Villa San Remo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Villa San Remo

Die Villa San Remo ist einer der extravagantesten Villenbauten im Dresdner Stadtteil Loschwitz. Das Gebäude auf der Bergbahnstraße 12, direkt neben dem Luisenhof und der Standseilbahn, steht unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Villa San Remo wurde um 1895 nach einem Entwurf von F. Berghold im Stil der Neorenaissance erbaut. Die erste Bewohnerin der Villa soll die sächsische Kronprinzessin Luise von Österreich-Toskana gewesen sein, die möglicherweise auch den Bau der Villa in Auftrag gegeben hatte. Das Gebäude ging später in den Besitz des Fabrikanten Kurt Vogel über, der die Villa 1938 an Charles A. Noble verkaufte. Noble, der 1921 nach Amerika ausgewandert war, die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte und nach Deutschland zurückgekehrt die Spiegelreflexkamera Praktiflex entwickelte (später Praktica), lebte hier mit seiner Frau, Sohn John H. Noble und der Familie seiner Schwester.

Die Villa San Remo am oberen Bildrand mittig auf einem Foto um 1900

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Charles und John H. Noble unter dem Vorwand verhaftet, sie hätten beim Einmarsch der sowjetischen Truppen auf dem Turm der Villa San Remo die amerikanische Flagge gehisst.[2] Beide wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nachdem John H. Noble 1955 aus der Haft freikam, wurde die sogenannte „Noble-Legende“ durch den vormaligen sächsischen Ministerpräsidenten Max Seydewitz zuerst in Zeitungsartikeln, und später in dessen Buch Die unbesiegbare Stadt erfunden: So hätten die Nobles als Spione die alliierten Bomber am 13. Februar 1945 über eine Sendestation in der hoch über dem Dresdner Elbtal gelegenen Villa zur Stadt gelotst und dadurch die Bombardierung Dresdens eingeleitet.[3] Andere Versionen behaupteten, Charles Noble hätte vom Turm der Villa San Remo die Bomberpiloten mit einem reflektierenden Spiegel zur Stadt gelotst.[4] Der haltlose Vorwurf führte zur Enteignung der Familie Noble, die auch die Villa San Remo verlor.

Die Villa ging in städtischen Besitz über und wurde zunächst als Gästehaus der Stadt Dresden genutzt. Später befand sich ein Klubhaus in den Räumen und schließlich die HO-Rechenzentrale.[5] Bis 1989 befand sich eine Tafel am Gebäude, die von der angeblichen „Greueltat der Nobles“[6] berichtete. Nach der Wende erhielt John H. Noble 1991 die Villa San Remo als Eigentum zurück. Im Jahr 2002 wurde die Villa versteigert[7] und wird seit 2006 wieder bewohnt.

In Uwe Tellkamps 2008 veröffentlichtem Roman Der Turm erscheint die Villa San Remo unter der Bezeichnung Rapallo.[8]

Bau[Bearbeiten]

Die Villa San Remo gilt als einer der „exaltiertesten Bauten auf dem Weißen Hirsch“.[2] Sie wurde „in steiler Hanglage erbaut…“[9], sodass das insgesamt 2800 Quadratmeter große Grundstück nicht befahrbar ist. Das Gebäude wurde im Stil der Neorenaissance erbaut. Besonders auffällig ist dabei der hohe Turm, der begehbar ist und eine Aussichtsplattform besitzt. Die Laterne ist wie alle weiteren Türme und Gauben der Villa kupfergedeckt. Dem an der linken Ecke der Portalseite positionierten Turm ist ein Eckrisalit mit geschweiftem Giebel gegenübergestellt. Darin befindet sich ein kleines Fenster mit rundem Austritt. Der zwischen Turm und Risalit platzierte Eingangsvorbau besteht aus einer auf Säulen ruhenden Balkonterrasse. Die für die Fassade verwendeten Materialien sind für Dresden eher untypisch.[10] Zwar wurden sämtliche Architekturteile in sächsischem Sandstein ausgeführt, die Flächen aber mit weißen Klinkern verkleidet. „Der Rationalität der … Moderne entgegnet [die Gestaltung der Villa] in romantisierenden Überformungen, deren tatsächlicher Nutzwert sich oftmals auf das Symbolische beschränkt“.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Villa San Remo. In: Julia Franke, Clemens Niedenthal: Landhäuser & Villen in Dresden. Band 1: Weißer Hirsch. Aschenbeck & Holstein, Delmenhorst und Berlin 2006, ISBN 978-3-939401-16-2, S. 16–17.
  • Villa San Remo. In:  Matthias Donath und Jörg Blobelt: Altes&Neues Dresden. edition Sächsische Zeitung, Dresden 2007, ISBN 978-3-938325-41-4, S. 154f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kulturdenkmal Villa San Remo
  2. a b c Franke, Niedenthal: Villa San Remo, S. 16.
  3. Max Seydewitz: Die unbesiegbare Stadt. 6. Auflage. Brockhaus, Leipzig 1982, S. 189 (1. Auflage = Kongreß, Berlin 1955).
  4. Vgl. Legende auf stadtspiele-verlag.de
  5. Vgl. dresdner-stadtteile.de
  6. „Noble-Legende“ auf john-noble.de
  7. Luises Märchenschloss. In: Welt Online, 31. August 2002.
  8. Andreas Platthaus: Zeitverschiebung: Uwe Tellkamps Dresden. In: FAZ.NET, 6. Oktober 2008.
  9. Georg Dehio (Hrsg.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Dresden. Aktualisierte Auflage. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 2005, S. 183.
  10. Donath, Blobelt: Villa San Remo, S. 155.

51.05785927702213.819325566292Koordinaten: 51° 3′ 28″ N, 13° 49′ 10″ O