Viviane Reding
Viviane Reding [viˈvjan] (* 27. April 1951 in Esch an der Alzette, Luxemburg) ist eine luxemburgische Journalistin und Politikerin (CSV und EVP-Fraktion). Seit dem 10. Februar 2010 ist sie Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Kommissarin für das Ressort Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft.[1]
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Leben und berufliche Laufbahn[Bearbeiten]
Viviane Reding wurde am 27. April 1951 in Esch-sur-Alzette in Luxemburg geboren. Sie studierte Anthropologie an der Sorbonne in Paris, promovierte und schloss ihr Studium 1978 mit dem Titel Doktor der Humanwissenschaften ab. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Journalistin für das Luxemburger Wort. Von 1986 bis 1998 war sie außerdem Vorsitzende des Luxemburgischen Journalistenverbands. Gleichzeitig begann sie eine aktive politische Tätigkeit. Sie war mit einem Griechen verheiratet und hat drei Kinder.
Politische Karriere in Luxemburg[Bearbeiten]
Im Jahr 1979 ging Reding für die Christlich Soziale Volkspartei in die Politik. Von 1979 bis 1989 war sie Mitglied des luxemburgischen Parlaments. Als Mitglied des luxemburgischen Parlaments war sie Vorsitzende des Sozialausschusses, Mitglied des Büros der Abgeordnetenkammer, Mitglied der Versammlung der Benelux-Parlamente und Mitglied der Nordatlantischen Versammlung. In ihrer Partei, der Christlich Sozialen Volkspartei (CSV) hatte sie von 1995 bis 1999 zudem den stellvertretenden Vorsitz inne. Außerdem war sie von 1981 bis 1999 Mitglied des Gemeinderates der Stadt Esch-sur-Alzette, Luxemburg und übte dort von 1992 bis 1999 den Vorsitz des Ausschusses für kulturelle Angelegenheiten aus.
Politische Karriere in Europa[Bearbeiten]
Reding kann auf mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in der europäischen Politik zurückblicken. Die ersten zehn Jahre davon war sie Mitglied des Europäischen Parlaments. Im Jahr 1999 wurde sie von Romano Prodi sodann als Kommissarin für Bildung, Kultur, Medien und Sport in die Europäische Kommission berufen. Anschließend erhielt sie in der Kommission Barroso I das Ressort für Medien und Informationsgesellschaft. Seit 10. Februar 2010 ist sie nun in der Kommission Barroso II Vizepräsidentin der Kommission und als Kommissarin zuständig für das Ressort Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft.
Mitglied des Europäischen Parlaments[Bearbeiten]
Im Jahr 1989 wurde Reding erstmals, 1994 erneut in das Europäische Parlament gewählt, wo sie der christdemokratischen EVP-Fraktion angehörte und bis 1992 dem Petitionsausschuss vorsaß. Zudem war sie unter anderem von 1992 bis 1994 stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für soziale Angelegenheiten, Beschäftigung und Arbeitsumwelt sowie von 1997 bis 1999 im Ausschuss für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten. Außerdem war sie Leiterin der luxemburgischen Delegation in der Europäischen Volkspartei (EVP) und Mitglied im Fraktionsvorstand der EVP.
Mitglied der Europäischen Kommission[Bearbeiten]
Bei der Europawahl im Juni 1999 wurde sie ein drittes Mal in das Parlament gewählt, schied jedoch wenige Monate später daraus aus, um Mitglied der Europäischen Kommission unter Romano Prodi zu werden. In der Kommission Prodi, im Amt von 1999 bis 2004, war sie für das Ressort Bildung, Kultur, Jugend, Medien und Sport zuständig. Hierbei war sie maßgeblich an der Förderung des Erasmus Mundus Programmes beteiligt, welches den Studentenaustausch unter den Mitgliedsstaaten fördert.
Anschließend erhielt sie in der Kommission Barroso I das Ressort für Medien und Informationsgesellschaft, das sie von 2004 bis 2010 ausübte. In dieser Eigenschaft setzte sie das politisch umstrittene Vorhaben für die Senkung der EU-weiten Roaminggebühren durch. Der von ihr initiierte, diesbezügliche Regulierungsvorschlag wurde am 23. Mai 2007 vom Europäischen Parlament verabschiedet.
Seit dem 10. Februar 2010 ist Viviane Reding in der Kommission Barroso II Kommissionsvizepräsidentin und Kommissarin für das nach dem Vertrag von Lissabon neu geschaffene Ressort für Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft.[1] In dieser Eigenschaft setzte sie einen politisch sehr umstrittenen Richtlinienvorschlag zur ausgewogeneren Vertretung von Frauen und Männern in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen (sogenannte Frauenquote) durch. Außerdem wurde auf ihren Vorschlag hin eine Richtlinie zur Stärkung der Opferrechte verabschiedet. Des Weiteren arbeitete sie an einer europäischen Vereinheitlichung des Datenschutzrechts. Darüber hinaus ist sie für die öffentliche Kommunikation der Kommission zuständig, auch wenn sie nicht formal das Ressort Kommunikationsstrategie innehat, das in früheren Kommissionen existiert hatte. Ende August 2010 stellte Reding in dieser Funktion eine neue Strategie vor, nach der der Kommissionspräsident José Manuel Durão Barroso künftig stärker im Mittelpunkt stehen solle.[2] Das kommende „Jahr der Europäischen Bürgerinnen und Bürger“ im Jahr 2013 wird von ihr betreut. Dabei hat sie es sich zum Ziel gesetzt, Europa den Bürgerinnen und Bürgern näher zu bringen und eine Debatte über die Zukunft Europas anzustoßen.
Politische Positionen und Aktivitäten[Bearbeiten]
In ihrer Position als Kommissarin für Bildung, Kultur, Medien und Sport brachte Reding das Erasmus Mundus Programm maßgeblich voran, welches den Studentenaustausch unter den Mitgliedsstaaten fördert. Im Jahr 2006 kritisierte Reding als Medienkommissarin heftig die hohen Roaminggebühren für Mobilfunknetze in der EU und initiierte eine EU-Verordnung, um diese zu senken. Ihr diesbezüglicher Regulierungsvorschlag wurde am 23. Mai 2007 vom Europäischen Parlament verabschiedet.
Am 14. September 2010 warf Reding als Justizkommissarin Frankreich vor, die Abschiebung von Roma nur aufgrund von deren Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit zu betreiben. Dabei sprach sie sich für die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Frankreich aus.[3] In der entsprechenden Pressekonferenz sagte sie: „This is a situation I had thought Europe would not have to witness again after the second world war.“ („Ich hatte gedacht, dass Europa nach dem Zweiten Weltkrieg nicht noch einmal Zeuge eines solchen Geschehens würde.“) Dies wurde von einigen hochrangigen Politikern als Vergleich mit der Verfolgung der Roma durch die Nationalsozialisten verstanden.[4] (Siehe auch: Europäische Reaktionen auf Roma-Abschiebungen in Frankreich im Sommer 2010.) Reding teilte ihr Bedauern über die Möglichkeit einer derartigen Interpretation mit.
Im Zusammenhang mit der griechischen Finanzkrise und der Euro-Krise kritisierte Reding im Juli 2011, dass die drei wichtigsten US-amerikanischen Ratingagenturen (Standard & Poor's, Fitch Ratings und Moody's) eine oligopolistische Macht einnähmen. Sie forderte daher, entweder diese drei Agenturen zu zerschlagen oder die Gründung zusätzlicher europäischer und asiatischer Agenturen zu fördern.[5]
Im Zusammenhang mit den Massenprotesten gegen das ACTA-Gesetzesvorhaben forderte Reding am 13. Februar 2012 dessen Überprüfung durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Sie sagte: „Der Schutz von Urheberrechten kann die Aufhebung von Meinungs- und Informationsfreiheit nie rechtfertigen“ und deshalb seien Netzsperren für sie niemals eine Option.[6]
Reding setzt sich für die Verbesserung der Gleichstellung von Männern und Frauen ein. Zu diesem Zweck unterstützt sie eine 40 %-Frauenquote in Aufsichtsräten großer börsennotierter Unternehmen. Deutschland enthielt sich der Stimme.[7][8] Der Vorschlag wurde am 14. November 2012[9] im Kollegium der Kommissare[10] angenommen und muss nun von Parlament und dem Rat der Europäischen Union bestätigt werden. Das Europäische Parlament steht dem Vorschlag sehr positiv gegenüber.
Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]
- 1992: Kreuz Saint Georges der Generalität von Katalanien
- 2001: Der „Mérite européen“ in Gold
- 2004: Doktor Honoris Causa der Universität Hu Chen Taiwan
- 2004: Doktor Honoris Causa der Universität Genua
- 2004: Robert Schuman Medaille
- 2004: Doktor Honoris Causa der Universität Turin
- 2004: Prinz von Asturien Preis für Internationale Zusammenarbeit
- 2005: Auszeichnung mit dem polnischen Ehrentitel „Gloria Artis“
- 2005: Verleihung des französischen Abzeichens „Officier dans l'ordre national de la Légion d'honneur“
- 2007: Kommissarin des Jahres, Auszeichnung des „European Voice“
- 2007: Deutscher Mittelstandspreis
- 2009: Doktor Honoris Causa der US-Universität „Sacred Heart“ Luxemburg
- 2010: BeNeLux-Europa Award
- 2012: Doktor Honoris Causa der Universität Glasgow
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ a b http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/09/1837&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en
- ↑ EurActiv, 30. August 2010: Redings "Kommunikationsrevolution".
- ↑ Video der Pressekonferenz von Viviane Reding am 14. September 2010 auf ec.europa.eu
- ↑ Spiegel Online, vom 15. September 2010
- ↑ Die Zeit, 11. Juli 2011: EU-Justizkommissarin will Rating-Agenturen zerschlagen.
- ↑ http://www.heise.de/newsticker/meldung/Reding-befuerwortet-rechtliche-Pruefung-von-ACTA-1433715.html
- ↑ EU plant Frauenquote für Aufsichtsräte. Welt am Sonntag, 2. September 2012, abgerufen am 3. September 2012.
- ↑ Cerstin Gammelin: Europaweiter Frauenquote droht das Aus. Süddeutsche Zeitung, 5. September 2012, abgerufen am 5. September 2012.
- ↑ http://europa.eu/rapid/press-release_IP-12-1205_de.htm
- ↑ http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2012:0614:FIN:de:PDF
Weblinks[Bearbeiten]
- Offizielle Website von Viviane Reding
- Eintrag über Viviane Reding in der Abgeordneten-Datenbank des Europäischen Parlaments
Michel Barnier (bis April 2004) | Frits Bolkestein | Philippe Busquin | David Byrne | Anna Diamantopoulou (bis März 2004) | Franz Fischler | Neil Kinnock | Pascal Lamy | Erkki Liikanen (bis Juli 2004) | Mario Monti | Poul Nielson | Loyola de Palacio | Chris Patten | Romano Prodi | Viviane Reding | Michaele Schreyer | Pedro Solbes (bis April 2004) | Günter Verheugen | António Vitorino | Margot Wallström
Ergänzungen:
Joaquín Almunia (ab April 2004) | Péter Balázs (ab Mai 2004) | Jacques Barrot (ab April 2004) | Joseph Borg (ab Mai 2004) | Stavros Dimas (ab März 2004) | Ján Figeľ(ab Mai 2004) | Dalia Grybauskaitė (ab Mai 2004) | Danuta Hübner (ab Mai 2004) | Siim Kallas (ab Mai 2004) | Sandra Kalniete (ab Mai 2004) | Márcos Kyprianoú (ab Mai 2004) | Janez Potočnik (ab Mai 2004) | Olli Rehn (ab Juli 2004) | Pavel Telička (ab Mai 2004)
Joaquín Almunia | José Manuel Barroso | Jacques Barrot | Joseph Borġ | Stavros Dimas | Benita Ferrero-Waldner | Ján Figeľ (bis Oktober 2009) | Mariann Fischer Boel | Franco Frattini (bis Mai 2008) | Dalia Grybauskaitė (bis Juli 2009) | Danuta Hübner (bis Juli 2009) | Siim Kallas | László Kovács | Neelie Kroes | Márkos Kyprianoú (bis März 2008) | Peter Mandelson (bis Oktober 2008) | Louis Michel (bis Juli 2009) | Andris Piebalgs | Janez Potočnik | Charlie McCreevy | Viviane Reding | Olli Rehn | Vladimír Špidla | Günter Verheugen | Margot Wallström
Ergänzungen:
Catherine Ashton (ab Oktober 2008) | Karel De Gucht (ab Juli 2009) | Meglena Kunewa (ab Januar 2007) | Leonard Orban (ab Januar 2007) | Paweł Samecki (ab Juli 2009) | Maroš Šefčovič (ab Oktober 2009) | Algirdas Šemeta (ab Juli 2009) | Antonio Tajani (ab Mai 2008) | Androulla Vassiliou (ab März 2008)
Joaquín Almunia | László Andor | Catherine Ashton | Michel Barnier | Tonio Borg | Dacian Cioloș | John Dalli | Maria Damanaki | Karel De Gucht | José Manuel Barroso | Štefan Füle | Máire Geoghegan-Quinn | Kristalina Georgiewa | Johannes Hahn | Connie Hedegaard | Siim Kallas | Neelie Kroes | Janusz Lewandowski | Cecilia Malmström | Günther Oettinger | Andris Piebalgs | Janez Potočnik | Viviane Reding | Olli Rehn | Maroš Šefčovič | Algirdas Šemeta | Antonio Tajani | Androulla Vassiliou
Carlo Ripa di Meana | Jean Dondelinger | Antonio Ruberti | Viviane Reding | Ján Figeľ | Maroš Šefčovič | Androulla Vassiliou
Lorenzo Natali | Karl-Heinz Narjes | Carlo Ripa di Meana | Martin Bangemann | Erkki Liikanen | Olli Rehn | Viviane Reding | Neelie Kroes
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Reding, Viviane |
| KURZBESCHREIBUNG | luxemburgische Journalistin und Politikerin (CSV), MdEP |
| GEBURTSDATUM | 27. April 1951 |
| GEBURTSORT | Esch-sur-Alzette, Luxemburg |