Vincent-Marie Viénot de Vaublanc

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Zeitgenössisches Porträt

Vincent-Marie Viénot, Comte de Vaublanc (* 2. März 1756 in Fort Dauphin, Saint-Domingue, heute Fort-Liberté, Haiti; † 21. August 1845 in Paris) war ein französischer Staatsmann.

Leben[Bearbeiten]

Nach einer Militärkarriere und einer anschließenden Tätigkeit als Bürgermeister der Stadt Melun und als Präsident des Départements Seine-et-Marne wurde Vaublanc im September 1791 in die französische Nationalversammlung gewählt und kurz darauf von der royalistischen Mehrheit zum Parlamentspräsidenten bestimmt. Während der Terrorherrschaft versteckte er sich an verschiedenen Orten im Südwesten Frankreichs und kehrte erst 1795 nach dem Tode Robespierres nach Paris zurück. Als er während der Regierung des Direktoriums erneut vom Tode bedroht wurde, emigrierte er in die Schweiz und nach Italien. Nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII kehrte er wieder nach Frankreich zurück. Unter Napoleon Bonaparte war Vaublanc zunächst 1803 kurzzeitig Präsident des Corps législatif und von 1805 bis 1814 Präfekt des Départements Moselle. Nach dem Sturz Napoleons behielt er dieses Amt, musste aber während der Hundert Tage aus Metz fliehen, nachdem er gemeinsam mit Charles Nicolas Oudinot versucht hatte, die Stadt nicht in die Hände der Kaisertreuen fallen zu lassen. Nach der zweiten Rückkehr Ludwigs XVIII. ernannte ihn dieser im Dezember 1814 für seine Verdienste zum Großoffizier der Ehrenlegion. Während der Restauration wurde Vaublanc zu einem der eifrigsten Verfechter ultra-royalistischer Ideen in der Chambre introuvable[1] und bekleidete in den Jahren 1815 und 1816 auf Betreiben des Comte d’Artois im Ministerium Richelieu das Amt des französischen Innenministers.[2] Nach dem Scheitern seines Plans zur Änderung des französischen Wahlgesetzes reichte er im Mai 1816 seinen Rücktritt ein. Zwischen 1820 und 1827 kehrte er als Deputierter des Départements Calvados auf die politische Bühne zurück und wurde 1830 zum Conseiller d'État berufen, bevor er sich im selben Jahr, bei der Thronbesteigung Louis Philippes, endgültig aus der Politik verabschiedete.

In seinem 1833 erschienenen Hauptwerk Mémoires sur la Révolution de France entwickelte er eine eigene Theorie über die Gründe für den Ausbruch der Französischen Revolution.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Rapport sur les honneurs et récompenses militaires, le 28 janvier 1792, fait à l’Assemblée nationale, au nom du Comité d’instruction publique (1792), online abrufbar über Gallica, das Digitalisierungsprojekt der Französischen Nationalbibliothek
  • Réflexions sur les bases d’une constitution (1795), unter dem Pseudonym „L.-P. de Segur“.
  • Considérations critiques sur la nouvelle ère, sous la forme d’un discours à la tribune du Conseil des Cinq-Cens (1801), online abrufbar über Gallica und verfügbar als Microfiche-Ausgabe (Witney 1993) in der Serie „The French Revolution research collection“
  • Des administrations provinciales et municipales (1828), online abrufbar über Gallica.
  • Mémoires sur la Révolution de France et recherches sur les causes qui ont amené la Révolution de 1789 et celles qui l’ont suivie (4 Bände, 1833), online abrufbar über Gallica: Band 1, Band 3 und Band 4
  • Souvenirs (2 Bände, 1839)

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Waresquiel / Yvert bemerken hierzu süffisant „Son « dévouement à perdre haleine » […] ne suffit pas, contrairement à ce qu’il croit, pour dominer une chambre dans laquelle la moindre de ses interventions provoque un fou rire généralisé“. Emmanuel de Waresquiel / Benoît Yvert, Histoire de la Restauration 1814–1830. Naissance de la France moderne, Paris 1996, S. 179.
  2. Zu Vaublancs Rolle während der Restauration vgl. Rudolf von Thadden, Restauration und Napoleonisches Erbe. Der Verwaltungszentralismus als politisches Problem in Frankreich (1814–1830), Wiesbaden 1972, S. 105−107.
Vorgänger Amt Nachfolger
Pierre-Victurnien Vergniaud Präsidenten der Gesetzgebenden Versammlung Frankreichs
28. November 1791–10. Dezember 1791
Bernard Germain Lacépède
Étienne-Denis Pasquier Innenminister von Frankreich
26. September 1815–7. Mai 1816
Joseph Henri Joachim Lainé