Vital Kamerhe

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Vital Kamerhe im Dezember 2010

Vital Kamerhe (* 4. März 1959 in Bukavu, Belgisch-Kongo) ist ein kongolesischer Politiker, der von 2007 bis 2009 Präsident der Nationalversammlung der Demokratischen Republik Kongo war und schon zuvor verschiedene politische Ämter des Landes ausübte.

Leben[Bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Am 4. März 1959 wurde Vital Kamerhe Lwa Kanyiginyi Nkingi[1][2] in der Stadt Bukavu im Distrikt Sud-Kivu geboren, welcher zum damaligen Belgisch-Kongo gehörte. Seine Eltern heißen Constantine Kamerhe Kanyginyi und Alphonsine Mwa Nkingi. Er besuchte Grundschulen in Bukavu, Goma und Gandajika, einem Ort im Distrikt Kasai-Oriental. Zwischen 1975 und 1977 besuchte er ein Institut in der Stadt Kikwit in der Provinz Bandundu. Dann zog er nach Kananga (Kasai-Occidental) und ein Jahr später nach Mbuji-Mayi wo er 1980 ein staatliches Abschlussexamen erhielt. Er lernte alle vier Nationalsprachen der Demokratischen Republik Kongo: Kikongo, Lingala, Kiswahili and Tshiluba. außerdem spricht Kamerhe Französisch.[2]

Danach studierte Kamerhe an der Universität Kinshasa, wo er 1987 ein Diplom der Wirtschaftswissenschaften mit Auszeichnung erhielt.[3] In Kinshasa arbeitete er danach als Lehrerassistent.[4]

Politische Karriere[Bearbeiten]

Seine politische Karriere startete Kamerhe im Jahr 1984 bei der Partei UDPS (Union pour la Démocratie et le Progrès Social). In der Endzeit der Diktatur Mobutu Sese Sekos schloss er sich der RSF (Rassemblement des forces Sociales et Federalistes) an und wurde Präsident des JUSORAL (Jeunesse de l'Union Sacrée de l'opposition Radicale et Alliés) (JUSORAL), einem oppositionellen politischen Jugendbündnis. 1993 wurde er Direktor des Umweltministeriums und 1994 Koordinator des Premierministers. Zwischen 1994 und 1995: war er Direktor des Bildungsministeriums.[5]

Unter Laurent Kabila wurde Kamerhe der Stabschef von Etienne-Richard Mbaya, dem Minister für Wiederaufbau und zwischen 1997 und 1998 Direktor des Service National, einem quasi-militärischen Service von Laurent Kabila. Dann war er Finanzberater des Verteidigungsministeriums und schließlich stellvertretender Kommissar für Angelegenheiten des UN-Einsatzes MONUC.[5]

Als Gründungsmitglied der Volkspartei für Wiederaufbau und Demokratie (PPRD) im Jahr 2002 wurde Vital Kamerhe eine der führenden Persönlichkeiten des Friedensprozesses in der Demokratischen Republik Kongo. Er war Generalkommissar der Regierung und verantwortlich für die Überwachung des Friedensprozesses in der Great Lakes Region. Er gilt als einer der wichtigsten Unterhändler des Friedensabkommens von 2002.[6] Im Jahr 2003 wurde er zum Minister für Presse und Information in der Übergangsregierung.

Im Juni 2004 wurde er zum Generalsekretär der PPRD designiert. Er hielt diese Funktion bis zum 14. September 2007. Bei der Präsidentschaftswahl 2006 unterstützte Kamerhe die Wahlkampagne des heutigen Staatspräsidententen Joseph Kabila und galt als der Drahtzieher im Hintergrund. Im Dezember 2007 wurde er zum Präsident der Nationalversammlung gewählt.[3] Am 25. März 2009 musste er jedoch aufgrund massiven Druck Kabilas, von diesem Amt zurücktreten, nachdem er sich in einem Radiointerview der Regierung gegenüber kritisch geäußert hatte.[7] Danach hielt er sich vor allem in Kanada auf, bis er schließlich am 14. Dezember 2010 bekanntgab, aus der PPRD auszutreten und die UNC (Union pour la nation congolaise) als neue Oppositionspartei zu gründen. Mit der UNC möchte er bei der Wahl 2011 als Gegenkandidat zu Kabila antreten.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "CSIS - The Road to Presidential Elections in the Democratic Republic of the Congo - Feb 2, 2011" "Der relevante Part beginnt ab 00:56:26"
  2. a b " Élogieux cursus de Vital Kamerhe, président l’Assemblée nationale ", January 10 2007, copy on CongoForum.be
  3. a b Konrad-Adenauer-Stiftung: Muss Parlamentspräsident Vital Kamerhe unbedingt zurücktreten? aufgerufen am 17. Juli 2011
  4. "Radio Okapi (2006)"
  5. a b "Fresh air in Congolese politics"
  6. "CNN - DR Congo peace deal signed - December 17, 2002" aufgerufen am 17. Juli 2011
  7. Hanns-Seidel-Stiftung: Quartalsbericht DR Kongo Januar bis März 2009 aufgerufen am 17. Juli 2011
  8. Hanns-Seidel-Stiftung: DR Kongo Oktober bis Dezember 2011 (PDF; 99 kB) aufgerufen am 17. Juli 2011