Vita Cola

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vita Cola-Logo

Vita Cola ist eine deutsche Cola-Marke, die 1958 warenzeichenrechtlich geschützt wurde. Die Cola wurde vor der Wende von vielen verschiedenen Getränkebetrieben der DDR abgefüllt und in den Handel gebracht. Seit 1994 ist Vita Cola wieder im Handel und damit auch in den alten Bundesländern erhältlich.

Historische Entwicklung[Bearbeiten]

Die Regierung der DDR forderte im zweiten Fünfjahresplan die Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit alkoholfreien Getränken. Daraufhin beauftragte das Ministerium für Lebensmittelindustrie die Chemische Fabrik Miltitz mit der Entwicklung eines Cola-Getränkes, welches der Coca-Cola aus Nordamerika entsprechen sollte.

Als Vater der Vita-Cola-Rezeptur gilt Hans Zinn, Abteilungsleiter Essenzen, der Chemischen Fabrik Miltitz. Er kreierte den noch bis heute unveränderten Geschmack des Getränkes durch die Kombination einer Vielzahl ätherischer Öle wie beispielsweise Zitrusöl, Vanille, Kolanüssen, Koffein und Vitamin C.

Im Oktober 1958 wurden die ersten Kilogramm des Grundstoffes an die Landesbrauerei Leipzig (später VEB Sachsenbräu) ausgeliefert. Das Warenzeichen für das Endprodukt meldete die Brauerei im November 1958 beim Amt für Erfindungs- und Patentwesen der DDR an.

Vita-Cola-Etikett der Feldschloss-Brauerei Lübben, um 1965

Das Getränk wurde bereits im ersten Produktionsjahr 1958 sehr gut von der Bevölkerung aufgenommen, was zu einer Verzehnfachung des Bedarfs der ursprünglich geplanten 180 Kilogramm Ascorbinsäure für die Produktion des Grundstoffs führte, der von der pharmazeutischen Industrie nur durch eine Bereitstellung zusätzlicher 350 kg pro Quartal gedeckt werden konnte. Die Cola durfte zunächst nur von wenigen Brauereien in der Republik produziert werden, beginnend mit Lauchhammer, Wernigerode, dem Urlaubergebiet um Binz (Rügen), Apolda, Sangerhausen, Dresden und Muskau.[1]

Um der großen Nachfrage der Verbraucher Herr zu werden, genehmigte die Landes-Brauerei bald auch anderen Volkseigenen Betrieben die Verwendung des Namens Vita-Cola für den Grundstoff und für den daraus hergestellten Limonadensirup. 1959 erfolgte die allgemeine Freigabe, was den Bedarf an Rohstoffen weiter in die Höhe schnellen ließ, so dass die Sicherstellung der Grundstoffproduktion in der Folgezeit von den Chemischen Werken Miltitz selbst organisiert wurde.

Bereits im Jahr 1960 erhielten 106 Betriebe die Produktionserlaubnis. Da jede DDR-Brauerei die Cola mit anderen Etiketts vermarktete, war das Erscheinungsbild am Markt allerdings sehr unterschiedlich. Der Inhalt blieb jedoch immer gleich.

Nachdem die Produktion mit der Wende eingestellt oder diffus von kleinen Brauereien unter wechselnden Namen weitergeführt wurde, übernahm 1994 die zum Brau & Brunnen-Konzern gehörende Thüringer Waldquell Mineralbrunnen GmbH die Marke. Zum 1. August 2005 verkaufte Brau & Brunnen aus strategischen Gründen dieses und weitere Unternehmen und damit die Marken Vita-Cola, Margon und Glashäger an die hessische Hassia Mineralquellen aus Bad Vilbel. Diese übernahm auch die Produktionsstätte von Thüringer Waldquell in Schmalkalden und führt die Marke Vita-Cola weiter.

Rezeptur und Geschmack[Bearbeiten]

Erst 1967, fast zehn Jahre nach der Markteinführung von Vita-Cola, kam mit der Club-Cola die zweite große DDR-Cola auf den Markt, die einen betont weichen und aromatischen Geschmack erhielt, der sich an dem westlicher Colamarken orientierte, jedoch eigenständig war.

Die herbe Geschmacksrichtung der Vita-Cola blieb in Ostdeutschland sehr beliebt. Vita Cola wird heute noch nach dem in der Chemischen Fabrik Miltitz entwickelten Originalrezept hergestellt. Die ursprünglich naturidentischen Aromastoffe wurden lediglich durch natürliche Aromen ersetzt. Den Grundstoff für die Colaproduktion bezieht man noch heute aus Miltitz.[2] Die Cola unterscheidet sich aber auch heute noch recht deutlich von anderen Colasorten, da Vita-Cola Zitronensäure und natürliche Zitrusöle enthält, die sich von künstlichen Zitronenaromen unterscheiden.

Die im Juli 2010 erhältlichen Sorten Schwarz, Original Zuckerfrei, Original, Vita Limo Orange, Vita Limo Zitrone sowie Vita Cola Mix (v.l.n.r.)

Im April 2007 wurde eine zuckerfreie Light-Variante sowie eine – 2011 in Vita Cola Pur umbenannte – Variante Vita Cola Schwarz auf den Markt gebracht, die keine Zitrusöle und auch keine zusätzliche Zitronensäure mehr enthält und sich damit auch zum Mischen von Cocktails mit nicht-zitronigen Alkoholika wie etwa für Cuba Libre eignet.

Nachdem Vita Cola Schwarz ihren Marktanteil 2008 mehr als verdoppeln konnte und auch Vita Cola Original Zuckerfrei seit Markteinführung ein überproportionales Wachstum von 75 % verzeichnen konnte,[3] erweiterte man die Produktpalette am 1. Januar 2009 um Vita Cola Schwarz Zuckerfrei, die aber nach kurzer Zeit wegen zu geringer Nachfrage wieder aus dem Sortiment genommen wurde.

Im November 2009 kam mit Vita Cola Mix eine fünfte Sorte auf den Markt, bei der es sich um eine Mischung aus Vita Cola Schwarz und Orangenlimonade (vergleichbar mit Konkurrenzprodukten wie Mezzo Mix, Schwip Schwap oder Spezi) handelt.

Nach einem Absatzrekord im Jahr 2009 wurde die Produktpalette im April 2010 nochmals erweitert: Mit Vita Limo Orange und Vita Limo Zitrone bot Vita Cola zum ersten Mal in seiner 50-jährigen Markengeschichte nun auch Limonadengetränke (mit einem außerdem vergleichsweise hohen Fruchtsaftanteil) an. So enthält Vita Limo Orange 5 % Orangensaft und Vita Limo Zitrone 3 % Zitronensaft, womit letztere die erste klare Zitronenlimo mit Fruchtsaft auf dem ostdeutschen Markt wurde (während andere Zitronenlimonaden meist lediglich natürliches Zitronenaroma enthalten).[4]

Diese Erweiterung der Produktpalette wurde in den Folgejahren konsequent fortgesetzt: Im Januar 2012 erschien Vita Exotic (Mandarinen + Mango) auf dem Markt, gefolgt von Vita Caribic (Orangen + Guave) im Mai 2013 und zuletzt Vita Brazil (Grapefruit + Limette + Orange + Zitrone) im Mai 2014. [5]

Marktanteile heute[Bearbeiten]

In Ostdeutschland hält die Marke nach wie vor Platz 2 hinter Coca-Cola und vor Pepsi, übertroffen allenfalls durch die Eigenmarken des Handels, der im Fall einiger Discountkaufhallen keine Vita Cola im Sortiment führt. In Thüringen ist Vita Cola sogar Marktführer bei den Colamarken, noch weit vor Coca-Cola,[6] und das Bundesland damit eine der wenigen Regionen weltweit, in der eine heimische Cola-Marke Marktführer ist.[7]

Diese hohen Marktanteile traten namentlich im Gefolge einer intensiven Werbekampagne sowie der Einführung eines sich an traditionellen Vita-Cola-Gebinden orientierenden Designs von Kasten und Flasche ein, und so werden die Vita-Cola-Produkte auch weiter in Individualgebinden ausgeliefert.

In Westdeutschland dagegen wird die vollständige Produktpalette nur im Liefergebiet der Mineralwasserprodukte von Thüringer Waldquell vermarktet. Auf Bestellung werden die 1-Liter-Getränkekästen allerdings auch in das verbleibende Bundesgebiet geliefert und dort von einigen Getränkehändlern und Märkten mit größerer Getränke-Abteilung geführt.

Die Rezeptur wurde dreimal an andere Lebensmittel-Hersteller lizenziert, um Lebensmittel mit der Geschmacksrichtung Vita Cola zu produzieren. Im Jahr 2002 produzierte Katjes Fruchtgummis mit Vita-Cola-Geschmack, die sich allerdings als Flop erwiesen und nach einigen Monaten wieder vom Markt genommen worden sind. In den Jahren 2003 und 2004 produzierte die mittlerweile insolvente Rhöngold-Molkerei eine Götterspeise mit dem Namen Vita Cola Fresh ’n Cool. Im Jahr 2011 wurde durch die R&R GmbH ein Vita Cola Eis produziert[8], welches in vielen Supermärkten mit Vita-Cola-Sortiment verkauft wurde.

Produktionsstandorte[Bearbeiten]

Der Limonadengrundstoff wurde in der DDR zentral in den Chemischen Werken Miltitz hergestellt und landesweit an Brauereien und Getränkekombinate aller Bezirke ausgeliefert, darunter nach Altenburg, Arnstadt, Bad Köstritz, Bad Muskau, Berlin, Eisenach, Forst/L., Gera, Greifswald, Greiz, Kirchremda, Chemnitz, Leipzig, Lobenstein, Neudietendorf, Neunspringe (Worbis), Nordhausen, Olbernhau, Potsdam, Reichenbach (Vogtland), Saalfeld, Schmalkalden, Torgau, Watzdorf, Weimar, Zittau und Zwickau.

Heute wird Vita Cola in Schmalkalden, Bad Doberan sowie in Lichtenau aus Mineralwasser hergestellt.

Design heute und damals[Bearbeiten]

Vita Cola, Packungsvariante im Retro-Design der klassischen DDR-Pfandflasche

Das Design der PET-Flasche ist an die Form der bekannten DDR-Pfandflasche aus Glas angelehnt (Retro-Look), in der damals alle Limonaden und Brausen vertrieben wurden, hat jedoch ein größeres Fassungsvolumen von einem Liter sowie einen in das Material eingeprägten Schriftzug der Marke. Die klassische rot-grüne Farbgebung des Etiketts sowie der Schriftzug wurde beibehalten. Vita Cola wird auch weiterhin in Pfandglasflaschen (Deutscher Brunnen) vertrieben. Während anfangs nur für die Literflasche ein eigenes Flaschendesign verwendet wurde, wurden Füllmengen von 0,5 l und 1,5 l in Standardflaschen abgefüllt. Seit Anfang des Jahres 2008 werden auch für diese Größen Flaschen in einem eigenen Design produziert und jeweils in Ein- und Mehrwegflaschen vermarktet. Die Mehrweg-Varianten in diesen Größen sind seither ebenfalls im Kasten zu haben. Für den Gastronomie-Bereich werden 0,2 l-Glasflaschen in einem gänzlich anderen Design verwendet.

Belegangaben[Bearbeiten]

  1. Fabian Tweder, Tobias Stregel, Rudolf Kurz: Vita-Cola & Timms Saurer. Getränkesaison in der DDR. Elefanten Press, Berlin 1999, ISBN 3-88520-733-8
  2. Bell Flavours & Fragrances Duft und Aroma GmbH, Miltitz
  3. Zweimal Zuckerfrei - Nach erfolgreichem Jubiläumsjahr jetzt auch Vita Cola Schwarz als Light-Variante. Pressemitteilung von Vita Cola, 5. Februar 2009
  4. Vita ein erfrischender Zuwachs. Pressemitteilung, 12. April 2010
  5. Vita-Cola-Pressemitteilungen, zuletzt abgerufen 26. Mai 2014.
  6. Absatzrekorde bei VITA COLA und VITA Limonaden, zuletzt abgerufen 26. Mai 2014.
  7. Vita Cola Geschichte, zuletzt abgerufen 26. Mai 2014.
  8. Vita Cola Eis: Die erste Marken-Cola am Stiel, zuletzt abgerufen 26. Mai 2014.

Literatur[Bearbeiten]

  • Vita Cola - Volkscola wird zum Verfolger von Coca-Cola im Osten. In: Arnd Zschiesche, Oliver Errichiello: Erfolgsgeheimnis Ost. Survival-Strategien der besten Marken - Und was Manager daraus lernen können. Gabler Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8349-1615-0, S. 171–176

Weblinks[Bearbeiten]