Vivendi

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Vivendi SA
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Rechtsform Société Anonyme
ISIN FR0000127771
Gründung 2000
Sitz Paris, Frankreich
Leitung Jean-François Dubos
Mitarbeiter 58.000 (2012)[1]
Umsatz 22,1 Mrd. Euro (2013)[2]
Branche Medien
Website www.vivendi.com

Die Vivendi SA (von Dezember 2000 bis April 2006 Vivendi Universal) ist der größte französische Medienkonzern, der in den Branchen Musik, Fernsehen, Film, Verlagswesen, Telekommunikation und Internet teilweise international tätig ist. Er wird an der Pariser Börse gehandelt und sowohl im CAC 40 als auch im Dow Jones Euro Stoxx 50 geführt.

Zu zweifelhaftem Ruhm gelangte das Unternehmen, dessen Wurzeln in das 19. Jahrhundert zurückreichen, durch einen Rekordverlust von über 23 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2002 – der höchste Verlust, den ein französisches Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt zu verkraften hatte.

Geschichte[Bearbeiten]

Compagnie Générale des Eaux[Bearbeiten]

Am 14. Dezember 1853 wurde per Dekret in Paris die Wasserversorgungsgesellschaft Compagnie Générale des Eaux (CGE) gegründet, die 1854 eine Konzession auf hundert Jahre erhielt, die Stadt Lyon mit Trinkwasser zu versorgen. Die CGE erhielt 1861 eine weitere Konzession auf 50 Jahre für die Versorgung der Stadt Paris. Wasserversorgung blieb bis weit ins 20. Jahrhundert hinein das Kerngeschäft.

Der Wechsel des CEO im Jahr 1976 markierte einen Wechsel in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Die CGE begann kleinere Unternehmen zu übernehmen und wurde ab 1980 auch auf weiteren Sektoren tätig: Abwasser- und Abfallverwertung, Energieversorgung, Transportdienstleistungen, Bauwesen und Immobilienhandel.

1983 beteiligte sich die CGE an der Gründung von Canal+, dem ersten Pay-TV-Sender Frankreichs. Ein neuer CEO prägte ab 1996 einen neuen Expansionskurs der CGE; die Gründung der Cegetel bildete die Grundlage für den Einstieg ins Geschäft mit Telekommunikation und Massenmedien.

Vivendi[Bearbeiten]

1998 änderte das Unternehmen seinen Namen in Vivendi, womit der traditionsreiche Name Compagnie Générale des Eaux respektive das inzwischen wesentlich häufiger anzutreffende Kürzel CGE verschwanden. Vivendi beschäftigte allein in Frankreich 190.300 Mitarbeiter und erwirtschaftete im gleichen Jahr einen Umsatz von 167.100 Mio. Franc.

Der im selben Jahr in Frankreich liberalisierte Telekommunikationsmarkt verhalf Vivendi über die Tochter Cegetel zu beschleunigtem Wachstum und führte zu einer weiter verstärkten Ausrichtung in Richtung Medienkonzern. Einerseits wurden hierzu weitere Unternehmen anteilig oder vollständig hinzugekauft, andererseits wurden bestehende Engagements in eigenständige Gesellschaften ausgegliedert oder verkauft; 1999 trennte sich Vivendi vom Baugewerbe und der Immobilienverwaltung.

Im Juli 2000 folgte eine tiefgreifende Veränderung: die Umwelttechniksparten (Wasser, Entsorgung, Energie, Transport), die jahrelang das Kernsegment des Unternehmens bildeten, wurden in das eigenständige Unternehmen Vivendi Environnement ausgelagert und an die Börse gebracht (IPO in Paris im Juli 2000, IPO in New York im Oktober 2001). Alle Mitarbeiteraktien wurden in die risikostrukturreiche Sparte Vivendi Universal übertragen. Während Vivendi keine sechs Monate später den Namen in Vivendi Universal ändert, erfolgt die Umbenennung von Vivendi Environnement in Veolia Environnement erst im Jahr 2003.

