenstraße 5 in direkter Nachbarschaft zur Villa Heckmann. Die Villa steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Villa entstand für den Bauherrn Carl Ingenohl nach einem Entwurf des Architekten und Regierungsbaumeisters Anton Zengler (1847–1913)[2] im südöstlichen Teil des neuparzellierten Grundstücks der Villa Krantz (errichtet 1850; abgebrochen). Auf den Bauantrag vom April 1895 hin wurde im Mai die Baugenehmigung erteilt, die Schlussabnahme erfolgte im Februar 1897. Erschlossen wurde die Villa über eine neu errichtete Privatstraße (heute Raiffeisenstraße). Stilistisch lässt sie sich der picturesquen italienischen Renaissance zurechnen.[3]

1919 war das Anwesen in den Besitz der Frau Ingenohl übergegangen. In diesem Jahr ließ sie nach Plänen des Bonner Architekten und Regierungsbaumeisters Julius Rolffs im Erdgeschoss einen Innenumbau durchführen. Um es dem seinerzeit üblichen Wohnstandard anzupassen, wurde die Eingangshalle dabei zugunsten eines Vorflurs (Abtrennung durch Rabitzwand), einer Garderobe, einer Toilette und eines WCs verkleinert. Für einen neuen Eigentümer, das Corps Saxonia, erfolgten 1927 weitere Umbauten. In der Zeit des Nationalsozialismus diente die Villa zeitweise als ein Quartier des Führerkorps der SS. Später beherbergte sie das Hauptzollamt.

Nachdem Bonn 1949 Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland geworden war, richtete sich in der Villa bis zum Sommer 1950 die Dienststelle des Bundeskanzleramts für Auswärtige Angelegenheiten ein. Diese war Vorläufer des 1951 gegründeten Auswärtigen Amtes, dessen erster Sitz die Villa folglich wurde. Im Zuge eines Vergleichs im Rahmen einer Restitutionsklage gelangte sie in den Besitz des Bundes. Das Gebäude umfasste 22 Bürozimmer, beheimatet war hier auch die Verbindungsstelle des Ministeriums zur Alliierten Hohen Kommission. 1954/55 verlegte das Auswärtige Amt seinen Sitz in ein neuerrichtetes Bürogebäude.[4] Die Liegenschaft wurde von dem Ministerium zuletzt als Kindertagesstätte genutzt.

Von den Veränderungen des Ursprungszustands der Villa war besonders die Loggia im Erdgeschoss betroffen, die zu einem Innenraum geschlossen wurde. Auch die ursprüngliche Gartenfläche hat sich nicht erhalten. Heute gehört die Villa zur Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft und wird bei überwiegendem Leerstand zeitweise für Veranstaltungen und Kunstausstellungen genutzt.[5][6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914, Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, Band 3, Katalog (2), S. 86/87. (zugleich Dissertation Universität Bonn, 1994)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Raiffeisenstraße 5 (Bonn) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Bonn, S. 46, Nummer A 3407
  2. Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914. Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, Band 3, Katalog (2), S. 325.
  3. Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914. Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, Band 1, S. 292.
  4. Stadt Bonn, Stadtarchiv (Hrsg.); Helmut Vogt: „Der Herr Minister wohnt in einem Dienstwagen auf Gleis 4“. Die Anfänge des Bundes in Bonn 1949/50, Bonn 1999, ISBN 3-922832-21-0, S. 172–175.
  5. MontagStiftung Bildende Kunst (PDF; 37 kB)
  6. Bonner Villa Ingenohl wird in "Eine Höhle für Platon" verwandelt, General-Anzeiger, 25. April 2009

50.7246257.116058Koordinaten: 50° 43′ 29″ N, 7° 6′ 58″ O