Vivisektion

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Vivisezierter Tremolo-Sandfrosch
Die Veröffentlichung dieses Fotos von PETA im Jahr 1981 löste die öffentliche Kontroverse um die Silver Spring-Monkeys aus und wurde in den USA zu einem Symbol für die tierquälerische Schattenseite von Tierversuchen.[1]

Eine Vivisektion (lateinisch: vivus „lebendig“ und sectio „Schnitt“) ist ein operativer Eingriff am lebenden Tier (zu Forschungszwecken),[2] früher auch am lebenden Menschen – im Gegensatz zur Nekropsie. Die Vivisektion wird zur Erprobung von Operationsmethoden durchgeführt – auch zu Lehrzwecken – und erfolgt heute in der Regel unter Narkose oder zumindest unter Lokalanästhesie. Vivisektionen sind aus Gründen des Tierschutzes umstritten; sie dürfen meist nur unter Auflagen des Tierschutzgesetzes durchgeführt werden.

Der Begriff „Vivisektion“ wurde bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein – sowohl von Wissenschaftlern, vor allem aber von Vivisektionsgegnern – umgangssprachlich für alle nichttherapeutischen Eingriffe an lebenden Tieren benutzt. Dementsprechend hat die ursprüngliche lateinische Bedeutung des Begriffes „Vivisektion“ im Laufe der Zeit eine Erweiterung erfahren und sich in Wörterbüchern als Synonym für alle Arten des Tierversuchs durchgesetzt:

  • „Vivisektion: Das Wort bezeichnet jede Art von Tierversuch, ob die Tiere nun seziert werden oder nicht.“ (Encyclopaedia Americana)[3]
  • „Vivisektion: Eingriff am lebenden Tier zu wissenschaftlichen Versuchszwecken.“ (Duden)[4]

Spätestens Ende des 20. Jahrhunderts war der Begriff „Vivisektion“ weitgehend verdrängt worden vom Begriff „Tierversuch“ als grundlegende Bezeichnung für den experimentellen Einsatz von lebenden Tieren in Pharmakologie, Physiologie und anderen Disziplinen.[5]

In Großbritannien und Frankreich des späten 19. Jahrhunderts organisierte sich der Widerstand gegen die Methode, etwa durch den englischen Verleger Charles Warren Adams, Marie-Françoise Bernard, der Ehefrau des Physiologen Claude Bernard und durch Étienne Pariset, den Begründer der Société protectrice des animaux.

Der Begriff wird auch im übertragenen Sinne benutzt, um eine gegenüber einem Untersuchungsgegenstand respektlose oder gefährliche Vorgehensweise zu bezeichnen.

Im Nationalsozialismus wurden u. a. Vivisektionen ohne Narkose an KZ-Häftlingen durchgeführt.[6] Vivisektionen an Tieren hingegen waren durch das Reichstierschutzgesetz streng verboten.[7] Auch auf japanischer Seite wurden während des Zweiten Weltkriegs Vivisektionen an Menschen durchgeführt, insbesondere im enormen Ausmaß von der Einheit 731.[8][9][10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. What Animals Want: Expertise and Advocacy in Laboratory Animal Welfare Policy. Oxford University Press, 2004, p. 76, figure 4.2
  2. Das große Fremdwörterbuch. 2. neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 2000, ISBN 3-411-04162-5, S. 1404.
  3. a b Pietro Croce: Tierversuch oder Wissenschaft: Eine Wahl. Buchverlag CIVIS Publications, Massagno, September 1988, ISBN 3-905280-05-7 (formal falsche ISBN), S. 21.
  4. Duden – Band 1: Die deutsche Rechtschreibung. 24., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 2006, ISBN 978-3-411-04014-8, S. 1089.
  5. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 255. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin, New York 1986, ISBN 3-11-007916-X, S. 1672
  6. [1] Bericht eines Opfers Dr. Mengeles
  7. „Tierliebe Menschenfeinde“
  8. "Unmasking Horror" Nicholas D. Kristof (March 17, 1995) New York Times. A special report.; Japan Confronting Gruesome War Atrocity
  9. Unlocking a deadly secret Photos of vivisection
  10. Menschenversuche abgerufen am 25. Juni 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vivisections – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Vivisektion – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen