Vlissingen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Vlissingen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Gemeinde Vlissingen
Flagge der Gemeinde Vlissingen
Flagge
Wappen der Gemeinde Vlissingen
Wappen
Provinz Zeeland
Bürgermeister Letty Demmers-van der Geest
Sitz der Gemeinde Vlissingen
Fläche
 – Land
 – Wasser
344,98 km²
34,16 km²
310,82 km²
CBS-Code 0718
Einwohner 44.425 (1. Jan. 2014[1])
Bevölkerungsdichte 129 Einwohner/km²
Koordinaten 51° 27′ N, 3° 35′ O51.4463888888893.5797222222222Koordinaten: 51° 27′ N, 3° 35′ O
Vorwahl 0118
Postleitzahlen 4380–4387
Website www.vlissingen.nl
Lage von Vlissingen in den Niederlanden

Vlissingen ( anhören?/i), als frühere englische Garnisonsstadt auch Flushing, ist eine niederländische Hafenstadt an der Mündung der Westerschelde, an der Südküste der Halbinsel Walcheren in der niederländischen Provinz Zeeland.

Basisdaten[Bearbeiten]

Stadtstrand und Boulevard mit Hotel- und Apartmentgebäuden

Vlissingen ist ein wichtiger Ort für die Schifffahrt, als Standort für Lotsen, die Schiffe durch die engen Fahrrinnen der Westerschelde nach oder zu den Seehäfen von Terneuzen und Antwerpen leiten. Hier mündet der Kanaal door Walcheren in die Westerschelde. Auch die Königliche Marine-Werft hat hier ihren, in den letzten Jahrzehnten deutlich verkleinerten Standort, genauso wie eine große Fischereiflotte. In letzten Jahrzehnten stetig gewachsen ist auch die Bedeutung des Tourismus für Vlissingen, deutlich erkennbar an der Skyline des Boulevards, der einzigen Strandpromenade mit Südausrichtung in den Niederlanden. Östlich der Stadt liegt um den Seehafen angeordnet ein großes und bedeutendes Industriegebiet.

Im März 2003 wurde die ehemalige Pkw-Fährverbindung von Vlissingen nach Breskens durch den Westerscheldetunnel ersetzt. Für Fußgänger und Radfahrer besteht die Verbindung weiterhin, jedoch mit neuen kleineren Fährschiffen.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte von Vlissingen aus dem Atlas Maior (1649)
Vlissingen
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: WMO
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Vlissingen
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 5,6 5,9 8,7 11,6 15,9 18,4 20,9 21,3 18,2 14,2 9,6 6,9 Ø 13,1
Min. Temperatur (°C) 1,9 1,7 3,7 5,7 9,4 12,1 14,5 14,9 12,8 9,4 5,6 3,3 Ø 8
Niederschlag (mm) 58,7 41,0 52,6 41,0 50,7 65,5 61,5 57,4 69,9 79,8 75,8 66,9 Σ 720,8
Regentage (d) 18 13 16 14 14 14 13 12 15 17 19 18 Σ 183
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66,9
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: WMO
Windmühle in Vlissingen: funktionstüchtig und zu besichtigen

Vlissingen bekam 1315 Stadtrechte. Das östlich der Stadt gelegene Fort Rammekens [2] wurde 1547 erbaut, um Schiffe der Vereinigten Ostindien-Kompanie zu schützen. Der Wohlstand der Stadt beruhte auf Heringshandel und Salzgewinnung, aber auch Kaperfahrten und Sklavenhandel der Reeder. 1573 gelang es einer niederländischen Flotte im Rahmen des niederländischen Unabhängigkeitskrieges in der Schlacht bei Vlissingen ein Kanonenbombardement der Stadt durch die spanische Armada zu verhindern. Im 19. Jahrhundert war Vlissingen ein bedeutender Kriegshafen.

Vlissingen hatte im Zweiten Weltkrieg durch seine Lage am Seefahrtsweg nach Antwerpen strategisch besondere Bedeutung und stand so 1944 im Zentrum der Schlacht an der Scheldemündung. Am 1. November 1944 gelang frühmorgens von Breskens aus die Landung alliierter Truppen bei Vlissingen, was das Ende der deutschen Besatzung von Walcheren bedeutete.

HZ Vlissingen[Bearbeiten]

In Vlissingen befindet sich die Hogeschool Zeeland (1904), die als Einzugsgebiet die gesamte Halbinsel hat. Die Schule betont ihre internationale Ausrichtung. Von den ca. 4.000 Studenten sind rund 1.000 nicht aus den Niederlanden, sondern von Partnerschulen weltweit.

Heute nennt sich die Hogeschool Zeeland (HZ Vlissingen) “HZ University of Applied Sciences”, was dem im Deutschen verwendeten Begriff für Fachhochschulen entspricht.

