Jungfernheide

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Volkspark Jungfernheide)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel erläutert die Ortslage Jungfernheide; für den Bahnhof Jungfernheide siehe Bahnhof Berlin Jungfernheide.
Wasserturm im Volkspark Jungfernheide

Die Jungfernheide ist ein ehemaliges, östlich von Spandau gelegenes Wald– und Heidegebiet. Nach diesem wurde ein ehemaliger Gutsbezirk und heute eine Ortslage im Berliner Ortsteil Charlottenburg-Nord des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf benannt. Der Volkspark Jungfernheide (Jungfernheidepark) gehört zu dieser Ortslage.

Mit der Bildung der Stadtgemeinde Groß-Berlin im Jahr 1920 wurde Charlottenburg zusammen mit Teilen der ehemaligen Gutsbezirke Heerstraße und Jungfernheide zum siebenten Verwaltungsbezirk Berlins.

Name[Bearbeiten]

Gedenkstein für Karl Ludwig Friedrich von Hinckeldey im Volkspark Jungfernheide

Der Name dieser Gegend ist von dem Wort Jungfer abgeleitet, womit die Angehörigen des Benediktinerinnenklosters in Spandau gemeint waren, zu deren Besitz das Gebiet im Mittelalter gehörte. Der Straßenname Nonnendamm geht ebenfalls auf die Spandauer Schwestern zurück, die diese Wegeverbindung von Spandau nach Berlin-Cölln befestigen ließen.

Geschichte[Bearbeiten]

Forst- und Jagdland[Bearbeiten]

Das östlich von Spandau gelegene Wald- und Heideland wurde bis um 1800 als kurfürstliches und königliches Jagdrevier genutzt. Im Jahre 1823 wurden aus den Forstrevieren Charlottenburg und Tegel die Gutsbezirke Tegeler Forst und Jungfernheide gebildet.

Militärische Nutzung[Bearbeiten]

Ab 1824 befanden sich Exerzier- und Schießplätze in der Jungfernheide. Unter anderem wurde 1828 der Reinickendorfer Artillerie-Schießplatz von König Friedrich Wilhelm III. hierher verlegt. Zwischen 1896 und 1901 wurden in der Jungfernheide Kasernenbauten (Architekt: Feuerstein) für das Luftschiffer-Bataillon Berlin-Jungfernheide errichtet.[1]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Der Bahnhof Jungfernheide wurde 1877 eröffnet. In diesem Jahr wurde der westliche Teil der Ringbahn vollendet, der vor allem für militärische Zwecke gebaut worden war. Er führte etwa 500 Meter am damaligen westlichen Stadtrand vorbei. Der Bahnhof, von dem seit 1980 mit der Stilllegung der Strecke Sonnenallee – Jungfernheide keine S-Bahn mehr fuhr, entwickelte sich seit der Wiedereröffnung im Jahr 1997 zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Nordwesten Berlins. Hier gibt es Umsteigemöglichkeiten zwischen den S-Bahn-Linien S41 und S42, der U-Bahnlinie 7, Regionalzügen, und Schnellbussen zum nahegelegenen Flughafen Tegel. Der Flughafen entstand nach dem Zweiten Weltkrieg in der eigentlichen Jungfernheide.

Wasseraufbereitung[Bearbeiten]

Im Jahre 1896 wurde das Wasserwerk Jungfernheide in Betrieb genommen. Hier wurde das Trinkwasser aus dem Tegeler See aufbereitet. Seit 2001 ist das Wasserwerk stillgelegt mit der Option der jederzeitigen Wiederaufnahme des Betriebs.

Jungfernheidepark[Bearbeiten]

Dieser Volkspark ist eine rund 144 Hektar große Grünanlage (1800 × 800 Meter), die sich vom Hohenzollernkanal bzw. dem Saatwinkler Damm südlich bis zum Heckerdamm erstreckt. Westlich wird der Park durch den Jungfernheideweg und östlich durch einen Abschnitt der Bundesautobahn 111 begrenzt.

Entstehung[Bearbeiten]

Entwurf der Anlage Volkspark Jungfernheide nach Erwin Barth

Die Stadt Charlottenburg erwarb 1904 vom preußischen Staat ein etwa 200 Hektar großes Teilstück der Jungfernheide für die Anlage eines Stadtparks. Im gleichen Jahr (1904) wurde die Kolonie Gartenfeld Jungfernheide, Kolonie Rotes Kreuz auf dem Dienstacker der Försterei als eine der ersten Arbeitergarten-Anlagen in Berlin gegründet.

Mit der Erstellung eines Planes für die Gartenanlage wurde der Gartenbaudirektor Erwin Barth beauftragt. Allerdings wurde die Umsetzung der ersten Entwürfe durch den Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 verhindert. Nach dem Krieg erstellte Barth überarbeitete Pläne, deren Ausführung diesmal wegen der Haushaltssperre aufgrund der bevorstehenden Eingemeindung Charlottenburgs in Groß-Berlin vereitelt wurde. Im Oktober 1920 wurden im Rahmen eines Notstandsprogramms zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit rund 100 Erwerbslose für die Vorarbeiten auf dem Gelände eingestellt. Die Verwirklichung der von Barth vorgesehenen Einrichtungen wie Sportplätze, Freibad, Kinderspielplatz, Kindererholung und Wasserturm zog sich bis 1927 hin. In der Zeit von 1923 bis 1925 entstand die nach dem damaligen Oberbürgermeister von Berlin, Gustav Böß, benannte Gustav-Böß-Bühne, ein Freilufttheater nach dem Vorbild des antiken Theaters in Ephesos für 2000 Besucher. Die Eröffnung des Parks fand am 27. Mai 1923 im Rahmen der Spiel- und Sportwochen im damaligen Bezirk Charlottenburg statt. Auch die Mitarbeiter Pöthig und Richard Ermisch beteiligten sich an der Realisierung der großen Anlage.

Ein Wasserturm war schon in den ersten Planungen von Erwin Barth vorgesehen. Er sollte eine architektonische Landmarke innerhalb der Sichtachse bilden, als Aussichtsturm dienen und eine Kaffeewirtschaft beherbergen. Der zuständige Leiter der Hochbauamtes, Walter Helmcke, kürzte den vorgesehenen Turm um mehrere Meter und gestaltete ihn gedrungener, auch wurde auf die Kaffeewirtschaft verzichtet.[2]

Als eine Attraktion galten damals zwei aus Muschelkalk in der Bildhauerwerkstatt von Hermann Pagels hergestellte Bärenskulpturen. Sie zeigten stehende Bären, an deren Seite Kinder spielten, auf aus Backsteinen gemauerten Postamenten. Die Bären markierten den südöstlichen Haupteingang zum Volkspark und bildeten eine Sichtachse zum Wasserturm.[3]

Im Jahr 1925 wurde ein Ehrenhain für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Niederdeutschen errichtet.[4]

Hiermit hatte die niederdeutsche Vereinigung Groß-Berlins 1923 Barth beauftragt. Dieser entwarf einen von Hecken umgebenen Andachtsraum mit Vorhalle und einem Platz mit einer großen Eiche in der Mitte, sowie drei Stelen.[5] Wegen Geldmangel konnte die Gedenkstätte erst im Herbst 1933 bezahlt werden.

Ein Zeichner namens Prill fertigte hierfür einige Zeichnungen an.

Ein Gehege für Schwarz- und Damwild wurde 1931 der Öffentlichkeit übergeben.

Diese für Jedermann nutzbare Grünanlage war das größte Projekt von Erwin Barth.[6]

Projekt Jungfernheide Nord-Ost[Bearbeiten]

Im Jahr 1928 lieferte Barth, nunmehr in Zusammenarbeit mit Paul Mittelstädt, Pläne für eine Erweiterung des Junfernheideparks Richtung Nord-Osten ab (Projekt Jungfernheide Nord-Ost) als grüne Zone zwischen dem Volkspark Rehberge und dem Volkspark Jungfernheide. Es handelte sich hierbei um eine Fläche nördlich des zuerst eröffneten Geländes, das zum damaligen Bezirk Wedding zählte.[7] Sie sollte der Erholung der Bürger und für Freizeit und kulturelle Unternehmungen genutzt werden. Vorgesehen waren unter anderem eine große Spielwiese, eine Schäferei, ein Strohhaus und Stierskulpturen. 1933 wurde hier die Hermann-Göring-Kaserne errichtet.[8]

Rekonstruktion und Ausbau nach 1945[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Park zahlreiche Zerstörungen. Nach dem Krieg wurden durch Straßenausbauten des Kurt-Schumacher-Damms und der Autobahn Teile des Heideparks, insbesondere der historische Haupteingang, zerstört. Von den beiden Bärenskulpturen am Bärenplatz war eine verschwunden.[3]

Auch der Krieger-Ehrenhain wurde bei der Verbreiterung des Tegeler Wegs (heute: Kurt-Schumacher-Damm) zerstört. Danach wurden Ersatzeingänge geschaffen, so der Eingang am Heckerdamm und an der Westseite des Parks am Jungfernheideweg.

Ein am Eingang Kurt-Schumacher-Damm stehendes Gedenkkreuz erinnert an Ludwig von Hinckeldey, einen Berliner Polizeipräsidenten, der sich um den kommunalen Aufbau der Stadt verdient gemacht hat und 1856 bei einem Duell in der Jungfernheide von Hans Wilhelm von Rochow erschossen wurde.

Im ehemaligen Wildgehege der Jungfernheide befindet sich ein rund 5500 m² großes eingezäuntes Areal,[9] das in den 1990er Jahren zum Hundeauslaufgebiet erklärt wurde. Die Wildgehege wurden hierbei in östliche Parkteile verlegt. Im Sommer 2010 nahm ein Hochseilgarten den Betrieb auf, dessen Anmeldebereich sich in der Nähe des Wasserturms befindet.

