Violinsonate Nr. 9 (Beethoven)

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Dieser Artikel befasst sich mit der Komposition Beethovens. Zur gleichnamigen Novelle von Lew Tolstoi siehe Die Kreutzersonate.
Titelblatt der „Kreutzersonate“

Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier und Violine Nr. 9 (alle „Violinsonaten“ von Mozart und Beethoven sind vom Komponisten „für Pianoforte und Violine“ geschrieben, niemals für „Violine und Klavier“, dies kam erst später in der „Romantik“ auf) entstand 1802 und ist gemeinhin als Kreutzer-Sonate bekannt. Das etwa 40-minütige Werk ist charakterisiert durch Klangfülle (die Violine beginnt mit einem mehrstimmigen Solo), Virtuosität, überraschende Modulationen, weite melodische Bögen und abwechslungsreiche Sätze – vom furiosen ersten Satz über den meditierenden zweiten bis zum jubelnden Finale.

Ursprünglich war die Sonate dem Geiger George Bridgetower (1779–1860) gewidmet, welcher das Werk am 24. Mai 1803 mit Beethoven zur Uraufführung brachte. Nach dem Auftritt soll es jedoch wegen eines Mädchens zu einem Streit zwischen beiden gekommen sein, so dass Beethoven die Widmung wieder tilgte.[1] So wurde das Werk dem französischen Violinisten Rodolphe Kreutzer (17661831) gewidmet. Ironischerweise hat Kreutzer die Sonate nie gespielt und sogar für unspielbar erklärt.[2]

Aufbau[Bearbeiten]

Die ersten Takte des ersten Satzes

Das Stück ist dreisätzig:

  1. Adagio sostenuto – Presto (etwa 12 Minuten Spieldauer)
  2. Andante con variazioni (etwa 16 Minuten Spieldauer)
  3. Presto (etwa 9 Minuten Spieldauer)

Adagio sostenuto – Presto[Bearbeiten]

Die Sonate beginnt mit einer langsamen 18-taktigen Einleitung, wobei nur die ersten vier Solotakte der Violine - mit weiten Akkorden - in A-Dur stehen, ehe das Klavier hinzukommt. Die Harmonien verdunkeln sich und neigen sich dem a-Moll-Bereich zu, die Sonate scheint zu Beginn gleichsam still zu stehen – bis plötzlich ein wütendes a-Moll-Presto anhebt. Charakteristisch sind die kurz angeschlagenen Akkorde beider Instrumente und die rasanten Tremoli und Läufe – nur das leise, sich in ganzen Noten erstreckende 2. Thema in E-Dur, später e-Moll, sorgt für Mäßigung. Die Reprise erfährt einige Änderungen, und zum Ende klingt nochmals das Eröffnungs-Adagio an, bevor der ganze Satz über schnellen Läufen zu Ende geht.

Andante con variazioni[Bearbeiten]

Es folgt ein äußerst kontrastreicher Variationssatz. Eine milde F-Dur-Melodie wird fünfmal sehr facettenreich bearbeitet. In Var. 1 steht das Klavier im Vordergrund: über Triolen wird das durch Triller verzierte Thema gespielt, die Violine gibt vereinzelte (und effektvolle) Tonrepetitionen von sich. Var. 2 hingegen ist die der Violine, die das Thema nun in 32-stel vorträgt. Die Var. 3 lässt die Atmosphäre kurz verdunkeln, denn sie steht in f-Moll. Doch schon die Var. 4 bringt den Hörer zurück zu der leichten, verzierten Stimmung der ersten beiden Variationen, da das Thema nun noch stärker in Figurationen und Triller aufgelöst scheint. Nach einem kurzen Adagio beendet die Var. 5 den Satz zwar mit etwas mehr Dramatik, aber dennoch in unbeschwertem F-Dur.

Presto[Bearbeiten]

Die Ruhe wird jäh unterbrochen durch einen krachenden A-Dur-Akkord, der den virtuosen und überschwänglichen dritten Satz einleitet. Dieser ist eine Tarantella in Rondo-Form und steht im 6/8-Takt. Mehrfach werden Teile im 2/4-Takt eingeschoben, die mit einem etwas ruhigeren Thema in leichtem Gegensatz zum rasenden Rest dieses feurigen Finales stehen. Dieser Satz entstand ursprünglich für die „kleine“ A-Dur-Sonate op. 30 Nr. 1, wurde jedoch von Beethoven in die spätere Sonate übernommen (siehe unten).

Tonart[Bearbeiten]

Die Sonate wird, wenngleich fälschlicherweise, meist als in A-Dur stehend betitelt. Beethoven hat jedoch überhaupt keine Tonart angegeben (siehe Titelblatt oben). Der österreichische Komponist und Musiktheoretiker Gerhard Präsent hat in mehreren Artikeln sowohl dargelegt, dass als Haupttonart dieser Sonate a-Moll anzunehmen ist[3], als auch hochinteressante thematische Beziehungen zur 6.Violinsonate op.30/Nr.1, für welche der 3.Satz ursprünglich gedacht war, entdeckt[4]. So ist er der Meinung, dass die einleitenden Solotakte der Violine eine Art Überleitung von der früheren Sonate (bzw. deren strukturellem Material) zur späteren darstellen, wodurch auch belegt wird, dass die Übernahme des Finales von op.30/1 in die "Kreutzer" kompositorische Absicht war - und nicht einer lange vermuteten Zeitnot entsprang.

Literatur[Bearbeiten]

  • ESTA-Nachrichten (European String Teachers Association) Nr.51, März 2004, S.13ff, Stuttgart
  • "Mitteilungen des Steirischen Tonkünstlerbundes" Nr. 1/2 - Juni 2003, Graz
  • "THE STRAD" Oct.1999, p.1023: „The ´Kreutzer´ was not written in A major“/Gerhard Präsent, London

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Klaus Martin Kopitz und Rainer Cadenbach (Hrsg.), Beethoven aus der Sicht seiner Zeitgenossen, München 2009, Band 1, S. 127
  2. Ebenda, Band 2, S. 1020
  3. http://www.literature.at/viewer.alo?objid=17431&page=1&viewmode=fullscreen/
  4. http://www.literature.at/viewer.alo?objid=17432&page=1&viewmode=fullscreen/

Aufnahmen[Bearbeiten]

Loudspeaker.svg Opus 47, erster Satz (Datei, ?)


Loudspeaker.svg Opus 47, zweiter Satz (Datei, ?)


Loudspeaker.svg Opus 47, dritter Satz (Datei, ?)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Violinsonate Nr. 9 (Beethoven) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]