Ville Ranta

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Ville Ranta

Ville Ranta (* 1978 in Oulu) ist ein finnischer Comiczeichner, politischer Karikaturist, Kleinverlagsgründer und Autor von international verlegten Graphic Novels.[1] Bekannt wurde er durch zahlreiche Alben-Veröffentlichungen, pointierte Themenwahl sowie Auszeichnungen. Er gilt als ein "Eckpfeiler der finnischen Comic-Szene".[2]

Leben und Schaffen[Bearbeiten]

Ranta studierte finnische Sprache und Literatur an der Universität Helsinki. Nach dem Abschluss entschied er sich für eine Berufstätigkeit als Zeichner und legte ab 2002 in rascher Folge eigene Comic-Alben und Graphic Novels vor.

Sein Comic Mohammed, Fear and Freedom of Speech, das er 2006 in der Kulturzeitschrift Kaltio in Reaktion auf die Mohammed-Karikaturen-Kontroverse veröffentlichte, verursachte die Entlassung des Herausgebers Jussi Vilkuna und Richtlinienkorrekturen.[3] Der Comicmacher Ranta befürchtete schon, seine Karriere als Zeichner sei damit am Ende. Das Gegenteil trat ein, ab da erhielt er von zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften neue Aufträge als politischer Karikaturist.[4]

Ranta glaubt nicht an irgendeinen Gott, hält aber für unverzichtbar, sich besser bewusst zu sein, dass die Religion ein Teil der Kultur und Geschichte Europas sei. Auch seine Mohamed-Satire habe nicht der Religion gegolten, sondern dem vorauseilenden Gehorsam von Behörden und Medien den Zensur-Forderungen islamistischer Kreise gegenüber.[4]

Mit einigen Kollegen zusammen gründete er den Verlag Asema. Sein mit Text und Szenario von Lewis Trondheim und Bebilderung von ihm entstandenes Album Célébritiz wurde 2006 von France Télévision als Bestes Album gekürt.[5] Im Jahr 2009 erhielt er den Preis Puupäähattu der Finnischen Comic Gesellschaft.[6]

Beim Album L'exilé de Kalevala ließ er sich von der Lebensgeschichte des jüdisch-finnischen Dichters Elias Lönnrot (1802-1886) inspirieren.[2]

In seinem 2012 in einer deutschen Sprachfassung von Elina Kritzokat herausgekommenen Comic-Buch Paradies bringt Ranta vier Variationen über den Mythos vom Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies. Dies ursprünglich von der lutherischen finnischen Kirche in Auftrag gegebene Werk erlaubten ihm, sich intensiv mit "Fragen nach Gesetzen, Verboten und Freiheiten" auseinanderzusetzen.

Im März 2012 war Ranta auf Einladung seines deutschen Verlags, gefördert vom Finnland-Institut in Deutschland und dem Finnish Literature Exchange-Institut FILI mit eigener Beamer-Lesung auf der Leipziger Buchmesse.[7] Immerhin wurde mit der zeitgleich herausgekommenen Lizenzausgabe von Paradies sein Werk erstmals in deutscher Sprache zugänglich.[8]

Ville Ranta lebt und arbeitet in Oulu, der sechstgrößten Stadt Finnlands und nördlichsten Großstadt der Europäischen Union.

Stilistik[Bearbeiten]

Rantas Stil in Text und Zeichnung sei "immer humoristisch und dekonstruktivistisch", sagt Ranta über sich selbst.[4] Er verwendet oft einen skizzenhaften Strich und wie hingetupft wirkende Aquarellfarben.[4] In seinen Arbeiten liebt er es, mit Mitteln der Parodie und Satire kontroverse und provokante Themen aufs Korn zu nehmen. Seine Geschichten haben in der Regel viel Tempo, aber er kann sich auch mal zurücknehmen. Die schneereichen Landschaften in L'exilé de Kalevala beispielsweise sind ruhig und in Schwarz-Weiß gezeichnet.

„Humor eignet sich für ernsthaftes Nachdenken, denn Humor verhindert, dass man die Bodenhaftung verliert.“

Ville Ranta[4]

Werke[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.villeranta.com/yhteys
  2. a b Angoulême 2011 - Interview de Ville Ranta - L'exilé du Kalevala, YouTube Text (englisch)
  3. Comic commenting the Mohammed caricature controversy restored, slow-news-day .net vom 30 Dezember 2012, abgerufen am 19. Juni 2012
  4. a b c d e Die Lust am Sündenfall - Ville Rantas Sündenfall-Variationen, Rezension in der NZZ vom 11. Mai 2012, abgerufen am 9. Juni 2012
  5. Prix Jeunesse France Télévisions - BD pour les 11-14 ans
  6. Ville Ranta. Perlentaucher, abgerufen am 29. November 2013.
  7. Leipzig Liest - Programm ”Comic”, 2012 (PDF)
  8. Buchmarkt Comic-Deutschland, der Importmeister, Bericht von Lars von Törne in Der Tagesspiegel vom 21. März 2012, abgerufen am 19. Juni 2012