Vogelabwehr

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stadttauben (Columba livia f. domestica)
Netze können Tauben oft nicht am Landen und Nisten auf Objekten hindern.
Vogelabwehrspitzen auf dem Schriftzug eines Firmengebäudes.
Abwehr mittels Vogelscheuche
Taubenkot auf einem nicht genutzten Balkon

Die Vogelabwehr ist ein Ausdruck aus der Schädlingsbekämpfung und umschreibt alle Methoden, ungewollte Vögel zu vergrämen oder sie am Landen und Nisten zu hindern.

Abwehrmaßnahmen[Bearbeiten]

Je nach Ausgangssituation werden unterschiedliche Abwehrmaßnahmen oder eine Kombination unterschiedlicher Abwehrmaßnahmen angewendet. Besonderheiten der zu schützenden Gebäude und Anlagen müssen bei der Auswahl der Abwehrmaßnahmen einbezogen werden. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen folgenden Maßnahmen:

Physikalische Maßnahmen[Bearbeiten]

  • Netze
  • Gitter
  • Vogelabwehrspitzen (Taubenspikes)
  • Spanndrahtsysteme
  • Elektroabwehranlagen
  • Vogelattrappen, also die täuschend ähnliche Nachbildung von Vögeln, meist in der Form von Raubvögeln
  • Vogelscheuchen
  • Reflektierende Gegenstände (Spiegel, CD/DVD´s mit Reflexion an Kordel/Schnur aufgehängt welche durch Luftbewegung störend wirken)

Akustische Maßnahmen[Bearbeiten]

Akustische Vogelabwehrmaßnahmen werden oft auf großen, offenen Flächen verwendet, z. B. in der Landwirtschaft, im Weinbau und in der Vogelschlagabwehr auf Flughäfen. Der hohe Pfeifton von Ultraschallgeräten soll die Vögel abschrecken, kann aber unter Umständen auch von Menschen gehört werden.[1] Akustische Maßnahmen wie Knallgeräte, Schall- und Ultraschallgeräte und Vogelschreigeräte sind umstritten und können beispielsweise bei automatischer Dauerbeschallung[2] zu Auseinandersetzungen mit den Anwohnern führen. Auch ist noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen, ob und inwieweit die Beschallungsmaßnahmen einen schadensmindernden Effekt haben.[3]

Gründe zur Vogelabwehr[Bearbeiten]

  • Vögel können Träger von Schädlingen, Parasiten und Krankheiten sein, die auch auf den Menschen übertragen werden können.[4] Insbesondere Infektionskrankheiten, u.a. Ornithose (Papageienkrankheit) können auf Menschen übertragen werden.[5] Parasiten aus dem Gefieder der Tauben, und die im Taubenkot vorhandenen Erreger können zu Erkrankungen beim Menschen führen, vor allem, wenn Lebensmittel z. B. auf Märkten und in der Freiluftgastronomie durch Tauben verunreinigt werden.[6]
  • Parasiten der Tauben gehen gelegentlich auf den Menschen über, wenn Stadttauben in Dachböden etc. nisten. Dies wird besonders häufig von Taubenzecken (Argas reflexus und anderen Argas-Arten) berichtet,[7] seltener auch von anderen Parasiten wie Taubenflöhen (Ceratopsyllus columbae),[8] Roter Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae), Nordischer Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum) und Bettwanze (Cimex lectularius).[9]
  • Jede Stadttaube produziert pro Jahr zehn bis zwölf Kilogramm Kot; dieser wirkt stark ätzend. Wenn Tauben an oder um historische Bausubstanz verstärkt auftreten, wird diese erheblich geschädigt.[6] Durch Nistmaterial und Kot verstopfte Dachrinnen führen zum Eindringen von Feuchtigkeit und Folgeschäden wie dem Befall durch Hausschwamm.
  • Vögel können erhebliche Ernteschäden verursachen, beispielsweise durch Anpicken von Trauben im Weinbau. Besonders in der Nähe von Hochspannungsleitungen und anderen bevorzugten Sitzpositionen befürchten Winzer Vogelfraß.[3]

Kritik[Bearbeiten]

Der folgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Kritiker der Vogel- und Taubenabwehr wenden ein, dass die durch Vögel verursachten Schäden geringer ausfallen, als dies dargestellt wird. Auch die Krankheitsgefahren seien nicht so hoch, wie dies von Befürwortern der Abwehr dargestellt wird. Außerdem wird kritisiert, dass die Maßnahmen zur Abwehr häufig nicht die Gesundheit der Tiere berücksichtigen würden.

Juristisches[Bearbeiten]

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat verwilderte Haustauben unter anderem dann als Schädlinge eingestuft, „wenn sie in praxistypischen größeren Populationen auftreten“. Als solche dürfen sie unter bestimmten Voraussetzungen bekämpft und getötet werden.[12][13]

„Mecklenburg-Vorpommern hat in § 1 der Landesverordnung zur Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen vom 26. Juni 1992 (GVOBl. M.-V. 1992 S. 37) die verwilderte Haustaube als Tierische Schädlinge (Gesundheitsschädlinge) eingestuft; ebenso Sachsen-Anhalt in § 1 der Verordnung über die Feststellung und Bekämpfung eines Befalls mit tierischen Schädlingen vom 14. Februar 1996 (GVBl. LSA 1996 S. 112).“[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. tagesanzeiger.ch – Mysteriöser Pfeifton in der City, Tages-Anzeiger vom 30. Dezember 2006, abgerufen am 13. Oktober 2009
  2. Dauerbeschallung als Methode der Vogelabwehr/Starenabwehr im Weinbau (PDF; 84 kB)
  3. a b Dokumentation einer Auseinandersetzung über präventive automatische Dauerbeschallung in Weinbergen, abgerufen am 25. Mai 2010
  4. Gesundheitsgefährdung durch Schädlinge (PDF; 2,8 MB), abgerufen am 13. Oktober 2009
  5. D. Haag-Wackernagel (2004): Health hazards posed by feral pigeons. Journal of Infection, Volume 48, Issue 4: 307 - 313 . PMID 15066331
  6. a b [1]
  7. B. Laubstein, D. Herold, H. Audring, I. Buchholtz (1993): Nächtliche Anaphylaxie durch Argas reflexus (Taubenzecke). Allergologie 16: 370-373.
  8. Daniel Haag-Wackernage & Radoslaw Spiewak (2004): Human infestation by pigeon fleas (Ceratopsyllus columbae) from feral pigeons. Annals of Agricultural and Environmental Medicine 11: 343-346.
  9. H. Frickhinger (1937): Die Gefahr der wilden Tauben. Anzeiger für Schädlingskunde (Berlin) 13: 66.
  10. Roche Lexikon Medizin: „Taubenzüchterlunge“, abgerufen am 8. Juni 2011
  11. Merkblatt zur BK Nr. 4201: Exogen-allergische Alveolitis, abgerufen am 8. Juni 2011
  12. Hessischer Verwaltungsgerichtshof in seinem Urteil 8 A396/10 vom 1. September 2011.
  13. Dr. Alfred Scheidler: Wenn Federvieh zur gefährlichen Plage wird. In: Legal Tribune online 2. September 2011
  14. Hessischer Verwaltungsgerichtshof in seinem Urteil 8 A396/10 vom 1. September 2011. Absatz 35.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vogelabwehr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien