Visuelle Kommunikation

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Als Visuelle Kommunikation (1. von frz. visuel ← über spätlat. visualis, ‚zum Sehen gehörend‘ (zu lat. visus, ‚(das) Sehen‘); 2. lat. communicatio, ‚Mitteilung‘) wird zunächst ganz allgemein die Übermittlung von Information(en) an das menschliche Auge bezeichnet. Sie ist daher eine Form der zwischenmenschlichen Kommunikation und, genauer, als solche Teil der nonverbalen Kommunikation.

Im engeren Sinne – bezogen insbesondere auf Kunst und Alltagskultur – wird der Begriff „Visuelle Kommunikation“ synonym zu „Kommunikationsdesigns“ gebraucht.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Visuelle Kommunikation im engeren Sinn bezogen auf die Kunst ist ein Begriff, der seit dem Ende der Sechzigerjahre zuerst in der Kunstpädagogik für den Bereich der bildenden Kunst, der durch die Einbeziehung der Bildwelten der Popkultur und Alltagskultur, sowie durch die Architektur und insbesondere die Urbanistik und die Bildwelten der Werbung erweitert wurde, Verwendung fand. Heutzutage wird der Begriff visuelle Kommunikation daher oft synonym zum Kommunikationsdesign gebraucht.

Dieser Bereich ist jedoch nur ein Teilbereich der visuellen Kommunikation. Geprägt wurde er ursprünglich von der neomarxistischen Kulturkritik der Frankfurter Schule – Stichwort Bewusstseinsindustrie. Die Verfechter der visuellen Kommunikation lehnten den bürgerlichen Kunstbegriff ab, nach dem die Kunst ihre Legitimation aus sich selbst beziehe und der ihre ökonomischen sowie gesellschaftlichen Bedingungen leugne. Der Warencharakter der Kunst und die Möglichkeiten der Manipulation durch die Massenmedien rückten mit dem neuen Begriff in den Vordergrund. Zwischen den Produkten der etablierten Kunst und denen der sogenannten "Kulturindustrie", d.h. der Massenmedien, wurde in der Ideologiekritik der visuellen Kommunikation nicht qualitativ unterschieden, da beide Bereiche als repressive Instrumente der Legitimation von Herrschaft galten. Als zunächst einzig legitimes und anzustrebendes Ziel der visuellen Kommunikation galt die Umfunktionierung der Bildmedien zur emanzipatorischen Aufklärung.

In der Marketing-Branche wird der Begriff visuelle Kommunikation ebenfalls als Oberbegriff für alle mit dem Auge wahrgenommenen visuell kommunizierten Informationen gebraucht. Wichtigstes Beispiel wären hierfür die Plakate, speziell die Werbeplakate (neben Imagewerbungen). Mit Hilfsinstrumenten beispielsweise: AttentionTracking, Recognition-Verfahren oder Recall-Verfahren versucht das Marketing die Wahrnehmung messbar zu machen.

Studiengänge[Bearbeiten]

Die Studiengänge Visuelle Kommunikation an Universitäten, Kunsthochschulen oder Fachhochschulen umfassen heute meist die Bereiche des Kommunikations- und Grafikdesigns und der Fotografie, teilweise aber auch die Film- und Medienkunst sowie die bildende Kunst. Bislang schlossen diese in der Regel mit den akademischen Graden Diplom-Designer/-in bzw. Dipl.-Designer/-in (FH) oder Diplom für Visuelle Kommunikation ab. Im Zuge der Bologna-Reform werden jedoch an den einschlägigen Hochschulen die akademischen Abschlüsse den "Bachelor-/Master of Arts"-Graduierungen angepasst.

Gebärdensprache[Bearbeiten]

Ein Kind lernt die Gebärdensprache

Visuelle Kommunikation bezeichnet auch die inhaltsunabhängigen Aspekte einer Kommunikation, die auf visuellem Wege erfolgt. Damit ist auch die Kommunikation mittels Gebärdensprache durch gehörlose bzw. stark hörbeeinträchtigte Menschen gemeint. Hierbei werden die Sprachsignale mit den Händen und anderen Körperteilen sowie durch die Ausführung von Bewegungen dargestellt (gebärdet) und visuell aufgenommen. Die Form der so gebildeten Signale muss natürlich ebenso wie bei allen anderen Sprachen oder Kommunikationsformen einem Konsens, einer Konventionalisierung unterliegen, um die richtige Interpretation zu ermöglichen.

Ähnlich wie bei der vokalen Kommunikation lassen sich bei der visuellen Kommunikation neben dem formalen Inhalt auch persönliche Gefühle und veränderte Bedeutungen wie z. B. Ironie etwa durch begleitende Mimik oder besonders »betonte« Ausführung von Gebärden übertragen.

Im Unterschied zu bloßer bildhafter Information erfolgt bei der visuellen Kommunikation auch eine Reaktion mit visuellen Signalen. Dies erfolgt nicht bei informativen Darstellungen beispielsweise von Printwerbung oder des Fernsehens. Diese Darstellungen werden im Sinne der Gebärdensprache daher nicht als »visuelle Kommunikation« betrachtet. Video- oder Fernsehtechnik können jedoch dazu benutzt werden, eine visuelle Kommunikation in Gebärdensprache zu betreiben.

Militär[Bearbeiten]

Visuelle Kommunikation zwischen der USS Lake Champlain der U.S. Navy und der HMS Bayleaf der Royal Navy, 2002

Beim Militär wurden und werden teilweise noch heute Befehle per Handzeichen oder Flaggensignal übermittelt. Vor Erfindung und Einführung des Funkgeräts war dies die einzige Möglichkeit, schnell und unmissverständlich Truppen und Schiffen über längere Strecken Befehle zu erteilen und gegebenenfalls Rückmeldung zu erhalten. Diese Methode hat jedoch zwei entscheidende Nachteile: zum einen muss immer Sichtkontakt zwischen Befehlshaber und -empfänger bestehen; zum Anderen hat jeder die Möglichkeit, diese Zeichen ebenfalls zu lesen und zu entschlüsseln – auch ein Gegner.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann K. Ehmer (Hrsg.): Visuelle Kommunikation: Beiträge zur Kritik der Bewusstseinsindustrie. DuMont Schauberg, Köln 1971.
  • Dietrich Grünewald, Ingelore Sengstmann: Visuelle Kommunikation in der Schule. Zur Didaktik eines neuen Unterrichtsfaches. Pro Schule, Düsseldorf, 1973.
  • Bernhard Claußen (Hrsg.): Politisches Lernen durch Visuelle Kommunikation. Texte zur Grundlegung, Konkretisierung und Kritik. Maier, Ravensburg 1975.
  • Andreas Schelske: Die kulturelle Bedeutung von Bildern. Soziologische und semiotische Überlegungen zur visuellen Kommunikation. Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 1997. (online)
  • Thomas Knieper, Marion G. Müller (Hrsg.): Kommunikation visuell. Das Bild als Forschungsgegenstand – Grundlagen und Perspektiven. Halem, Köln 2001.
  • Thomas Knieper, Marion G. Müller (Hrsg.): Authentizität und Inszenierung von Bilderwelten. Halem, Köln 2003.
  • Oliver Grau: Virtual Art. From Illusion to Immersion. MIT-Press, Cambridge 2003.
  • Thomas Knieper, Marion G. Müller (Hrsg.): Visuelle Wahlkampfkommunikation. Halem, Köln 2004.
  • Thomas Knieper, Marion G. Müller (Hrsg.): War Visions: Bildkommunikation und Krieg. Halem, Köln 2005.
  • Berzler, Alexander (2009): Visuelle Unternehmenskommunikation. Beiträge zur Medien- und Kommunikationsgesellschaft. Studienverlag, Innsbruck, 2009 (ISBN 978-3-7065-4773-4)
  • Thomas Petersen, Clemens Schwender (Hrsg.): Visuelle Stereotype. Halem, Köln 2009.
  • Dieter Herbst: Bilder, die ins Herz treffen. Pressefotos gestalten, PR-Bilder auswählen. Falkenberg Verlag, Bremen 2012. (online)

Weblinks[Bearbeiten]