Vivendi Universal[Bearbeiten]

Im Dezember 2000 fusionierte der verbliebene Teil des Vivendi-Konzerns – die Medien- und Telekommunikationssparten – mit der Canal+-Gruppe und der kanadischen Seagram, Besitzerin der ehemaligen MCA-Unternehmen Universal Music und Universal Studios. Aus der Fusion entstand Vivendi Universal (VU) der größte französische Medienkonzern, der mit Universal Music die weltweit größte Plattenfirma und via Universal Studios-Holding eines der sechs Major Studios in Hollywood kontrollierte. Durch die Fusion wird gleichzeitig die Familie um Edgar Bronfman jun., die bereits Seagram kontrollierte, größter Einzelaktionär von Vivendi Universal.

Während das erste Geschäftsjahr des neuen Medienkonzerns praktisch unbeachtet verstrich, häuften sich bereits 2002 verschiedene finanzielle Probleme, die man nicht mehr zu verbergen vermochte. Das Unternehmen begann umzuschichten und diverse Beteiligungen zu verkaufen – der Anteil an Vivendi Environnement wurde auf 40 % gesenkt – während CEO Jean-Marie Messier bekräftigte, es handle sich nur um einige Schwierigkeiten.

Noch im Juli 2002 musste Messier das Unternehmen verlassen und eine tiefgreifende Restrukturierung musste eingeleitet werden, um einen drohenden Bankrott abzuwenden. Es folgten weitere Verkäufe, der Anteil an Vivendi Environnement wurde auf 19,6 % gesenkt. Neuer CEO wurde ab 2002 Jean-Bernard Lévy.

Als am 6. März 2003 der Jahresbericht für das Geschäftsjahr 2002 veröffentlicht wurde, wurde das wahre Ausmaß der „Schwierigkeiten“ publik: Das Unternehmen fuhr einen Verlust von 23,3 Milliarden Euro ein und hatte Nettoschulden von 12,3 Milliarden Euro. Um aus der finanziellen Misere herauszukommen, sah man vor, im Laufe des Jahres 2003 Unternehmensteile im Wert von 7 Milliarden Euro zu verkaufen.

Vivendi Universal Entertainment[Bearbeiten]

Die Ankündigung des Verkaufs solch teurer Unternehmensteile machte deutlich, dass es sich dabei um einen der größeren, ehemaligen Teile von Seagram handeln müsse. Da die Universal Music Group (UMG) bereits das größte Unternehmen ihrer Branche war und rentabel arbeitete, rückte Vivendi Universal Entertainment (VUE) in den Mittelpunkt des Interesses. Bereits im Mai 2003 teilten Vivendi Universal und die National Broadcasting Company (NBC) mit, dass man sich über die Übernahme von VUE und die Zukunft der sie kontrollierenden Universal Studios Holding grundsätzlich einig geworden sei und das Geschäft von den diversen Kartell- und Wettbewerbsbehörden genehmigt werden müsse.

Am 8. Oktober 2003 unterzeichneten General Electric (GE), der Mutterkonzern von NBC, und Vivendi Universal das endgültige Übereinkommen über die Schaffung des Medienkonzerns NBC Universal (NBCU) durch die Kombination von NBC und VUE. Vollzogen wurde die vertraglich vereinbarte Zusammenlegung am 11. Mai 2004, nach der Zustimmung aller dafür zuständigen Behörden. NBC Universal nahm am 12. Mai 2004 seine Geschäfte auf.

Für den allfälligen Verkauf der Minderheitsbeteiligung von VU an NBCU bestehen diverse Regelungen. Eine Sperrfrist erlaubt es VU, die Anteile frühestens von 2006 an zu veräußern, und sichert GE ein Vorkaufsrecht. Die Vereinbarungen reichen bis ins Jahr 2010 und geben, gesetzt den Fall, dass VU bis dahin seine Anteile nicht veräußert hat, GE die Möglichkeit, VU zum Verkauf der Anteile zu zwingen, womit VU spätestens im Jahr 2011 keine Anteile an NBCU mehr besitzen wird.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten]

Am 20. April 2006 beschlossen die Aktionäre an der Hauptversammlung den Namen des Unternehmens wieder in Vivendi zu ändern. Damit einher ging auch die Einführung einer neuen Corporate Identity.

Am 6. September 2006 wurde bekannt, dass Bertelsmann seinen Musikverlag BMG Music Publishing für 1,63 Milliarden Euro an Vivendi verkaufen wird. Durch diesen Kauf wird Vivendi zum größten Musikverlag der Welt.[3]

Am 2. November 2007 gab Vivendi Chef Jean-Bernard Lévy bekannt, dass sie die US-Firma Activision zukauft. Dieser Zukauf schafft einen Spielegiganten, der nach Angaben des Unternehmens 18,9 Milliarden Dollar wert ist. Die Firma wird zukünftig Activision Blizzard heißen, wobei Vivendi die Mehrheit übernimmt. Sie zahlte unter anderem 1,7 Milliarden Dollar Abfindung an die Activision-Aktionäre. Dadurch erhält Vivendi einen Aktienanteil von 62 %. Die Firma wird jedoch weiterhin an der Börse notiert bleiben.

Die Vivendi SA hat im Jahr 2009 das brasilianische Telekomunternehmen GVT Holding SA für rund zwei Milliarden Euro übernommen.[4]

Im Sommer 2012 gab Jean-Bernard Lévy den Vorsitz des Unternehmens an Jean-François Dubos ab.[5]

Seit 9. Januar 2013 ist Vivendi auf dem deutschen Video on Demand Markt mit dem Anbieter Watchever GmbH aktiv. Bei dem Dienst kann man ähnlich wie bei den Konkurrenten Lovefilm und Maxdome für eine monatliche Gebühr Filme und Serien als Videostream schauen. Als Unterscheidungsmerkmal sind insbesondere die breite Unterstützung verschiedener Abspielgeräte sowie die häufige Verfügbarkeit des Originaltons hervorzuheben. Beworben wurde der Start insbesondere in den Axel Springer Medien Bild oder Computerbild.[6]

Tochtergesellschaften[Bearbeiten]

Universal Music Group[Bearbeiten]

Zusammen mit der Universal Music Group, der Plattenfirma mit dem weltweit größten Anteil am Musikmarkt, und der Universal Studios-Holding kontrolliert das Unternehmen Vivendi eines der sechs Major-Studios in Hollywood. Die „Universal Music Group“ (UMG) gilt als Major-Label. Sie entstand 1995 aus der Übernahme der Music Corporation of America (MCA) durch Seagram und den Zukauf von PolyGram 1998. Seitdem ist die UMG das Unternehmen mit dem weltweit größten Anteil am Musikgeschäft und wies 2005 einen weltweiten Marktanteil von 25,6 % aus.

Zu Universal Music gehören unter anderem die Plattenfirmen Motown Record Company, Verve Music Group, Mercury Nashville, Island Def Jam Records, Polydor, Urban, Koch International und Deutsche Grammophon. Die deutsche Niederlassung in Berlin war 2003 Gründungsgesellschafter der Popakademie Baden-Württemberg GmbH. Ziel des Engagements ist die fundierte Ausbildung des zukünftigen Managementnachwuchses im Rahmen des Bachelor-Studiengangs Musikbusiness.

Vivendi Games[Bearbeiten]

Bruce Hack, CEO von Vivendi Games

Zu den in Vivendi Games (bis April 2006 Vivendi Universal Games) enthaltenen Spieleentwicklern und Distributoren gehörten unter anderem Sierra Entertainment (F.E.A.R., King's Quest, Space Quest, Leisure Suit Larry, Caesar-Reihe und weitere Aufbaustrategiespiele, wie Pharao und Der Erste Kaiser) und Blizzard Entertainment (Warcraft-Reihe, Diablo, World of Warcraft, Starcraft).

Activision und Vivendi Games gaben am 2. Dezember 2007 an, zum neuen Konzern Activision Blizzard zu fusionieren und damit Electronic Arts als größten Vertrieb von Spiele-Software zu überholen.

Canal+ Group[Bearbeiten]

Die Canal+ Group ist einer der größten europäischen Bezahlfernsehanbieter mit (2003) 230 Fernsehkanälen und Telediensten. Mit rund fünf Millionen Abonnenten in Frankreich ist Canal+ Marktführer.

Zur Gruppe gehört auch das Unternehmen StudioCanal, mit den Schwerpunkten Filmdistribution, Filmproduktion und Filmrechtehandel. StudioCanal besitzt die weltweit drittgrößte Filmbibliothek. Anfang 2008 übernahm StudioCanal die deutsche Kinowelt-Gruppe.[7]

SFR[Bearbeiten]

SFR (ursprünglich Société Française de Radiotéléphonie) ist der zweitgrößte Mobilfunkanbieter in Frankreich, an dem Vivendi mit 56 % beteiligt ist; die anderen 44 % werden noch von Vodafone gehalten. Am 4. April 2011 wurde bekannt gegeben, dass Vivendi den Anteil Vodafones an SFR für 7,75 Milliarden Euro kaufen wird.[8]

SFR hat rund 17,2 Millionen Kunden (2005) und einen Marktanteil von 35,8 %. Die SFR hielt bis 2009 eine Beteiligung von 40,7 % an Neuf Cegetel, dem zweitgrößten Festnetzanbieter Frankreichs. Im Laufe des Jahres 2009 übernahm SFR sukzessive weitere 59,3 % und wurde schließlich Alleineigentümer.

Maroc Telecom[Bearbeiten]

Maroc Telecom ist die ehemalige staatliche Telefongesellschaft Marokkos und mit 5,2 Millionen Kunden (2003) der führende marokkanische Anbieter in den Bereichen Festnetz, Mobiltelefon und Internet. Vivendi ist an dem Unternehmen mit 51 % beteiligt. Seit Dezember 2007 beträgt die Beteiligung Vivendi an Maroc Telecom 53 %.

Watchever[Bearbeiten]

Hauptartikel: Watchever

Watchever ist der Flatrate-Video-on-Demand-Dienst (Online-Videoportal), mit dem Vivendi seit 2013 im deutschsprachigen Raum mit großem Werbeaufwand gegen Maxdome (ProSiebenSat.1 Media) und Lovefilm (Amazon) Marktanteile gewinnen will. Als spezifische Vorteile gegenüber der Konkurrenz werden der Offline-Modus für mobilen Konsum ohne Internetverbindung und vor allem die Bereitstellung der Inhalte auf allen relevanten Endgeräten (v.a. Apple), in HD und optional in Originalton genannt, dafür wird aber auf aktuelle Blockbuster verzichtet.[9]

Beteiligung an NBC Universal[Bearbeiten]

Vivendi war bis Anfang Dezember 2009 mit 20 % am US-amerikanischen Medienkonzern NBC Universal beteiligt. Die restlichen 80 % hielt der Mischkonzern General Electric. Als der Kabelnetzbetreiber Comcast Ende November bekannt gab, 51 % von NBC Universal übernehmen zu wollen, kaufte GE die 20 % Anteile von Vivendi auf und wurde damit kurzfristig Alleineigentümer von NBC Universal. Am 9. Dezember 2009 übernimmt Comcast schließlich für 6,5 Mrd. Dollar einen Anteil von 51 % von NBC Universal, während die restlichen 49 % bei General Electric verbleiben. Im Februar 2013 veräußerte General Electric die restlichen 49 Prozent an Comcast.[10]

Rezeption[Bearbeiten]

  • Vivendi Universal. Dass uns die ganze Welt gehört. Dokumentation, Frankreich / Kanada 2006, 84 Min., ein Film von Don Young und Alan Handel, Produktion: arte, Erstausstrahlung: 2. Juli 2007

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vivendi.com: Geschäftsbericht 2012
  2. vivendi.com: Geschäftsbericht 2013
  3. presse.at: „Musikverlag um 1,63 Mrd. € verkauft“ (6. September 2006)
  4. Vivendi bietet für brasilianische GVT
  5. Vivendi-Boss Lévy tritt im Streit zurück. In: spiegel.de. 28. Juni 2012, abgerufen am 20. Dezember 2012.
  6. Watchever launches unique series and movie flat rate in Germany. 9. Januar 2013, abgerufen am 2. November 2013 (PDF; 2,8 MB, englisch).
  7. Pressemitteilung Kinowelt (PDF; 51 kB), 17. Januar 2008
  8. Vivendi übernimmt den SFR-Anteil von Vodafone. Abgerufen am 4. April 2011.
  9. Open-pr.de abgerufen am 8. Januar 2014
  10. Handelsblatt:Vivendi stoppt Desaster in den USA

48.87412.2975Koordinaten: 48° 52′ 26,8″ N, 2° 17′ 51″ O