Im April 2011 konnte die zweite sieben Tonnen schwere Bärenskulptur, als Kopie aus englischem Muschelkalk geschlagen, wieder aufgestellt werden. Sie war mit 52.000 Euro aus dem Investitionsprogramm Nationale UNESCO-Welterbestätten finanziert und nach Originalunterlagen von dem Bildhauer Vincenz Repnik aus der Firma Opus Denkmalpflege neu geschaffen worden. Zuvor hatte man in einer nahegelegenen Kindertagesstätte ein Fragment der ursprünglichen Figur wiederentdeckt. Dieses soll einen Platz im Bezirksmuseum Charlottenburg-Wilmersdorf erhalten. Weitere Sanierungsarbeiten mithilfe der Fördergelder wie die Erneuerung von Wegen, die Neuanlage von Gehölzflächen, die Aufstellung neuer Bänke nach den Vorlagen des Gartenplaners (daher auch „Barth-Bänke“ genannt) oder die Rekonstruktion eines Pavillons am Teichufer konnten ebenfalls erfolgen.

Der Jungfernheidepark ist nicht in die Liste der Welterbestätten aufgenommen, aber die benachbarte Ringsiedlung am Heckerdamm, die als Siemensstadt bekannt ist. Die Fördermittel dürfen dabei auch für die Verschönerung benachbarter Gebiete, wie beispielsweise den Volkspark Jungfernheide, verwendet werden.[3]

Parkausstattung[Bearbeiten]

Jungfernheideteich

Die Grünanlage besitzt mehrere Sehenswürdigkeiten und ist in verschiedene Bereiche unterteilt, das sind (Stand Frühjahr 2011):

  • Sportplätze im Nordwesten
  • ein 1956 als Abenteuerspielplatz erweitertes Spielgelände für Kinder
  • eine vom Bezirksamt unterhaltene Baumschule
  • ein historisierender Wasserturm
  • ein Waldhochseilgarten im Südosten
  • Gehege für Wildtiere

Im mittleren Bereich gibt es den künstlich angelegten Jungfernheideteich mit einem Freibad an seinem Südufer. Dieser Teich erhält frisches Wasser über den Nonnengrabenkanal aus dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal und gibt sein Wasser an die tiefer gelegene Spree ab.

Der Waldhochseilgarten, Jungfernheide

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietmar Land, Jürgen Wenzel (Hrsg.): Heimat, Natur und Weltstadt. Leben und Werk des Gartenarchitekten Erwin Barth. Verlag Koehler & Amelang, Leipzig 2005, ISBN 3-7338-0338-8, 480 S.
  • Jens U. Schmidt: Wassertürme in Berlin. Regia-Verlag, Cottbus 2010, ISBN 978-3-86929-032-4.
  • Clemens Alexander Wimmer: Parks und Gärten in Berlin und Potsdam. Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Abt. III – Gartendenkmalpflege; 3. Auflage. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1989, ISBN 3-87584-267-7, S. 24–26.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jungfernheide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Detaillierte Planzeichnungen zum Luftschiffer-Bataillon im Archiv des Architekturmuseums der TU Berlin
  2. Dietmar Land, Jürgen Wenzel (Hrsg.): Heimat, Natur und Weltstadt. Leben und Werk des Gartenarchitekten Erwin Barth. Koehler & Amelang, ISBN 3-7338-0338-8, S. 293 f
  3. a b c Birgitt Eltzel: Der zweite Bär ist wieder da. Mit UNESCO-Mitteln wird der Jungfernheide-Park denkmalgerecht restauriert / Kosten: 2,2 Millionen Euro. In: Berliner Zeitung, 7./8. Mai 2011, S. 27
  4. Blätter des Kriegs-Ehrenmals im VP Jungfernheide im Archiv des Architekturmuseums der TU Berlin
  5. Dietmar Land und Jürgen Wenzel (Hrsg.): Heimat, Natur und Weltstadt. Leben und Werk des Gartenarchitekten Erwin Barth. Verlag Koehler & Amelang, Leipzig 2005, ISBN 3-7338-0338-8, S. 287–291
  6. Alle 72 Originalpläne zum Volkspark Jungfernheide von Erwin Barth im Archiv des Architekturmuseums der TU Berlin
  7. 17 Blätter für die Erweiterung des Jungfernheideparks im Archiv des Architekturmuseums der TU Berlin
  8. Dietmar Land, Jürgen Wenzel (Hrsg.): Heimat, Natur und Weltstadt. Leben und Werk des Gartenarchitekten Erwin Barth. Verlag Koehler & Amelang, ISBN 3-7338-0338-8, S. 295, 384–386
  9. Hol’s Stöckchen! In: Berliner Zeitung, 4. November 2005

52.54388888888913.290833333333Koordinaten: 52° 32′ 38″ N, 13° 17′ 27″ O