Villa Leonhart

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Villa Leonhart (2013)

Die Villa Leonhart ist eine Villa in Königswinter, einer Stadt im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis. Im Jahre 1893 errichtet, erhielt sie ihr heutiges Erscheinungsbild bei Umbauten Ende der 1930er-Jahre. Die Villa steht einschließlich einer zugehörigen Parkanlage als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[1]

Lage[Bearbeiten]

Villa Leonhart, Ansicht aus Südosten (2009)

Die Villa liegt an städtebaulich hervorgehobener Position am nordwestlichen Eingang der Königswinterer Altstadt an der Ecke Hauptstraße/Clemens-August-Straße mit der Adresse Hauptstraße 330 und reicht mit dem Parkgelände nach Westen bis zur Rheinallee oberhalb des Rheinufers.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Villa wurde 1893 als Landhaus mit klassizistischem Belvedere[2]:46 von der Familie des Freiherren Leonhart-Kurtzrock erbaut. Diese blieb bis 1935 im Besitz des Gebäudes, als sich nach einem Todesfall kein Nachkomme aus der Familie als Erbe fand, welches stattdessen die katholische Kirche antrat. Diese verkaufte die Villa 1936 an die Deutsche Arbeitsfront (DAF) weiter. 1936/37 diente sie als Schule für deutsche Emigranten aus Spanien, die aufgrund des dortigen Bürgerkriegs evakuiert worden waren. 1938 wurde das Gebäude als Gästehaus der DAF, in Anlehnung an den Bauhausstil nach einem Entwurf des Königswinterer Architekten Franz Josef Krings umgebaut und erweitert. Nutzer war unter anderem Robert Ley, der Leiter der Deutschen Arbeitsfront, die im heutigen Adam-Stegerwald-Haus ein Schulungszentrum besaß.[2]:106[3] 1948 wurde im Zuge eines Umbaus für eine geplante, aber nicht realisierte Nutzung der Villa als Kasino eine Veranda angefügt.[4]

Im Juli 1952[5] übernahm der Staat Pakistan das Anwesen und richtete dort die Residenz seiner Botschaft, den Amtssitz des Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland am Regierungssitz Bonn ein (→ Liste der diplomatischen Vertretungen ). 1995[6] gab Pakistan die Residenz im Vorfeld der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin (1999) auf[7]. Die Villa Leonhart stand nun bis zum Erwerb des Grundstücks, das sich im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen befand, durch die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Jahre 2004 leer. Anschließend wurde sie an einen Gastronomiebetreiber verpachtet, der die Villa von 2006 bis 2008 aufwändig restaurieren und umbauen ließ.[8][9] Im Obergeschoss entstanden Wohnungen und Büros, im Untergeschoss eröffnete ein gehobenes Restaurant.[10]

Die Eintragung der Villa in die Denkmalliste der Stadt Königswinter erfolgte am 23. Mai 1995.

Beschreibung[Bearbeiten]

Rheinfront (zur Parkanlage)

Die Villa ist zweigeschossig, in Massivbauweise errichtet, mansardgedeckt und weist fünf Achsen auf. An der zur Hauptstraße zeigenden Front verfügt sie über einen dreigeschossigen Turm. Dem Umbau im Bauhausstil von 1938 entstammen kubische Vorbauten an der Nordseite, die den Eingang und eine Garage aufnehmen, außerdem Treppengiebel und ein Terrassenvorbau an der Rheinfront. Die Nutzfläche des Gebäudes beträgt 610 Quadratmeter.

Park[Bearbeiten]

Der mit Mauer und Eisengitter eingefriedete Park der Villa wurde von der Stadt angekauft und ist nach einer dreimonatigen Sanierung im Rahmen der Regionale 2010 seit September 2009 erstmals auf Dauer der Öffentlichkeit zugänglich.[11][12] Er umfasst eine Fläche von 3700 Quadratmetern und ist Standort eines Soldatenfriedhofs, eines historischen Pumpenhauses des städtisches Abwasserwerks sowie eines Pavillons aus der Zeit des Umbaus von 1938.[13] In dem Soldatenfriedhof war 1793 eine unbekannte Anzahl österreichischer Soldaten beerdigt worden, die im Lazarett verstorben waren.[14] Ein ursprünglich ebenfalls im Park gelegenes Schwimmbad wurde bei der jüngsten Sanierung zu einem Beet umfunktioniert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Angelika Schyma: Stadt Königswinter. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmäler im Rheinland, Band 23.5.) Rheinland-Verlag, Köln 1992, ISBN 3-7927-1200-8, S. 150.
  • Renate Wald: Mein Vater Robert Ley. Meine Erinnerungen und Vaters Geschichte, Nümbrecht 2004.
  • Hilda Ortiz Lunscken (Hrsg.); Hilda Ortiz Lunscken, Ingeborg Fischer-Dieskau (Fotos: Martin Krockauer): Pour Memoire. To Remind. Zur Erinnerung – Botschafterresidenzen am Rhein. Ortiz-Lunscken Publishers, Bonn 1999, ISBN 3-9806801-0-X, S. 140–141.
  • Adressbuch des Siegkreises 1940, Köln 1940.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Villa Leonhart – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Königswinter, Nummer A 290
  2. a b Angelika Schyma: Stadt Königswinter. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmäler im Rheinland, Band 23.5.)
  3. Villa Leonhart wieder markanter Mittelpunkt in Königswinter, General-Anzeiger, 25. März 2009
  4. Noch liegt Staub in der Luft, bald aber Kaffeeduft, General-Anzeiger, 25. Juli 2008
  5. Die Geschichte des Siebengebirgsraumes im Überblick, Heimatverein Siebengebirge e.V. Königswinter
  6. Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen und anderen Vertretungen in der Bundesrepublik Deutschland, Stand: April 1995
  7. "Besonders schillernder Mosaikstein", Bonner Rundschau, 22. September 2004
  8. Noch blüht nur eine einsame Rose, General-Anzeiger, 13. September 2006
  9. Gestaltung des Parks der Königswinterer Villa Leonhart konkretisiert sich, General-Anzeiger, 11. März 2008
  10. Michelin-Sterne sollen über Königswinter strahlen, General-Anzeiger, 16. September 2008
  11. Königswinter: Umgestaltung der Parkanlage Villa Leonhart startet in Kürze, Pressemitteilung der Stadt Königswinter
  12. Beschauliches Fest zur Einweihung (PDF; 183 kB), General-Anzeiger, 28. September 2009
  13. Botschaftspark verwandelt sich in Biergarten, General-Anzeiger, 10. Mai 2004
  14. Botschafter anwesend. Heimatverein lässt Gedenkkreuz im Park der Villa Leonhart aufstellen, General-Anzeiger, 15. März 2007

50.6767777.191028Koordinaten: 50° 40′ 36″ N, 7° 11′ 28″ O