Volvo C202

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Der Volvo C202 ist ein geländefähiger Kastenwagen des schwedischen Automobilherstellers Volvo, der von 1977 bis 1981 gebaut wurde.

Technik[Bearbeiten]

Ein L3314/5, der Vorgänger des C202
Ein L3314/5 in Pritschenausführung mit Planenverdeck
Schwedischer C202
Rückansicht
Ein ziviler C202 aus Murnau/Bayern mit nachträglich aufgesetztem Hochdach.
3 Volvo C202 an den Einsiedelhöfen Grimsstaðir/Island
2 Exemplare der Islandversion-Kleinserie des Volvo C202 an der Hallgrimskirkja in Reykjavík

Sein Vorläufer war der in den 60er Jahren in Schweden ausschließlich für das schwedische Militär produzierte L3314 (bzw. als Funkwagen mit 24V-Bordspannung L3315), auch Lapplander genannt. Wegen seiner niedlichen Welpen-Optik wurde er in Schweden bald "Valp", d. h. Welpe genannt. Von der äußeren Optik her sah der spätere C202 dem L3314/5 sehr ähnlich, dem Laien fallen hauptsächlich die geänderten Türgriffe, Blinker und Rückleuchten sowie die erhabene Seitenwange des C202 im Unterschied zum L3314/5 auf. Die Unterschiede in Innenausstattung und vor allem der Technik sind umfassend. Auf Auftrag des schwedischen Militärs folgte dem L3314/5 in den 70er Jahren sein Nachfolger, die sog. C30x Baureihe mit den (zivilen) Bezeichnungen C303, C304 und C306. Diese Baureihe fiel jedoch viel größer, schwerer und teurer aus als die erste Lappländer-Baureihe L3314/5. Aus diesem Grund wünschte sich eine überschaubare gewerbliche und kommunale Kundenzielgruppe (Stromfirmen wie Vattenfall, Rettungsdienste, Bergwachten, technische Hilfswerke usw.) einen adäquateren Nachfolger des L3314 als es die C30x-Baureihe war. Eben ein kleines, leichtes, wendiges und kostengünstiges Allzweck-Transportfahrzeug. Um diesem Kundenwunsch und Markt gerecht zu werden, ließ Volvo 1977-1981 bei Hungarocamion in Ungarn in 3222 Exemplaren den C202 als ausschließlich fertigen. Der C202 ist daher die einzige rein zivile Lappländer-Baureihe und war - zumindest in Schweden - nie militärisch verwendet worden. Als Zivilmodell gab es dementsprechend die Bordspannung auch ausschließlich in der üblichen 12-Volt-Ausführung.

Die Karosserie aus Stahlblech war zweiteilig ausgelegt: Für alle Karosserie-Varianten als Basis fungierte eine Pickup-artige Grundkarosserie, darauf kam dann bei der sog. "gedeckten Mannschaftswagenausführung" ein festverschraubtes Hardtop (die Betriebsanleitung nennt diese Variante die "ganz gedeckte Stahlkarosserie") bzw. bei der sog. "Pritschenausführung" ein Planenverdeck (sog. "gedeckte Fahrerkabine und offene Stahlpritsche"). Eine dritte Variante war die in noch geringeren Stückzahlen produzierte und heute nahezu ausgestorbene Canvas-Ausführung, ein Vollcabrio ohne Türen. Auf Wunsch konnte man den Laderaum mit sechs klappbaren Sitzen bestellen. So hatte man einen nur 4,0 Meter langen achtsitzigen geländegängigen Mannschaftstransporter.

Der bisher im L3314 verwendete B18A mit 1,8 Litern Hubraum und 68 PS wurde im C202 nicht mehr weiter verwendet, stattdessen verbaute Volvo seinen aus der 240er-Pkw-Baureihe bewährten B20A mit 2,0 Litern Hubraum und 82 PS. Zudem wurde das stärkere Getriebe M45 vom kurz vorher vorgestellten Pkw Volvo 244 übernommen. Angeflanscht wurde hier das von Volvo selbst entwickelte Verteilergetriebe FD51, das die Kraft mit einer Klauenkupplung auf die zwei Antriebswellen verteilte. Im Gegensatz zum L3314 wurde der Allradantrieb nicht mechanisch per Hebel, sondern pneumatisch mit vom Unterdruck des Ansaugrohrs versorgten Unterdruckzylindern aktiviert. Natürlich gab es serienmäßig ein Untersetzungsgetriebe, hervorhebenswert ist die Option, eine daran gekoppelte (vor der Hinterachse angebrachte) Seilwinde und/oder eine Zapfwelle zum Antrieb verschiedenster Anbaugeräte zu ordern, was heutzutage gesuchte Sammler-Features sind. Die Höchstgeschwindigkeit des Wagens war mit 115 km/h angegeben, der Verbrauch pendelt zwischen 12-13 Litern im Asphalt-Langstreckenbetrieb und bis zu ca. 30 Litern im Geländebetrieb.

Aufgrund des konkreten anvisierten Kundenkreises bot Volvo von Anfang an die drei Basis-Karosserievarianten Kasten, Pickup und Canvas in unzähligen Sonderversionen an, z. B. Krankenwagen-Aufbauten, Kranwagen, Löschfahrzeuge, usw. Leider (aus heutiger Sammlersicht) blieb es bei der Mehrzahl dieser Karosserievarianten bei ein paar farbenfrohen fantasieanregenden Bildchen davon in den damaligen Verkaufsprospekten, nicht einmal Prototypen wurden von den meisten "Konstrukteurs-/Marketingstrategen-Plänen" davon jemals gebaut. Die einzige heute noch in ca. 5 fahrbereiten Exemplaren existierende Sonderausführung des C202 ist die sog. Island-Version. Hierbei handelt es sich um die damals schon seltene und nahezu unverkäufliche Canvas-Variante (Vollcabrio), die in 150 Einheiten nach Reykjavík/Island verschifft und dort von einer einheimischen Firma (mit bisher nicht mehr nachzurecherchierendem Firmennamen) in individualisierten Ausführungen exakt nach Kundenwunsch wohnmobilähnlich ausgebaut wurde. Hauptmerkmal dieser Kleinserie sind große rauchschwarze Seitenscheiben, eine nicht mehr aufklappbare Frontscheibe (stattdessen mit aufklappbarem Sonnendach), das nur noch ohne dem Heckfenster aufklappbare Heck, endlich die ersehnte breite Seitentüre ähnlich dem C30x (statt den 2 kleinen Aufklappluken an beiden Fahrzeugseiten beim serienmäßigen C202), ein wohnlicher Innenausbau in weinrotem Veloursstoff, die Verkleinerung des weit in den Innenraum der Fondpassagiere ragenden Motorhaubendeckels und damit verbunden die Verlegung der Fahrzeugbatterie aus dem Motorraum heraus in den Innenraum unter einen der Einzelhocker, und weitere kleinere Änderungen. Auf dem europäischen Festland existiert heute von dieser Version nur 1 im Jahre 2007 importiertes Exemplar.

Die gesamte C202-Baureihe wurde von Volvo offiziell nie außerhalb von Skandinavien vertrieben, daher wissen auch heute noch viele Volvohändler nicht einmal von der Existenz dieses Volvo-Fahrzeugs. Die wenigen 10 oder 20 als Neufahrzeuge nach Deutschland gelangten C202 wurden von Händlern oder Privatleuten grau importiert. Am ehesten kann man heutzutage noch in den deutschen Volvo-Truck-Centern Mitarbeiter finden, die in ihrer (langen) Berufslaufbahn hier und da mal vom Volvo Lappländer gehört oder sogar ein Exemplar gesehen haben, da die C202-Baureihe in Schweden über die Volvo-Truck-Center vertrieben wurde. Interessanterweise gibt es jedoch die gesamten Werkstatthandbücher zur Baureihe auch in deutscher Sprache, neben dem deutschen Benutzerhandbuch die Pflichtlektüre für C202-Sammler und C202-Schrauber.

Heutiger Bestand[Bearbeiten]

Aufgrund der heutzutage äußerst geringen Existenzzahlen von weniger als 50 fahrbereiten Exemplaren bewegen sich in Deutschland die Preise für Volvo C202 zwischen 5.000 € (restaurierungsbedürftig) und 10.000€ (guter fahrbereiter Zustand, Karosserie üblicherweise mit Rostschäden) bis hin zu 20.000€ (toprestaurierte Fahrzeuge ohne Rost).

Die Ersatzteilsituation ist bezüglich der mit der Volvo-240-Pkw-Baureihe identischen Motorenteile problemlos, bezüglich Lappländer-spezifischer Teile (Achsen, Getriebe, Beleuchtung, Armaturen, usw.) sieht es dagegen düster aus, die letzten Neuteile sind selbst aus den Volvo Zentrallagern in Niederlande und Schweden verschwunden und der Sammler und Lappländer-Liebhaber muss sich mit Gebrauchtteilen oder Neuanfertigungen rühriger kleiner schwedischer Firmen begnügen.

Literatur zum C202 (und seinem Vorgänger L3314/5)[Bearbeiten]

  • Buch „Cross-Country Cars from 1945“, erschienen 1975 im Warne-Verlag, Typenquerschnitt Volvo Geländewagen auf 2 Seiten, aber nur Modelle vor 1975, also ohne C202, englisch
  • Geländewagenhandbuch 1979 (Berner Verlag), kurze Vorstellung mit techn. Daten C202 + C303 + C306 (deutsch)
  • Overlander 6/1979, Weltreisebericht Volvo C202 von Europa nach Australien „A quick trip through the world´s trouble spots“ (englisch)
  • Automobil + Motorrad Chronik 2/1983, Typenquerschnitt (deutsch)
  • Volvo Club News 2/1989, Typenquerschnitt (deutsch)
  • 4WheelDrive 5/1991, Valp L3314 von Altyco mit 44“-Rädern (schwedisch)
  • Offroad Magazin 3/1993, Typenquerschnitt (deutsch)
  • Offroad Magazin Spezialausgabe „4x4 Oldtimer und Gebrauchtwagen“ 2/1994, Typenquerschnitt (deutsch), gleicher Bericht wie in Offroad 3/1993, allerdings 4 Bilder mehr (S. 71 + 73)
  • Offroad Magazin 1/1999, Typenquerschnitt mit Schwerpunkt offener Panzerabwehrkanonenträger 9031 (deutsch)
  • Gedruckte und gebundene Dokumentation von Stefan Keller, 10/2003: Volvo – Hintergründe über den Bau der Geländewagen bis 1981, Typenquerschnitt (deutsch)
  • Offroad Magazin Spezialausgabe Pick-Up/Camper/Expeditionsmobile 3/2004: "Mit dem Lappländer nach Island", Restaurations- und Reisebericht C202 (deutsch)
  • Oldtimer Praxis 3/2005, Restaurationsbericht C202 (deutsch)
  • Swiss Classics Revue Nr. 17, 1/2008, Reportage L3314 (deutsch)
  • Offroad 6/2012, Urlaubsreisebericht „Petersens Nordfahrt“, Schweden-Reise mit dem C202 (deutsch)

Originale Hersteller-Literatur von Volvo zum C202[Bearbeiten]

  • Service-Handbuch für C202 (komplette Werkstattanweisungen), 17 Bücher, gegliedert in Abt. 0-9 (deutsch)
  • Volvo C202 Sales Brochure 1978 (englisch)
  • Volvo C202 Vehicle Options Specification Sheets 1978 (englisch)
  • Reifenfreigabe für C202 von Volvo Trucks (Deutschland) GmbH, Sales Engineering, Dietzenbach, 15. Oktober 2002 (deutsch)
  • Instruktionsbok C202 (schwedisch) bzw. Betriebsanleitung C202 (deutsch)

Ähnliche Fahrzeuge[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Ein C202/Lappländer spielt die "Hauptrolle" in dem Roman Liebe Isländer von Huldar Breiðfjörð (1998).

Weblinks[Bearbeiten]