Volto Santo von Lucca

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Volto Santo von Lucca
Überführung des Volto Santo nach Lucca. Fresko 1508/09

Der Volto Santo von Lucca ist ein hölzernes Kruzifix in der Kathedrale von Lucca. Es wird seit dem Mittelalter als Reliquie verehrt. In Lucca nimmt es die Stellung eines Stadtpatrons ein, dessen Fest am 14. September, dem Fest der Kreuzerhöhung, begangen wird.

Der Volto Santo zeigt den Gekreuzigten im langen Gewand (Colobium), mit Bart, langem Haar und geöffneten Augen. Das Kruzifix wird im Südschiff des Doms in einem freistehenden Tempel von Matteo Civitali von 1484 gezeigt. Das heutige Kreuz ist vermutlich die Kopie eines älteren, das sich dort schon im 11. Jahrhundert befand und nach der Legende 782 mit einem führerlosen Boot im Hafen der damaligen Bischofsstadt Luna angelandet sein soll. Nach einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Bischöfen von Luna und Lucca habe letztere am Ende das Kreuz für sich gewinnen können.[1]

Nach einer mittelalterlichen Legende wurde das Kreuz von Nikodemus geschnitzt und stellt das wahre Antlitz Christi dar. Es soll auf wunderbare Weise auf einem führerlosen Schiff nach Luna gelangt sein und dort, da man sich nicht über seine Ausstellungsort einigen konnte, auf einen Ochsenkarren ohne Lenker gelegt worden sein, der erst in Lucca zum halten kam.

Wirkungsgeschichte[Bearbeiten]

Seit dem 12. Jahrhundert wurde das Kreuz von Pilgern als Zwischenstation auf dem Weg nach Rom aufgesucht und sein Bild in Nordeuropa verbreitet. Es gibt mehrere ähnliche Kreuze, die auf das Vorbild auf Lucca zurückgehen. Dazu gehören das Triumphkreuz im Paulus-Dom von Münster und das Braunschweiger Imervard-Kreuz.

Das Siegelbild der Stedinger aus dem 13. Jahrhundert zeigt eine Christus-Statue vom Volto-Santo-Typ. Die Statue befand sich westlich der Berner Kirche und wurde von der Communitas Stedingorum kultisch verehrt. Die Existenz dieser Statue war eine der Ursachen für den Kreuzzug, den der Bremer Erzbischof Gerhard II. 1229–1234 gegen die Stedinger führte. (Vgl. Johannes Göhler, Wege des Glaubens, Stade 2006) Der Volto Santo hat die Entwicklung der Kümmernis-Legende beeinflusst. Dies haben G. Schnürer und J. M. Ritz in ihrem großen Werk St. Kümmernis und Volto Santo (Düsseldorf 1934) gezeigt.

Das Fest Santa Croce[Bearbeiten]

Der Volto Santo nimmt in Lucca die Position eines Stadtpatrons ein, dessen Fest am 14. September zum Fest Kreuzerhöhung begangen wird. Das Kreuzbild wird festlich mit Kleinodien geschmückt. Am Vorabend findet eine Festprozession von der Kirche San Frediano zum Kreuz im Dom statt. Früher wurde der Volto Santo in der Festprozession mittragen. Der Weg der Prozession wird von Kerzen an den Mauervorsprüngen der Häuser illuminiert. Neben Vertretern der politischen Gemeinde, Musikgruppen und Personen in historischen Kostümen nehmen auch Gruppen der Kirchengemeinde des Erzbistums Lucca teil, die früher zu diesem Termin ihre Steuer zu entrichten hatten. Die Prozession endet mit der Aufführung einer Motettone genannten Chormusik, die jedes Jahr von einem Luccheser Komponisten neu geschrieben wird. Am Festtag selbst wird im Dom ein Pontifikalamt gehalten.

Daneben werden im Settembre Lucchese ein Jahrmarkt abgehalten und verschiedene Kulturveranstaltungen angeboten.

Sonstiges[Bearbeiten]

Grosso aus Lucca von 1209

Der Volto Santo war das Münzbild der in Lucca geprägten Münzen.

Dante erwähnt den Volto Santo in der göttlichen Komödie im 21. Gesang der Hölle. Ein Teufel herrscht einen Luccheser Ratsherren an, der in flüssiges Pech getaucht wird: „Hier hat der Volto Santo keinen Platz, Ganz anders als im Serchio schwimmt man hier.“ (Qui non ha loco il Santo Volto: qui si nuota altrimenti che nel Serchio!)

Die Prozession und die Messe hat Heinrich Heine in dem Kapitel Die Stadt Lucca in den Reisebildern (Reisebilder, Dritter Teil, 1830) satirisch beschrieben.

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Werner Goez: Von Pavia nach Rom, Verlag DuMont, Köln 1980. ISBN 3770105427. S. 97.