Vittorio Emanuele Orlando

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Vittorio Emanuele Orlando (2. von links) bei den Verhandlungen in Versailles mit David Lloyd George, Georges Clemenceau und Woodrow Wilson (von links)

Vittorio Emanuele Orlando (* 19. Mai 1860 in Palermo; † 1. Dezember 1952 in Rom) war italienischer Ministerpräsident von 1917 bis 1919.

Der Jurist erhielt im Alter von 25 Jahren 1885 einen Lehrstuhl für Verfassungsrecht an der Universität Modena, 1886 in Messina und 1888 in Palermo. 1897 zog er als liberaler Abgeordneter in das italienische Parlament ein. 1901 wurde er als Professor für öffentliches und Verfassungsrecht an die Universität Rom berufen.

In den folgenden Jahren hatte Orlando in verschiedenen Regierungen Ministerämter inne. Von 1903 bis 1905 war er Unterrichtsminister, 1907 bis 1909 und 1914 bis 1916 Justizminister sowie 1916/17 Innenminister. Als 1917 die Schlacht von Karfreit zum Rücktritt von Ministerpräsident Paolo Boselli führte, wurde Orlando zum neuen Ministerpräsidenten gewählt und trat das Amt während einer schweren politischen Krise Italiens am 29. Oktober 1917 an.

Er gehörte zusammen mit Woodrow Wilson, Georges Clemenceau und David Lloyd George zum Rat der Vier, dem obersten Gremium der Pariser Friedenskonferenz 1919. Die vier Regierungschefs hatten maßgeblichen Anteil an der Ausgestaltung der Pariser Vorortverträge. Aufgrund seiner schwachen politischen Position und seinen mangelnden Englischkenntnissen spielte Orlando nur eine untergeordnete Rolle und konnte sich nicht gegen seinen Außenminister Sidney Sonnino durchsetzen. Als er die Konferenz vorübergehend unter Protest verließ, um italienische Territorialforderungen nach dem Ersten Weltkrieg durchzusetzen, gewann er vorübergehend Zustimmung im Inland, hatte seine Position auf der Konferenz aber entscheidend geschwächt. Nach einem Misstrauensvotum des Parlaments dankte Orlando noch 1919 als Ministerpräsident ab.

In den folgenden Jahren arbeitete er an der Völkerbundsakte mit. Nach der Ermordung des Generalsekretärs der italienischen Sozialdemokraten, Giacomo Matteotti, schloss sich Orlando 1925 der kleinen parlamentarischen Opposition gegen die Faschisten im Parlament an. Kurze Zeit später legte er sein Mandat nieder und trat von da ab politisch nicht mehr in Erscheinung. Allerdings verweigerte er den für Hochschullehrer vorgeschriebenen Eid auf den Faschismus und wurde 1931 auf eigenen Wunsch emeritiert.

1944, nach dem Sturz Mussolinis, kehrte Orlando auf seinen Lehrstuhl zurück. 1946/47 war er Mitglied der verfassunggebenden Versammlung, von der er 1948 für seine Verdienste zum Ehrensenator auf Lebenszeit ernannt wurde.


Vorgänger Amt Nachfolger
Paolo Boselli Ministerpräsident von Italien
19171919
Francesco Saverio Nitti

Literatur[Bearbeiten]

  • Orlando, Vittorio Emanuele. In: Enciclopedie on line, bei Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom, gesehen am 14. November 2011 (italienisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vittorio Emanuele Orlando – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien