Visselhövede

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Visselhövede
Visselhövede
Deutschlandkarte, Position der Stadt Visselhövede hervorgehoben
52.98479.578270Koordinaten: 52° 59′ N, 9° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Rotenburg (Wümme)
Höhe: 70 m ü. NHN
Fläche: 158,85 km²
Einwohner: 9919 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 62 Einwohner je km²
Postleitzahl: 27374
Vorwahl: 04262
Kfz-Kennzeichen: ROW, BRV
Gemeindeschlüssel: 03 3 57 051
Webpräsenz: www.visselhoevede.de
Bürgermeisterin: Franka Strehse (SPD)
Lage der Stadt Visselhövede im Landkreis Rotenburg (Wümme)
Bremen Hamburg Schleswig-Holstein Landkreis Cuxhaven Landkreis Diepholz Landkreis Harburg Landkreis Osterholz Landkreis Stade Landkreis Heidekreis Landkreis Verden Ahausen Alfstedt Anderlingen Basdahl Rotenburg (Wümme) Bötersen Bothel Breddorf Bremervörde Brockel Bülstedt Deinstedt Ebersdorf (Niedersachsen) Elsdorf (Niedersachsen) Farven Fintel Gnarrenburg Groß Meckelsen Gyhum Hamersen Hamersen Hassendorf Heeslingen Hellwege Helvesiek Hemsbünde Hemslingen Hepstedt Hipstedt Horstedt (Niedersachsen) Horstedt (Niedersachsen) Kalbe (Niedersachsen) Kirchtimke Kirchwalsede Klein Meckelsen Lauenbrück Sittensen Lengenbostel Oerel Ostereistedt Reeßum Rhade Rotenburg (Wümme) Sandbostel Scheeßel Seedorf (bei Zeven) Selsingen Sittensen Sittensen Sottrum Stemmen (Landkreis Rotenburg) Tarmstedt Tiste Tiste Vahlde Vahlde Vierden Visselhövede Vorwerk (Niedersachsen) Westertimke Westerwalsede Wilstedt Wohnste ZevenKarte
Über dieses Bild

Visselhövede [fɪslˈ̩høːvədə] (niederdeutsch Visselhöövd) ist eine Kleinstadt im Landkreis Rotenburg (Wümme), Niedersachsen, in der Lüneburger Heide.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Visselhövede liegt am Rand der Lüneburger Heide am Fluss Vissel (auch Visselbach) im Zentrum des Städte-Dreiecks Bremen-Hamburg-Hannover. Das Gebiet ist überwiegend durch landwirtschaftliche Flächen geprägt (107,09 km²). 26,44 km² sind Waldfläche und 5,22 km² Hof- oder Gebäudefläche. Der Ort liegt 70 m über NN. Die höchste Erhebung ist der Höllenberg im Ortsteil Drögenbostel mit 93,4 m. Im Kernort entspringt die Vissel und im Ortsteil Hiddingen die Rodau. Auf dem Gebiet der Stadt Visselhövede entspringt auch die Lehrde, ein 22 km langer rechter Zufluss der Aller.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Visselhövede besteht neben dem Kernort aus den 14 umliegenden Ortschaften Bleckwedel, Buchholz, Dreeßel, Drögenbostel, Hiddingen, Jeddingen, Kettenburg, Lüdingen, Nindorf, Ottingen, Rosebruch, Schwitschen, Wehnsen und Wittorf. Die Bevölkerung ist ungefähr zur Hälfte auf den Kernort und zur anderen Hälfte auf die Ortschaften verteilt.

Nachbarstädte[Bearbeiten]

Direkt benachbarte Gebietskörperschaften sind die Gemeinde Kirchlinteln (Landkreis Verden), die Samtgemeinde Bothel, die Gemeinde Neuenkirchen, die Stadt Soltau, die Gemeinde Bomlitz und die Stadt Walsrode (Landkreis Heidekreis).

Bothel, Rotenburg (Wümme)
14 km, 19 km
Tostedt
51 km
Neuenkirchen, Schneverdingen
11 km, 21 km
Verden, Bremen
26 km, 66 km
Nachbargemeinden Soltau
21 km
Nienburg (Weser)
62 km
Walsrode, Hannover
15 km, 77 km
Bad Fallingbostel
17 km

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Visselhövede hat sich um die Quelle des Flüsschens Vissel entwickelt. An dieser Stelle befand sich ein heidnisches Heiligtum. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Ortes fällt auf das Jahr 1258. Eine Urkunde von 1288 belegt die Übertragung der Gografschaft Visselhövede an den Verdener Bischof Konrad.

Im Jahr 1432 wird das Kirchspiel Visselhövede bei Kämpfen stark beschädigt und der Kernort niedergebrannt. Der Verdener Bischof Johann lässt den neu aufgebauten Ort daraufhin mit Wall und Graben leicht befestigen und durch zwei Tore verschließen (1450). Der Ort erhält dadurch den Rang eines Fleckens.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

1567 wird die Reformation eingeführt. Visselhövede wird allerdings 1629 durch das kaiserliche Restitutionsedikt wieder katholisch, um dann 1631 endgültig protestantisch zu werden.

1645 fällt der Ort mit dem Herzogtum Verden an Schweden. 1712 wird Visselhövede dänisch und 1719 schließlich vom hannoverschen Kurfürsten Georg Ludwig wiederum mit dem Herzogtum Verden übernommen. Zwischen 1805 und 1813 gehört Visselhövede durch die Eroberungen Napoleons in der meisten Zeit zu Frankreich. Die Befreiung von der französischen Herrschaft erfolgt am 12. Oktober 1813 durch russisch-preußische Truppen. Danach gehört Visselhövede zum Königreich Hannover. Ab 1866 folgt eine 80-jährige Zugehörigkeit zu Preußen, das 1946 durch die Siegermächte aufgelöst wird.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

1874 erhält Visselhövede durch den Bau der Amerikalinie Eisenbahnanschluss, der 1890 durch eine Strecke über Walsrode nach Hannover (1986 abmontiert) und 1906 durch eine weitere über Brockel nach Rotenburg (Wümme) ergänzt wird (zwischen 1974 und 1982 abmontiert).

1938 erhält Visselhövede den Status einer Stadt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Anlässlich der Gebietsreform wurden am 1. März 1974 die Gemeinden Bleckwedel, Buchholz, Dreeßel, Drögenbostel, Hiddingen, Jeddingen, Kettenburg (vorher im Landkreis Fallingbostel), Lüdingen, Nindorf, Ottingen, Rosebruch, Schwitschen, Wehnsen und Wittorf eingegliedert.[2]

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2011
Wahlbeteiligung: 53,35 %
 %
50
40
30
20
10
0
44,79 %
34,53 %
17,43 %
3,24 %

Franka Strehse (SPD) ist Bürgermeisterin.

Im Stadtrat vertreten ist die CDU mit 12 Sitzen, die SPD mit 9 Sitzen, die Grünen mit 4 Sitzen und die FDP mit 1 Sitz.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Visselhövede zeigt auf silbernem Grund ein schwarzes Nagelspitzkreuz, belegt mit einer goldenen Schüssel, darin das Haupt Johannes des Täufers.

Es wurde 1948 offiziell als Stadtwappen eingeführt. Vorher war aber bereits seit 1581 unter Fürstbischof Eberhard von Holle ein anderes Wappen in Gebrauch gewesen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

St. Johannis in Visselhövede
  • Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die Altstadt mit Marktplatz und Gassen, die Visselquelle und das Rathaus.
  • Die heute in Visselhövede zu betrachtende St.-Johannis-Kirche wurde im Jahr 1358 als gotischer Feldsteinbau errichtet, dem 1799 der Glockenturm zugefügt wurde.
  • Das restaurierte, alte Bürgerhaus in der Burgstraße ist heute der Sitz des Kultur- und Heimatvereins Visselhövede. 2006 wurde das Grundstück durch einen historischen Heidespeicher zum Visselhof ausgebaut.[3]
  • Im Zuge der Stadtsanierung wurde im Jahr 2003 die ehemalige Honig- und Wachswarenfabrik Sonnentau mit dem 27 m hohen Wasserturm teilweise rekonstruiert. Im Wasserturm[4] und dem ehemaligen Kontorgebäude befinden sich Galerien für zeitgenössische Kunst und Ateliers.
  • Wie im Heimathaus besteht seit 2007 auch im ehemaligen Wasserturm eine Außenstelle des Standesamtes. Heiratswillige können dort ihre Eheschließungen durchführen.[5]
  • In Königshof soll sich der Hund aus dem Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ dem Esel angeschlossen haben.[6] Ein Radfernweg, der alle vier Stätten miteinander verbindet, an denen die vier Tiere gelebt haben sollen, und der durch Visselhövede führt, der „Stadtmusikantenweg“, wurde 2008 eingeweiht.[7]

Religion[Bearbeiten]

evangelisch-lutherische Kirche[Bearbeiten]

Die Mehrzahl der konfessionell gebundenen Einwohner gehören zur evangelisch-lutherischen Kirche (St.-Johannis-Kirchengemeinde mit St.-Johannis-Kirche in Visselhövede und Kapelle im Stadtteil Wittorf). Diese bildet seit 1. September 2010 gemeinsam mit der Heilig-Kreuz-Kirchengemeinde in Brockel und der St.-Bartholomäus-Kirchengemeinde Kirchwalsede den Kirchengemeindeverband Visselhövede im Kirchenkreis Rotenburg/Wümme.

römisch-katholische Kirche[Bearbeiten]

Die katholischen Christen sind in einer Kirchengemeinde mit Kirchen in Visselhövede (Herz-Jesu-Kirche), Walsrode, Bad Fallingbostel und Bomlitz-Benefeld organisiert.

Islam[Bearbeiten]

Die Angehörigen des Islam sind überwiegend aus Familien türkischer oder kurdischer, aber auch arabischer, iranischer oder pakistanischer Herkunft und gehören zu Gemeinden in Rotenburg (Wümme), Verden (Aller), Bremen oder Walsrode.

weitere Konfessionen[Bearbeiten]

Daneben besteht noch eine Kirche einer neuapostolischen Gemeinde. In Visselhövede gibt es – wie im übrigen Deutschland auch – einen wachsenden Anteil konfessionell ungebundener Einwohner.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In der Vergangenheit gab es Betriebe in der Zündholzfabrikation, in der Bonbon-Produktion und im Fahrzeugbau. Heute ist der bedeutendste Industriebetrieb im Mineralölgroßhandel tätig.

Visselhövede ist ein Bundeswehrstandort. In der Kaserne Lehnsheide (bis Januar 2005 Mölders-Kaserne genannt) ist das Führungsunterstützungsbataillon 285 stationiert. Im Zuge der Bundeswehrreform (11/2011) soll der Standort 2015 geschlossen werden. Von 1972 bis zum März 1992 wurde in der Nähe (Ortsrand Drögenbostel) ein Control and Reporting Center betrieben. Auf dem Elmhorstberg ist die Luftwaffeneinheit "Abgesetzter Technischer Zug 243" stationiert. Im Jahr 2013/14 wurde die leistungsstarke ortsfeste Radaranlage (MPR) zur militärischen Luftraumüberwachung durch das moderne Radarsystem Ground Master 406 F ersetzt. Außerdem wird in der Nähe (Ortsrand Hiddingen) eine Relaisstation für den militärischen Flugfunk betrieben.

Am Stadtrand von Visselhövede betreibt der NDR den Sender Visselhövede. Visselhövede besitzt Geschäftsstellen der Volksbank Lüneburger Heide eG und der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde.

Soziale Einrichtungen[Bearbeiten]

Visselhövede ist Standort eines großen Pflegeheimes. Im benachbarten Ort Jeddingen, befindet sich die Heimstätte Jeddingen, eine Einrichtung für geistig behinderte Erwachsene. Nächstgelegene Krankenhäuser sind das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, das Heidekreis-Klinikum in Walsrode und die Aller-Weser-Klinik in Verden. Im kassenärztlichen Notdienst ist Visselhövede dem Bezirk Walsrode zugeordnet. Visselhövede ist Standort einer Rettungswache des Landkreises Rotenburg, besetzt durch das Deutsche Rote Kreuz und besitzt einen Ortsverband der Johanniter Unfallhilfe e.V., die ehrenamtliches Rettungspersonal stellen und Fortbildungen anbieten. Der kassenärztliche Notdienst wird von der Bereitschaftsdienstpraxis im Krankenhaus Walsrode aus betreut.

Verkehr[Bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten]

Bahnhof Visselhövede

Visselhövede hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Uelzen–Langwedel (Amerikalinie). Die ehemals zweigleisige, seit 1987 eingleisige Bahnverbindung ist nicht elektrifiziert.

Straße[Bearbeiten]

Visselhövede liegt an der Bundesstraße 440 Rotenburg (Wümme)–Dorfmark, und an der Landesstraße 171 Verden (Aller)-Neuenkirchen. Umgebende Autobahnen sind Richtung Hamburg die A 7 über Bad Fallingbostel-Dorfmark oder die A 1 sowie die A27 Richtung Bremen über Verden bzw. Richtung Hannover über Walsrode.

ÖPNV[Bearbeiten]

Der Stadtverkehr wird im Wesentlichen durch ein Bürgerbussystem getragen. Außerdem betreibt die Weser-Ems Bus GmbH eine eigene Buslinie nach Rotenburg (Wümme).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 245.
  3. Visselhof am Heimathaus
  4. www.kunstimwasserturm.de
  5. Rotenburger Rundschau (vom 14. Mai 2007)
  6. Klaus Merkle: Die Geschichte über die vermutliche Herkunft der Stadtmusikanten
  7. Landkreis Verden: Stadtmusikanten-Weg

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Heinzel: Visselhövede: Chronik einer Stadt. Geiger-Verlag, 1999, ISBN 3-89570-568-3.
  • Fremdenverkehrsverein Visselhövede e. V. (Hrsg.): Aus dem Werdegang und der Geschichte der Stadt Visselhövede. Züclam, 1988, DNB 996099263.
 Commons: Visselhövede – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien