Vogelberingung

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Silbermöwe mit einem Metallring und einem Farbring, der auch mit dem Fernglas abgelesen werden kann.

Vogelberingung hilft wildlebende Vögel zu untersuchen, indem individuell nummerierte und teilweise farbkodierte Metall- oder Plastikringe an den Füßen oder Flügeln angebracht werden. Durch das Beringen kann das Verhalten von einzelnen Vögeln über einen großen Zeitraum verfolgt werden, da wieder eingefangene oder tot aufgefundene Vögel identifiziert werden können. Untersucht werden unter anderem Vogelzug, Lebensdauer, Sterblichkeit, Ernährung und Fortpflanzung.

Säbelschnäbler – diese Vogelart hat ein sehr komplexes Zugverhalten, das sich nur aufgrund von Ringfunden aufklären ließ.

Ziel und Verfahren der Beringung[Bearbeiten]

Vögel werden beringt entweder im Nest oder nachdem sie mittels Japannetz, Reusen (insbesondere der Heligoland trap, englisch für „Helgoland-Falle“), Lockenten oder ähnlichem gefangen wurden.

Ein von der Größe passender Ring mit individueller Nummer und Kontaktadresse wird angebracht, zudem werden die Vögel in der Regel vermessen, gewogen und nach Parasiten untersucht (die dann entfernt werden können). Soweit möglich (z. B. anhand von Mausergrenzen) wird auch das Alter der beringten Vögel bestimmt und dokumentiert. Die Altersbestimmung ist beispielsweise ein wesentlicher Bestandteil des Integrierten Monitorings von Singvogelpopulationen, einem bundesweit standardisierten Fang- und Beringungsprogramm. Anhand der Altersstrukturdaten der Vogelpopulationen kann z. B. festgestellt werden, ob genügend Individuen in fortpflanzungsfähigem Alter vorhanden sind. Die Ringe sind extrem leicht und schaden dem beringten Vogel in der Regel nicht. Der einzelne Vogel kann somit identifiziert werden, wenn er erneut gefangen oder tot aufgefunden wird. Neben Aluminiumringen, die seit dem Beginn der Beringung Verwendung finden, werden heute auch farbige Zelluloidringe verwendet. Diese unterstützen eine genauere Beobachtung kleinerer Populationen in bestimmten Gebieten. Mit unterschiedlichen farbigen Ringen kann beispielsweise bei Vogelarten mit nur gering ausgeprägtem Geschlechtsdimorphismus das Geschlecht so markiert werden, dass es auch auf größere Entfernung mit Hilfe eines Feldstechers identifizierbar ist. Auch das Geburtsjahr, das über farbige Ringe erkenntlich ist, kann bei Vögeln mit einer längeren Lebenserwartung wie beispielsweise bei Falken Aufschluss über Bruterfolg und Sozialverhalten zunehmend älter werdender Vögel liefern. Werden, meist zusätzlich, Ringe mit großen Zahlen verwendet, etwa bei Enten, Gänsen oder Störchen, können diese mit einem Feldstecher oder Spektiv abgelesen werden.

Personen, die einen beringten Vogel finden, sollten die Funddaten (Ring-Nr., Fundort und -datum, Fundumstände) unbedingt einer Beringungszentrale mitteilen und erfahren dank der Ringnummer, wo der Vogel beringt wurde und vorher schon einmal aufgefunden wurde. Das Gleiche gilt für Ringablesungen. Anhand der Funde und Fänge können die Wissenschaftler das Muster des Vogelzuges für große Vogelpopulationen bestimmen. Besonders hilfreich ist dies für Vogelarten, die ein sehr komplexes und je nach Brutareal variierendes Zugverhalten haben, wie dies beispielsweise beim Säbelschnäbler und beim Turmfalken der Fall ist.

In Deutschland existieren 3 Beringungszentralen, die eigene Vogelringe ausgeben: Helgoland (für Nordwestdeutschland), Hiddensee (für Ostdeutschland), Radolfzell (für Süddeutschland und Berlin).

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

Auch bei Turmfalken konnte nur durch Beringung festgestellt werden, dass diese Falkenart sowohl Stand-, Strich- als auch Zugvogel ist.

Die Auseinandersetzung der Ornithologen mit dem Vogelzug nahm um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert stark zu. Man versuchte zuerst durch Feldbeobachtungen die Muster in den Zugbewegungen der Vögel zu entschlüsseln. Dies erwies sich jedoch sehr schnell als ein völlig ungeeignetes Verfahren.

Der Däne Hans Christian Cornelius Mortensen war der erste, der in größerem Umfang die wissenschaftliche Vogelberingung 1899 durchführte. Dieses Verfahren bestand aufgrund von Rückmeldungen sehr schnell seine Bewährungsprobe und wurde rasch europaweit adaptiert. Als Erster begann Prof. Johannes Thienemann in der Vogelwarte Rossitten auf der Kurischen Nehrung im Jahre 1901 mit der Beringung von Vögeln im großen Stil. Dies erbrachte sehr bald so detaillierte Erkenntnisse, dass sich eine große Zahl freiwilliger Helfer fand, die diese Untersuchung durch Beringung von Altvögeln und Nestlingen unterstützten. Verwendet wurden Aluminiumringe unterschiedlichster Größe, die eine fortlaufende Nummer und den Namen der jeweiligen Vogelwarte enthielten.

In Großbritannien wurden die organisierte Beringung (1909) durch Arthur Landsborough Thomson im schottischen Aberdeen und durch Harry Witherby in England begonnen. Die Vogelwarte Helgoland beringt ebenfalls seit 1909.

Beringungszentralen[Bearbeiten]

Für die wissenschaftliche Vogelberingung in der Bundesrepublik Deutschland gibt es drei Beringungszentralen:

Die Bundesrepublik ist dabei regional unter den drei Beringungszentralen aufgeteilt. Eine Beringung von Freilandvögeln ohne die Genehmigung durch die Beringungszentralen und die zuständigen regionalen Behörden ist nicht möglich. Genehmigungen zur Beringung sind an Auflagen gebunden und meist zeitlich und regional beschränkt.

Beringung in der Vogelzucht[Bearbeiten]

In Gefangenschaft gezüchtete Vögel werden vielfach beringt, z. T. ist dies auch vorgeschrieben. So mussten alle Papageien (auch Sittiche) aufgrund der Psittacoseverordnung beringt werden, um die Herkunft von an der auch auf Menschen übertragbaren Krankheit erkrankten Vögeln zurückverfolgen zu können. 2012 wurde die PsittakoseVO abgeschafft. Arten, die unter Schutz stehen müssen ebenfalls beringt werden, dies dient als Herkunftsnachweis, dass die Vögel nicht illegal aus der Natur entnommen wurden. In beiden Fällen werden die Jungvögel mit geschlossenen Ringen beringt (was nur im Nestlingsalter möglich ist), da die in der wissenschaftlichen Beringung verwendeten offenen Ringe auch später angelegt werden können. Einige Vogelzüchter beringen ihre Vögel auch, um sie z. B. zur Vermeidung von Inzucht voneinander unterscheiden zu können. Die Beringungszentralen führen ihre Datenbanken nur über die Ringe, die zu wissenschaftlichen Zwecken ausgegeben wurden; Auskünfte über Züchterringnummern sind dort nicht möglich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Bub und Werner Schloss: Vogelfang und Vogelberingung. 5 Bände, Nachdruck. Neue Brehm-Bücherei, Ziemsen, Wittenberg Lutherstadt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kategorie „Beringte Vögel“ – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien