Villanovakultur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kulturkreis der Villanovakultur um 900 v. Chr.
Bikonische Urne mit Deckel aus Chiusi, 9.-8. Jh., Archäologisches Museum, Florenz

Die Villanovakultur ist eine der frühen eisenzeitlichen Kulturen Italiens. Sie entwickelte sich unter dem Einfluss der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur etwa zur gleichen Zeit wie die Este-Kultur (nördliche Poebene) und die Golasecca-Kultur (westliche Poebene) ab dem 10./9. Jahrhundert v. Chr. im Raum Bologna und in Mittelitalien südlich des Apennins (im Bereich der heutigen Toskana) und verschwand im 5. Jahrhundert v. Chr. Die Villanovakultur wurde in ihrem Siedlungsbereich von der Kultur der Etrusker abgelöst, deren Grundlage sie bildete.

Benannt wurde sie nach dem Dorf beziehungsweise Gut Villanova in der Gemeinde Castenaso, 10 km östlich von Bologna am Fluss Idice gelegen. Dort wurde 1853 ein Gräberfeld der Villanovakultur entdeckt, das Graf Giovanni Gozzadini erstmals mit wissenschaftlicher Zielsetzung ausgraben ließ. Typisch für die Villanovakultur sind mit geometrischen Motiven verzierte Urnen, die bei Männergräbern nicht selten mit Bronze- oder Tonhelmen zugedeckt waren, und so genannte Hütten- oder Hausurnen sowie reiche Grabbeigaben (Keramik, Waffen, Schmuck).

Hauptsächliche archäologische Quellen sind die großen Urnengräberfelder. Die Verbrennung mit Urnenbeisetzung war in der Bronze- und Eisenzeit in ganz Europa verbreitet. In der Spätzeit der Villanovakultur kam es zu einem Übergang von der Urnenbestattung zur Körperbestattung.

Die materielle Grundlage der Villanovakultur beruhte auf Landwirtschaft und Viehzucht. Daneben waren die Herstellung von Keramik und die Herstellung von Werkzeugen und Waffen aus Eisen von großer Bedeutung.

Die soziale Struktur der frühen Villanova-Kultur war vermutlich noch wenig ausdifferenziert. An Fundorten aus späterer Zeit finden sich dagegen Merkmale stärkerer Hierarchisierung, die sich aus der räumlichen Struktur der Siedlungsstätten und der Anordnung und den Grabbeigaben der Gräber ablesen lassen. Auf der Grundlage von Eisenverhüttung und intensivem Handel mit Eisen entstanden proto-urbane Siedlungen mit aristokratischen Führungsschichten.

Die Villanovakultur steht in einem engen Zusammenhang mit der Kultur der Etrusker, als deren Vorläuferin sie gilt.

Die Zeit des Übergangs von der Villanova-Kultur zu den Etruskern (Ende 8. bis Anfang 6. Jhdt. v. Chr.) bezeichnet man in der italienischen Urgeschichtsforschung als Periodo Orientalizzante (orientalisierende Periode), weil bedingt durch Einwanderungsbewegungen und Handelsbeziehungen in diesem Zeitabschnitt vermehrt kulturelle Einflüsse aus dem vorderasiatischen Raum der altorientalischen Reiche wirksam wurden, die unter anderem zur Entstehung einer lokalen Schrift und Münzprägung führten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Archäologische Untersuchungen zu den Beziehungen zwischen Altitalien und der Zone nordwärts der Alpen während der frühen Eisenzeit Alteuropas (= Regensburger Beiträge zur prähistorischen Archäologie. Bd. 4). Ergebnisse eines Kolloquiums in Regensburg, 3. – 5. November 1994. Universitäts-Verlag Regensburg u. a., Regensburg u. a. 1998, ISBN 3-930480-23-9.
  • Petra Amann: Das „Protovillanova“-Phänomen im endbronzezeitlichen Italien und seine Relevanz für die Herausbildung der früheisenzeitlichen Kulturgruppen der italienischen Halbinsel, in: Raimund Karl, Jutta Leskovar (Hrsg.), Interpretierte Eisenzeiten. Fallstudien, Methoden, Theorie. Tagungsbeiträge der 1. Linzer Gespräche zur interpretativen Eisenzeitarchäologie. Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich, Folge 18. Linz 2005.
  • Klaus Radatz: Grabfunde der Villanovakultur vom Monte Campanile in Veji Prov. Rom. In: Mario Liverani, Alba Palmieri, Renato Peroni (Hrsg.): Studi di Paletnologia in onore di Salvatore M. Publesi. Università di Roma „La Sapienza“ – Dipartimento di scienze storiche, archeologiche e antropologiche dell'antichità, Rom 1985, S. 851–861.
  • Pietro Tamburini: Un abitato villanoviano perilacustre. Il „Gran Carro“ sul lago di Bolsena (1959–1985) (= Tyrrhenica. Bd. 5 = Archaeologica. Bd. 113). Bretschneider, Rom 1995, ISBN 88-7689-114-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Villanovian culture – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien