Vitamin K

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Strukturformel der wichtigsten K-Vitamine:
Vitamin K1 = Phyllochinon.
Vitamin K2 = Menachinon-n.
Vitamin K3 = Menadion

K-Vitamine (K für Koagulation) gehören neben den Vitaminen A, D und E zu den fettlöslichen Vitaminen. Sie sind ein Kofaktor von Reaktionen der γ-Glutamylcarboxylase. Über diesen Mechanismus werden mehrere Gerinnungsfaktoren und gerinnungshemmende Faktoren aktiviert und reguliert.

Ferner spielen K-Vitamine für die Aktivierung von Osteocalcin (ein Knochenprotein), Calbindin und der Liganden für einige Rezeptor-Tyrosinkinasen wie zum Beispiel das Growth-arrest-specific gene-6 eine wichtige Rolle für das Zellwachstum.

In Pflanzen ist Vitamin K1 für die Photosynthese unverzichtbar.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Existenz eines „Vitamins K“ wurde durch den dänischen Forscher Carl Peter Henrik Dam postuliert, nachdem ihm 1929 bei Untersuchungen zur Cholesterinsynthese von Küken aufgefallen war, dass es bei diesen durch die dabei verabreichte besondere, cholesterinfreie Diät nach mehr als zwei bis drei Wochen zu Blutungen unter der Haut sowie in Muskeln und anderen Organen kam. Dass diese Erscheinungen durch einen Mangel an Vitamin A, D, B1, B2 oder C, Fetten oder Cholesterin selbst entstünden, konnte er mit seinen Arbeiten ausschließen.[1]

1931 berichteten kanadische Forscher (McFarlane u. a.) am Ontario Agricultural College anlässlich von Untersuchungen zum Vitamin-A und -D-Bedarf von Hühnern über Blutungen und eine verzögerte Blutgerinnung, als sie diese an den Flügeln markierten, gingen dieser Beobachtung jedoch nicht weiter nach.

1933 fanden zwei US-amerikanische Forscher (Holst und Halbrook) an der University of California heraus, dass diese Blutungsneigung bei Küken durch Verfüttern von frischem Kohl verhindert werden konnte, führten dies aber fälschlicherweise auf einen Mangel an Vitamin C zurück.

Nachdem bald darauf auch reines Vitamin C zur Verfügung stand, verabreichte Dam den Hühnern dieses parenteral, um noch auszuschließen, dass eine beeinträchtigte Resorption aus dem Verdauungstrakt (als Folge einer durch die Diät gestörten Darmfunktion) für die Blutungen verantwortlich gemacht werden könne. Und nachdem die Verfütterung von Weizenkeimöl keinen Schutz bot, andererseits die Verabreichung von Getreidekörnern und Samen die Gerinnungsstörung verhinderte, fühlte er sich 1934 berechtigt, den Mangel einer bestimmten, wenn auch noch unbekannten Substanz in der Nahrung für die beobachteten Probleme verantwortlich zu machen.

Weitere Fütterungsversuche folgten und 1935 wurde diese Substanzgruppe schließlich als ein essentielles Vitamin mit lipophilen Eigenschaften erkannt. Der Buchstabe K wurde ursprünglich der Einfachheit halber gewählt, weil das Fehlen dieser Substanz eine ausreichende "Ko"-agulationfähigkeit (Gerinnung) des Blutes behinderte.[2] Die chemische Struktur von Vitamin K wurde kurze Zeit später von Almquist und Stokstad an der University of California in Berkeley aufgeklärt.

1943 erhielten Henrik Dam für die Entdeckung sowie Edward Adelbert Doisy für die Strukturaufklärung dieser Vitamingruppe gemeinsam den Nobelpreis für Medizin.[3]

Vertreter[Bearbeiten]

Alle Substanzen mit Vitamin-K-Wirksamkeit leiten sich chemisch vom natürlich nicht vorkommenden 2-Methyl-1,4-Naphthochinon (Menadion) ab. Voraussetzungen für die Vitamin-K-Aktivität sind neben dem unsubstituierten, aromatischen Ring die Methylgruppe; die lipophile Seitenkette (welche je nach K-Vitamin unterschiedlich lang sein kann) bestimmt die Fettlöslichkeit und andere Eigenschaften.[4] Optimal sind natürliche Terpenketten mit 20 Kohlenstoffatomen. Seitenketten unter 8 Kohlenstoffatomen führen außer bei Menadion zur Inaktivität. Es sind bis zu 100 Verbindungen mit Vitamin-K-Wirksamkeit bekannt.

Von praktischer Bedeutung im (menschlichen) Stoffwechsel sind nur das Vitamin K1 und K2. Andere 1,4-Naphthochinone haben wegen nachteiliger, z. T. toxischer Effekte keine praktische Bedeutung.

Resorption und Stoffwechsel[Bearbeiten]

Aufgrund der Hitzestabilität der Vitamin K-Gruppe treten beim Zubereiten, insbesondere beim Garen nur wenig Vitaminverluste auf. Vitamin K ist gleichzeitig auch gegenüber Sauerstoff stabil. Unter Einstrahlung von Licht wird Vitamin K inaktiv und verliert schnell seine Bioverfügbarkeit.

Das mit der Nahrung aufgenommene fettlösliche Vitamin K wird unter Mitwirkung von Gallensäure und Pankreaslipase als Emulgatoren durch aktiven Transport in die Mukosazellen des oberen Dünndarms (Jejunum) zu 20–70 % aufgenommen. Vitamin K2 gelangt dagegen durch Diffusion in das Darmgewebe.[4] Von den Mukosazellen des Jejunums gelangt Vitamin K, an Chylomikronen und andere Lipoproteine gebunden, über die Lymphe in den Ductus thoracicus, von dort in das Blut und über das Blut schließlich in die Gewebe, in denen es verwendet wird (z. B. Leber). Hier kann eine Speicherung bis zu 14 Tagen erfolgen. Im Nabelschnurblut findet sich kein Vitamin K, es wird kaum diaplazentar übertragen. Der fetale Vitamin-K-Vorrat in der Leber beträgt ein Fünftel dessen eines älteren Kindes oder eines Erwachsenen.

Umwandlungsformen des Vitamin K bei der γ-Carboxylierung der Vorstufen der Gerinnungsfaktoren

Im endoplasmatischen Retikulum wird das Vitamin-K-Chinon zu seiner biologisch aktiven Form, dem Vitamin-K-Hydrochinon (auch: Vitamin KH2) hydroxyliert (reduziert). Bei der γ-Carboxylierungsreaktion wirkt das aktivierte Vitamin KH2 als Kofaktor der γ-Glutamylcarboxylase und wird zu einem Vitamin-K-2,3-Epoxid umgewandelt, während die Glutaminsäure des Proteins mittels CO2 und Energie aus ATP zur γ-Carboxy-Glutaminsäure carboxyliert wird.

Das Epoxid des Vitamin K wird anschließend mittels Vitamin-K-Epoxid-Reduktase (kurz: VKOR) zum Chinon des Vitamin K zurück verwandelt und der Zyklus kann von Neuem beginnen.

Die biologische Aktivität von Vitamin K ist also auf seine Fähigkeit zurückzuführen, zwischen seinen oxidierten (Chinon) und reduzierten (Hydrochinon) Formen im Vitamin K-Zyklus zu wechseln. Die Epoxidreduktase und die Vitamin-K-Reduktase können durch die gerinnungshemmenden Medikamente Dicoumarol, Marcumar und Warfarin inhibiert werden.

Die K-Vitamine werden zu 50 % glucuronidiert via Galle über den Stuhl und zu 20 % in wasserlöslicher Form via Nieren über den Urin wieder ausgeschieden.[4]

Das Allel des Apolipoproteins E2 scheint ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Vitamin K Mangels zu sein.[6]

Funktionen beim Menschen[Bearbeiten]

Die wesentliche Bedeutung von Vitamin K liegt in seinem Beitrag zur posttranslationalen Einführung einer Carboxygruppe in die γ-Position von Glutamylresten bestimmter Proteine, wodurch diese aktiviert werden. Bisher sind vierzehn Proteine bekannt, die über eine γ-Carboxy-Glutaminsäure verfügen und für deren Synthese daher Vitamin K notwendig ist. Davon sind sechs Proteine mit dem Blut-Gerinnungssystem verbunden.

Für Vitamin K2 ist inzwischen eine essenzielle Funktion als Elektronentransporter in den Mitochondrien nachgewiesen.[7]

Blutgerinnung[Bearbeiten]

Vitamin K ist daran beteiligt, die Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X in ihre gerinnungswirksamen Formen zu überführen. Diese können dann durch ihre Carboxyglutamatreste in Gegenwart von Calciumionen an Phospholipidmembranen gebunden werden. Darin liegt ihre biochemische Aktivität im Gerinnungsystem, in dem sie wesentliche Funktionen beim Ablauf der plasmatischen Gerinnung haben.

Die gerinnungshemmenden Proteine Protein C und Protein S werden ebenfalls als Vorstufen in der Leber synthetisiert und ebenfalls unter Mitwirkung von Vitamin K carboxyliert. Damit hat Vitamin K eine wesentliche Funktion in der Regulierung der Blutgerinnung.[4] Hohe Dosierungen von Vitamin K (bis 40 mg tgl.) gehen nicht mit pathologisch veränderten Gerinnungswerten (z. B. einer verstärkten Blutgerinnung und Thromboseneigung) einher, da die erhöhte Gerinnungsneigung und Fibrinolyse im Gleichgewicht bleiben.[5]

Gerinnungshemmende Arzneistoffe der Cumarin-Gruppe wie Phenprocoumon oder Warfarin können durch vergleichsweise kleine Mengen Vitamin K (1 mg) in ihrer Wirkung aufgehoben werden; sind sie im Einsatz, darf kein Vitamin K zusätzlich zur normalen Nahrung gegeben werden.

Knochenstoffwechsel[Bearbeiten]

Vitamin K ist ein Kofaktor der γ-Glutamylcarboxylase, welche in verschiedenen Proteinen posttranslational Glutaminsäurereste (Glu) zu γ-Carboxyglutaminsäureresten (Gla) carboxyliert. Zu diesen Proteinen gehört Osteocalcin, welches in carboxylierter Form Hydroxylapatit binden kann und daher an der Knochenmineralisation beteiligt ist. Um eine vollständige Carboxylierung des Osteocalcins zu erreichen, sind höhere Spiegel des Vitamin K notwendig als zur vollständigen Aktivierung des Gerinnungssystems. Ein erhöhter Spiegel nicht vollständig carboxylierten Osteocalcins geht mit einer geringeren Knochendichte und einer erhöhten Knochenbruchgefahr bei älteren Frauen einher.[5] Eine Studie mit über 72.000 Probanden (The Nurses’ Health Study, Harvard Medical School, Feskanich u. a., In: Am J Clin Nutr. 1999 Jan;69(1), S. 74–79) hat gezeigt, dass Vitamin K1 einen wesentlichen Einfluss auf das Osteoporoserisiko hat: Die Studie belegt, dass Frauen, die relativ viel Vitamin K1 zu sich nahmen, deutlich weniger Knochenbrüche (verursacht durch Osteoporose) bekamen. Das Risiko war um ca. 30 % reduziert - im Vergleich zu der Gruppe mit den geringsten Vitamin K1-Werten. Interessanterweise zeigte sich, dass Probanden mit hohen Vitamin D-Werten sogar ein erhöhtes Osteoporoserisiko aufwiesen, wenn sie einen Vitamin K-Mangel aufwiesen. Aufgrund dieser und anderer Studien hat zwar die „Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)“ ein positives Gutachten erstellt (EFSA Journal 2009; 7 (9): 1228. Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to vitamin K and maintenance of bone.: Hier wird die positive Wirkung von Vitamin K hinsichtlich des Erhalts der Gesundheit von Knochen bestätigt. Jedoch findet sich in keiner Leitlinie zur Osteoporose-Behandlung die Empfehlung, Vitamin K einzunehmen.

Vitamin K hemmt darüber hinaus die Osteoklastenaktivität: Der 1,25(OH)2D3-VDR-Komplex in den Osteoblasten erhöht die Bildung von RANKL und fördert damit (isoliert im Osteoblasten betrachtet und vor allem unter Bedingungen deutlicher Vitamin-D-Überdosierungen) den Knochenabbau.[8] Unter Bedingungen des (häufiger vorliegenden) Vitamin-D-Mangels ist diese Wirkung nicht relevant, da 1,25(OH)2D3 ebenfalls das Parathormon unterdrückt und für eine gute Versorgung des Körpers mit Calcium und Phosphat sorgt, also auf diesen Wegen indirekt knochenstärkend wirkt. Diese knochenabbauende Wirkung des 1,25(OH)2D3-VDR-Komplexes kann durch Vitamin K2 unterdrückt werden,[5] so dass eine Osteoporose-Therapie mit Vitamin D durch Vitamin K2 unterstützt werden kann.

Vitamin K2 hemmt dosisabhängig die Cyclooxygenase-2, und darüber die Synthese von PGE2 (welche von 1,25(OH)2VitD3 induziert wird) und welches die Knochenresorption steigert.[5]

In Tierversuchen mit Ratten konnte gezeigt werden, dass hohe Dosen (um die 30 mg/kg tgl.) von Vitamin K2 den Knochenabbau hemmten, der durch Verhältnisse wie bei Inaktivitätsosteoporose, Prednisolongabe, Überexpression von G-CSF oder Knochenverlust durch Phenytoin hervorgerufen war.[5]

Vitamin K1 und Vitamin K2 wurden in verschiedenen klinischen Studien auf seine Wirksamkeit in der Osteoporoseprophylaxe und -therapie getestet: Bei Frauen nach der Menopause wirken 45 µg Vitamin K2 (45 µg tgl.) signifikant gegen Osteoporose, diese Wirkung kann durch 1α-(OH)VitD3 Gaben noch synergistisch gesteigert werden. Ebenfalls mit Biphosphonaten scheint Vitamin K2 einen synergistischen Effekt zu haben. Auch eine Osteoporose als Nebenwirkung einer Prednisolontherapie, bei biliärer Leberzirrhose, bei Inaktivität von Schlaganfallspatienten und bei Raumfahrern in der Schwerelosigkeit lässt sich durch Vitamin K2 verhindern. Besonders gefährdet sind Parkinson-Patienten, pathologische Hüftfrakturen bei Osteoporose zu erleiden. Auch in dieser Patientengruppe ist 45 µg Vitamin K2 eine wirksame Prophylaxe..[5]

Zellwachstumsregulierung[Bearbeiten]

Es existiert eine Reihe von Vitamin-K-abhängigen Rezeptor-Ligand-Systemen, die am Zellmetabolismus, dem Zellüberleben, ihren Transformationen und ihren Replikationen beteiligt sind. Hierzu gehören das Gas6, ein Vitamin-K-abhängiges Protein, welches als Ligand an verschiedene Rezeptor-Tyrosinkinasen bindet und diese aktiviert. Hierüber ist Vitamin K mit der Zellwachstumsregulation und der Entstehung von Tumoren verbunden.

In vitro und in vivo wurden mit Vitamin K3, Vitamin K1 und Vitamin K2 Versuche zu verschiedenen Tumoren und bei verschiedenen Krebserkrankungen gemacht, die häufig vielversprechende Ergebnisse zeigten, während die relevanten Wirkmechanismen noch Gegenstand verschiedener Forschungen sind..[9]

Andererseits hatten zwei epidemiologische Studien Anfang der 90er Jahre eine erhöhte Krebsrate bei Kindern gezeigt, die als Neugeborene Vitamin K zur Prophylaxe einer Vitamin-K-Mangelblutung intramuskulär erhalten hatten. Diese Ergebnisse konnten zwar nicht bestätigt werden, führten aber doch in vielen Ländern zu einer vorzugsweise vorgenommenen oralen Vitamin-K-Prophylaxe bei gesunden Neugeborenen.[10]

Gefäßverkalkung[Bearbeiten]

Es wird vermutet, dass auch der Prozess der Gefäßverkalkung durch Proteine mit γ-carboxylierten Glutaminsäureresten („Gla-Proteine“) gesteuert ist. Verkalkungen großer Arterien kommen vor allem bei älteren Menschen mit Osteoporose vor, die einen wenig gesättigten Vitamin-K-Status haben. Es wird daher spekuliert, dass Vitamin K vor „Arterienverkalkung“ schützt.[11]

Vitamin K2 ist wichtig für ein gesundes Herz-Kreislauf-System: Die Rotterdam-Herz-Studie zeigte, dass Menschen, die sich über einen zehnjährigen Beobachtungszeitraum von Nahrungsmitteln mit hohem Anteil an natürlichem Vitamin K2 (mindestens 32 µg täglich) ernährten, deutlich weniger Calciumablagerungen in den Arterien und eine weit bessere Herz-Kreislauf-Gesundheit aufwiesen als andere. Das Ergebnis der Studie ist, dass Vitamin K2 das Risiko, eine Gefäßverkalkung zu entwickeln oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um 50 % reduziert.[12] Eine weitere Studie zeigte, dass Vitamin K2 die Kalzifikation nicht nur verhindern, sondern sogar umkehren kann: In der Studie wurde Ratten der Vitamin-K-Antagonist Warfarin verabreicht, um eine Verkalkung der Arterien herbeizuführen. Ein Teil der Ratten erhielt danach Vitamin-K2-haltiges Futter, während die anderen mit normaler Nahrung gefüttert wurden. Das Vitamin K2 führte bei den Tieren zu einer Reduktion des Calciumgehalts in den Arterien um 50 %.[13]

Vorkommen[Bearbeiten]

In Nahrungsmitteln kommt vor allem Phyllochinon vor, weshalb genaueres dazu dort zu finden ist. Inwieweit bakterielle Menachinone aus der Darmflora zur Vitamin-K-Versorgung beitragen, ist umstritten. Im Körper scheint Phyllochinon zu dem aktiveren Menachinon-4 umgewandelt werden zu können, da es sich in extrahepatischen Geweben vermehrt findet. Der Mechanismus ist noch unbekannt.

Wichtig ist, dass das Vitamin K kaum diaplazentar übertragen wird und das Neugeborene auch mit der Muttermilch wenig Vitamin K erhält (hier ist das Kolostrum wichtig, welches eine doppelte Menge von Vitamin K enthält). Der Vitamin-K-Gehalt der Muttermilch hängt von der Nahrungszufuhr der Mutter ab und liegt bei etwa 3 µg / 100 ml.

Folgende pflanzlichen Lebensmittel enthalten größere Anteile Vitamin K: Grünkohl (817 μg/100 g), Portulak (381 μg/100 g), Schnittlauch (380 μg/100 g), Spinat (305 μg/100 g), Traubenkernöl (280 μg/100 g), Kichererbsen (264 μg/100 g), Brunnenkresse (250 μg/100 g), Rosenkohl (236 μg/100 g), Fenchel (240 μg/100 g), Sojamehl (200 μg/100 g), Mungobohnen (170 μg/100 g), Broccoli (155 μg/100 g), Rapsöl (150 μg/100 g), Sojaöl (138 μg/100 g), Weizenkeime (131 μg/100 g) und Linsen (123 μg/100 g).[14] Außerdem ist es in manchen tierischen Produkten wie Vollmilch beziehungsweise fetten Milchprodukten, Eigelb und Fleisch (Innereien, Muskelfleisch) zu finden.

Bedarf[Bearbeiten]

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt: Mindestens 65 µg für Frauen und 80 µg für Männer tgl. (0,03–1,5 µg/kg Körpergewicht tgl.) und für Kinder 10 µg/kg Körpergewicht tgl.[4] Dies genügt, um Gerinnungsfaktoren in der Leber zu aktivieren, nicht jedoch für die darüber hinausgehenden Funktionen. Da gestillte Säuglinge dem (seltenen) Risiko eines klinisch relevanten Vitamin-K-Mangels mit der Gefahr gefährlicher Hirnblutungen ausgesetzt sind, wird eine Vitamin-K-Prophylaxe in den meisten Ländern der Welt empfohlen. In Deutschland wird sie zumeist oral mit 3 × 2 mg zur Geburt, nach ca. 1 Woche und nach ca. 4–6 Wochen dosiert. In anderen Ländern gibt es andere Dosisschemata.

Nachweismethoden und Statusbestimmung[Bearbeiten]

Die Plasmakonzentration von Vitamin K1 wird je nach Nachweismethode mit 0,3–1 ng/ml Blut angegeben.[4]

Mit dem Koller-Test (Änderung des Quickwertes nach einmaliger intravenöser Gabe von Vitamin K) kann festgestellt werden, ob eine Carboxylierungsstörung der Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsproteine an einer mangelhaften Resorption von Vitamin K (Vitamin-K-Mangel in der Leber z. B. bei Cholestase) oder an einem Leberzellschaden mit einer Proteinsynthesestörung und daher an einer Verwertungsstörung für Vitamin K liegt. Sensitiver ist der Nachweis ungenügend carboxylierter Vitamin-K-abhängiger Proteine.

Mangelerscheinung (Hypovitaminosen)[Bearbeiten]

Insgesamt sind bei normaler Ernährung ernstere Hypovitaminosen selten (wenn man den Bedarf nicht an den Erfordernissen einer Osteoporoseprophylaxe etc. bemisst, was wesentlich höhere Dosen erfordert). Es gibt jedoch einige Situationen, in denen sie sehr wohl auftreten können:

Medikamentöse Antikoagulation[Bearbeiten]

Cumarin-Derivate, die zur oralen Antikoagulation eingesetzt werden, sind Gegenspieler (Antagonisten) des Vitamin K und können bei Überdosierung zu lebensgefährlichen Blutungen aufgrund eines relativen Vitamin-K-Mangels führen. Dabei sind die Cumarin-Derivate Enzymhemmer v.a. der Vitamin-K-Epoxid-Reduktase (VKOR) und führen somit zu einem Mangel an Vitamin-K-Hydrochinon, was für den Carboxylase-Schritt bei der Proteinbildung der Vitamin-K-abhängigen Proteine notwendig ist, trotz ausreichendem Vorhandenseins von Vitamin-K-Epoxid.

Da es Polymorphismen im VKORC1-Gen gibt, das das VKOR-Enzyms codiert, die unterschiedlich stark von Cumarin-Derivaten gehemmt werden, gibt es teilweise Schwierigkeiten, die korrekte Cumarin-Dosierung zu finden und Überlegungen, mittels eines Gentests VKOR-Polymorphismen vorab nachzuweisen. Ob dies allerdings tatsächlich zu einer besseren Dosierung und weniger Komplikationen führt, ist trotz dreier großer Studien weiterhin unklar[15]

Vitamin-K-Mangelblutung des Neugeborenen (Morbus haemorrhagicus neonatorum)[Bearbeiten]

