Vogeler

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Holzschnitt von Jost Amman, 1568

Vogeler ist ein deutscher Familienname.

Herkunft und Bedeutung[Bearbeiten]

Vogeler ist der Berufsname für einen Vogelfänger,[1][2] beziehungsweise der Übername für einen Beizjäger.[3][4][5] Er fing Vögel, um sie zu verkaufen oder abzurichten wie ein Falkner.[6][7][8][9][10][11] Ælfric Grammaticus nannte zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert als Beute unter anderem den Habicht, Adler, Milan, Kranich, Reiher, Storch, Amsel, Ringel- und Hohltaube, Schwan, Drossel, Wasservögel und manchmal Jungvögel, aber auch Sperlinge, Gänse, Hähne und Hühner, Wachteln, Fledermäuse, Käuze, Turteltauben, Dohlen, Schopflerchen, Eulen und weitere.[12] Im Mittelhochdeutschen begegnet uns die heute noch gültige Wortgestalt Vogel mit der genauen Bedeutung jagdbarer Vogel, Schwimmvogel, also Gans, Ente.[13]

Die Vogeljagd war eine Tätigkeit, die der Legende nach auch von König Heinrich dem Vogeler (* 876, † 2. Juli 936) ausgeübt wurde. Kaiser Friedrich II. (* 26. Dezember 1194, † 13. Dezember 1250) schrieb in seinem Buch Über die Kunst mit Vögeln zu jagen über die Falknerei und Vogelkunde.

Frühe Nennungen und Berufsbezeichnungen[Bearbeiten]

  • ahd. fokalari[14]
  • ahd. fogalari[15]
  • an. fuglari[15]
  • ae. fuwelare[16]
  • auceps fuglere, in einem Wörterbuch des 10. oder 11. Jahrhundert[17]
  • the vogelere, an anderer Stelle Wogelere als Glosse zu auceps in einer Handschrift der Pöhlder Annalen[18] (Annales Palidenses) um 1182
  • ae. Richard Fugelere,[15] Ricardus Fugelere,[19] 1218
  • me. in þes fuheleres grune, vor 1225[19]
  • Roger le Fugler, 1227[20]
  • Vogler oder Vogel, um 1209-1237 als Gründer von Vogelsdorf, Träger des Namens sind im 13. und 14. Jahrhundert in Wriezen und Bollensdorf nachweisbar[21]
  • Vogelere, als Beiname in der Sächsische Weltchronik in ursprünglich niederdeutscher Sprache[22] um 1260
  • Vogler, als Familienname eines Jägers, der auf der Jagd nach Waldtrappen die Thermalquelle in Pfäfers entdeckt, 1240[23]
  • Vogelare, 1244
  • me. John þe Fogelere, 1275[20]
  • me. Fowelere, 1275[19]
  • me. Henry le Foghelere, 1278[19]
  • Ralph Vouler, 1279[20]
  • mhd. vogelaere,[15] als Beiname im Versepos Lohengrin[24][25] des Codex Palatinus Germanicus[26], 1283-1289
  • der Vogelaere, um 1255-1259 oder 1275-1295, Heinrich der Vogelaere als ein Verfasser im Heldenepos Dietrichs Flucht[27]
  • mhd. vugler[15]
  • Joh. Vogel (Vogeler) in Hamburg 1297, vergleiche dort Joh. Valke (Valkener)[28]
  • Hugone Foygler, 1301[19]
  • Ralph le Foweler, 1329[20]
  • me. Edwardus le Vowelar, 1327[19]
  • uogelere of helle, 1340[19]
  • Lüdel der Vogler, 1345 in Regensburg bezeugt[29]
  • Vogler, 1348
  • Henneke Vogel (Vogelfang) in Greifswald 1355/1373[28]
  • Jäckl Vogler (Fogler) in Bozen 1359[30]
  • Hensel Vogel (Vogler) in Znaim 1363[28]
  • Heynne Mörlyn der Vogeler, als Beiname in Sorau-Land 1381
  • þe foulere, etwa 1390 und 1398[19]
  • Henneke Voghelere, Mindener Bürgerbuch 1392
  • Vogler unter dem bischöflich Würzburger Jagdpersonal Anfang des 15. Jahrhunderts[31]
  • Voglär, als Berufsbezeichnung unter Ludwig des Gebarteten von Bayern-Ingolstadt in einem Saalbuch von 1418[10]
  • Peter Fogeler, Görlitz 1427
  • Hanns Voglaer zu Vogelgreut 1448, ein ursprünglich zum Kloster Weihenstephan gehörendes Anwesen, seit 1874 heißt die Einöde Voglhof in Kirchdorf an der Amper[32]
  • Hentz fogel(e)r, als Berufsbezeichnung in Darmstadt 1449-1451[6]
  • Niclas Fogeler von Crampicz, 1456[33]
  • a ffewler or fowler: Auceps, Aucupator, Auicularius, Aucupiscus, etwa 1475[19]
  • Vogler, als Beiname in der Schwäbischen Chronik, 1486[34]
  • Vogler in der Vogelfanghütte im Tiergarten als Berufsbezeichnung, 1542 in den Amtsrechnungen für das Neue Haus des Amtes Lochau[35]

Weitere Formen[Bearbeiten]

  • Vogler
  • Vögler
  • Voegler
  • Fogler
  • Fowler[15][36] (englisch)
  • Vögeler
  • Voegeler
  • Fogeler
  • Vageler (norddeutsch)
  • Vogelaar (niederländisch)

Bekannte Namensträger[Bearbeiten]

Vogeler ist der Name von

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias von Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, Leipzig 1872-1878
  2. Georg Friedrich Benecke, ausgearbeitet von Wilhelm Müller und Friedrich Zarncke: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, Leipzig 1854-1866
  3. Dr. Johann Ernst Rudolph Kaeuffer: Geschichte von Ost-Asien, Leipzig 1860
  4. Jost Amman: Auceps. Der Vogler, 1568
  5. Rudolf Zoder: Familiennamen in Ostfalen, Hildesheim 1968
  6. a b Karl Ernst Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen 1060-1486, Textstelle, Selbstverlag der Historischen Kommission für Nassau, Wiesbaden 1986, ISBN 3-922-24414-9
  7. Agrippa von Nettesheim: Ungewißheit und Eitelkeit aller Künste und Wissenschaften, LXXVII. Vom Jagen und Vogelstellen, Köln 1527
  8. Joseph von Hammer-Purgstall: Geschichte der goldenen Horde in Kiptschak, Wien 1840
  9. Jacob Grimm: Geschichte der Deutschen Sprache, Frankfurt 1848
  10. a b Franz von Kobell: Wildanger. In: Projekt Gutenberg-DE.
  11. Timothy Lewis: Glossary of Mediæval Wélsh Law, Celtic Series III, S. 195, Manchester 1913
  12. Ælfric Grammaticus: Colloquium, C, 95, O, Julius Zupitza: Die ursprüngliche Gestalt von Älfrics Colloquium, Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 31, S. 40, Berlin 1886
  13. Matthias von Lexer: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch, S. 293, Stuttgart 1974
  14. Albert Heintze: Die Deutschen Familiennamen: geschichtlich, geographisch, sprachlich, Berlin 1908
  15. a b c d e f Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960
  16. Ælfric Grammaticus: Glossar, 539, Hans Kurath: Middle English Dictionary 4, S. 839-840, Michigan 2001
  17. Ælfric Grammaticus: Colloquium, 67, 3, Julius Zupitza: Ælfrics Grammatik und Glossar, Sammlung englischer Denkmäler in kritischer Ausgaben 1, S. 301-302, Berlin 1880
  18. Annales Palidenses, Pöhlde um 1182, in Georg Heinrich Pertz: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores in folio 16, Annales aevi Suevici, S. 61, Stuttgart 1859, in Georg Waitz: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich I., Berlin 1863
  19. a b c d e f g h i Hans Kurath: Middle English Dictionary 4, S. 839-840, Michigan 2001
  20. a b c d Percy Hide Reaney und Richard Middlewood Wilson: A dictionary of English surnames, S. 1215, Hildenborough 1976
  21. Prof. Dr. sc. Manfred Kliem: Zeittafel Fredersdorf-Vogelsdorf (PDF; 38 kB), Fredersdorf
  22. Sächsische Weltchronik, um 1260, in Hans Ferdinand Maßmann: Das Zeitbuch des Eike von Repgow in ursprünglich niederdeutscher Sprache, Stuttgart 1857
  23. Schweizerische Benediktinerkongregation: Idea, Durch neunfaches Bündnis gesichert, Sankt Gallen 1702
  24. Dr. Heinrich Rückert: Lohengrin: Zum Erstenmale kritisch, Quedlinburg und Leipzig 1858
  25. Königliche Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen: Nachrichten, Göttingen 1856
  26. Lohengrin, in Codex Palatinus Germanicus 345, Bl. 79 links, Str. 317, Bayern 1283-1289
  27. W. Uhl: Heinrich der Vogler. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 40, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 787–790.
  28. a b c Hans Bahlow: Deutsches Namenlexikon, Hamburg 1976
  29. Joseph Meyer: Meyers Konversations-Lexikon, [http://lexikon.meyers.de/wissen/Vogler+(Sachartikel) Vogler], Gotha 1885-1892 (Link nicht mehr verfügbar)
  30. Hannes Obermair, Bozen Süd - Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500, Bd. 1, Bozen 2005, S. 341f. Nr. 694.
  31. Werner Rösener: Jagd und höfische Kultur im Mittelalter, Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 135, Seite 273, Göttingen 1997
  32. Voglhof Gemeinde Kirchdorf an der Amper
  33. Konrad Wutke und August Meitzen: Codex diplomaticus Silesiae, Band 4, Seite 217, Breslau 1857-1933
  34. Thomas Lirer: Schwäbische Chronik, Ulm 12. Januar 1486
  35. Bernd Hopke und Edwin Kretzschmann: Chronik der Stadt Annaburg (Lochau), Annaburg
  36. August Friedrich Pott: Die Personennamen, insbesondere die Familiennamen und ihre Entstehungsarten unter Berücksichtigung der Ortsnamen, Leipzig 1859