Vindobona

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Dieser Artikel behandelt das römische Legionslager und die angeschlossenen Zivilsiedlungen, auf die sich das heutige Wien gründet. Weitere Bedeutungen unter Vindobona (Begriffsklärung).

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Legionslager Wien
Alternativname Vindobona, Vindomana,
Vendobonae, Vindomarae
Limes Oberpannonien
Abschnitt Strecke 2
Datierung (Belegung) domitianisch,
1. bis 5. Jahrhundert n. Chr
Typ Legions- und Flottenkastell, quadratische Anlage mit abgerundeten Ecken,
Einheit a) Legio XV
b) Legio XIII
c) Legio XIIII
d) Legio X
e) classis Histrica
Größe circa 18 ha,
400 m × 500 m
Bauweise Steinkastell
Erhaltungszustand oberirdisch nicht mehr sichtbares Bodendenkmal
Ort Wien
Geographische Lage 48° 12′ 39″ N, 16° 22′ 13″ O48.21083333333316.370277777778
Vorhergehend Kastell Klosterneuburg (westlich)
Anschließend Kastell Ala Nova (östlich)
Limes3.png
Denarius des Domitian
Der Albrechtsbrunnen in Wien, Allegorie auf den Flussgott Danuvius und die Stadt Vindobona
Das römische Wien
Vindobona um 250 n. Chr.
Strecke zwischen Vindobona und Carnuntum auf der Tabula Peutingeriana
Rekonstruktion des Legionslagers im Römermuseum Hoher Markt
Ecke Kramergasse/Ertlgasse, Standort des Osttores
Befundskizze des Osttores
Rekonstruktionsversuch des Osttores, 2. Jahrhundert n. Chr.
Tiefer Graben, im Hintergrund die Hohe Brücke, Standort des Westtores
Das Peilertor an den Tuchlauben, wahrscheinlich ein Überrest der porta decumana, um 1732
Die Naglergasse im 1. Bezirk, sie markiert den einstigen Verlauf eines Abschnittes der Südwestmauer des Legionslagers
Einmündung der Naglergasse in den Heidenschuß, noch gut zu erkennen ist die ehemalige (abgerundete) SW-Ecke des Legionslagers
Rekonstruktionsversuch der Lagertherme, 2. Jahrhundert n. Chr.
Steinquader von der Badeanlage des Legionslagers, Sterngasse
Rekonstruktionsversuch eines Tribunenhauses am Westtor, 2. Jahrhundert n. Chr.
Konservierte Reste der Bodenheizung eines Tribunenhauses im Römermuseum am Hohen Markt
Am Hof gefundener Marmorkopf einer Geniusstatuette, 2.–3. Jahrhundert n. Chr.
Fortunaaltar, gestiftet von Marcus Aurelius Cocceius Florianus, Angehöriger der Legio X (222–235), gefunden am Neuen Markt/Plankengasse
Rekonstruktionsversuch eines Horreums am Salzgries, 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr.
Römischer Kanaldeckel, gefunden am Hohen Markt
Den Nymphen geweihter Altar, gefunden 1853 im Bett des Wienflusses, Ende 1. bis Anfang 2. Jahrhundert, gestiftet von T. Vettius Rufus, Zenturio der Legio XIIII (Römermuseum Hoher Markt)
Rekonstruktionsversuch einer Mannschaftskaserne am Judenplatz, 2. Jahrhundert n. Chr.
Rekonstruktionsversuch der Principia, Zustand 2. Jahrhundert n. Chr.
Quader mit Bauinschrift der Legio XIIII, gefunden 1911 am Fleischmarkt; vermutlich von einem Zwischenturm der östlichen Lagermauer
Rekonstruktionsversuch des Lagerhospitals, Zustand 2. Jahrhundert n. Chr.
Relief aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., vermutlich ursprünglich an der Porta principalis dextra angebracht; gefunden 1895 beim Abbruch von Kramergasse 4-6
Reliefverzierte Terra sigilatta ( 1. Jahrhundert) aus La Graufesenque (Frankreich)

Vindobona ist der Sammelname für ein römisches Legionslager, eine Militärsiedlung und Zivilstadt am Donaulimes (Limes Pannonicus) auf dem Gebiet der heutigen Bundeshauptstadt Wien in Österreich. Das Legionslager diente zum Schutz und Überwachung der Reichsgrenze und diverser Straßenverbindungen. Obwohl die dichte moderne Überbauung die Erforschung dieses Fundortes erheblich behinderte, konnten die Umrisse des Lagers und auch die Positionen einiger seiner Innenbauten bzw. der Zivilsiedlungen zweifelsfrei bestimmt werden.

Stadt und Legionslager gehörten zum Territorium der römischen Provinz Pannonia, die damit der am weitesten im Westen gelegene Legionsstandort dieser Provinz waren. Ein Grabstein eines Angehörigen der Legio XV Apollinaris und Reste einer Holz-Erde-Befestigung lassen hier spätestens ab dem frühen 1. Jahrhundert n. Chr. einen ersten römischen Stützpunkt an der Limesstraße vermuten. Legionslager und Zivilsiedlungen sind seit dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. nachweisbar. Südwestlich des Legionslagers stand im 1. und 2. Jahrhundert möglicherweise auch ein Reiterkastell. Zeitweise waren vermutlich bis zu 6000 Soldaten hier stationiert.

Die direkt am Ufer eines Donauseitenarms gelegene Legionsfestung wurde seit dem späten 1. Jahrhundert auch von sogenannten Cannabae Legionis (Militärstadt) umschlossen. Südöstlich davon entwickelte sich zur selben Zeit eine rasch expandierende Zivilstadt. Man schätzt, dass zu seiner Glanzzeit, vom 2. bis in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts etwa 30.000 Menschen in und um Vindobona lebten. Die Zivilstadt erlangte vermutlich im frühen 3. Jahrhundert auch den rechtlichen Status einer autonomen Stadt zweiter Ordnung (Municipium).

Im 4. Jahrhundert wurde das Hauptquartier des Kommandanten der Donauflotte (classis Histrica) von Carnuntum nach Vindobona verlegt. Das Legionslager bestand nach Zerstörung seiner Vorstädte als befestigte Siedlung noch bis Anfang des 5. Jahrhunderts und wurde dann endgültig von der Armee aufgegeben. Obwohl auch die römischen Siedlungsspuren in dieser Zeit enden, wurde Vindobona vermutlich nicht zur Gänze zerstört bzw. verlassen. Eine Restbevölkerung hielt sich bis in das frühe Mittelalter. Die römischen Ruinen wurden danach fast zur Gänze durch Steinraub abgetragen oder zugeschüttet. Bei Notgrabungen in Folge von Bauarbeiten o. ä. stoßen die Archäologen bis heute immer wieder auf die antike Vergangenheit der österreichischen Bundeshauptstadt.

Lage und Topographie[Bearbeiten]

Wien befindet sich am nordöstlichen Ausläufer der Alpen, im Wiener Becken direkt am Ufer der Donau, einer der bedeutendsten europäischen West-Ost-Verbindungen der Antike. Eine stetige Westströmung sorgt fast ganzjährig für ein angenehmes Klima. Das Wiener Becken wird im Westen durch den Wienerwald (mons cetium) begrenzt, der bei der Wiener Pforte bis an die Donau heranreicht. In der Antike war diese Landschaft noch von dichter Auwaldvegetation überzogen. Auch die keltischen Siedlungsplätze waren noch von weit ausgedehnten Wäldern umschlossen. Die aus dem Wienerwald in die Donau mündenden Bäche sorgten für ausreichend Frischwasser und erleichterten den Zugang zum Stromufer. Dieser begünstigte wiederum erheblich die Nahrungsbeschaffung und den Transport von Handelsgütern. Auch die reichen Fischbestände in den Gewässern waren eine sichere und schier unerschöpfliche Nahrungsquelle für die Bewohner. Die weit verzweigten, sumpfigen Nebenarme der Donau und die dichte Vegetation sicherten ihre Siedlungen zusätzlich gegen Norden ab. Ablagerungen von Eiszeitgletschern ließen hier auch tertiäre Schotterterrassen mit Lößüberlagerungen entstehen, deren Schichten treppenförmig gegen den Rand des Wienerwaldes ansteigen und hervorragend als Siedlungsplätze geeignet sind.

Die Behausungen waren meist auf diesen Anhöhen angelegt worden, auch das Legionslager stand auf einer vor Hochwasser geschützten Flussschotterterrasse, begrenzt vom Ottakringer Bach (Tiefer Graben) im Westen, vom Möhringbach und dem Flussbett der Wien (Acaunus) im Süden und Osten. Im Norden schloss sich das Donauufer an, das in etwa dem heutigen Verlauf des Donaukanals entsprach. Den Umriss des Legionslagers kann man noch heute im Straßenraster des 1. Bezirkes deutlich erkennen; dies vor allem deshalb, da die Babenbergerherzöge die Lagermauer zum großen Teil in ihre Befestigungsanlagen miteinbezogen. Sie diente teilweise noch bis ins späte 12. Jahrhundert als Wiener Stadtmauer. Deshalb änderten sich naturgemäß auch die angrenzenden Parzellen nicht mehr wesentlich. Die mittelkaiserzeitlichen Canabae legionis legten sich halbkreisförmig im Westen, Süden und Osten um das Lager. Die Zivilstadt stand östlich des Wienflusses, im heutigen 3. Bezirk. Durchreisende hatten hier die Möglichkeit eines relativ bequemen Donauübergangs und der weiträumigen Umgehung der unwegsamen Alpen. Von hier aus führten stark frequentierte Handelsrouten in die Alpen, ins Alpenvorland, nach Böhmen, in die Karpaten und in die pannonische Tiefebene bzw. weiter in den Osten des Römischen Reiches. Richtung Süden bot die weite Ebene des Wiener Beckens und leicht zu passierende Mittelgebirge die Möglichkeit, rasch nach Norditalien zu gelangen.[1]

Straßenverbindungen[Bearbeiten]

Mehrere antike Straßenbefunde in Wien wurden schon früh als aus der Römerzeit stammend erkannt. Besonders Friedrich von Kenner bemühte sich um eine präzise Dokumentation des antiken Straßennetzes. Auch bei jüngeren Ausgrabungen wurden immer wieder Straßenpflasterungen angeschnitten (Michaelerplatz, Palais Harrach, Freyung). Als Information für Reisende, zu Propagandazwecken und auch als eine Art Leistungsnachweis für Straßenbaumaßnahmen der römischen Kaiser, wurden an ihren Rändern abschnittsweise Meilensteine aufgestellt. Fünf davon wurden in Inzersdorf aufgefunden, die die Entfernung von Vindobona mit vier römischen Meilen angaben. Laut deren Inschriften wurden die Straßen in den Regierungsperioden unter Antoninus Pius (2. Jahrhundert), Septimius Severus, Gallienus und Valerian (3. Jahrhundert) angelegt bzw. saniert, meist als Vorbereitung für größere Feldzüge. Die Straßenführungen hatten auch großen Einfluss auf die Siedlungsentwicklung Vindobonas. Anhand der Befunde konnte man deutlich erkennen, dass sich die Verbauung anfangs vor allem entlang der Hauptstraßen ausgebreitet hatte.

Vindobona stand nahe dem Kreuzungspunkt der Bernsteinstraße bei Carnuntum, die von Nordeuropa über das Wiener Becken zum Mittelmeer (Adria) führte, mit der Limesstraße (via iuxta Danuvium), die entlang des rechten Donauufers die West- und Osthälfte des Reiches miteinander verband. Die Limesstraße erreichte bei Heiligenstadt das Stadtgebiet, auch ihr Verlauf in der heutigen Wiener Innenstadt ist weitgehend gesichert. Am Rennweg traf sie auf die aus dem Südtor führende via decumana, die Vindobona mit Scarbantia (Szombathely) verband. An der heutigen Ringstraße führte ein Abzweigung nach Aquae (Baden bei Wien), das vermutlich auch als Heilbad für die Garnison des Legionslagers diente. Die Straße führte dann über den Semmering-Pass in das Mur- und Mürztal und damit in weiterer Folge zu den großen inneralpinen Erz- und Salzlagerstätten. Im Westen traf die Limesstraße am heutigen Schottentor auf die aus dem Westtor kommende Straße. Auf der aus dem Osttor führenden Straßentrasse gelangte man über Wollzeile und Landstraßer Hauptstraße im Bereich des Rennweges (Zivilstadt) wiederum auf die Limesstraße. Die Straße durch das Nordtor (via praetoria) querte in der Leopoldau die Donau und führte von dort aus weiter über Wien-Aspern in das Gebiet des freien Germanien. Eine Straße durch das Flusstal der Wien verband Vindobona mit den Siedlungen im Wienerwald und dem Tullnerfeld.[2]

Name[Bearbeiten]

Der Name Vindobona lässt sich aus dem Keltischen ableiten. Der Name stellt sich daher als ein Komposit aus zwei Gliedern dar, dessen erstes Glied Vindo- zu keltisch *uindo- mit der Bedeutung für „weiß“ (vergleichbare einzelsprachige Varianten: bretonisch gwenn, walisisch gwynn und irisch finn). Das zweite Glied -bona hat im keltischen die Bedeutung von „(Fluss)Quelle, Gründung (Siedlung/Dorf)“. Somit lässt sich der Name von Vindobona mit der Bedeutung „Uindo-bona” = „Weiße(s) Dorf/Siedlung“ durchsichtig erklären. Die römischen Ortsnamen von Windisch (Vindonissa), Regensburg (Ratisbona) und Lillebonne (Iuliobona) enthalten dieselben Elemente. Vindobona ließe sich auch als „Gut oder Hof des Vindos“ übersetzen, da dieser bei den Kelten ein recht häufig vorkommender Name war. Mangels archäologischer Nachweise für die Existenz einer römischen Siedlung vor Erbauung des claudisch-neronischen Hilfstruppenkastells bietet sich die Erklärung an, dass die Römer ihren Ortsnamen nur von einem in der Nähe gelegenen keltischen Hof oder dem bojischen Oppidum auf dem Leopoldsberg übernommen haben können.[3] Auf antiken Inschriften wird Vindobona meist als VIND oder VINDOB abgekürzt.

Stadt und Legionskastell werden in zahlreichen antiken Quellen erwähnt:

  • Die früheste bekannt gewordene Erwähnung von Vindobona stammt von einem Fragment einer Ehreninschrift aus Rom (spätes 1. Jahrhundert).
  • Ptolemäus erwähnt Vindobona in seinem Werk Geographike Hyphegesis, wo auch seine geographische Lage näher angegeben wird.[4]
  • In der Tabula Peutingeriana wird Vindobona durch eine Zweiturmvignette als Etappenstation an der Limesstraße markiert.[5]
  • Im Itinerarium Antonini scheint es als Vindomana/Vindomenia,[6] und Vindobona/Vendobona auf.[7]
  • In der Notitia Dignitatum wird Vindomarae/Vindomanae als Garnisonsort des Dux von Ufernoricum und der Pannonia I aufgelistet.[8]
  • In Vegetius Kriegshandbuch Epitoma rei militaris wird sie als Bendobona bezeichnet.[9]
  • Beim ostgotischen Chronisten Jordanes scheint sie als Vindomina/Vendomina auf.[10]

Der althochdeutsche Name Wenia, von dem sich Wien direkt ableiten lässt, könnte auf Vedunia („Waldbach“), der keltoromanischen Bezeichnung für den Wienfluss, zurückgehen; auch eine slawische Zwischenform wäre denkbar, ist aber bislang nicht hinreichend belegt worden.[11][A 1]

Funktion[Bearbeiten]

Die Donau zwischen Klosterneuburg und Hainburg gehörte zu den am meisten gefährdeten Grenzabschnitten im Norden des Römischen Reiches. Dies war auch der Grund, warum hier in relativ kurzen Abstand zu Carnuntum ein weiteres Legionslager als dessen westlicher Flankenschutz entstand. Zu den weiteren Aufgaben der Besatzung zählte die Überwachung und Signalweitergabe am Donaulimes, die Kontrolle der Handelswege, der Donau sowie der Limesstraße. Vindobona entwickelte sich zwar im Laufe der Zeit zu einem regionalen wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Zentrum stand aber bis in die Spätantike im Schatten des benachbarten Carnuntum.[12]

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Die römische Baugeschichte Wiens lässt sich nicht nur anhand von baulichen Überresten erkennen, sondern zeichnet sich auch in den heutigen Straßenzügen und deren Namensgebung ab.

Die älteste bekannte Beschreibung der Stadt Wien wurde von einem Zisterziensermönch aus Heiligenkreuz verfasst. Da die Lagermauer damals noch weitgehend aufrecht stand, bezeichnete er sie in seiner Translatio sanctae Delicanae als „...gewaltige und uralte Mauern der Stadt Favianis, die noch auf die Römer zurückgehen sollen...“. Zur Zeit des Bischofs Otto von Freising bezog man die Erkenntnisse zur römischen Vergangenheit des Landes in erster Linie aus der Vita des Heiligen Severin, deswegen hielt man sie auch fälschlicherweise für die Überreste des spätantiken Kastell Favianis, heute Mautern an der Donau, dem Schauplatz seiner ersten Klostergründung in der Provinz Noricum. Dieser Irrglaube sollte sich bis weit ins 19. Jahrhundert halten (letzte diesbezügliche Zweifel konnten erst durch die Grabungen in Heiligenstadt von 1952/53 endgültig beseitigt werden). Erste römische Funde müssen schon beim Bau der Babenbergerresidenz, der Burg am Hof und des Schottenklosters gemacht worden sein. Sie beeinflussten vermutlich auch die zeitgenössische darstellende Kunst. Die ältesten Reitersiegel der Babenberger aus dem 12. Jahrhundert könnten Motiven auf römischen Soldatengrabsteinen nachempfunden worden sein.

13. bis 16. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die ersten Hinweise über römische Funde in Wien stammen aus dem 13. Jahrhundert. Im Fürstenbuch des Wiener Bürgers Jans der Enikel wird u. a. der Perchhof (Berghof), angeführt. Da an seinem Standort auch später zahlreiche antike Hinterlassenschaften ans Tageslicht kamen, hielt es Paul Uiblein nicht für ausgeschlossen, dass auch römisches Mauerwerk beim Bau des Gebäudes verwendet bzw. miteinbezogen wurde und so zusätzlich die Entstehung der Legende über Wiens angeblich ältestes Bauwerk förderte. Auch der Freisinger Hof, der 1277 in einer Urkunde des Konrad von Freising als ab extremitate muri, iuxta turrim antiquam bezeichnet wird, dürfte auf den Grundmauern eines römischen Gebäudes gestanden haben. Die ersten Ansätze für die wissenschaftliche Erforschung des römischen Wien gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. Der Theologe Thomas Ebendorfer von Haselbach erwähnt in seiner Chronica Austrie wiederum den Berghof als ältesten Bau von Wien und nahm an, dass die Stadt schon unter Gaius Iulius Caesar gegründet worden sei. Ende des 15. Jahrhunderts wurde jedoch den römischen Bodendenkmälern nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Man konzentrierte sich einzig auf die Enträtselung des antiken Ortsnamens und auf das Sammeln von Inschriften, von denen zwei 1493 in der Wipplingerstraße gefunden wurden und eine vor der Wiener Universität aufgestellt war. Im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts sammelte der Leibarzt des Wiener Kaiserhofes, Wolfgang Lazius, systematisch Berichte über römische Bodenfunde in Wien bzw. römische Altertümer und Inschriften, publizierte sie und stellte einige von ihnen in seinem Haus, dem Lazenhof am Bauernmarkt, aus. Bedauerlicherweise gingen sie aber bis auf fünf Exemplare wieder verloren. Eine weitere Inschriftensammlung geht auf den Festungsbaumeister Hermes Schallauczer zurück, der zwischen 1553 und 1559 bei Ausbesserungs- und Verstärkungsarbeiten an der Wiener Stadtmauer sechs antike Inschriftensteine bergen konnte. Mit Ende der Renaissance verloren die Gelehrten jedoch wieder das Interesse an der römischen Vergangenheit Wiens.

18. und 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Zwischen Ende des 17. Jahrhunderts und Mitte des 18. Jahrhunderts konnten zwei römische Sarkophage, ein Münzhort und das Fragment einer Namensliste der Legio X geborgen werden. Um 1800 entdeckte man bei Anlage des Neustädter Kanals im 3. Bezirk antike Baureste und Gräber. Die Beifunde wurden aber meist sofort an Privatsammler verkauft. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts widmete sich Anton Steinbüchel wieder verstärkt der Erforschung römischer Inschriften aus Wien. Fundbeschreibungen wurden von Adolf Schmiedl zwischen 1844 und 1848 in den Österreichischen Blättern für Literatur und Kunst publiziert. 1849 bis 1867 veröffentlichte auch Johann Gabriel Seidl Fundberichte in seinem Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfuhr die Stadtarchäologie durch den Abriss der Stadtbefestigungen einen neuen Aufschwung. Im Jahr 1865 begann man unter der Leitung von Friedrich von Kenner (k.k. Münz- und Antikenkabinett) mit der nach streng wissenschaftlichen Methoden durchgeführte Dokumentation der Befunde, einer systematischen Aufnahme der Steindenkmäler und der Suche nach dem genauen Standort des Legionslagers. Unterstützt wurde er dabei von Josef Hilarius Nowalski de Lilia, der einen archäologischen Fundnachrichtendienst organisierte, mit dessen Hilfe er die damals zahlreichen Baustellen in der Innenstadt von Wien lückenlos überwachen und antike Funde sofort sicherstellen konnte. Besonders die spätantiken Gräber wurden im 19. Jahrhundert akribisch dokumentiert. Auch im Bereich der canabae legionis galt das Interesse lange nicht dem Siedlungsbefund, sondern ausschließlich den Gräberfeldern.[13]

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahr 1901 gründete die Stadt Wien einen „Gemeinderatsausschuß zur Förderung der archäologischen Erforschung Wiens“. Auf dessen Betreiben wurde 1903 das Römische Museum der Stadt Wien eingerichtet. Sein erster Direktor wurde Nowalski de Lilia. Wilhelm Kubitschek und Emil Polaschek (Römermuseum Wien) leiteten die Ausgrabungen in der Wipplingerstraße und am Hohen Markt. Polaschek beschäftigte sich in erster Linie mit der Erforschung des Grundrisses des Lagers. Begünstigt durch die verstärkte Bautätigkeit zur Jahrhundertwende kamen nach und nach immer mehr Reste des Legionslagers ans Tageslicht, so z. B. bei der Hohen Brücke das Westtor (1900–1903). Auch der Verlauf der südlichen Mauer konnte von der ehemaligen Südwestecke in der heutigen Naglergasse bis zum Graben erstmals nachverfolgt werden. Kubitschek gelang schließlich seine exakte Lokalisierung und auch die der Zivilstadt im 3. Bezirk. Ab 1946 wurde die Forschungsarbeiten von Alfred Neumann, Mitarbeiter des Historischen Museums der Stadt Wien weitergeführt. Ihm gelang bei den Arbeiten zur Beseitigung der Kriegsschäden die Bergung weiterer wertvoller Funde und die archäologische Klärung wichtiger historischer Zusammenhänge. Neumann sind auch zahlreiche Detailerkenntnisse über das Legionslager zu verdanken. Bei Wiederaufbauarbeiten im Stadtzentrum fanden sich Gebäudereste der Innenbebauung des Lagers, wie z. B. die einer Therme am Hohen Markt. Bei Baumaßnahmen barg man vor allem große Mengen von Keramikscherben und Kleinfunde. Neumann initiierte auch die Einrichtung der archäologischen Schauräume an Hohen Markt und Am Hof.

Sein Amt wurde später von Ortof Harl übernommen, der die Wiener Stadtarchäologie in einer eigenen Abteilung neu organisierte. Weitere Forschungsergebnisse wurden vor allem beim Bau der Wiener U-Bahn ab den 1970er Jahren, Grabungen am Wildpretmarkt (im Jahr 1980, Identifizierung der Kasernen der 1. Kohorte und in Abgleich mit Altgrabungen Grundrissrekonstruktionen), Michaelerplatz, Freyung und in Unterlaa (Johanneskirche) gewonnen. Die Ausgrabung zwischen den Jahren 1989 und 1990 am Rennweg Nr. 44 erbrachte weitere Befunde von Gebäuden und Werkstätten. Bei den Grabungen am Michaelerplatz 1990/91 und auf der Freyung zwischen 1992 und 1994 sowie am Neuen Markt konnten die Baustrukturen der canabae näher untersucht und dabei auch die Siedlungschronologie bestimmt werden. Auch die Grabungen zwischen 1995 und 1998 am Judenplatz erbrachten wieder eine Fülle von neuen Informationen.

Zwischen 1994 und 2000 grub man wieder auf dem Areal der Zvilstadt. Dabei konnte festgestellt werden, dass die dort aufgefundenen Spitzgräben nicht von einem Militärlager stammen konnten. Die Wiener Stadtarchäologie erfasste bis 1998 die Fundstellen in einer Datenbank und arbeitete die Altgrabungen auf. Von 2000 bis 2011 konnten wieder Siedlungsbefunde, Straßen, Gräber, Öfen und ein Teil der Befestigung der Zivilstadt aufgedeckt werden. Vor allem die Notgrabungen im Zuge von Neubauten führen immer wieder zu neuen Erkenntnissen über das Wien in römischer Zeit.[14]

Entwicklung[Bearbeiten]

Vorrömische Zeit[Bearbeiten]

Das Wiener Becken war schon in vorrömischer Zeit ein begehrter Siedlungsboden. Funde der neolithischen Donau-Kultur im Wiener Prater stammen aus der Zeit um 3000 v. Chr. Die hauptsächlich Ackerbau betreibende Bevölkerung (Illyrer, Boier, ostalpine Kelten) lebte in kleinen verstreuten Dörfern. Die Kelten wanderten im 4. Jahrhundert v. Chr. ins Wiener Becken ein. In dieser Zeit entstand wahrscheinlich ein befestigtes Oppidum der Bojer auf dem Leopoldsberg. Ob auch schon in der Ebene um den zukünftigen römischen Siedlungsplatz zu dieser Zeit Keltensiedlungen angelegt, wurden ist unbekannt, aber aufgrund der fruchtbaren Böden doch sehr wahrscheinlich. Spätlatènezeitliche Befunde in der Ungargasse sowie Spuren von Holzstrukturen im Bereich des Legionslagers und in der Klimschgasse beim Rudolfsspital deuten darauf hin. Eine Bojersiedlung wird auf der Stadtterrasse östlich des Wienflusses, im heutigen 3. Bezirk, vermutet (Keramikfunde).[15]

1. Jahrhundert[Bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. drangen Daker und Boier von Osten bis in das regnum Noricum vor. Zu seinem Schutz setzten die Römer immer wieder Truppenkontingente in Marsch. Nach einem großangelegten Plünderungszug von Norikern und Pannoniern nach Istrien unterwarf Augustus 16/15 v. Chr. die Alpenvölker bis zur Donau. Bei diesem Feldzug stieß die römische Armee auch bis in die Region um Vindobona vor. Hier fanden sie einen außerordentlich günstig gelegenen Siedlungsplatz vor, eine eiszeitliche Terrassenlandschaft die an ihren Rändern durch mehrere Wasserläufe gesichert war. Um 15 v. Chr. wurde das Königreich Noricum dem römischen Reich einverleibt und die Donau damit zur neuen Reichsgrenze. Vermutlich um das Jahr 14 wurde auch das Wiener Becken in die Provinz Pannonien eingegliedert. Bis zur Ankunft der Römer wurde die Region noch vom Oppidum auf dem Leopoldsberg aus beherrscht. Möglicherweise war es auch die namensgebende Siedlung für den späteren Legionsstandort. Über sie ist ansonsten nur wenig bekannt, oberirdisch sind nur noch ihre Wälle anhand von leichten Geländeerhebungen zu erkennen.

Das Fundgut deutet auf Gründung eines ersten römischen Stützpunktes in claudisch-neronischer Zeit hin. Vermutlich handelte es sich nur um ein kleineres, provisorisches Lager, vielleicht ein Außenposten des Legionslagers von Carnuntum. Bei den Ausgrabungen am Hohen Markt wurden diverse Holzkonstruktionen und Beifunde aus dem 1. Jahrhundert untersucht, die von Hertha Ladenbauer-Orel als Überreste eines Kastells interpretiert wurden. In der Zeit der Herrschaft Neros und Galbas (54 bis 69) wurde es noch etwas weiter ausgebaut. Hier fand man u. a. auch Ziegel der kaiserlichen Ziegelei Pansiana, die ursprünglich in Aquileia gebrannt worden waren. Dies lässt den Schluss zu, dass die Region um Vindobona damals noch nicht sehr weit entwickelt war, da selbst noch die Ziegel aus Oberitalien herangeschafft werden mussten. Geringe Mengen an aufgefundenen norditalischen Gefäßfragmenten, die ab claudischer Zeit hergestellt wurden, unterstützen ebenfalls diese Annahme. Gleichzeitig gilt ein Großteil dieser Scherben – Teller mit Appliken – als Nachweis für die Anwesenheit römischer Hilfstruppen im 1. Jahrhundert n. Chr. Weitere Keramikfunde, diesmal aus der Regierungszeit der Flavier, lassen weiters annehmen, dass zu dieser Zeit hier auch ein Handelsplatz existiert haben muss.

Die Römer ließen nach Konsolidierung ihrer Herrschaft alle oppida zwangsweise räumen und siedelten die meisten seiner Bewohner zur besseren Kontrolle in Vindobona an. Der Rest der indigenen Bevölkerung zog sich in die Täler des Wienerwaldes zurück. Nach 41 begann auch der systematische Ausbau des Donaulimes. Die Trasse der Limesstraße wurde vermutlich schon zur Zeit des Tiberius geplant und von der Legio XV angelegt. Ab da muss zumindest schon der Abschnitt über die Wiener Stadtterrasse existiert haben. Am westlichen Rand des Wienerbeckens wurden Wachtposten errichtet. Vom Nussberg aus hatte man z. B. Sichtkontakt mit dem Paffenberg bei Carnuntum. Von den beiden Anhöhen aus war das Hinterland zwischen Vindobona und Carnuntum gut zu überwachen. Vindobona entwickelte sich ab dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. zu einem Legionskastell mit einer prosperierenden Militär- und Zivilstadt (Canabae Legionis bzw. Municipium). Das Legionslager wurde vermutlich in der Regierungsperiode des Domitian oder Trajan errichtet, der sich im Jahr 98 u. a. auch in Pannonien aufhielt. In dieser Zeit wurde wohl auch die Limesstraße nach Carnuntum noch weiter ausgebaut.[16]

2. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die lang anhaltende Friedensperiode (pax romana) ermöglichte eine stetige Expansion der Lager- und Zivilstadt. Auch im übrigen Reich herrschte weitgehend Ruhe und die benachbarten Germanenstämme waren durch Bündnisverträge an Rom gebunden. Auf dem linken Donauufer ist ab dem 2. Jahrhundert u. a. eine germanische Siedlung mit Handelsplatz nachweisbar. Zwischen 103/104 wurde die Provinz in Ober- und Unterpannonien aufgeteilt. Vindobona befand sich nun auf dem Gebiet der Provinz Oberpannonien (Pannonia Superior). In Oberpannonien selbst war die römische Herrschaft so weit gefestigt, dass auch Vexillationen der Legio X Gemina zur Niederschlagung des Bar Kochba-Aufstandes (132–135) in Judäa und für einen Einsatz im Krieg gegen die Mauren unter Antoninus Pius in Nordafrika abgezogen werden konnten (145–152).

Das Siedlungsgebiet erweiterte sich im Laufe der Zeit erheblich nach Süden, bis in die Flusstäler der Wien und der Liesing. Wasserleitungen, Tempel und Gräberfelder wurden angelegt. Stadtbürger und Legionssoldaten wurden von römischen Gutshöfen (Villae rusticae) aus der Umgebung mit Nahrungsmitteln versorgt, eine davon wurde in Unterlaa aufgedeckt (siehe unten). Neben Einrichtungen des Militärs wie z. B. Steinbrüche (Sievering), Ziegeleien (Hernals) entstanden rund um Vindobona auch Veteranendörfer (Inzersdorf). In der Zeitperiode zwischen Hadrian und Antoninus Pius erreichte Vindobona seine höchste Blüte. Zu dieser Zeit dürften hier rund 30.000 Menschen gelebt haben, die einheimischen Kelten und eingewanderten Römer vermischten sich und gingen in der zweiten und dritten Generation im neuen Volk der Romanen auf.

Von 166 bis 169 beendeten die Einschleppung der Antoninischen Pest und die Überwindung des Limes durch Markomannen und Quaden unter ihrem Heerkönig Ballomar zwischen Carnuntum und Vindobona das Goldene Zeitalter des Römischen Reiches (erster Markomannenkrieg). Legionslager, Lagerstadt und Zivilstadt wurden dabei zum großen Teil verwüstet. Ob das Legionskastell von den Invasoren eingenommen oder von der Besatzung planmäßig geräumt und angezündet wurde, um es für den Feind unbrauchbar zu machen, konnte bislang nicht geklärt werden. Münzhorte belegen, dass wohl auch die Zivilbevölkerung große Verluste hinnehmen musste. Vermutlich brach damals die römische Herrschaft im Wiener Becken vollkommen zusammen. Zwischen 170 und 178 gelang es Mark Aurel nach langwierigen Kämpfen Pannonien wieder zu befrieden, Vindobona wurde von der römischen Armee erneut besetzt. Als nächsten Schritt plante Rom, die Siedlungsgebiete der Angreifer nördlich der Donau zu okkupieren und als neue Provinz Markomannia ins Reich einzugliedern. Dazu sollte es jedoch nicht mehr kommen, denn schon 177 fielen die Markomannen erneut in Pannonien ein (zweiter Markomannenkrieg). Der Historiker Aurelius Victor berichtet, dass der amtsmüde Kaiser, der hier wohl während der Markomannenkriege eines seiner Hauptquartiere hatte, schließlich am 17. März 180 - "in Vendobonae" - an der Pest verstarb, sein tatsächlicher Sterbeort dürfte jedoch die Stadt Sirmium an der unteren Donau gewesen sein.[17][A 2]

Die Kämpfe des zweiten Markomannenkrieges hatten auf die Region um Wien keine unmittelbaren Auswirkungen mehr und man konnte deshalb relativ ungestört mit dem Wiederaufbau beginnen. 193 gelangte der in Carnuntum residierende Statthalter Septimius Severus mit Hilfe der kampfstarken Donauarmee auf den Kaiserthron, was für die pannonischen Limesgebiete und auch Vindobona einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge hatte. Da ihn die pannonischen Legionen bei seiner Thronbesteigung besonders tatkräftig unterstützt hatten, war er diesen Provinzen zu besonderem Dank verpflichtet.[18]

3. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nach Normalisierung der politischen und militärischen Verhältnisse strömten zahlreiche Neusiedler in die oberpannonische Provinz und beschleunigten damit den Wiederaufbau. Ab dem frühen 3. Jahrhundert mehren sich wohl deshalb auch die Funde germanischer Bestattungen und auch die Anwesenheit der riesigen kaiserlichen Armee beförderte die wirtschaftliche Gesundung Vindobonas erheblich. Zwischen den Jahren 202 und 212, im Zuge einer Inspektionsreise des Severus, oder unter seinem Nachfolger Caracalla, wurde die Zivilstadt zur autonomen Stadt zweiter Ordnung (Municipium) erklärt und dadurch auch gegenüber der Provinzhauptstadt Carnuntum, die kurz zuvor den Titel Colonia erhalten hatte, etwas aufgewertet. Zur selben Zeit wurde auch die Limesstraße von der Legio X zwischen Vindobona und Carnuntum repariert.

Die Nachblüte der Stadt endete in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts. Zuerst löste ein Donauhochwasser durch Unterspülung die Abrutschung großer Teile des nordwestlich gelegenen Lagerareals aus, der auch einige Gebäude der westlichen Vorstadt zum Opfer fielen. Nachfolgende Einfälle der Markomannen, Quaden, Alamannen, Sarmaten und Vandalen (258–260 und 270–283) führten neuerlich zu schweren Verwüstungen in der ganzen Provinz. Ob auch Vindobona davon betroffen war, konnte archäologisch nicht bestätigt werden. Schließlich wurde auch Oberpannonien unter Diokletian um 293 in zwei neue Provinzen aufgeteilt, Pannonia I und Savia. Vindobona gehörte nun verwaltungsrechtlich zur Pannonia I.[19]

4. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Militärreformen unter Diokletian und Konstantin I. (3. bis 4. Jahrhundert) reduzierten schrittweise die Mannschaftsstärke der Legio X. Die dadurch frei gewordenen Flächen im Kastell wurden nach der Zerstörung von Lager- und Zivilstadt von der Bevölkerung als Wohn- und Werkplätze übernommen, das Legionskastell wandelte sich in eine Art Festungsstadt (Oppidum) mit militärischer Besatzung. Die schon weitgehend verwüsteten Vorstädte wurden fast vollständig aufgegeben und größtenteils einplaniert. Das Abbruchmaterial wurde zur Ausbesserung bzw. Errichtung von zusätzlichen Verteidigungsanlagen verwendet. Entlang der Ausfallstraßen entstanden neue Gräberfelder. Zwischen 320 und 325 wurde Vindobona Bischofssitz, der Amtsinhaber vertrat seine Gemeinde auch beim Konzil von Nicäa. 342 besuchte Kaiser Constans Pannonien und passierte dabei wahrscheinlich auch Vindobona. Unter Valentinian I. (364–375) wurde der pannonische Limes noch einmal Mal verstärkt. Er dürfte der letzte römische Kaiser gewesen sein, der sich in Vindobona aufgehalten hat.

Im Jahr 375 oder 378 brannten die Sarmaten das benachbarte Carnuntum nieder, worauf das Hauptquartier der Donauflotte, classis Histrica, nach Vindobona verlegt werden musste. Nach der katastrophalen Niederlage der römischen Armee gegen die Greuthungen und Alanen bei Adrianopel, im Jahr 378, wanderten Hunnen- und Germanenstämme nach Pannonien ein und wurden hier als Foederaten angesiedelt. Diese Ereignisse schlagen sich auch im Fundgut aus dem Lager und der Gräberfelder von Vindobona nieder. Laut der Notitia Dignitatum waren in der Pannonia Prima u. a. markomannische Foederaten stationiert, die von einem Tribunen (tribunus gentis Marcomannorum) befehligt wurden. Dieser schlug seine Residenz vermutlich auf dem Oberleiser Berg auf. Mit dem Vordringen der Hunnen unter Attila nach Westen erreichte die Völkerwanderung ihren ersten Höhepunkt, deren Auswirkungen auch in Vindobona deutliche Spuren hinterließen. In dieser Zeit gingen die meisten Militärsiedlungen an der mittleren Donau unter, was möglicherweise mit einem weiteren Einfall der Markomannen um 395 zusammenhängen könnte.[20]

5. bis 8. Jahrhundert[Bearbeiten]

Wie mehrmals an norischen und pannonischen Kastellplätzen zu beobachten war, setzte auch im Vindobona des beginnenden 5. Jahrhunderts der endgültige Niedergang der römischen Kultur bzw. der römischen Siedlungstätigkeit ein. 401 überschritten die Vandalen den Limes. Danach verheerten zwischen 405 bis 406 die Ostgoten unter Radageis auf ihrem Zug nach Italien das ehemalige Legionslager, trotzdem wurde es aber anscheinend teilweise wieder aufgebaut. Ein Münzhort am Fleischmarkt wurde um 408 (Schlussmünze) verborgen, wahrscheinlich der Zeitpunkt des Endes der Römerherrschaft über Vindobona. 433 trat Kaiser Theodosius II. das westliche Pannonien per Föderatenvertrag an die Hunnen ab. Vindobona lag zu dieser Zeit wohl zum größten Teil in Trümmern. Die Stadt ist der Legende nach Schauplatz einer Episode des Nibelungenliedes. Nach dem gewaltsamen Tod Siegfrieds reist Kriemhild mit großem Gefolge der Donau entlang ins Land der Hunnen (Pannonien), um sich mit deren König zu vermählen. Etzel zieht ihr auf halben Weg entgegen und die Hochzeitsfeierlichkeiten werden in Vindobona abgehalten. 453 siedelten sich die Rugier im Umland an. 473 übernahm der Heerführer Odoaker die Herrschaft über das Kernland des Weströmischen Reiches, Italien, und setzte den letzten römischen Kaiser in Ravenna ab. Das Lager war wohl - spätestens ab der Mitte des 5. Jahrhunderts – von seinen Bewohnern nach und nach verlassen worden. Ein Großteil der romanischen Volksgruppe wanderte nach der Vernichtung des Rugierreiches um 488 – auf Anordnung des Odoaker – nach Italien ab. Grabfunde in der Nähe des Legionslagers deuten auf die Anwesenheit von ostgermanischen und hunnischen Foederaten in dieser Zeit hin.

Das Wiener Becken wurde danach wechselweise von Goten, Langobarden und Awaren beherrscht. Wie im benachbarten Carnuntum ließen sich nach den Durchzügen diverser Heerhaufen hier sicher wieder neue Siedler (eventuell Heruler) nieder, die das Baumaterial für ihre Behausungen aus den Ruinen der Römerstadt bzw. dem Legionslager entnahmen. Sie verschanzten sich im ehemaligen Lagerbad und errichteten dort eine provisorische Befestigung, aus der später eine Burganlage bzw. in weiterer Folge der Berghof hervorgehen sollte. Im Nordosten des Lagerareals (Fischerstiege-Fleischmarkt-Fischhof), das während der Völkerwanderungszeit als Fluchtpunkt gedient hatte, etablierte sich ein Marktplatz, der die Lebensgrundlage der neuen Bewohner sicherte. Vielleicht war auch noch das Areal um die heutige Peterskirche bewohnt.

Im Jahr 489 erreichten die Langobarden die mittlere Donau und ließen sich nördlich des Stroms nieder. 511 schüttelten sie unter ihrem König Tato die herulische Oberherrschaft ab und besetzten dabei auch Vindobona. Ihre Grabbeigaben zeigten, dass sie weitreichende Handelsbeziehungen pflegten. In der heutigen Inneren Stadt wurden auch mehrmals byzantinische Kupfermünzen aus dem 6. Jahrhundert gefunden, was auf rege Handelskontakte mit dem Osten schließen lässt. Bei den Grabungen in der Salvatorgasse wurden weitere Gräber aus dieser Zeit aufgedeckt. 568 zogen auch die Langobarden Richtung Italien ab. Bis ca. 600 sind keine weiteren Siedlungsspuren mehr zu beobachten. In Vindobona herrschten nun - bis zu ihrer Unterwerfung durch Karl den Großen - die Awaren. Die kleine Befestigung im Lagerbad existierte noch bis ins 8. Jahrhundert, danach ist auch hier bis zum 12. Jahrhundert keinerlei Siedlungstätigkeit mehr nachweisbar. Zwischen 791 und 796 wurde Westpannonien schließlich als Teil der Awarischen Mark ins aufstrebende fränkische Reich eingegliedert und von den Bajuwaren kolonisiert. Die Erwähnung von apud Wenia in den Annales Juvavenses maximi von 881, in Zusammenhang mit einer Schlacht gegen die Magyaren, lässt annehmen, dass der Ort trotzdem nie gänzlich aufgegeben bzw. verlassen wurde.[21] Die Ruinen wurden zum Teil noch als Bestattungsplätze genutzt.[22]

Außenposten[Bearbeiten]

Bei Grabungen an der Kreuzung Herrengasse-Freyung fand man Überreste einer kleinen Holz-Erde-Befestigung. Vermutlich handelte es sich um einen Außenposten des Legionslagers in Carnuntum, von dem aus entweder eine Abteilung der Legio XV oder eine ca. 100 Mann starke Auxilliarkohorte die Furt über die Donau überwachte. Es stand in der Nähe der Limesstraße, möglicherweise war darin auch eine Bauvexillation untergebracht, die mit der Anlage der Straße beauftragt war.[23]

Alenkastell[Bearbeiten]

Das möglicherweise 4,29 ha große Reiterkastell befand sich im heutigen 1. Wiener Gemeindebezirk und wurde vermutlich zwischen 85 und 100 erbaut. Es könnte noch vor dem Legionslager, während oder auch kurz nach dem Feldzug Domitians gegen die Quaden, Markomannen und Iazygen, zwischen 91 und 92 n. Chr., etwas nordöstlich der Limesstraße, gegründet worden sein. Im Palais Harrach wurden Überreste eines Holzbaus aus dem 1. Jahrhundert ergraben, der als Kasernenblock angesehen wurde. 1995 gelang bei Bauarbeiten in einem Kellergeschoß unter dem Innenhof des Schottenstiftes der Nachweis eines 8,3 m breiten Spitzgrabens, der möglicherweise als Kastellgraben anzusehen ist. Vielleicht diente ein Abschnitt der Limesstraße als via principalis des Lagers. Das Gräberfeld seiner ersten Besatzungseinheit, der ala I Britannica, konnte im Bereich der Stallburggasse nachgewiesen werden, nur 600 m von der Fundstelle des Spitzgrabens entfernt. Der Vicus des Lagers könnte sich von Am Hof über die Freyung bis zum Michaelerplatz hingezogen haben.[24]

Legionslager[Bearbeiten]

Das ca. 18 bis 18,5 ha große Legionslager wurde vermutlich um 97 n. Chr. im heutigen 1. Wiener Gemeindebezirk, an einem Nebenarm der Donau, in Steinbauweise erbaut. Die Festung bot Platz für ca. 6000 Soldaten und bedeckte im Vollausbau eine Fläche von schätzungsweise 400 m × 500 m. Sie war mit ihrer Schmalseite zur Donau hin orientiert. Der Nordteil wies einen geländebedingt schrägen Verlauf entlang der im 3. Jahrhundert entstandenen Abbruchkante (heute Am Gestade) des Lagerplateaus zum Donauufer auf. Das ursprüngliche Legionslager muss aber ursprünglich den klassischen rechteckigen Grundriss mit abgerundeten Ecken (Spielkartenform) gehabt haben. Die Fläche der principia wäre ansonsten die größte am gesamten römischen Limes. In einem in dieser Form konstruierten Lager wären auch kaum 6000 Soldaten unterzubringen gewesen. Dem Kastell war als Annäherungshindernis ein Grabensystem vorgelagert. Im Westen, Süden und Osten konnten Toranlagen lokalisiert werden.

Eine Inschrift der Legio X und das Fragment einer monumentalen Bauinschrift mit den Buchstaben NERV... (Höhe 20 cm) gelten als die ältesten epigraphischen Zeugnisse des Legionslagers. Die Innengebäude dürften von Anfang an in Stein errichtet worden sein. Die Befunde am Judenplatz zeigten jedoch, dass die Kasernen noch größtenteils aus Holz bestanden. Im 2. Jahrhundert war nur wenig Bautätigkeit nachzuweisen. In den Markomannenkriegen wurde es durch ein Feuer fast komplett zerstört. Unter Mark Aurel erfolgte der Wiederaufbau, wobei noch verwendbare Mauern in die Neubauten miteinbezogen wurden. Das neue Lager unterschied sich offensichtlich kaum von seinem Vorgängerbau.

Durch die Grabungen am Judenplatz konnte nachgewiesen werden, dass das Lager in der Spätantike stellenweise wieder völlig neu errichtet bzw. restauriert wurde. Besser erhalten gebliebene Abschnitte der früheren Befestigungsanlagen und Innenbauten wurden weiterverwendet. Besonders der Flankenturm des Westtores ist dafür ein gutes Beispiel. Sein quadratischer Grundriss entsprach immer noch den Tortürmen spätflavischer Lager, es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass er in spätrömischer Zeit nicht mehr verwendet wurde. Spolien wie z. B. Grabsteine, Reliefs und Architekturfragmente aus früh- und mittelkaiserlicher Zeit wurden nach den Kriegswirren und der Naturkatastrophe in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts als willkommene Ergänzung des Baumaterials in die spätrömischen Befestigungen eingebaut. Diese Vorgangsweise war an allen archäologisch untersuchten Punkten des Lagers zu beobachten.

Ab dem 3. Jahrhundert wurden wohl infolge der Truppenabzüge einige Gebäude aufgegeben oder verkleinert. In der Mitte des 4. Jahrhunderts wird das Lager wieder - vermutlich durch ein Erdbeben - schwer beschädigt. Die Kastellmauer wurde später durch Zubau neuer Türme noch weiter verstärkt. Auch die offensichtlich stark zerstörte Ostmauer wurde rasch wieder aufgebaut bzw. repariert. Für diese Ausbesserungsarbeiten wurden ebenfalls vermehrt Spolien wie z. B. Grabsteine von dem umliegenden Gräberfeldern verwendet. Die letzte Bauphase des Legionslagers fällt in die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts. Über die bisherige Parzellengliederungen wurden einfache Fachwerk- oder Holzgebäude auf Fundamenten aus Bruchsteinen ohne Mörtelbindung und mit hastig gegossenen Estrichfußböden gesetzt. Sie waren nicht mehr nach den Lagerachsen orientiert und hatten auch nichts mehr mit dem bisherigen römisch-militärischen Bebauungsschema gemein. Die nun mehrheitlich aus Zivilisten bestehenden Bewohner des Lagers gestalteten teilweise auch noch verwendbare Gebäude aus früheren Bauphasen zu kleineren Wohneinheiten um. Ein spätantiker Burgus oder Restkastell in einer der Lagerecken, um die verbliebene Besatzung aufzunehmen, konnte bislang archäologisch nicht nachgewiesen werden.[25]

Der Grundriss des Lagers lässt sich noch im heutigen Straßenverlauf erkennen:

  • Graben, die Bezeichnung soll noch auf die Befestigungsgräben des römischen Lagers zurückgehen; ob der heute nicht mehr vorhandene, allerdings bis in die Neuzeit östlich am Lagerareal vorbeifließende Möhringbach ein schon in der Römerzeit künstlich angelegter Abwasserkanal war, ist nicht restlos geklärt.
  • Naglergasse, bei der Biegung der Häuserfront in Richtung Norden wird der südwestliche Eckturm des Lagers vermutet, in den südlichen Seitengassen ist auch heute noch das Grabensystem im Gelände sichtbar.
  • Tiefer Graben, westlicher Abschluss der Lagerbefestigung, das tief eingeschnittene - vermutlich natürlich entstandene - Bachbett des bis in die Neuzeit sichtbaren Ottakringer Baches.
  • Rabensteig,
  • Rotenturmstraße,
  • Salzgries, der abgeschrägte Teil im Bereich des Salzgries entstand durch die Unterspülung und Abrutschung der Nordwestecke im 3. Jahrhundert. Die Auswirkungen dieser Katastrophe sind heute noch an der Geländekante der Ruprechtskirche bzw. Ruprechtsstiege und bei der Kirche Maria am Gestande deutlich zu erkennen.[26]

Kastellmauer[Bearbeiten]

Die Kastellmauer hatte eine Stärke von drei Meter und bestand aus Bruchsteinen, die fischgrätartig aufgeschichtet worden waren. Nach außen hin war sie mit Buckelquadern verblendet und im oberen Bereich mit Zinnen versehen. Der Südabschnitt war von Beginn an der am massivsten befestigte Teil der Wehrmauer, da hier keine natürlichen Annäherungshindernisse vorhanden waren. Er wurde in der Spätantike noch einmal erheblich verstärkt. Der exakte Verlauf der Nordmauer des 1. und 2. Jahrhunderts ist stellenweise unbekannt. Nach Unterspülung und Abrutschung des Prallhanges der Donau an der NW-Ecke des Lagers musste der nördliche Mauerabschnitt fast völlig neu aufgebaut und dem Verlauf der Abbruchkante angepasst werden. Hierzu wurden zu ihrer Stabilisierung an der Uferlinie auch zusätzliche Stützpfeiler errichtet. Für das spätrömische Lager mit seiner schon stark verringerten Besatzung war eine Lagerfläche in den früheren Ausmaßen auch nicht mehr notwendig. An Bohrprofilen aus der Gonzagagasse, deren westlicher Abschnitt sich ungefähr mit dem Verlauf der nördlichen Lagermauer deckt, waren die Auswirkungen dieser Katastrophe noch deutlich erkennbar. Einige der Bohrprofile zeigten noch weit unterhalb der Schwemmschichten der Donau das Vorhandensein von Mauerresten bzw. Schuttablagerungen aus Stein-, Ziegel- und Keramikmaterial an. Selbst in 12 m Tiefe stieß man noch auf hervorragend erhaltene Palisadenhölzer. Ein 1899 in der Vorderen Zollamtsstraße 5-9/Marxerbrücke gefundener Altarstein des Flussgottes Acaunus (die Personifizierung des Wienflusses) wurde vielleicht im Zusammenhang mit diesem Hochwasserereignis gestiftet. Große Teile der Kastellmauer standen noch bis ins Mittelalter. In Folge der ersten großen Stadterweiterung um 1200 (finanziert mit dem Lösegeld für den englischen König Richard Löwenherz) wurde die Stadtmauer der Babenberger, die im Wesentlichen noch der spätrömischen Lagermauer entsprach, aber endgültig abgebrochen. Das dabei angefallene Steinmaterial, in der noch zahlreiche mittelkaiserzeitliche Spolien enthalten waren, wurde zur Auffüllung des alten Stadtgrabens verwendet.[27]

Grabensystem und Annäherungshindernisse[Bearbeiten]

Das südliche und östliche Glacis des Legionslagers wurde zusätzlich durch eine 55 m bis 60 m breite „Todeszone“ mit verschiedenartigen Annäherungshindernissen geschützt. Die Berme direkt vor der Lagermauer war ca. 60 cm breit. Eine Böschung fiel steil zu insgesamt drei parallel zueinander verlaufenden, 6,5 m tiefen Spitzgräben ab. Vor den Gräben befand sich ein Postenweg, der von einer Palisade gedeckt wurde. Dieser folgte wieder eine Straße, die wohl um das ganze Lager herumlief. Sie wurde durch einen 18 m breiten Sicherheitsstreifen abgelöst, der mit unregelmäßig angelegten, 1,2 m × 4,5 m großen Fallgruben gespickt war.[28]

Türme und Tore[Bearbeiten]

Die Mauer war durch innen angesetzte, quadratische Zwischentürme verstärkt. An der West-, Nord- und Ostmauer ließen sich keiner bzw. nur wenige dieser Türme archäologisch nachweisen. Am Hof Nr. 9 (neue Feuerwehrzentrale) kamen in 3 m Tiefe die Reste eines 2,90 m × 1,90 m großen Zwischenturmes der Westmauer und einer Erdrampe (Wehrgang) zum Vorschein. Entlang der Naglergasse konnten drei Exemplare der Südmauer lokalisiert werden.

Der Standort von drei der vier Toranlagen ist jeweils durch einen ausgegrabenen Flankenturm gesichert.

Nordtor (porta praetoria): Seine Position ist bis dato unbekannt. Möglicherweise handelte sich dabei nur um eine kleine Schlupfpforte zum Hafengelände, die sich im Bereich der Kirche Maria am Gestade befand.

Südtor (porta decumana): Der westliche Flankenturm und ein geringer Rest des östlichen Exemplares konnte 1902 im Bereich Naglergasse-Tuchlauben lokalisiert werden. Teile des Tores blieben vermutlich bis 1760 im Peilertor erhalten, es stand an der Ecke Tuchlauben-Bognergasse und wurde dann beseitigt, da es den stetig wachsenden Durchzugsverkehr behinderte.[29]

Westtor (porta principalis sinistra): Die Toranlage befand sich an der Hohen Brücke/Wipplingerstraße Nr. 21. Bis 1900 vermutete man es noch im Umkreis des mittelalterlichen Ungartors (Lichtensteg-Rotgasse). An der Hohen Brücke stand der 1900 archäologisch nachgewiesene nördliche Flankenturm. Die Toranlage war ursprünglich ca. 20 m hoch und durch zwei Durchfahrten passierbar. Unter einer Durchfahrt verlief ein Abwasserkanal. Bei den Grabungen wurden auch Bauteile des Turmes wie z. B. ein Pfannenstein mit Zapfenloch, Fragmente des Torgewölbes, Dachziegel und ein profilierter Fundamentsockel geborgen. Letzterer lässt annehmen, dass die Turmwände durch Pilaster gegliedert waren.[30]

Osttor (porta principalis dextra): Die Toranlage stand im Bereich Kramergasse-Ertlgasse. Durch Spiegelung des linken Flankenturmes des Westtores konnte die Position des rechten Flankenturmes ausgemacht werden (Standort: Krammergasse 9 bzw. Bauernmarkt 14). Im Bereich Krammergasse-Ertlgasse kamen bei Kanalgrabungen Mitte des 19. Jahrhunderts 2,26 m hohe, 2,5 m breite und 10,1 m lange Mauerreste des Tores zum Vorschein. Es handelte sich um insgesamt vier Mauerzüge, die parallel zueinander standen (Mauer A,B,C,D), der Zwischenraum hatte eine Breite von 5,6 m. Das aufgehende Mauerwerk bestand aus vermörtelten Bruchsteinen (Opus spicatum). Unter den Tordurchfahrten stieß man auf zwei Abwasserkanäle. 1971 schnitt Alfred Neumann neuerlich die Torfundamente bei einer Grabung in der Ertlgasse an. Das Tor war durch zwei Durchfahrten passierbar. Die Front des Flankenturmes in der Krammergasse wurde bei späteren Umbauten (Ende 2. Jahrhundert?) noch etwas vor die Lagermauer gezogen. Die im Bereich des Tores aufgefundenen 24 Ziegelstempel stammen ausnahmslos von der Legio XIII. Aus dem ehemaligen Wehrgraben (Bereich Krammergasse) konnten auch einige Architekturfragmente sichergestellt werden. In der Rotgasse stieß man 1911 auf das Bruchstück einer Bauinschrift, die vermutlich einst am Osttor angebracht war.[31]

Innenbebauung[Bearbeiten]

Die Innenbebauung des Lagers entsprach dem für derartige Limesbefestigungen üblichen Schema. Die ost-westlich verlaufende Lagerhauptstraße (via principalis) trennte das umwehrte Areal in eine kleinere Nordhälfte (praetentura) und eine etwas größere Südhälfte (retentura).

Die Erforschung dieses Bereiches des Lagers war auf Grund der starken neuzeitlichen Verbauung stets auf Zufallsfunde in begrenzten Grabungszonen angewiesen. Von den Innenbauten ist gerade so viel bekannt, um den Grundriss des Lagers grob skizzieren zu können. Die Ausgrabung des Seitenkanals der via principalis 1937 bewies, dass die Lagerbauten in einem rechtwinkeligen Raster angelegt worden waren. Es konnten sich vor allem die principia (Kommandantur) und das praetorium (Haus des Lagerkommandanten) sowie die via principalis (westöstliche Lagerhauptstraße) exakt bestimmen lassen. Ab der Spätantike sind im Lagerinneren vermehrt Befunde und Funde im zivilen Kontext erkennbar (Handwerksutensilien, Armreifen aus Glas und Elfenbein, Bestattungen von Neugeborenen); dies ist wohl auf den Teilabzug der Legio X zurückzuführen. Auch auf dem Areal der Mannschaftsbaracken (Judenplatz) zeigten sich deutliche Veränderung der Baustrukturen, die Reste von Werkstätten und Öfen deuten ebenfalls auf eine spätere zivile Nutzung. Die Gebäude der Spätphase des Lagers - im 5. Jahrhundert - wurden nur mehr in einfacher Trockenmauertechnik hochgezogen.

Kasernen[Bearbeiten]

Reste der Kasernenbauten wurden Am Hof, Judenplatz, Ruprechtsplatz und am Wildpretmarkt angeschnitten. Die erste Peterskirche war der älteste Kirchenbau Wiens. Sie entstand in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts und stand auf den Mauern eines Kasernengebäudes, das zu einer einschiffigen Saalkirche (Basilika) umgebaut wurde.

Am Wildpretmarkt gelang es erstmals, das volle Ausmaß einer Kaserne der 1. Kohorte zu erfassen. Es handelte sich um eine langrechteckige, einstöckige, 60 m × 35 m große Doppelkaserne mit einem 7,5 m breiten Mittelgang. In den meist in Fachwerkbauweise errichteten Mannschaftskasernen fanden bis zu 80 Soldaten (centuria) Platz. Sie waren in Wohngemeinschaften zu acht Personen (contubernia) organisiert. Diese waren wiederum in drei Räume, Wohn- und Schlafbereich, Kochstelle und Waffenraum, gegliedert. Die Unterkünfte der 1. Kohorte wurden schon in ihrer ersten Phase, wie die Hauptgebäude des Lagers, in Steinbauweise errichtet.[32]

Am Judenplatz konnten beim Bau des Holocaustmahnmals auf einer Fläche von 250 m² vier Mannschaftsbaracken mit dazwischenliegenden geschotterten Straßen und Wegen archäologisch untersucht werden. Zwei Kasernen standen jeweils mit den Eingängen zueinander und besaßen einen Portikus aus Holzpfosten. Pro Gebäude waren noch die Fundamente von fünf Wohneinheiten, mit Vor- und Hauptraum (arma und papilio), erhalten. Sie waren direkt an die Zenturionenquartiere angebaut gewesen. Die Baugeschichte der Kasernen gliedert sich in insgesamt sechs Perioden (darunter zwei Holzbauperioden). Die Gebäude bestanden zunächst nur aus Holz. Dazwischen verlief eine geschotterte Straße mit beidseitig angelegten Abflussrinnen. In der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts bestanden die Außenwände der Baracken entweder aus Lehmziegeln oder Lehmziegelfachwerk. Die 1 m hohen Fundamente und tragenden Innenmauern wurden aus Bruchsteinen und Mörtel hochgezogen. Für das Aufgehende der Trennmauern wurden ungebrannte Lehmziegel verwendet. Die Fußböden waren aus Lehm oder Mörtelestrich. Die Zenturionen lebten in größeren Quartieren, die jeder Kaserne als sogenannte Kopfbauten angefügt waren.

Forschungen in den canabae bzw. den Gräberfeldern weisen darauf hin, dass ab dem 4. Jahrhundert ein Teil der Lagerfläche der Zivilbevölkerung überlassen wurde. Dies war vor allem durch die schrittweise Reduktion der Mannschaftsstärke der Legion möglich geworden. Am Judenplatz war zwar weiterhin typische Militärbauten feststellbar, allerdings dürften diese contubernien weniger zur Unterbringung von Soldaten, sondern vielmehr als Werkstätten vorgesehen gewesen sein. Diese Gebäude standen bis in die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts. Spätestens in der Regierungszeit von Valentinian I. (364-375) wurden sie zerstört. Danach wurden auf ihren Grundmauern o. g. Werkstätten errichtet, einzelne ihrer Räume waren mit einfachen Schlauchheizungen ausgestattet. Am Ende des 4. Jahrhunderts waren die Kasernenbauten am Judenplatz aber schon völlig verfallen. Für das späte 4. Jahrhundert war hier deswegen größere Umstrukturierungen auf dem Areal der ehemaligen Kasernenbauten feststellbar. Noch brauchbares Mauerwerk wurde zwar weiterverwendet, die Grundrisse änderten sich aber grundlegend. Durch Einziehung neuer Zwischenmauern wurden zusätzliche Wohnräume geschaffen. In spätrömischer Zeit waren sie meist auf einer Lage aus mittelkaiserzeitlichem Dachziegelbruch aufgebaut worden. Die spätantiken Befunde des 4. und 5. Jahrhunderts legen den Schluss nahe, dass diese Gebäude in großer Eile und mit einfachsten Mitteln hochgezogen wurden. Zurückgegriffen wurde dabei größtenteils auf Abbruchmaterial früherer Epochen, das anscheinend bevorzugt als Baumaterial eingesetzt wurde. Zu welchem Zweck diese Bauten verwendet wurden, war aber nicht eindeutig zu klären.[33]

Principia[Bearbeiten]

Das Verwaltungs- und Kommandogebäude stand etwas südlich der via principalis und damit fast genau im Zentrum des Lagerareals. Es hatte einen fast quadratischen, vermutlich 70 m × 90 m großen Grundriss und konnte durch den Haupteingang im Süden betreten werden. Seine Räume gruppierten sich um zwei gepflasterte Innenhöfe (forum). Im Nordtrakt befanden sich die Waffenkammer (armamentaria), eine Versammlungs- und Exerzierhalle (basilica) und das Fahnenheiligtum (aedes). An den südlichen, westlichen und östlichen Seiten des Innenhofes standen die Verwaltungsräume der Lagerverwaltung (officia). Seine Fassaden waren - als bisher einziges der bekannten Gebäude des Lagers - mit Reliefs verziert.[34]

Praetorium (Legatenpalast)[Bearbeiten]

Das Quartier des Lagerkommandanten (legatus legionis) lag vermutlich nordwestlich der Principia. Einige qualitativ hochwertige Reste von Wandmalereien- und Stuckfragmenten, die eventuell von diesem Gebäude stammen könnten, wurden im östlichen Teil des Judenplatzes entdeckt.[35]

Offiziersquartiere[Bearbeiten]

Die repräsentativen, im griechisch-römischen Stil erbauten Gebäude der Stabsoffiziere (sog. Tribunenhäuser) standen hinter dem östlichen Lagertor, am heutigen Hohen Markt, unmittelbar am nördlichen Rand der via Principalis und bedeckten eine Grundfläche von ca. 3500 m². Sie zählen zu den am besten erforschten Gebäuden des Legionslagers. Die Häuserzeile (scamnum tribunorum) maß 40 m × 50 m und bestand ursprünglich aus sechs mehrphasigen Gebäuden:

  • Periode 1, die Gründerzeit des Lagers, diese Gebäude wurden durch ein Feuer zerstört,
  • Periode 2 fällt in die Zeit nach den Markomannenkriegen,
  • Periode 3 in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts.
  • Periode 4, frühes 5. Jahrhundert, sie konnte nur anhand einer Trockenmauer im westlichen Offiziershaus nachgewiesen werden.

Die Wohnhäuser wurden im 2. Jahrhundert noch einmal umgebaut. Um 169 brannten sie jedoch wieder nieder. Zu Beginn des 3. Jahrhunderts wurden die Häuser zwar auf den alten Grundrissen neu errichtet, ihre Innenräume aber völlig anders angeordnet. Die Gebäude der Spätantike, die sie schließlich ersetzten, waren nicht mehr nach dem klassischen Bauschema orientiert war. Man nimmt man an, dass sie in dieser Zeit in der alten Form gar nicht mehr existierten. Auch die Durchgangsgasse zwischen den beiden Häusern war in dieser Zeit mit einer Mauer überbaut worden.

Zwei der Tribunenhäuser konnten beim Neubau der Häuser Neuer Markt Nr. 3 und 4 näher untersucht werden. Sie waren durch eine zwei Meter breite Gasse getrennt. Die heute noch sichtbaren Mauerteile sind die Reste der rückwärtigen Hauptmauern, ein Abschnitt der Vorderfront wurde in der Landskrongasse freigelegt. Die Wohn- und Wirtschaftsräume gruppierten sich jeweils um einen Innenhof (atrium), der von einem Portikus umgeben war. Seine Zwischenräume wurden im 3. Jahrhundert zugemauert. Wände und Böden von einzelnen Räumen waren durch Hypokausten bzw. Hohlziegelkanälen beheizbar und mit Terrazzo- oder Lehmböden versehen. Die Überreste einer der Fußbodenheizungen sind im Schauraum des Römermuseums am Hohen Markt zu besichtigen. Die Wände waren vermutlich mit Malereien dekoriert. Die Deckenbalken stützten sich auf Säulen und Kapitelle aus Marmor. Die Dachstühle erreichten vermutlich eine Spannweite von bis zu 12 m und waren als Spantenkonstruktionen ausgeführt.[36]

Therme[Bearbeiten]

Das ca. 100 m × 66 m große Lagerbad stand in der praetentura des Kastells (Marc-Aurel-Straße/Ruprechtsplatz/Hoher Markt) und wurde offenbar bis in die Spätantike benutzt. Es war mit Kalt- und Warmwasserbecken, einem Schwitzbad (sudatorium) und einen Innenhof ausgestattet. Die Badeanlage ist wahrscheinlich über der Ruine eines Lagerhauses (horreum) errichtet worden. Schon beim Abriss des Berghofes kamen massive römerzeitliche Konstruktionen wie Apsiden und Hypokaustanlagen zutage. Im Jahre 1962 fand Herta Ladenbauer-Orel in der Sterngasse/Marc-Aurel-Straße eine einen Meter starke Mauer, zusammengesetzt aus 20 cm × 20 cm × 30 cm großen Quadersteinen der Badeanlage. Am Hohen Markt wurde eine Apsis des Caldariums aufgedeckt. Unter dem heutigen Fleischmarkt verlief ein Kanal, über den wahrscheinlich das Abwasser entsorgt wurde. Weitere Kanalabschnitte und Reste von Klärbecken wurden in der Marc-Aurel-Straße beobachtet.[37] Die Ruine des Lagerbades wurde ab dem frühen Mittelalter zu einer befestigten Siedlung bzw. Burg ausgebaut.[38]

Lagerhospital[Bearbeiten]

Das Valetudinarium stand - laut Alfred Neumann - in der Nordwest-Ecke des Lagers, ungefähr im Bereich der heutigen Salvatorgasse. Diese Annahme stützt sich jedoch nur auf den dortigen Fund eines den Göttern Jupiter, Apollo, Sirona und Äskulap geweihten Altars, der in der Kirche Maria am Gestade eingemauert worden war (Spolie). Weiters fand man in diesem Bereich - in einer antiken Abfallgrube - auch einige medizinische Geräte.[39]

Lagerstraßen und Kanäle[Bearbeiten]

An der östlichen Lagermauer wurde von den Römern vermutlich ein Abwasserkanal angelegt, der bis in die Neuzeit bestand und als Möhring bezeichnet wurde. Am Hof wurde beim Bau der neuen Feuerwehrzentrale der 1,80 m hohe Ringkanal der Wallstraße (via sagularis), der für die Entwässerung des Lagers in den Ottakringer Bach sorgte, angeschnitten und konserviert. Er war mit flachen Steinplatten und stellenweise sogar mit Kanalgittern abgedeckt. Die Ziegel trugen Stempel der Legio XIII. Im Südosten kam ein Teil des Straßenmakadams der via sagularis zum Vorschein. 1937 gelang Erich Polaschek die Aufdeckung der ca. 13 m breiten via principalis, der WO-Lagerhauptstraße. Durch die Aufdeckung von Säulenbasen, Reste von Portiken, die die Straße an beiden Seiten begleitete, konnte auch ihr genauer Verlauf rekonstruiert werden (von heutiger Schultergasse-Landskrongasse bis Ertlgasse Krammergasse). In der Salvatorgasse konnte 1951 ein Teil der via praetoria, der Nord-Süd-Lagerhauptstraße und zwei ihrer Kanäle angeschnitten werden.[40]

Garnison[Bearbeiten]

Die Chronologie der römischen Truppengeschichte Wiens, ab domitianischer Zeit, ließ sich anhand zahlreicher hier aufgefundener Grabsteine, Weihealtäre und über 3000 Ziegelstempel sowie durch Bauinschriften einigermaßen zufriedenstellend rekonstruieren. Keramikreste aus dem 1. Bezirk sprechen für die Anwesenheit römischer Truppenverbände spätestens ab Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Die Ziegelstempel stammen überwiegend von drei Legionen. Die Anwesenheit der Legio XIII, Legio XIIII und die Legio X konnte dadurch zweifelsfrei nachgewiesen werden. Die ersten beiden standen zwar nur relativ kurze Zeit in Vindobona, leisteten aber die Hauptarbeit beim Ausbau des Lagers. In Wien waren aber nicht ausschließlich Legionen, sondern auch mindestens eine Hilfstruppeneinheit (Auxiliarkavallerie ala I Flavia Augusta) nachweislich stationiert. Die Reitereinheiten waren wohl - wie schon erwähnt - in einem eigenen Kastell im 1. Bezirk untergebracht. Ziegelstempel von Hilfstruppen sind - von der im 2. Jahrhundert in Carnuntum stehenden - ala I Thracum und der sich im Kastell Klosterneuburg befindlichen cohors I Aelia sagittariorum (Bogenschützen) für Wien bekannt. Im Zuge der umfassenden Militärreformen unter Diokletian fiel der Oberbefehl der in der Pannonia I stationierten Einheiten ab 305 an einen Dux (Heerführer). Um 311 wurde die Legio X vermutlich auf 2000 oder 1000 Mann reduziert und in die neu formierten, stationären Grenztruppen, die sogenannten riparenes, eingereiht.[41]


Zeitstellung Truppenname Bemerkung Abbildung
1. bis 2. Jahrhundert n. Chr. (89/97–101) Legio XIII Gemina
(„die dreizehnte Zwillingslegion“)
Die Legion begann vermutlich in den Jahren zwischen 89 und 92/93 n. Chr. mit dem Bau des Lagers.[42] Sie wurde wohl im Zuge der Germanenkriege Domitians 89 bis 92 bzw. 98 von Poetovio an die Donau verlegt. In Wien wurden hunderte ihrer Ziegelstempel und Bauinschriften ihrer Zenturien geborgen. Ein Grabstein eines ihrer Angehörigen tauchte allerdings bisher noch nicht auf. Ihre Bautrupps stellten wahrscheinlich die wichtigsten Gebäude des Lagers (principia, praetorium, Türme) und die Lagermauer fertig. Auch die Sohlen des Kanalsystems, vor allem entlang der Lagerhauptstraßen und der via sagularis, sind beinahe ausschließlich aus gestempelten Ziegeln dieser Legion errichtet worden.
Inschrift des Annius Rufus mit Nennung der Legio XIII auf einem Steinquader, gefunden am Hohen Markt
2. Jahrhundert n. Chr. (101–114) Legio XIIII Gemina Martia Victrix („die vierzehnte Zwillingslegion des Mars, die siegreiche“) Die Legio XIII wurde schließlich von Traian ab 101 n. Chr. in die Dakerkriege abkommandiert und für zehn Jahre durch die Legio XIIII abgelöst. Sie setzte den Bau des Lagers zusammen mit der ala Batavorum fort, bevor sie 114 n. Chr. nach Carnuntum verlegt wurde. Auch die Anwesenheit dieser Legion ist durch Bauinschriften, zusätzlich durch Weihealtäre und - hinsichtlich der Kürze ihres Aufenthaltes - durch überraschend viele Ziegelstempel nachweisbar. Diese könnten aber auch schon aus Carnuntum angeliefert worden sein, da die Legion dort bis ins 5. Jahrhundert stationiert war.
Ziegelstempel der Legio XIIII, gefunden in Wien (1. Jahrhundert)
1. Jahrhundert n. Chr. (vor 41) Legio XV Apollinaris („die fünfzehnte Legion des Apollo“) Das Fragment eines Grabsteines des Legionärs C. Atius, Angehöriger dieser Legion, das am Stephansplatz entdeckt wurde, ist das bisher älteste römische Schriftdenkmal in Wien und vor allem für die Geschichte des frühen Vindobona von großer Bedeutung. Man nimmt an, dass die Inschrift auf Grund ihrer epigraphischen und stilistischen Merkmale aus der Regierungszeit des Tiberius stammt (14–39 n.Chr.)[43] Die Legion stand wahrscheinlich zu dieser Zeit noch in Savaria und rund 100 Soldaten waren hierher abkommandiert worden.[44] Der Legionär diente zehn Jahre und starb mit 28 Jahren, noch während seines aktiven Dienstes, in Vindobona. Die Inschrift ist das einzige archäologische Indiz für eine - zumindest kurzfristige - Stationierung einer Vexillation dieser Legion in Wien, bevor sie ihr Standlager in Carnuntum bezog. Bisher war ihr vorclaudischer Stationierungsort unbekannt.
Grabinschrift des C. Atius
2. bis 5. Jahrhundert n. Chr. (114 bis 5. Jahrhundert) Legio X Gemina pia fidelis
(„die zehnte Zwillingslegion, die pflichtbewusste und treue“)
Sie hat wahrscheinlich das Lager fertiggestellt. Kaiser Trajan teilte noch vor 107 n. Chr. Pannonien in Pannonia superior und Pannonia inferior auf. Die Legion wurde 114 n. Chr. als Bestandteil der Armee der Pannonia superior von Aquincum nach Vindobona verlegt und avancierte damit zum Wiener „Hausregiment“. Sie ist nicht nur durch Inschriften einer Reihe von Soldaten- und Veteranengrabsteinen, Weihungen und Ziegelstempel gut fassbar, sondern auch durch ein Relief worauf ihr Wappentier, der Stier, abgebildet ist. Es war höchstwahrscheinlich als Metope am Osttor angebracht. Eine Resttruppe (vexillatio) der Legion stand offenbar bis ins 5. Jahrhundert in Vindomarae, da in der Notitia Dignitatum ein praefectus legionis decimae geminae unter dem Befehl des Dux Pannoniae Primae et Norici Ripensis aufscheint.[45]
Weihealtar für Mithras. Wien 19, Sieveringer Straße 132, 1896. Aus einem unbekannten Mithräum auf dem Territorium Vindobonas, 2.-3. Jahrhundert, gestiftet vom Legionssoldaten Ulpius Secundus, X. Legion.
1. bis 2. Jahrhundert n. Chr. (89–101) ala I Flavia Domitiana Augusta Britannica milliaria civium Romanorum bis torquatum ob virtutum
(„die erste flavische Reiterschwadron der Briten, römische Bürger, 1000 Mann stark, ausgezeichnet für Tapferkeit“)
Die erste, historisch faßbare römische Truppe in Vindobona. Sie wurde vermutlich zum Schutz der Bauvexillationen der Legio XIII abkommandiert. Ihre Stationierung ist durch die Funde von drei Grabsteinen (Hofburg/Stallburg, Grabstele des T. Flavius Draccus) nachgewiesen. Die Anwesenheit der Briten lässt sich aufgrund der darauf befindlichen Inschriften mit ziemlicher Sicherheit in den Zeitraum 93 bis 101 n. Chr. eingrenzen. Vielleicht kam sie im Zuge des Krieges des Domitian gegen Markomannen und Quaden nach Vindobona. Ab 101 nahm sie, gemeinsam mit der Legio XIII am Feldzug des Trajan gegen die Daker teil.[46]
1. bis 2. Jahrhundert n. Chr. (101–114) ala I Batavorum milliaria pia fidelis
(„die erste Reiterschwadron der Bataver, 1000 Mann stark, die pflichtbewusste und treue“)
Die ursprünglich vom Niederrhein stammende Kavallerietruppe lag wahrscheinlich von 101 bis 118/119 n. Chr. in Vindobona. Aufgrund eines Militärdiploms aus dem Jahr 112 nimmt Barnabás Lőrincz an, dass die Truppe zu diesem Zeitpunkt die ala I Britannica abgelöst hat. Danach könnte sie nach Schwechat verlegt worden sein, wo sie eventuell aktiv bei der Gründung des Kastell Ala Nova beteiligt war.[47]
1. Jahrhundert n. Chr. cohors I Aelia sagittariorum
(„die erste aelische Kohorte der Bogenschützen“)
Nur Funde von Ziegelstempel, die Truppe ist auch für das Kastell Klosterneuburg nachweisbar.
1. Jahrhundert n. Chr. ala I Thracum („die erste Reiterschwadron der Thraker“) Funde von Ziegelstempel.
Feldzeichen/Vexillum der Ala I Thracum victrix (Replik im Römermuseum Carnuntum)
1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. classis Pannonica und classis Histricae („Pannonische Flotte, Donauflotte“) Auch Flottensoldaten (liburnari) der classis Pannonica sind in Vindobona aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage an der Donau anzunehmen. Ab der Mittleren Kaiserzeit war Vindobona auch Flottenstützpunkt eines Geschwaders der Donauflotte. Für die Spätantike ist in der Notitia Dignitatum ein praefectus classis Histricae, [C]Arr[n]unto siue Vindomanae unter dem Befehl des Dux Pannoniae Primae et Norici Ripensis, verzeichnet. Die Verlegung der classis Histricae von Carnuntum nach Vindobona im 4. Jahrhundert brachte wohl auch eine erhebliche Aufwertung des Standortes mit sich.[48]

Hafen[Bearbeiten]

An der Nordfront des Legionslagers, am heutigen Stiegenaufgang (Rabensteig 3) zur Kirche Maria am Gestade, fanden sich 1999 am Fuße des Lagerplateaus einige römische Quadersteine, die vermutlich einst Bestandteil der Kaimauer einer spätantiken Hafenanlage gewesen waren. Der Höhenunterschied des Fundplatzes zum Lagerplateau betrug etwa zwölf Meter Auf halber Höhe kamen zwischen 1901 und 1902 auch ein mit Steinplatten gepflasterter Weg und die Reste einer - direkt am antiken Steilhang zum Donauufer gelegenen - Befestigung zum Vorschein (Toranlage mit vorgelagertem Quaderwerk). Wann die ersten Hafenanlagen errichtet wurden, ist nicht bekannt. Aufgrund der Bauausführung könnten die Befunde in die Spätantike (4. Jahrhundert) datiert werden.[49]

Zivilsiedlungen[Bearbeiten]

Rekonstruktion der Canabae Legionis (Römermuseum Hoher Markt)
Michaelerplatz: Reste von Wandmalereien eines Hauses der Lagerstadt
Reste der Lagerstadt am Michaelerplatz
Rekonstruktionsversuch eines Streifenhauses der Lagervorstadt, 2.-3. Jahrhundert
Rekonstruktion der Zivilstadt (Römermuseum Hoher Markt)
Auswahl römischer Sigillata (KHM-Wien)
Skizze der Fundstellen auf dem Areal der Zivilstadt
Skizze der Befunde in der Oberzellergasse (Therme?)
Fußfragment einer Bronzestatue vom Forum Vindobonas, 2./3. Jh. n. Chr., gefunden 1800 bzw. 1849 beim Bau des Wiener Neustädter Kanals
Torso einer Marmorstatue. 2./3. Jh., gefunden St. Marx, 1849, die vermutlich einen Kaiser darstellt, sie war wahrscheinlich am Forum aufgestellt und diente dem Kaiserkult
Münzen aus einem Hortfund, 157 v. Chr. bis 138 n. Chr.,gefunden am Rennweg 44
Ziegelstempel der Ziegelei Pansiana, Aquileia
Weihealtar (279 n. Chr.) für Iupiter Optimus Maximus der einen römischen Offizier bei einer Opferhandlung darstellt; gefunden 1899 in der Vorderen Zollamtsstraße 5-9
Hypokaustenziegel ( 2.Jh. ) mit Ziegelstempel der Legio XIIII
Römische Öllampe mit fünf Dochten
Befundplan der römischen Gebäude in Wien-Heiligenstadt/Jakobskirche, 3. bis 4. Jahrhundert n. Chr.
Römische Götterstatuen im Römermuseum Wien
Mithrasrelief, 150–250 n. Chr. Marmor, gefunden im Botanischen Garten

Vom 1. bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. entstanden auf der Schotterterrasse rund um das Legionslager größere canabae legionis (Lagerstadt), die unter Militärverwaltung standen. Zur gleichen Zeit entwickelte sich auf dem Gebiet des heutigen 3. Bezirkes (Landstraße) parallel dazu die Zivilstadt, das spätere Municipium.

Canabae legionis[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Das sich in einem Halbogen im Norden, Süden und Osten um das Lager erstreckende, etwa 94 ha große Areal der mehrere Bauphasen umfassenden Militärsiedlung lag auf dem Areal der Kastellterrasse und an ihren Abhängen, heute der I., IX. und VIII. Wiener Gemeindebezirk. Im Westen sind die Spuren der canabae bis zur Votivkirche feststellbar. Einzelfunde lassen vermuten, dass sie sich aber noch weiter darüber hinaus erstreckten. Richtung Osten und Süden dehnten sie sich bis zum Ottakringer Bach, zur Hofburg, zum Ufer des Wienflusses und bis über die Ringstraße hinaus. Der Wienfluss dürfte hier wiederholt bei Hochwasser über seine Ufer getreten sein. Wie aus der Inschrift eines dem Flussgott Acaunus geweihten Altars hervorgeht, wurden deshalb Schutzbauten am seinen Ufern errichtet. Im Osten, im Bereich der Johannesgasse, ist eine Besiedlung erst ab dem 2. Jahrhundert nachweisbar. Viele der in der canabae untersuchten römischen Bauten richteten sich bemerkenswerterweise nach den heutigen Straßen aus, was annehmen lässt, dass der Verlauf des Straßennetzes sich seit der Antike nicht wesentlich verändert hatte.

Die Militärstadt existierte vermutlich vom 1. bis in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts (90–260). Wahrscheinlich lebten hier bis zu 16.000 Menschen. Die Markomannenkriege verursachten auch in den canabae schwere Schäden, diese wurden jedoch nach Beendigung der Kämpfe rasch wieder beseitigt. Unter den Severern erfuhr die Siedlung einen deutlichen Wiederaufschwung, wie man anhand der Funde deutlich erkennen konnte. Im späten 3. Jahrhundert rutschte ein Teil des Lößsockels, auf dem das Legionskastell und die Lagerstadt standen, wegen Unterspülung in die Donau. Dieser Katastrophe fiel auch ein Teil des westlichen Viertels der Canabae Legionis zum Opfer. In den zunehmend unsicher werdenden Zeiten des späten 3. Jahrhunderts wurde ein Großteil der canabae aufgegeben und die Bevölkerung siedelte sich innerhalb des Legionslagers an. Im 4. Jahrhundert war die überwiegende Mehrzahl der Häuser nicht mehr durchgehend bewohnt oder dem Verfall preisgegeben worden. Nach der endgültigen Zerstörung der canabae wurde das Gelände einplaniert und danach als Gräberfeld genutzt. Davon ausgespart blieb nur das Viertel um den heutigen Michaelerplatz und die Stallburg, wo noch einige Werkstätten betrieben wurden. Deren Gebäude unterschieden sich jedoch von den Baustrukturen der mittleren Kaiserzeit.

Befunde[Bearbeiten]

Über die Baustrukturen der Militärstadt ist - bedingt durch ihre Lage im größtenteils dicht verbauten Stadtzentrum - nicht viel bekannt. Hinzu kommt, dass der Abbruch ihrer Gebäude zur Gewinnung von Baumaterial für die Reparatur der Nordfront des Legionslagers wohl schon nach der Überschwemmungskatastrophe im späten 3. Jahrhundert einsetzte. Beim Ausbau Wiens zur Babenbergerresidenz im 12. Jahrhundert fielen wohl auch die letzten noch sichtbaren Ruinen der Lagerstadt dem Steinraub zum Opfer. Öffentliche Einrichtungen wie z. B. ein Forum, Tempel, ein Theater oder Thermen konnten bislang nicht entdeckt werden. Die frühesten Befunde wurden im Westen gemacht und stammen aus spätflavischer (domitianischer) Zeit. Die ältesten Befunde kamen im südwestlichen Bereich, am Michaelerplatz und innerhalb der Stallburg zum Vorschein. Hier wurden Teile der mittelkaiserzeitlichen Siedlung bis in spätrömische Zeit genutzt. Die bebauten Flächen der Militärstadt breiteten sich bevorzugt entlang der Hauptstraßen aus. Hinweise für Werkstättenbetriebe fanden sich vor allem an der Limesstraße und am Ottakringer Bach. In den canabae wurden auch auffällig viele Töpferöfen betrieben (Oppolzergasse, Stallburg, Spiegelgasse, Neuer Markt und Himmelpfortgasse). Ein solcher Kuppelofen konnte vollständig in der heutigen Herrengasse, einst ein Teil der Limesstraße, ausgegraben werden. Die Auswertung der Ziegelstempel lässt annehmen, dass das Militär auch am Bau der Lagerstadt maßgeblich beteiligt war.[50]

Gebäude[Bearbeiten]

Die meisten Gebäude wurden in Holz- oder Fachwerktechnik mit Steinsockel hochgezogen, auch gänzlich aus Stein bestehende Häuser mit frontseitigen zur Hauptstraße liegenden Säulenkolonnaden kamen vor. Das typische Gebäude der Militärsiedlung, ein Streifenhaus, wurde an der Kreuzung der Limesstraße mit der aus dem Südtor des Lagers führenden Fernstraße nach Scarbantia ausgegraben (Michaelerplatz). Die Streifenhäuser der canabae waren in Wohn- und Arbeitsräume unterteilt. Ihre Front war meist zur Straßenseite ausgerichtet. Die vorderen Räume fungierten als Geschäftslokal (tabernae) und Warendepot, im rückwärtigen Teil befanden sich die Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer. Die Wände waren weiß verputzt und mit Malereien - die Weinranken darstellten - dekoriert. Im Hinterhof wurden meist Brennöfen und die dazugehörige Werkstatt betrieben. Direkt an der Kreuzung fand man auch einen Mauersockel, auf dem eine Art Ehrenmal gestanden haben muss.[51]

Municipium[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Nach der Datierung der bisher geborgenen Fundobjekte bestand die Zivilstadt von flavischer Zeit bis ins späte 3. Jahrhundert. Zum Zeitpunkt ihrer größten Ausdehnung - 0,4 km²- erstreckte sie sich in ihrer Längsachse vom Botanischen Garten/Rennweg 12, an dem ungefähr die um das Legionslager gezogene Schutzzone (intra leugam) endete, bis etwa zum St. Marxer Bürgerspital. Hier entdeckte man einen Meilenstein mit der Aufschrift "A VIND M P II"(= ad Vindobona milia passuum duo, ab Vindobona zwei römische Meilen). Das Areal der Zivilstadt lag östlich des Wienflusses, ca. 1 leuga (2,2, km) vom Legionslager entfernt, entlang der Straße nach Kastell Ala Nova und Carnuntum. Es handelte sich um ein leicht abschüssiges, vor Hochwasser geschütztes Plateau, das etwas von Süden nach Norden abfällt. An ihrem südlichen Ende stieß die Siedlung an den Steilhang der Arsenalterrasse, im Norden an den südlichsten Seitenarm der Donau. Ein weiterer Indikator für die Entwicklung zur Stadt war die verkehrsgünstige Lage an mehreren Straßen, die vom Legionslager zu den Ziegeleien im heutigen 17. Bezirk und nach Carnuntum und Scarbantia führten. Die Zivilstadt war zusätzlich von einer Mauer umgeben, ihre meist streifenförmigen Gebäude waren rechtwinkelig zur Limesstraße orientiert und dienten zu Geschäfts-, Werkstatt-, Arbeits- und Wohnzwecken.[52]

Erste Besiedelungsspuren im heutigen 3. Wiener Gemeindebezirk stammen aus der Bronzezeit. Seit dem 9. Jahrhundert v. Chr. wurde das Gebiet von den Kelten besiedelt, die vermutlich Träger der Latène-Kultur waren. Eine keltische Siedlung auf dem Gebiet zwischen dem heutigen Rennweg und dem oberen Belvedere dürfte bis zur Ankunft der Römer im 1. Jahrhundert bestanden haben. Wahrscheinlich wurden auch die Kelten vom Oppidum am Leopoldsberg hier angesiedelt. Ab dem 2. Jahrhundert expandierte die Zivilstadt stetig, was aber durch die Markomannenkriege jäh unterbrochen wurde. Zu Beginn des 3. Jahrhunderts erlebte die Stadt einen weiteren Aufschwung und erreichte ihre größte flächenmäßige Ausdehnung. Zu diesem Zeitpunkt dürften hier um die 15.000 Menschen gelebt haben. Sie wurde mit ziemlicher Sicherheit nicht nach dem klassischen Rasterprinzip römischer Pflanzstädte angelegt, sondern hatte - auf Grund ihrer natürlichen Entwicklung zwischen zwei großen Straßen (Munizipal- und Limesstraße) - wohl vicusartigen Charakter. Im Westen der Zivilstadt kamen bislang elf Töpferöfen zum Vorschein, was ihre Bedeutung als zweites großes Handwerkszentrum neben den canabae legionis auf dem Gebiet von Vindobona bestätigt. Diverse Funde von Schmuck, Münzen und Importware belegen einen bescheidenen Wohlstand seiner Bürger. Im späten 3. Jahrhundert begann das Stadtareal wieder zu schrumpfen, da die Bewohner begannen, wegen der zunehmenden Gefahr durch Barbarenüberfälle entweder aus der Stadt abzuwandern oder sich hinter den Mauern des Legionslagers in Sicherheit zu bringen. Schließlich wurde die Siedlung ganz aufgegeben. Eine Gruppe setzte sich im Bereich des heutigen Kardinal-Nagl-Platz fest und befestigte ihre kleine Siedlung mit einem Erdwall, das vermutlich auch die Wirren der Völkerwanderungszeit überdauerte.

Befunde[Bearbeiten]

Bis heute sind nur die westlichen Viertel des Municipiums einigermaßen bekannt. Sichtbare Gebäudereste sind keine erhalten geblieben. Ihr Areal konnte auf Grund der dichten Verbauung nur an wenigen Stellen (z. B. Botanischer Garten, Rennweg) untersucht werden. Aufgrund der bisherigen Befunde geht die Forschung von einer vicusähnlichen, stark von Handwerksbetrieben geprägten Durchgangssiedlung an der Limesstraße aus.

Öffentliche Bauten wie Theater, Verwaltungsgebäude o. ä. wurden bislang nicht entdeckt. Die ca. 6,8 ha große bebaute Kernzone der Zivilstadt erstreckte sich entlang des heutigen Rennwegs, der weitgehend mit der einstigen Limesstraße ident sein dürfte (weiterer Verlauf: Höhe Reisnerstraße im Nordwesten, Schlachthausgasse, bis zur Landstraßer Hauptstraße im Südosten). Sie durchquerte das antike Stadtgebiet in seiner kompletten Länge von Ost nach West.

Das Kapitol lag vermutlich nordwestlich des Aspanger Bahnhofes, hier fand man auch vermehrt Fragmente von Statuen (z. B. Marmortorso, Bronzestatue). Das Forum könnte sich bei der Rennwegkaserne oder beim Zentralviehmarkt St. Marx befunden haben.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden beim Botanischen Garten vier langgestreckte, mehrphasige Gebäudekomplexe (1. bis 4. Jahrhundert) mit insgesamt 30 Räumen entdeckt, die für Wohn- und Wirtschaftszwecke genutzt wurden. Von den Bauten war neben den Fundamenten nur ein kleiner Keller fast vollständig erhalten geblieben. Sie verfügten weiters über verputzte Wände und Bodenestriche. Vermutlich wurden sie in den Markomannenkriegen zerstört und danach wieder aufgebaut. Nördlich davon stieß man auf eine römische Schotterstraße.

In der westlichen Oberzellergasse wurden 1910 Brandgräber aus dem 1. Jahrhundert und ein antiker Gebäudekomplex aus dem späten 2. oder frühen 3. Jahrhundert ergraben, der vermutlich als Badehaus gedient hat. Wahrscheinlich hatte man in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts bei der zweiten Stadterweiterung nach Westen einen frühkaiserzeitlichen Friedhof überbaut. Die Therme oder balneae war 26 m × 23 m groß und bestand aus fünf tw. beheizbaren Räumen und einer Apsis. Ihre Mauerstärke betrug 0,7 m bis 0,8m.

Anfang der 1990er Jahre wurden am Rennweg Nr. 44 zwei mehrphasige Gebäude mit gemauerten Keller, Toilette und Schlauchheizungssystem freigelegt und ein Münzhort von 138 (1261 Silber- und 7 Goldmünzen) geborgen.

Im Jahr 2005 fand man am Rennweg 16 die Überreste von zwei Streifenhäusern, in denen u. a. eine Garküche mit Grillgrube, Latrine und Erdkeller untergebracht war.

Gemauerte Abwasserkanäle, vergleichbar mit denen im Legionslager (Am Hof/Feuerwehrzentrale) haben sich in der Zivilstadt nicht erhalten. Die Abwasser-und Abfallentsorgung erfolgte wohl größtenteils über Sickergruben bzw. stillgelegten Brunnenschächten.[53]

Gebäude[Bearbeiten]

Das Areal der Zivilstadt wurde in langrechteckige, durch Gräbchen abgegrenzte, 50 m bis 80 m lange Parzellen unterteilt, auf der die Siedler zunächst 8–13 m breite Holzgebäude, sogenannte Streifenhäuser oder Grubenhäuser, errichteten. Ihre Abmessungen waren typisch für gallo-römische Wohnbauten. Diese standen auf Kies- oder Steinfundamenten und verfügten vereinzelt auch über Holz-, Stein- oder Erdkeller. Am Rennweg 44 wurde eines dieser Grubenhäuser genauer untersucht. Es stammte aus dem frühen 2. Jahrhundert, maß 2,50 m × 2 m und war etwa 0,70 m in den Boden eingetieft worden. Der Dachstuhl wurde von drei Holzpfosten abgestützt. Das Haus wurde von Norden aus betreten und war in einem Werk- und Wohnbereich unterteilt. Die nachfolgenden Bauten hatten Wände aus vermörtelten Bruchsteinen. In dieser Bauphase wurden auch etwas breitere, komplexere Bauten und solche beobachtet, deren Räume um einen Innenhof gruppiert waren.

Die Innenausstattung war sehr einfach gehalten, dennoch waren die Wände mit Malereien dekoriert worden. Die Böden bestanden aus Stampflehm, Holzdielen oder aus einen Mörtelestrich, der vereinzelt mit roter Farbe gestrichen worden war. Der Haupteingang befand sich an der Schmalseite, an einen an der Vorderfront stehenden Portikus schlossen sich die Werk- oder Verkaufsräume und daran schließlich die Wohnräume an. Hinter den Häusern lag meist noch ein kleiner Hof, in dem sich Brunnen, Feuerstellen, Werkplätze, Materialentnahmegruben, Latrinen u. ä. befanden.[54]

Stadtmauer[Bearbeiten]

Möglicherweise wurde im 2. Jahrhundert auch eine repräsentative Stadtmauer errichtet, aber bald wieder dem Verfall preisgegeben. In der Hohlweggasse, Eslarngasse und Klimschgasse wurden Profile von Spitzgräben beobachtet, die offenbar das antike Stadtgebiet bis Ende des 2. Jahrhunderts im Norden und Osten begrenzten. Alfred Neumann hielt sie für Gräben eines Hilfstruppenkastells. Neuerliche Untersuchungen in den Jahren 1997 und 2005 ließen jedoch erkennen, dass sie mit ziemlicher Sicherheit zu einer Umwehrung der Zivilstadt gehörten.

Es handelte sich um ein Doppelgrabensystem, das der o.e. Mauer oder einer Palisade vorgelagert gewesen war. An der Außenseite verlief ein 1,50 m breiter und 1,30 m tiefer Graben, parallel zu ihm, im Abstand von 150 m, ein größerer Spitzgraben mit einer Breite von 4,80 m und einer Tiefe von drei Metern. Sein Böschungswinkel betrug 40-50 Grad. In seinem untersten Bereich fand sich eine Schlammschicht, ein Anzeichen dafür, dass er nicht regelmäßig gewartet wurde. Später wurden beide zur Gänze wieder zugeschüttet. Südwestlich der Gräben konnte an zwei Stellen Reste einer Mauer oder steinernen Fundamentierung für eine Holzkonstruktion zur Abstützung einer Wallaufschüttung festgestellt werden. Die Gräben umfassten vermutlich ein Areal in der Größe von 132.750 m².[55]

Verwaltung[Bearbeiten]

Verwaltungsrechtlich dürfte die Stadt bis zum frühen 3. Jahrhundert als vicus eingestuft gewesen sein. Sie verfügte damit über keine eigene Administration und Jurisdiktion. Diese Agenden lagen in den Händen der Militärverwaltung. Die Mehrheit seiner Bewohner galten als „Fremde“ (peregrini), d.h. sie waren nicht im Besitz des römischen Bürgerrechts. Dies änderte sich erst im Jahr 212, als Kaiser Caracalla allen freien Bewohnern des Reiches per Dekret das Bürgerrecht zugestand. Wann genau Vindobona zum Municipium (Municipium Aelium?) erhoben wurde blieb bislang unbekannt. Es gibt berechtigte Zweifel darüber, ob es überhaupt jemals dazu gekommen ist. Sie war die vorletzte der elf Römerstädte auf dem Staatsgebiet des heutigen Österreich, der dieses Recht zugestanden worden wäre. Der einzige diesbezügliche Hinweis, ein 1544 von Wolfgang Lazius sichergestellter römischer Weihealtar, der auf seiner Inschrift ein Stadtratsmitglied (decurio municipii Vindobonae) nennt, ist heute verschollen.[56] Der Altar wurde auch nicht auf dem Areal dem Zivilstadt entdeckt, sondern tauchte vielmehr beim Bau der neuen Stadtbefestigungen (Schottenbastei) im 1. Bezirk auf. Die angeblich von Lazius persönlich angefertigte Fundzeichnung könnte auch ge- oder verfälscht worden sein. In Lanzendorf kam ein - heute ebenfalls nicht mehr auffindbarer - Inschriftenstein einer cohors Fabiana mit der Erwähnung eines municipium Vindobona ans Tageslicht. Auf einem in Wien aufgefundenen Bronzetafelfragment aus der Zeit des Kaiser Galba (68–69), ist in der dritten Zeile eine Buchstabenfolge, muni[...], zu erkennen, die sich zum Wort muni[cipium]/muni[ceps] ergänzen ließe. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sie sich auf den rechtlichen Status der Zivilsiedlung bezieht, da der Ort erst viele Jahre später zum Legionsstandort wurde.[57]

Ein sicherer Beweis wäre der archäologische Nachweis eines Kapitols mit Tempeln für die kapitolinische Trias, d.h. die obersten Staatsgötter Jupiter, Juno und Minerva. Solche Heiligtümer durften nur in Orten mit offiziell verliehenen Stadtrecht errichtet werden. Die massive Förderung der Grenzregionen an der Donau unter dem Severischen Kaiserhaus spricht dennoch für die Erhebung zur autonomen Stadt zweiter Ordnung im frühen 3. Jahrhundert. Auch der Fund von Fragmenten einer überlebensgroßen marmornen Gewandstatue sowie zwei Fingern und einem Fuß von zwei qualitätvoll gearbeiteten Bronzestatuen, die vermutlich ursprünglich auf dem Forum aufgestellt waren, sind ein Indiz dafür. Eine frühere Stadterhebung war wohl auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich gewesen, da diese mit der Errichtung von repräsentativen öffentlichen Bauten (Forum, Therme, Kapitol, Verwaltungsgebäude) verbunden war. Ihr Verwaltungsbezirk stieß in Westen (Wienerwaldhöhen) vermutlich bis an die Grenze zur Provinz Noricum, im Süden reichte er wahrscheinlich bis ins Steinfeld bei Wiener Neustadt heran. Im Norden wurde er durch die Donau begrenzt und im Osten bildete wohl die Schwechat die Trennlinie zum Territorium von Carnuntum.

Wasserversorgung[Bearbeiten]

Legionslager und Zivilsiedlungen wurden entweder über Hausbrunnen bzw. Zisternen oder über das große Aquädukt bzw. eine gemauerte und begehbare Wasserleitung versorgt, das von den Höhen des Wienerwaldes Frischwasser lieferte. Abschnitte der unterirdisch verlaufenden Leitung konnten in Brunn am Gebirge, Rodaun, Liesing, Mauer, Hetzendorf und Hietzing verfolgt werden. Ob auch die Zivilstadt im 3. Bezirk an dieses Aquädukt angeschlossen war, konnte noch nicht geklärt worden. Einige der in der Zivilstadt aufgefundenen Brunnenschächte waren mit Holzverschalungen und Leitern versehen (Rennweg 44). Als Wasserbehälter wurden in den Häusern meist große Schüsseln aus den verschiedensten Materialien verwendet.[58]

Fundstätten in den Außenbezirken[Bearbeiten]

Villa rusticae in Unterlaa und Lainz[Bearbeiten]

Das Land südlich vom Laaer- und Wienerberg scheint zu römischer Zeit relativ dicht besiedelt gewesen zu sein. Die weitläufigen Ebenen in geschützter Südlage und eine gesicherte Wasserversorgung durch die Bäche aus dem Wienerwald boten hier für die Menschen ideale Siedlungsbedingungen.

Im Zuge der Renovierung der Kirche St. Johann, eines der ältesten Gotteshäuser Wiens, an der Klederingerstraße im 10. Wiener Gemeindebezirk stieß man auf die Überreste eines mehrphasigen (drei Bauperioden) spätrömischen Gutshofes, der über den Resten einer Siedlung aus dem 1. Jahrhundert errichtet worden war. Die Siedlungsbauten wurden noch aus Holz errichtet, die Zwischenwände bestanden aus Flechtwerk mit Lehmbewurf. In den Gebäuden selbst und in Abfallgruben im Umkreis stieß man auf die Reste qualitativ hochwertigem Sigillatgeschirrs, was annehmen lässt, dass seine Bewohner in einem gewissen Wohlstand lebten. Die Siedlung brannte zu einem unbekannten Zeitpunkt nieder, der Grabstein des indigenen Kelten Devomarus und seiner Familie in der Kirche von Unterlaa beweist, dass die Region aber weiterhin bewohnt war. Der Gutshof (villa rustica) wurde im 4. Jahrhundert errichtet. Sein Hauptgebäude besaß einen quadratischen Grundriss und war durch eine Fußbodenheizung beheizbar. Die Frischwasserversorgung erfolgte über eine Leitung aus Tonröhren. Der Gebäudekomplex umfasste auch ein 280 m² großes Nebengebäude, vermutlich ein 23,5 m langer und 12 m breiter Speicherbau mit Werkstätten. Das ganze Areal war mit einer Mauer umfriedet und von eingezäunten Weideflächen umgeben. Die Funde (Gürtelschnallen und die frühen Sigillaten) deuten auf einen Verbindung mit dem römischen Militär hin. Der Hof wurde offensichtlich nicht gewaltsam zerstört, sondern schon bald wieder von seinen Bewohnern verlassen und dem Verfall preisgegeben. Die Ruinen wurden schließlich im 9. Jahrhundert beim Bau der Johanneskirche abgetragen.

Im Stadtteil Lainz scheint in der Talsenke zwischen Küniglberg und Rotem Berg ebenfalls ein römischer Gutshof gestanden zu haben. Reste davon kamen in der Lainzer Straße zum Vorschein, in der Sauraugasse wurden spätantike Grabstätten untersucht. Weitere römische Mauerzüge wurden in der Veitingergasse beobachtet. Im Lainzer Tiergarten konnte vom Wiener Stadtarchäologen Ortof Harl eine weitere villa Rustica unbestimmter Größe freigelegt werden.[59]

Lagerhäuser in Heiligenstadt[Bearbeiten]

Bei archäologischen Grabungen in der Jakobskirche wurde sowohl innerhalb der Kirche und teilweise darüber hinausgreifend ein mehrphasiger römischer Bau ausgegraben. Innerhalb dieses Gebäudes befanden sich zwei frühchristliche Gräber. Nördlich der Kirche lag ein römisches Gräberfeld, in dessen Nähe 1980 auch ein Grab aus der Awarenzeit gefunden wurde.

Im Osten des Kirchenschiffs und im Außenbereich vor der Nordwand konnte im Jahr 1952/53 ein römerzeitliches rechteckiges Gebäude mit 15 pilasterartigen Stützpfeilern entdeckt werden (Größe 10,5 m × 5,5 m). Die dafür verwendeten Ziegel waren von der Legio X geliefert worden. Vermutlich entstand es in der Mitte des 3. Jahrhunderts und war - im Gegensatz zum Kirchenbau - von Nord nach Süd orientiert. Der Eingang befand sich im Westen. Die Wände waren aus vermörtelten Bruchstein hochgezogen worden. Aufgrund der außen angesetzten Stützpfeiler könnte das Gebäude als Speicher (horreum) gedient haben.

Nach dessen Zerstörung wurde in der Spätantike darüber wieder ein etwa gleich großer Bau, allerdings ohne Stützpfeiler, errichtet. Das Mauerwerk bestand aus in Lehm eingebetteten Bruchsteinen. Der Bau war in zwei gleich große Räume unterteilt. Der Eingang befand sich im Osten des nördlichen Raumes. Im südlichen Raum befanden sich zwei Einfassungen aus Stein und Ziegel (18 cm × 180 cm und 60 cm × 90 cm). Nach Auswertung der Ziegelstempel und der übrigen Befunde stammt das Gebäude vermutlich aus dem späten 4. Jahrhundert. Alfred Neumann deutete die Einfassungen als Grabstätten. 1985 fand man im Pfarrgarten ein weiteres Grab aus römischer Zeit. Vermutlich wurden die Gebeine schon im Hochmittelalter entfernt.

Möglicherweise wurden die Gebäude von den Grenztruppen als Lagerhäuser verwendet. In unmittelbarer Umgebung dürfte sich eine Siedlung befunden haben, wie man anhand von Gräbern in der Eroicagasse und Mauerreste eines größeren Gebäudes unter der Kirche St. Michael feststellen konnte.[60]

Veteranensiedlungen[Bearbeiten]

Derartige Siedlungen entwickelten sich vor allem entlang der Hauptverkehrsstraßen im Süden Osten und Westen. Eine dieser Siedlungen wurde von Alfred Neumann in Wien-Inzersdorf (23. Bezirk) nachgewiesen. Die Ausgräber fanden hier die Reste einer Straße und mehrphasigen Gebäuden vor. Von den letzteren konnten zwei teilweise freigelegt werden. Haus 1 bestand aus elf Räumen, die teilweise mit einer Schlauchheizung ausgestattet waren. Von Haus 2 konnte nur eine Mauer auf vier Meter nachverfolgt werden. Die Häuser waren in den Markomannenkriegen zerstört und danach wieder aufgebaut worden. Bei ihrer Errichtung wurden Ziegel der Legio X verwendet, deren Stempel mit dem Zusatz "E" (= emeriti, d. h. im Ruhestand) versehen waren. Aufgrund dieser Ziegelstempel vermutete Neumann, dass es sich hier um die Überreste einer Siedlung von Veteranen handelte die nach ihrer Entlassung aus der Armee u. a. auch mit einem Stück Land abgefunden wurden. An der Triesterstraße konnte in weiterer Folge ein Meilenstein aus dem Jahr 252 geborgen werden, der die Entfernung von Vindobona mit vier Meilen angab. Die Siedlung dürfte also noch zum Verwaltungssprengel des Municipiums gehört haben.[61]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Das Wirtschaftsleben Vindobonas drehte sich in erster Linie um die Versorgung der hier und an anderen Stützpunkten am Limes stationierten Soldaten. Weitere Standbeine waren das Metall- und das Töpferhandwerk, die militärische und private Ziegelproduktion, ein wichtiger Donauübergang bzw. der damit verbundene Handel mit dem freien Germanien, seine Lage am Strom selbst und die Nähe zur Bernsteinstraße, die damals bedeutendsten Verkehrsverbindungen zwischen dem West- und dem Ostteil des Römischen Reiches bzw. in den Norden Europas. Den Keramikfunden nach zu urteilen, bestanden vor allem Handelskontakte mit Nordafrika, Hispanien, Süd- und Mittelgallien und Ostnorikum, die bis in die Spätantike aufrechterhalten werden konnten.

Verhandelt wurden vor allem römische Luxuswaren, Glaserzeugnisse und Wein, die bei den Germanen besonders begeht waren. Im Gegenzug gelangten z. B. Bernstein, Pelze, Schlachtvieh, Wild und Tiere für die Zirkusspiele in Rom über die Grenze. Im Zuge des Ausbaues der militärischen Infrastruktur siedelten sich auch immer mehr Handwerker der verschiedensten Fachrichtungen in Vindobona an. Für einen zusätzlichen Wirtschaftsaufschwung sorgten die Armeeveteranen, die nach Beendigung ihrer Dienstzeit in den meisten Fällen ihre Abfindungszahlungen in die Gründung von eigenen Betrieben oder Höfen investierten. Da diese auch Familien hatten, muss der Bedarf an Haushaltswaren aller Art - spätestens ab dem 2. Jahrhundert - stark angestiegen sein. In dieser Zeit hatten sich auch Landwirtschaft und Viehzucht in der näheren Umgebung sicher schon so weit entwickelt, dass sie Militärlager und Stadt problemlos mit genügend Lebensmitteln aller Art beliefern konnte. Wichtigster Energielieferant war die Holzkohle, die aus den großen Auwäldern an der Donau und im Wienerwald gewonnen wurde. Ab dem späten 3. Jahrhundert legalisierte Kaiser Probus auch den Weinanbau nördlich der Alpen.

Bald danach setzte aber ein stetiger Niedergang der Wirtschaftstätigkeit am Limes, ausgelöst durch politische Krisen, Geldentwertung, Abholzung und Übernützung der Ackerflächen ein. Handel und Ackerbau blieben weiterhin ökonomische Grundlagen, wurden aber durch die Zerstörungen der ständigen Germaneneinfälle immer weiter eingeschränkt. Die Grenztruppen mussten nun großflächiger verteilt und flexibler eingesetzt werden. Die in ihrer Glanzzeit bis zu 6000 Mann starke Legio X wurde hierfür personell immer mehr ausgedünnt und im Lager blieb schließlich nur mehr eine kleine Resttruppe zurück. Erschwerend kam hinzu, dass auf Grund der immensen finanziellen Schwierigkeiten des Weströmischen Reichs, ausgelöst durch den Verlust der reichen Provinzen Nordafrikas an die Vandalen, nun auch die Soldzahlungen immer öfter ausblieben. Am Ende des Jahrhunderts versetzte der Abzug eines großen Teils der Grenztruppen - zur Verteidigung Italiens gegen die Goten des Alarich – der örtlichen Wirtschaft einen weiteren schweren Schlag. Nun war man gezwungen, auf Grund des fast zum Erliegen gekommenen Geldverkehrs wieder zum Tauschhandel zurückzukehren. Am Ende der römischen Herrschaft war die alte Wirtschaftsordnung in Pannonien vollends zusammengebrochen. Übrig blieb eine stark reduzierte Landwirtschaft und Handwerk auf Selbstversorgerbasis, die gerade noch das Existenzminimum der Provenzialen sichern konnte (Subsistenzwirtschaft).[62]

Die größte Ziegelproduktionsstätte der Wiener Legionen dürften sich im Bereich des Paulinenklosters und der Steinergasse, im heutigen 17. Bezirk (Hernals), etwa 3 km westlich des Legionslagers, befunden haben. Hier tauchten bei Grabungen Brennöfen (Steinergasse 15), Fehlbrandhalden sowie Ziegel der unterschiedlichsten Formate mit den Stempeln der XIII., XIIII., XV. und X. Legion auf. Ausschlaggebend für diese Standortwahl waren die reichen Vorkommen an Lösslehm sowie das Vorhandensein von reichlich Wasser (Alsbach) und Brennholz (Wienerwald) in der unmittelbaren Umgebung. Produziert wurden vor allem normierte Dachziegel bzw. Leistenziegel (tegulae) 48 cm breit und 62 cm lang, sowie die dazugehörigen Wölbziegel (imbrices). Vereinzelt kamen auch Plattenziegel für Fußböden (lateres) und Hohlziegel (tubuli) zum Vorschein. Prozentual war, nach den Ziegelstempeln zu urteilen, die

  • Legio X zu 60 %, die
  • Legio XIIII zu 17 % und die
  • Legio XIII zu 8 %

an der Produktion beteiligt gewesen. Interessanterweise wurden hier aber auch Ziegel der Legio XXX geborgen, diese war von 105 bis 119 im Brigetio/Komorn stationiert. Vermutlich brannte auch sie ihre Ziegel hier und verschiffte sie dann donauabwärts nach Brigetio. Ziegelstempel von privaten Produzenten kommen hingegen nur sehr selten vor. Von ihnen ist nur ein Marcus Antonius Tiberianus bekannt, dessen - durch ein Feuer zerstörtes - Warenlager in der NW-Ecke der Zivilstadt (heute Mechelgasse 1) situiert war, bekannt. Das meiste Ziegelmaterial des 2. Jahrhunderts wurde in den spätantiken Schichten entdeckt, ein weiterer Hinweis darauf, dass bei den Reparatur- und Restaurierungsmaßnahmen in dieser Zeitperiode bevorzugt auf Abbruchmaterial zurückgegriffen wurde. Die Brennöfen in Hernals dürften bis ins 4. Jahrhundert betrieben worden sein.[63]

Religiöse Kulte[Bearbeiten]

Neben den römischen Staatsgöttern wie z. B. Jupiter, Juno, Minerva, Mars, Apollo, Merkur, Neptun, Venus, Fortuna, Herkules ist für Vindobona auch die Verehrung von Natur-, Hausgottheiten und diversen Schutzgeistern (genius) bekannt (Laren, Nymphen, Silvanus). Besonders die Verehrung des Merkur dürfte in einem Handelszentrum wie Vindobona einen besonderen Stellenwert genossen haben. Wichtigste religiöse Pflicht der Soldaten war die Teilnahme am Kaiserkult, als Beweis ihrer Loyalität zum jeweils regierenden Herrscherhaus. Im stark von den Kelten geprägten Pannonien durften aber auch deren Glaubensvorstellungen weiterhin praktiziert werden. So entstand aus dieser bunten Mischung mit der Zeit eine Art eigene Provinzialreligion, die auch in den Reihen der Soldaten viele Verehrer fand. Ab dem 2. Jahrhundert kamen auch Götter und Mysterienkulte aus dem Osten, wie z. B. Serapis, Mithras und Isis am Donaulimes in Mode. Am Südwestrand der Zivilstadt stand wahrscheinlich ein kleines Mithrasheiligtum. Zwei Weihealtäre aus dem Lagerhospital waren den Gottheiten Sirona, eine keltische Heilgöttin und dem Apollo Grannus gewidmet. Mit Erstarken des Christentums im 4. Jahrhundert wurden die heidnischen Kulte zwar stetig zurückgedrängt, verschwanden aber nicht völlig aus dem kulturellen Leben der Provinzbevölkerung. Einziger Hinweis auf die Anwesenheit von Christen in Vindobona ist der Grabstein der Sabina aus dem späten 4. Jahrhundert (Fundort Hoher Markt).[64]

Gräberfelder[Bearbeiten]

Die Gräberfelder dehnten sich östlich, südlich und westlich des Legionslagers aus. Größere, zusammenhängende Bestattungsarele sind am Fleischmarkt bzw. Dominikanerbastei, Stock-im-Eisen-Platz, Neuen Markt, Freyung, Votivpark und an der Währinger Straße lokalisiert worden. Die ältesten Bestattungen wurden in der Renngasse, nordwestlich vor der Votivkirche und in der Stallburggasse (Grabsteine des Veteranen T. Fl. Barbus und des T. Flavius Verecundus, beide Kavalleristen der ala I Flavia Britannica) entdeckt. Die mittelkaiserzeitlichen Gräberfelder reihten sich entlang der Limesstraße in Richtung Osten auf (heute Albertina, Staatsoper/Kärntnerstraße, Karlsplatz, Stadtpark). An der Straße nach Westen (heute Währinger Straße) kamen ebenfalls – allerdings nur vereinzelt – antike Bestattungen zutage. Hügelgräber der indigenen Bevölkerung kamen u. a. beim Schuhbrecherinnenwald im 14. Bezirk zum Vorschein.

Ab der Spätantike (zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts) wurden das eingeebnete Areal der ehemaligen Canabae legionis bis ins frühe 5. Jahrhundert als Bestattungsplatz für die im Inneren des Lagers siedelnde Bevölkerung genutzt (Freyung, Minoritenplatz, Stephansplatz und Fleischmarkt). Die allgemeine Abwanderung aus der Lagerstadt und die Umwidmung des Areals als Gräberfeld zog sich wohl über mehrere Jahre hin. Die späteren Gräber lagen nun näher an der Lagermauer. Der äußerste Wehrgraben wurde zugeschüttet, um dort ebenfalls Bestattungsplätze anlegen zu können. Im Bereich um den Hohen Markt wurden hauptsächlich Zivilisten bestattet. Insgesamt konnten über 200 Bestattungen aus der Zeit von 50 bis 400 (Urnengräber, Brandgrubengräber, Aschenkisten, Erdbestattungen, Ziegelplattengräber, Steinkistengräber, Sarkophage, Grabbauten) dokumentiert werden. Das Vorhandensein germanischer Keramik in den spätantiken Gräbern ist auch ein Hinweis auf die Anwesenheit neuer ethnischer Bevölkerungsgruppen im damaligen Vindobona.

Gräber im Bereich der Zivilstadt wurden in der Steinergasse (Brandgräber, unterirdischer Grabbau), Hohlweggasse-Fasangasse-Göschlgasse-Hegergasse (Körper-und Brandbestattungen), Klimschgasse (Brandgräber) und Rennweg 96 (Bustum-Grab und Grabbau) dokumentiert.[65]

Hinweise[Bearbeiten]

An vielen Stellen der Wiener Innenstadt wurden Überreste des römischen Legionslagers nachgewiesen. Am Michaelerplatz wurden unter anderem Überreste der römischen Lagervorstadt (canabae legionis) und einer Straßenkreuzung gefunden.[66] Das Herzstück der heutigen Platzgestaltung durch Hans Hollein ist ein rechteckiger offener Schnitt durch mehrere historische Schichten, der an die Ausgrabungen erinnern soll und konservierte Mauerreste aus verschiedensten Epochen zeigt. Ausstellungsvitrinen können an der Freyung und im Palais Harrach besichtigt werden. Unter der Feuerwehrzentrale am Hof wurde ein Teil der römischen Kanalisation freigelegt und für Besucher in einem Schauraum zugänglich gemacht.[67] Am Hohen Markt (auf der Höhe des Vermählungsbrunnens) befindet sich das Römermuseum, in dessen Ausstellungsräumen u. a. die Fundamente inklusive Fußbodenheizung eines Tribunenhauses besichtigt werden können.[68] Von der Lagertherme sind noch einige Quadersteine zu sehen, die am Stiegenaufgang von der Sterngasse zur Marc-Aurel-Straße aufgestellt wurden. Die bemerkenswertesten römischen Funde werden im Wien Museum am Karlsplatz ausgestellt. Weitere Sammlungen befinden sich in den Bezirksmuseen Hernals, Landstraße, Favoriten und Meidling. Die Ausgrabungen der Villa rustica in Unterlaa/Kirche St. Johann und im 19. Bezirk/Kirche St.Jakob wurden zu einem Schaugelände umgestaltet und so der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[69]

Denkmalschutz[Bearbeiten]

Die Anlagen sind Bodendenkmäler im Sinne des österreichischen Denkmalschutzgesetzes. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden ohne Genehmigung des Bundesdenkmalamtes stellen eine strafbare Handlung dar. Zufällige Funde archäologischer Objekte (Keramik, Metall, Knochen etc.) sowie alle in den Boden eingreifenden Maßnahmen sind dem Bundesdenkmalamt (Abteilung für Bodendenkmale) zu melden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Börner: Wien-Vindobona, Legionslager-Canabae-Autonome Stadt. In: Herwig Friesinger u. a. (Hrsg.): Der römische Limes in Österreich. Führer zu den archäologischen Denkmälern. Zweite, korrigierte Auflage. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2002, ISBN 3-7001-2618-2, S. 241–252.
  • Michaela Kronberger: Siedlungschronologische Forschungen zu den canabae legionis von Vindobona. Die Gräberfelder. (Monographien der Stadtarchäologie Wien, Band 1). Phoibos Verlag, Wien 2005.
  • Michaela Kronberger: Das frühe Vindobona/Wien in: Franz Humer (Hrsg.): Legionsadler und Druidenstab. Vom Legionslager zur Donaumetropole; Sonderausstellung aus Anlass des Jubiläums "2000 Jahre Carnuntum", Archäologisches Museum Carnuntinum Bad Deutsch-Altenburg, Wien 2007, ISBN 978-3-85460-229-3, S. 85–91.
  • Michaela Müller, Karin Fischer-Ausserer, Ingrid Mader, Rita Chinelli u. a.: Entlang des Rennwegs. Die römische Zivilsiedlung von Vindobona. (= Wien Archäologisch 8). Phoibos Verlag, Wien 2011.
  • Michaela Müller: Wohnbauten in der Zivilsiedlung von Vindobona-Lebensorte. In: Peter Scherrer (Hrsg.): Domus, das Haus in den Städten der römischen Donauprovinzen. Akten des 3. internationalen Symposiums über römische Städte in Noricum und Pannonien. Österr. Archäologisches Institut, Sonderschriften Band 44, Wien 2008, ISBN 978-3-900305-52-9., S. 105–123.
  • Christine Ranseder u. a.: Michaelerplatz. Die archäologischen Ausgrabungen. (= Wien Archäologisch 1). Wien 2006, ISBN 3-901232-72-9.
  • Kurt Genser: Der österreichische Donaulimes in der Römerzeit. Ein Forschungsbericht. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1986, ISBN 3-7001-0783-8. (Der Römische Limes in Österreich 33)
  • Martin Mosser: Die Porta principalis dextra im Legionslager Vindobona. In: Fritz Blakolmer, Hubert D. Szemethy (Hrsg.): Akten des 8. Österreichischen Archäologentages am Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien vom 23. April bis 25. April 1999. (= Wiener Forschungen zur Archäologie, Band 4). Verlag Phoibos, Wien 2001, ISBN 3-901232-28-1.
  • Martin Mosser, Karin Fischer-Ausserer (Hrsg.): Judenplatz. Die Kasernen des römischen Legionslagers. (= Wien Archäologisch, Band 5). Museen der Stadt Wien - Stadtarchäologie, Wien 2008.
  • Reinhard Pohanka: Das römische Wien, Geschichte Wiens Band I. Pichler Verlag Ed., Wien 1997, ISBN 3-85058-145-4.
  • Peter Pleyel: Das römische Österreich. Pichler Verlag, Wien 2002, ISBN 3-85431-270-9.
  • Vladimir Vlasak: Das römische Lager von Rusovce-Gerulata. Ein Beitrag zu Lokalisierung und Anfängen. In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. 43. Verlag des Römisch-germanischen Zentralmuseums, 1998, S. 531–589, hier, S. 587.
  • Ranko Matasovic: Etymological Dictionary of Proto-Celtic. Brill, Leiden 2009, ISBN 978-90-04-17336-1, S. 71, 423.
  • Xavier Delamarre: Dictionnaire de la langue gauloise. Une approche linguistique du vieux-celtique continental. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Editions Errance, Paris 2003, ISBN 2-87772-237-6, ISSN 0982-2720, S. 82.
  • Peter Csendes, Ferdinand Opll: Wien, Geschichte einer Stadt. Band I, Böhlau Verlag, Wien 2006, ISBN 3-205-99268-7, S. 27 f.
  • Ingrid Weber-Hiden: Die Reliefverzierte Terrasigillata aus Vindobona. Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie, Wien 1996, S. 25.
  • Hertha Ladenbauer-Orel: Der Berghof. Archäologischer Beitrag zur frühesten Stadtgeschichte. Verlag Zsolnay, Wien/ Hamburg 1975.
  • Sylvia Sackl-Oberthaler: Wohnhäuser in der canabae legionis von Vindobona. In: Peter Scherrer (Hrsg.): Domus, das Haus in den Städten der römischen Donauprovinzen. Akten des 3. internationalen Symposiums über römische Städte in Noricum und Pannonien. Österr. Archäologisches Institut, Sonderschriften Band 44, Wien 2008, ISBN 978-3-900305-52-9, S. 123–143.

Neue Medien[Bearbeiten]

  • Vindobona. Die Reise in das antike Wien. DVD-Rom, 2004.
  • Vindobona II. Wassertechnik des antiken Wiens. DVD-Rom, 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vindobona – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Der antike Ortsname wird bis in die heutige Zeit verwendet. 1882 wurde ein Asteroid vom Astronomen Johann Palisa nach der römischen Siedlung benannt. Auch Züge der Österreichischen Bundesbahnen und Lokomotiven, ein Schiff der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft und eine Kleinkunstbühne in Wien tragen beziehungsweise trugen diesen Namen.
  2. Die „Marc-Aurel-Straße“ in der Nähe des Hohen Marktes soll daran erinnern.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinhard Pohanka: 1997, S. 13, Kurt Genser: 1986, S. 435.
  2. Reinhart Pohanka: 1997, S. 91–96.
  3. Ranko Matasovic: 2009, S. 71, 423, Xavier Delamarre: 2003, S. 82, Csendes/Opll: 2006, S. 27–28, Wolfgang Börner: 1997, S. 241.
  4. 2, 4, 3.
  5. IV 1.
  6. 248,2.
  7. 266, 7, 261, 4a, 266, 4, 266, 7.
  8. Occ. 34, 25 und 34, 28.
  9. Vegetius, Epitoma 16, 1. 2.
  10. De origine actibusqe Getarum 50, 264.
  11. Martin Mosser: 2008, S. 11, Peter Pleyel: 2002, S. 83.
  12. Wolfgang Börner: 1997, S. 241, Reinhard Pohanka: 1997, S. 7.
  13. Reinhard Pohanka: 1997, S. 11.
  14. Wolfgang Börner: 1997, S. 243, Reinhard Pohanka: 1997, S. 11–12, Martin Mosser: 2008, S. 9, Ausserer-Fischer: 2011, S. 19.
  15. Reinhard Pohanka: 1997, S. 15., Michaela Konrad (Archäologin): 2007, S. 85–86.
  16. Vladimir Vlasak: 1998, S. 587, Reinhard Pohanka: 1997, S. 26 und S. 181, Peter Pleyel: 2002, S. 83, Ingrid Weber-Hiden: 1996, S. 25., Michaela Kronberger: 2007, S. 87.
  17. Liber de Caesaribus 16,14: ita anno imperii octavo decimoque aevi validior Vendobonae interiit, maximo gemitum mortalium omnium.
  18. Wolfgang Börner: 1997, S. 250; Reinhard Pohanka: 1997, S. 27–32.
  19. Peter Pleyel: 2002, S. 85, Reinhard Pohanka: 1997, S. 33. und S. 181.
  20. Reinhard Pohanka: 1997, S. 35; Martin Mosser: 2008, S. 16–17 und S. 81.
  21. Monumenta Germaniae Historica. Annales es annalibus Iuvavensibus antiquis excerpi. Edition H.Bresslau, Scriptores rerum Germanicarum XXX, 2, Leipzig 1934, S. 742.
  22. Martin Mosser: 2008, S. 16–17, Herta Ladenbauer-Orel: 1975, Reinhard Pohanka: 1997, S. 149–151 und S. 182.
  23. Reinhard Pohanka: 1997, S. 39–41.
  24. Wolfgang Börner: 1997, S. 247, Michaela Kronberger: 2007, S. 89–90.
  25. Reinhard Pohanka: 1997, S. 53, Martin Mosser: 2008, S. 11, S. 16 und S. 81.
  26. Rekonstruktion des antiken Geländes in der Wiener Innenstadt
  27. Reinhard Pohanka: 1997, S. 45, Martin Mosser: 2001, S. 151, 2008, S. 15.
  28. Reinhard Pohanka: 1997, S. 47.
  29. Reinhard Pohanka: 1997, S. 45.
  30. Martin Mosser: 2001, S. 145 und 151
  31. Kurt Genser: 1986, S. 450, Martin Mosser: 2001, S. 147–151.
  32. Wolfgang Börner: 1997, S. 247.
  33. Reinhard Pohanka: 1997, Martin Mosser: 2008, S. 25–27.
  34. Reinhard Pohanka: 1997, S. 48–49.
  35. Reinhard Pohanka: 1997, S. 49; Martin Mosser: 2008, S. 20.
  36. Wolfgang Börner: 1997, S. 245–246; Reinhard Pohanka: 1997, S. 49–51.
  37. Kurt Genser: 1986, S. 456; Wolfgang Börner: 1997, S. 247.
  38. Reinhard Pohanka: 1997, S. 53.
  39. Wolfgang Börner: 1997, S. 247.
  40. Wolfgang Börner: 1997, S. 245, Martin Mosser: 2001, S. 145, Kurt Genser: 1986, S. 456.
  41. Martin Mosser: 2008, S. 52.
  42. Inschrift des Legionärs Annius Rufus auf einem Mauerquader, CIL 3, 15196.
  43. Michaela Konrad: 2007, S. 86 und 91
  44. Peter Pleyel: 2002, S. 83, Reinhard Pohanka: 1997, S. 26.
  45. Notitia Dign. Occ. 34,28
  46. Peter Pleyel: 2002, S. 84, Michalea Kronberger: 2007, S. 90.
  47. Barnabás Lőrincz 200, S. 15 und 306
  48. Notitia Dign. Occ. 34,28, Martin Mosser 2005.
  49. Martin Mosser: 1999.
  50. Silvia Sackl-Oberthaler: 2008, S. 125–141.
  51. Wolfgang Börner: 1997, S. 247–248, Reinhard Pohanka: 1997, S. 56–59, Silvia Sackl-Oberthaler: 2008, S. 125–141.
  52. Michaela Müller: 2008, S. 105.
  53. Michaela Müller: 2011, S. 60–61, 67 und S. 99, 2008, S. 105.
  54. Michaela Müller: 2011, S. 52–57, 2008 und S. 119–120.
  55. Peter Pleyel: 2002, S. 86; Wolfgang Börner: 1997, S. 252; Reinhard Pohanka: 1997, S. 63–66; Michaela Müller: 2011, S. 13–17 und S. 47.
  56. CIL 3, 4557.
  57. Michaela Kronberger: 2007, S. 87.
  58. Reinhard Pohanka: 1997, S. 66, Michaela Müller: 2011, S. 63 und S. 91.
  59. Wolfgang Börner: 1997, S. 250; Reinhard Pohanka: 1997, S. 70–74.
  60. Wolfgang Börner: 1997, S. 251–252; Reinhard Pohanka: 1997, S. 70.
  61. Reinhard Pohanka: 1997, S. 71.
  62. Reinhard Pohanka: 1997, S. 137–147; Martin Mosser: 2008, S. 70–71.
  63. Reinhard Pohanka: 1997, S. 72–73; Martin Mosser: 2008, S. 45–48; Michaela Müller: 2011, S. 58.
  64. Martin Mosser: 2008, S. 40–41 und S. 55; Michaela Müller: 2011, S. 107; Reinhard Pohanka: 1997, S. 110–112.
  65. Kronberger: 2005, Wolfgang Börner: 1997, S. 250; Michaela 2011, S. 113–114; Martin Mosser: 2008, S. 54; Reinhard Pohanka: 1997, S. 133–134.
  66. Wien Museum | Archäologisches Grabungsfeld Michaelerplatz.
  67. Wien Museum | Römische Baureste Am Hof.
  68. Wien Museum | Römermuseum am Hohen Markt.
  69. Peter Pleyel: 2002, S. 87; Wolfgang Börner. 1997, S. 250.

48.21083333333316.370277777778Koordinaten: 48° 13′ N, 16° 22′ O