Villa Malaparte

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Die Villa Malaparte ist eine Architekturikone, die der Architekt Adalberto Libera für den Schriftsteller Curzio Malaparte auf der italienischen Insel Capri errichtet hat.

Geschichte[Bearbeiten]

Luftbild

Curzio Malaparte ließ die zweigeschossige Villa Malaparte zwischen 1938 und 1940 auf einem vorspringenden Felsen (Punta Masullo) über dem Meer erbauen. Malaparte wollte eine „casa come me“, ein Haus wie ich, bauen: „triste, dura, severa“ - traurig, hart und streng. Malaparte nahm dieses Unternehmen im Angriff, obwohl er noch nie zuvor einen Bauplan gezeichnet und nichts von Statik verstand.

Er kaufte das Capo Masullo, fünf Kilometer vom Zentrum Capris entfernt, zum Preis von 360 Lire (damals etwa 65 Reichsmark), obwohl dort nicht gebaut werden durfte. Doch über seine Beziehungen zu Mussolinis Schwiegersohn erhielt er eine Baugenehmigung. Gebaut wurde in den Jahren von 1938 bis 1940.

Gäste in der Villa Malaparte waren Jean Cocteau, Alberto Moravia, Albert Camus und der Kommunistenführer Palmiro Togliatti.

Einer Anekdote zufolge soll Erwin Rommel, als er in dem Haus zu Besuch war, gefragt haben, ob der Hausherr es selbst entworfen habe – was der Wahrheit entsprach. Dieser habe aber schlagfertig geantwortet, das Haus habe er schon so gekauft, aber die Umgebung – also den malerischen Golf von Neapel und die romantische Schönheit Capris – habe er selbst kreiert.

Nach einer Chinareise erkrankte Malaparte an Krebs, flog nach Rom, wurde Mitglied der kommunistischen Partei und trat zum katholischen Glauben über. Dann vermachte er kurz vor seinem Tod die Villa der kommunistischen Jugend der Volksrepublik China, was zu einem langjährigen Rechtsstreit führte.

Momentan wird die Villa Malaparte von Ralph Jentsch, Nachlassverwalter von George Grosz und Herausgeber einer Neuauflage von Malapartes Werken, bewohnt.

Zum 9. Juni 1998 zum 100. Geburtstag Malapartes wurde das baufällige Haus restauriert und zieht seither Neugierige aus aller Welt und Modefotografen an. Karl Lagerfeld fotografierte einen ganzen Bildband über das Haus. Außerdem diente die Villa als Filmkulisse für Jean-Luc Godards Film Die Verachtung (Le Mépris, 1963).

Architektur[Bearbeiten]

Luftbild

Die Architektur von Adalberto Libera, die schon aus der Ferne durch ihren roten Anstrich ins Auge fällt, wurde durch Godards Film Die Verachtung mit Michel Piccoli und Brigitte Bardot weltbekannt – die Kalkulation des Lichteinfalls, der Achsen und Fluchtlinien gilt als ebenso spektakulär wie die gefährliche Treppe, die auf eine geländerlose Dachterrasse führt. Dort hält ein geschwungener Sichtschutz die Blicke neugieriger Spaziergänger ab. Das rote Haus selbst steht auf einem schwer zugänglichen Felsen hoch über dem Meer. Das Flachdach selbst ist groß genug, dass der Hausherr hier Fahrrad fahren konnte.

Im Inneren bildet ein Salon mit einer Fläche von hundert Quadratmetern den Mittelpunkt. Vor dem Haus befindet sich eine Terrasse, zu der man über eine Treppe vom Erdgeschoss aus hinunter geht und von der aus man nach etwa 100 Stufen hinunter ans Meer kommt oder in Richtung Tor gehen kann, um nach Capri Stadt zu kommen. Die Fenster sind asymmetrisch so über die Fassade verteilt, damit sie die ergiebigsten Ausblicke erlauben. Außerdem gibt es im Haus eine Bibliothek, ein Schlafzimmer für den Hausherrn, eines für seine jeweilige Favoritin, eine Kammer für deren Zofe sowie eine Wohnung mit vier Zimmern für Gäste.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael McDonough: Malaparte – ein Haus wie ich. Mit einem Vorwort von Tom Wolfe. Übers. von Friedrich Mader. Knesebeck, München 2000. ISBN 3-89660-063-X
  • Christina Haberlik: 50 Klassiker. Architektur des 20. Jahrhunderts. Hildesheim: Gerstenberg Verlag, 2001. ISBN 3-8067-2514-4
  • Petra Liebl-Osborne: "Ein Haus wie ich" Die Casa Malaparte auf Capri. HypoVereinsbank, 1999. ISBN 3-930184-20-6
  • Karl Lagerfeld: Casa Malaparte. Steidl, Göttingen 1998. ISBN 3-88243-564-X
  • V. Savi, J. Bostik: Orfica, surrealistica: Casa Malaparte a Capri e Adalberto Libera. In: „Lotus International“ Nr. 60 (1989), S. 6-31 (italienisch).
  • Giallo Libera-Malaparte. In: „L’Architettura, cronache e storia“ Nr. 443 (Sept. 1992), S. 594-595 (italienisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Villa Malaparte (Capri) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

40.54694444444414.26Koordinaten: 40° 32′ 49″ N, 14° 15′ 36″ O