Villa Torlonia (Rom)

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Park und Vorderfront des Casino Nobile
Rückseite des Casino Nobile

Die Villa Torlonia ist ein öffentlicher Park im Zentrum Roms, außerhalb der römischen Stadtmauer im Quartiere Nomentano und befindet sich an der Via Nomentana.

1806 begann der Architekt Giuseppe Valadier, der aufgrund der Neugestaltung der Piazza del Popolo in Rom zu Ruhm gelangte, im Auftrag des Bankiers Giovanni Torlonia aus dem Adelsgeschlecht Torlonia, der das Gelände 1797 von der Familie Colonna erhielt, mit der Ausführung der Arbeiten. In der Zeit Alessandro Torlonias, dem Sohn Giovannis, wurde die Anlage fertiggestellt.

Nach einer Zeit längeren Leerstands war die Villa Torlonia von 1925 bis 1943 die offizielle Residenz Mussolinis, der einen symbolischen Pachtbetrag von einer Lira pro Jahr bezahlte.[1] Unter Mussolini und dem Prinzen Torlonia wurde unter dem Parkgelände, in den jüdischen Katakomben aus dem 3. und 4. Jahrhundert nach Christus, eine Zuflucht gegen (befürchtete) Luftangriffe gebaut.

Im Park sind neoklassische Skulpturen sowie ein Pavillon aus der zu finden.

Das Casino Nobile ist ein Beispiel neoklassischer Architektur, die Casina delle Civette ist ein Gebäude des Jugendstils. Es wurde vor einiger Zeit in ein Museum umgewandelt.

In der Nachkriegszeit verfielen die Gebäude und der Park verkam. 1978 wurde die Villa Torlonia von der Stadt Rom gekauft und in einen öffentlichen Park umgewandelt. Trotz umfangreicher, gegenwärtig durchgeführter, Baumaßnahmen befinden sich einige Gebäude auf dem Gelände der Villa Torlonia in einem baufälligen Zustand. Am Ostersonntag 2008 wurden größere Teile des alten Baumbestandes durch einen Sturm zerstört.[2]

Auf dem Gelände der Villa ist ein von der Stadt Rom installiertes WiFi-Netz mit Zugang ins Internet verfügbar.

Die Parkanlage[Bearbeiten]

Der Park der Villa Torlonia erstreckt sich über eine Fläche von 13 Hektar, enthält zwei kleine Seen, eine Ilex-Allee sowie eine reiche Anzahl einheimischer und exotischer Gehölze, wie Koniferen, Palmen, immergrüne Laubbäume und Obstbäume.

Dekoriert ist der Park mit Gartenplastiken, wie Skulpturen, Vasen, Säulen, Obelisken, Sphingen und Gartenpavillons.

Bauten in der Villa Torlonia[Bearbeiten]

  • Casino nobile, erbaut von Giuseppe Valadier zwischen 1802 und 1806, ab 1832 durch Giovan Battista Caretti monumental umgebaut und erweitert. Mussolini ließ in der Zeit, als er in der Villa residierte, dort zwei unterirdische Bunker anlegen. Heute sind mehrere Räume als Museum zugänglich
  • Casino dei principi, erbaut 1835 bis 1840, Museum mit rund 50 Statuen von der Antike bis Art Nouveau
  • Tempel des Saturn, erbaut zwischen 1836 und 1838 von Giovan Battista Caretti als antike Tempelruine. Vorbild war der Aeskulaptempel der Villa Borghese. Der Tempel besteht nur aus dem Pronaos mit vier dorischen Säulen und Dreiecksgiebel mit einem Giebelrelief aus Terracotta von Vincenzo Gajassi. Dargestellt ist ein Saturnus, der römische Gott des Ackerbaus und der Aussaat.[3]
  • Theater[4]
  • Turnierfeld (Campo da tornei), eine Art Sportplatz, der von Jappelli in Bezügen auf mittelalterliche Turnierplätze und Ariosts Heldenepos "Orlando furioso" angelegt wurde. Das Feld befindet sich zwischen Theater und dem maurischen Gewächshaus. Die ehemaligen, an mittelalterlichen Turnierpätzen orientierten Begleitbauten für die Zuschauer sind nicht mehr vorhanden. Unter Mussolini diente das Feld als Tennisplatz.[5][4]
  • Serra Moresca, Gewächshaus im "maurischen Stil"
  • Casina delle Civette, ein eklektisches Bauwerk, das viele einschneidende Umgestaltungen erfahren hat. Geplant und errichtet wurde es 1840 von dem Architekten G. Jappelli als Haus im "Schweizer Stil", zwischen 1908 und 1913 von dem Architekten Gennai gründlich umgestaltet, um dem Haus eine "mittelalterliches" Aussehen zu geben. Die Inneneinrichtung - Böden, Fenster, Türen, Treppen, Mobiliar - wurden zwischen 1916-1920 vollständig im Stil des Art Nouveau durchgestaltet, beteiligt waren die Künstler D. Cambellotti, P. Paschetto, U. Bottazzi und V. Grassi. Während der amerikanischen Besatzung von 1944 bis 1947 erlitt das Haus schwere Schäden, ab 1978 wurde es im Auftrag der Römer Stadtverwaltung saniert. Heute ist das Haus als Museum für Jugendstil-Glaskunst, in dem auch in Wechselausstellungen Arbeiten zeitgenössischer Glaskünstler gezeigt werden, zugänglich.
  • künstliche Ruinen

Katakomben[Bearbeiten]

1919 wurden auf dem Gelände jüdische Katakomben, die im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus oder schon kurz nach der Zeitenwende entstanden sind, entdeckt. Niederländische Wissenschaftler datieren die Katakomben mit Hilfe der Radiokohlenstoffmethode auf das 1. Jahrhundert.[6] Erhalten sind Fresken und Inschriften.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alberta Campitelli (Hrsg.): Villa Torlonia. Guida. Electa, Mailand 2006.
  • Roberto Quintavalle: Alessandro Torlonia e Via Nomentana nell’Ottocento. Edilazio, Rom 2008.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angaben auf der offiziellen Seite der Villa (ital.)
  2. Maltempo a Pasquetta danni e alberi abbattuti. In: La Repubblica. 25. März 2008, abgerufen am 7. Juli 2011
  3. Annapaola Agati: Tempio di Saturno. In: Alberta Campitelli (Hrsg.): Villa Torlonia Guida. Electa, Roma 2006, ISBN 88-370-4961-7, S. 170–172.
  4. a b Teatro di Villa Torlonia.
  5. Annapaola Agati: Campo da tornei. In: Alberta Campitelli (Hrsg.): Villa Torlonia Guida. Roma 2006, ISBN 88-370-4961-7, S. 174.
  6. http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/255684.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Villa Torlonia – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

41.91480555555612.511305555556Koordinaten: 41° 54′ 53″ N, 12° 30′ 41″ O