Volker Press

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Volker Press (* 28. März 1939 in Erding; † 15. Oktober 1993 in Tübingen) war ein deutscher Historiker.

Leben[Bearbeiten]

Volker Press studierte von 1957 bis 1965 Geschichte und Anglistik in München. Er promovierte 1966 bei Friedrich Hermann Schubert über die Kurpfalz im konfessionellen Zeitalter. Nach Tätigkeiten als Assistent Schuberts in Kiel und Frankfurt am Main wurde Press ab 1971 ohne Habilitation ordentlicher Professor für Neuere Geschichte in Gießen. 1980 wechselte er auf den Lehrstuhl nach Tübingen. Hier lehrte er bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 1993 als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte. Sein Nachlass befindet sich im Besitz des Universitätsarchives Tübingen. Seine umfangreiche Bibliothek ging in den Besitz der Universität Prag über. Seit 1991 war er Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Volker Press starb unverheiratet und kinderlos.

Wirken[Bearbeiten]

Press gehörte seit den 1970er Jahren zu den prägendsten Historikern der Forschung zur frühen Neuzeit.[1] Er verband methodisch Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte mit Sozialgeschichte und war inhaltlich zusammen mit dem Mediävisten Peter Moraw einer der Wegbereiter des „neuen Bildes vom Alten Reich“, dass das Heilige Römische Reich deutscher Nation vor 1800 wieder positiv bewertete und damit das preußische Geschichtsbild des 19. Jahrhunderts auch für die frühe Neuzeit überwand.[2] Er wirkte vor allem über seine außergewöhnlich zahlreichen Aufsätze, in denen er zumeist landesgeschichtliche Themen mit Reichsgeschichte verband. Seine besonderen Forschungsschwerpunkte waren dabei Oberdeutschland, die Reichsritterschaft, die vom reichsunmittelbaren Adel besetzten geistlichen Fürstentümer und die Stellung der habsburgischen Kaiser im Reich und in ihren Erblanden. Zu seinen wichtigsten Erkenntnissen gehört die Wiederentdeckung des Wiederaufstiegs der habsburgischen Kaiser im Reich nach dem Dreißigjährigen Krieg unter Leopold I.[3]

Volker Press wirke nach 1990 beim Wiederaufbau der Geschichtswissenschaft in Thüringen mit. Er war zudem Mitbegründer der Zeitschrift für Historische Forschung, deren Ausrichtung er zu Beginn mitbestimmte.[4]

Schriften[Bearbeiten]

Monografien

  • Das alte Reich. Ausgewählte Aufsätze. 2. Auflage, Berlin 2000, ISBN 3-428-09138-8.
  • Kriege und Krisen, Deutschland 1600–1715. München 1991, ISBN 3-406-30817-1.
  • Calvinismus und Territorialstaat. Regierung und Zentralbehörden der Kurpfalz 1559–1619. Stuttgart 1970.

Herausgeberschaften

  • zusammen mit Dieter Stievermann: Alternativen zur Reichsverfassung in der frühen Neuzeit? München 1995, ISBN 3-486-56035-2.
  • zusammen mit Dieter Stievermann: Martin Luther. Probleme seiner Zeit. [Ernst Walter Zeeden zum 14. Mai 1986] Stuttgart 1986, ISBN 3-608-91431-5.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Art. Press, Volker. In: Neue Deutsche Biographie, Band 20, S. 701.
  2. Art. Press, Volker. In: Neue Deutsche Biographie, Band 20, S. 701.
  3. Peter Moraw: "Volker Press." In: Historische Zeitschrift, Bd. 259, 1994, S. 882.
  4. Peter Moraw: "Volker Press." In: Historische Zeitschrift, Bd. 259, 1994, S. 881 sowie Reiter „zur Zeitschrift“ in der Webpräsentation der ZHF [1]