Die Natur scheint es so eingerichtet zu haben, dass insbesondere der neugeborene Mensch zunächst vor dem Vitamin K „geschützt“ wird: Es ist kaum plazentagängig und erscheint nur sehr wenig in der Muttermilch. Daher haben gestillte Neugeborene ohne zusätzliche Vitamin-K-Prophylaxe ein Risiko von ungefähr 10:100.000, an Vitamin-K-Mangelblutungen zu erkranken,[16] was in schweren Fällen zum Tode führen kann (z.B. durch plötzliche Hirnblutungen). Insbesondere Neugeborene mit einer Leber- oder Gallenkrankheit, Frühgeborene oder fehlernährte Säuglinge haben ein hohes Risiko, da diese das wenige Vitamin K, das angeboten wird, nicht richtig resorbieren und verwerten können. Die Blutungen treten in der Regel in den ersten 12 Wochen auf.[17] Alle gesunden Neugeborenen können deshalb eine Vitamin-K-Prophylaxe erhalten. Diese werden typischerweise entweder als 1 mg Vitamin K intramuskulär (z.B. Australien, USA), 3 × 2 mg Vitamin K1, oral im Alter von 0, 1 und 4 Wochen (z.B. in Deutschland (U1-U3), Schweiz) oder 1 mg nach der Geburt oral und anschließend täglich 25 µg bis zur 12. Woche (Niederlanden) dosiert. Das Risiko für eine späte Vitamin-K-Mangelblutung kann so bspw. auf 0:100.000 bzw. 0,44:100.000 bzw. 0:100.000 reduziert werden.[18][19] Man beachte jedoch, dass über einen Zusammenhang zwischen intramuskulär verabreichter Vitamin-K-Dosis für Neugeborene und späteren Leukämieerkrankungen berichtet wurde, welcher aufgrund neuerer Studien zwar als sehr gering einzustufen ist, aber auch nicht eindeutig ausgeschlossen werden kann.[20][21]

Überdosierungen (Hypervitaminosen)[Bearbeiten]

Vitamin K1 und Vitamin K2 sind auch in hohen Dosen nicht toxisch. Es gibt keine Vitamin-K-Hypervitaminose, wenn man von der Substitutionsbehandlung beim Neugeborenen absieht: Hier kann Vitamin K in hohen Dosen eine Hämolyse auslösen, weil beim Neugeborenen der noch wenig entwickelte Glucuronidierungsmechanismus durch Vitamin K so sehr in Anspruch genommen wird, dass Bilirubin nicht mehr ausreichend glucuronidiert werden kann und somit eine Ausscheidungsstörung für Bilirubin auftritt (Neugeborenenikterus), der sich pathologisch ausweiten kann.[4] Dies betraf vor allem den Einsatz des Menadions in der Vitamin-K-Prophylaxe, welches vorübergehend eingesetzt wurde, weil es als wasserlösliches Provitamin sicherer resorbiert werden sollte. Eine intramuskuläre Gabe von 1 mg Vitamin K1 nach der Geburt führt zu einem 100-fach erhöhten Blutspiegel nach 4 Tagen.

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Katja Wiemann: Beitrag zur Geschichte der Ernährungsforschung beim Haushuhn (bis 1950) (PDF; 8,4 MB), Tierärztliche Hochschule Hannover
  2. Vorlesung von Henrik Dam zur Nobelpreisverleihung am 12. Dezember 1945 (engl.)
  3. Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1943 an Henrik Dam und Edward A. Doisy (englisch)
  4. a b c d e f g H.K. Biesalsky (Hrsg.): Ernährungsmedizin. 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-13-100292-1.
  5. a b c d e f g S. M. Plaza, D. W. Lamson: Vitamin K2 in bone metabolism and osteoporosis. In: Altern. Med. Rev. Bd. 10, (2005), Nr. 1, S. 24–35. PMID 15771560 PDF
  6. A. M. Craciun, C. Vermeer: Apolipoprotein E genotype may influence urinary gammacarboxyglutamate (Gla) concentrations in young individuals. In: General physiology and biophysics. ahead of print, 2. Juli 2013, PMID 23817635 doi:10.4149/gpb_2013030
  7. M. Vos, G. Esposito u. a.: Vitamin K2 Is a Mitochondrial Electron Carrier That Rescues Pink1 Deficiency. In: Science. 336, 2012, S. 1306–1310, doi:10.1126/science.1218632.
  8. A. S. Dusso u. a.: Vitamin D. In: Am. J. Physiol. Renal. Physiol. Bd. 289, (2005), S. F8-F28. PMID 15951480 doi:10.1152/ajprenal.00336.2004 PDF
  9. D. W. Lamson, S. M. Plaza: The Anticancer Effects of Vitamin K. In: Altern. Med. Rev. Bd. 8, (2003), Nr. 3, S. 303–18. PMID 12946240 PDF
  10. U. Göbel, R. von Kries: Vitamin-K-Prophylaxe: Schutz vor Blutungen ohne Krebsrisiko möglich. In: Deutsches Ärzteblatt. Bd. 94 (1997), Nr. 46, S. A-3109-3113.
  11. L. J. Schurgers u. a.: Role of vitamin K and vitamin-K-dependent proteins in vascular calcification. In: Z. Kardiol. Bd. 90 (2001), Nr. 3, S. 57–63. PMID 11374034
  12. Geleijnse u. a.: Dietary intake of menaquinone is associated with a reduced risk of coronary heart disease: the Rotterdam Study In: J Nutr. (2004) Nov;134(11), S. 3100–3105, PMID 15514282
  13. Schurgers u. a.: Regression of warfarin-induced medial elastocalcinosis by high intake of vitamin K in rats In: Blood. (2007) Apr 1;109(7), S. 2823–2831, PMID 17138823
  14. Vitamin K in Lebensmitteln (PDF; 53 kB). Aus: Souci/Fachmann/Kraut: Die Zusammensetzung der Lebensmittel – Nährwert-Tabellen. 7. Auflage. 2008, ISBN 978-3-8047-5038-8.
  15. Bruce Furie: Do pharmacogenetics have a role in the dosing of Vitamin K antagonists? [[doi:10.1056{NEJMe1313682edicine]] 2013; Band 369, Ausgabe 24 vom 12. Dezember 2013, S. 2345–2346, [[doi:10.1056{NEJMe1313682]].
  16. A. H. Sutor: Vitamin K deficiency bleeding in infants and children. A status report. In: Seminars in Thrombosis and Hemostasis, Vol. 21 (1995), S. 317–329.
  17. A. H. Sutor u.a.: Vitamin K Deficiency Bleeding (VKDB) in Infancy. In: Thrombosis and Haemostasis. Vol. 81 (1999), S. 457.
  18. M. Cornelissen u.a.: "Prevention of vitamin K deficiency bleeding: efficacy of different multiple oral dose schedules of vitamin K", Eur J Pediatr, Vol. 156 (1997), S. 126.
  19. R. von Kries, A. Hachmeister, U. Göbel: Can 3 oral 2 mg doses of vitamin K effectively prevent late vitamin K deficiency bleeding? In: Eur J Pediatr. Vol. 158 Suppl. 3 (1999), S. 183.
  20. J. Golding u.a.: Childhood cancer, intramuscular vitamin K, and pethidine given during labour. In: BMJ. Vol. 305 (1992), S. 341–346.
  21. S. Passmore u.a.: Case-control studies of relation between childhood cancer and neonatal vitamin K administration. In: BMJ. Vol. 316 (1998), S. 178.

Literatur[Bearbeiten]

  • C. G. Victora, P. van Haecke: Vitamin K prophylaxis in less developed countries: policy issues and relevance to breastfeeding promotion. In: Am. J. Public. Health. Bd. 88 (1998), S. 203–209; PMID 9491008; PMC 1508196 (freier Volltext, PDF).

Weblinks[Bearbeiten]

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