Sehenswürdigkeiten und Museen[Bearbeiten]

Gebäude der alten Börse
  • Fort Rammekens, ältestes noch existierendes Seefort Europas in der Nähe des Dorfes Ritthem
  • Alte Börse von Vlissingen, gebaut im Renaissance-Stil im Jahre 1636[3]
  • Zeeuws maritiem muZEEum vlissingen
  • Grote of Sint Jacobskerk, spätgotische Hallenkirche
  • Lutherse Kerk, barocke Saalkirche
  • Reptilienzoo Iguana
  • Het Arsenaal
  • Bunker 143 Oranjemolen
  • Dokje van Perry, ältestes noch existierendes Trockendock Europas

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Schiffswerft Koninklijke Maatschappij „De Schelde“ (KMS) - heute Damen Schelde Naval Shipbuilding - wurde 1875 gegründet. Sie bildet zusammen mit der ebenfalls zur Damen-Gruppe gehörenden Jachtwerft Amels das Werftgebiet im Binnenhafen. Im Sloehafen östlich der Stadt befindet sich ein weiterer Werftstandort der Damen-Gruppe. Rund um den Sloehafen das weitläufige Industriegebiet Vlissingen-Oost entstanden. 1969 errichtete hier ein französischer Konzern eine Aluminiumfabrik, deren Strombedarf vom benachbarten Kernkraftwerk Borssele gedeckt wird. Neben diesem Kernkraftwerk besteht noch ein Gaskraftwerk. In Folge der Wirtschaftskrise mussten einige Betriebe an diesem Standort schließen, unter anderem besagte Aluminiumfabrik und ein Betrieb zur Produktion von Phosphor. Von einer bevorstehenden Schließung ebenfalls betroffen ist das Gaskraftwerk, hier bestehen jedoch noch ungenehmigte Pläne zur Umstellung von Gas auf Biomasse.

Verkehr[Bearbeiten]

Zugverkehr[Bearbeiten]

Vlissingen ist die Endstation der Zeeuwse Lijn. Auf dem Stadtgebiet existieren zwei Bahnhöfe, der am Hafen gelegene Bahnhof Vlissingen und der kleinere Bahnhof Vlissingen Souburg im gleichnamigen Vorort. Es halten zweimal stündlich Intercity-Züge in Richtung Rotterdam, Den Haag, Amsterdam und Lelystad.

Bis 1944 existierten zwei Straßenbahnlinien in Vlissingen. Eine Linie führte nach Middelburg durch die nördlichen Vororte der Stadt und die andere führte nach Koudekerke durch das Stadtzentrum von Vlissingen.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Vlissingen ist über die A58 (E312) an das niederländische Autobahnnetz angeschlossen - diese hat in der Nähe des Hafens ihren Endpunkt. Die Autobahn verläuft über Roosendaal und Breda bis nach Eindhoven und gilt als Hauptverkehrsader von Zeeland. Es besteht noch eine autobahnähnlich ausgebaute Schnellstraße, welche parallel zum Kanaal door Walcheren verläuft, in Richtung Middelburg.

Fähre[Bearbeiten]

Veolia Transport Fast Ferries betreibt eine Fährverbindung für Fußgänger und Radfahrer nach Breskens über die Westerschelde, welche hauptsächlich von Schüler und Touristen genutzt wird. Die Fähre verkehrt in der Nebensaison jede Stunde, in der Hauptsaison halbstündlich. Bis zur Eröffnung des Westerscheldetunnel im März 2003 gab es große Fähren die auch Autos und LKWs transportierten.

Zwischen 1875 und 1939 sowie zwischen 1974 und 1994 hatte die Stadt eine tägliche Personen- und Güterfähre nach England. Von 1875 bis 1939 wurde diese Betrieben durch die Steamship Company Zealand (SMZ), um bediente die Häfen in Sheerness, Queenborough, Folkestone und Harwich. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde der Fährbetrieb jedoch bis auf Weiteres eingestellt. Nach dem Krieg, wurde der Betrieb wegen des stark beschädigten Hafens von Vlissingen nicht wieder aufgenommen und die Linie wurde über Hoek van Holland geführt. Erst 1974 wurde der Betrieb wieder aufgenommen, jedoch wurde nur noch der Hafen in Sheerness angefahren. Aufgrund des wirtschaftlichen Abschwungs in Großbritannien und der wachsenden Konkurrenz wurde die Verbindung am 15. Mai 1994 endgültig eingestellt.

Bus[Bearbeiten]

Der Busverkehr in Vlissingen wird durch den Betreiber Connexxion gestellt. Es verkehren sieben Linien von Vlissingen in die Nachbargemeinten und durch die Stadt.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

De-Ruyter-Denkmal am Hafen

Weblinks[Bearbeiten]

Panorama Strand und Boulevard an der Scheldemündung, Vlissingen
 Commons: Vlissingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 12.04.2014Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. * Illustration von Frans Hogenberg von 1576: Rammeken ein gar starken nist, Den Vlißinger woll gelegen ist, ... (Digitalisat)
  3. Homepage der Stadt Vlissingen (Abruf: 17. September 2012)