Vollreserve-System

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Das Vollreserve-System ist ein hypothetisches Währungssystem, bei dem Basisgeld und Buchgeld dasselbe sind. Jede Kreditvergabe wäre dabei an eine Vollreserve gebunden.

Kredite könnten nur dann von Kreditinstituten vergeben werden, wenn sie das entsprechende Geld wirklich vorrätig hätten. Entweder durch Bankeinlagen oder durch Geld, das sie sich bei der Zentralbank geliehen hätten.[1]

Unterschieden wird es von einem Mindestreserve-System, bei dem die Kreditvergabe lediglich an die Mindestreserve gebunden ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Amsterdamer Wechselbank war ein Vollreserve-Geldhaus, bis es 1781 über ihren Geldbestand hinaus Geld herausgab und eine fraktionale Reservebank wurde.[2] Bis dahin behielt sie ihre Depositen und lieh sie nicht wieder aus.[3] Die Bank of England, die durch einen Debt Equity Swap entstand, hielt dagegen nur eine Teilreserve bei sich und verlieh darüber hinaus Geld. Ihre Rolle als lender of last resort entwickelte die Bank über die Südseeblase.[3] Europaweit entstand in dieser Zeit ein Teilreservesystem.

Irving Fisher und andere US-Ökonomen betrachteten in einer Analyse der Weltwirtschaftskrise ab 1929 die nur durch einen Mindestreservesatz begrenzte Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken als problematisch. Bei einer ausgeprägten Anlegerpanik erweise sich der Mindestreservesatz allein als nicht ausreichend, einen Bank Run abzufedern. Zudem stehe der dynamischen Giralgeldschöpfung im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs potentiell eine ebenso dynamische Giralgeldkontraktion gegenüber. Dies verstärke eine Rezession und könne über die Schulden-Deflation eine Depression verursachen. 1936 veröffentlichte Fisher seine Arbeiten zum 100%-Geld. Nach diesem Ansatz sollte die Kreditvergabe der Banken ausschließlich mit hinterlegtem Zentralbankgeld erfolgen dürfen. Dies habe den Vorteil, dass die Geldmenge im Konjunkturzyklus nicht so stark schwanke und damit die monetaristischen Ursachen des Konjunkturzyklus eingedämmt würden. Bank Runs wären keine Gefahr mehr, da Banken immer zu 100% liquide seien. Zudem sei die staatliche und private Verschuldung niedriger, da die Geldschöpfung nicht mehr von einer Kreditaufnahme des Staates und der Privaten abhängig wäre.[4]

Im April 2015 prüft die isländische Regierung einen Plan des Fortschrittspartei-Abgeordneten Frosti Sigurjónsson zur Einführung von Vollgeld.[5]

Theorien[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Mayer und Roman Huber, Vollgeld. Das Geldsystem der Zukunft. Unser Weg aus der Finanzkrise, Tectum Verlag 2014 ISBN 978-3-8288-3350-0

Weblink[Bearbeiten]

  • IMF Working Paper 12/202, Jaromir Benes und Michael Kumhof, The Chicago Plan Revisited
  • Website für neue Curreny Theorie und Geldreform, [1]
  • Deutschsprachige Links zu Vollgeld, [2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Stefan Kaiser: Vollgeld - Der Staat entmachtet die Banken. In: Spiegel Online. 3. September 2012.
  2. Jörg Guido Hülsmann: The ethics of money production. Ludwig von Mises Institut, 2008, ISBN 978-1-933550-09-1.
  3. a b Birth of Hegemony: Crisis, Financial Revolution, and Emerging Global Networks. University of Chicago Press, 2012, ISBN 978-0-226-76760-4.
  4. IMF Working Paper 12/202, Jaromir Benes und Michael Kumhof, The Chicago Plan Revisited, S. 4-6
  5. Telepolis, 8. April 2015: Isländische Regierung prüft Vollgeld-Vorschlag
  6. a b Olaf Storbeck: IWF-Forscher wollen Bankgeschäfte radikal einschränken. In: Handelsblatt. online, 16. August 2012.
  7. Grundsätze der Wirtschaftspolitik. UTB, 2004, ISBN 3-8252-1572-5, S. 260.
  8. a b Maßnahmen gegen die Bankenkrise - Alle Macht der Notenbank. In: Süddeutsche Zeitung. online, 7. September 2012.