Vom dicken fetten Pfannekuchen

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Vom dicken fetten Pfannekuchen (auch: Der dicke fette Pfannkuchen oder De dicke fette Pannkoken) ist ein Märchen, das in mehreren Sprachräumen Europas bekannt ist und Mitte des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Märchensammlungen veröffentlicht wurde. Es handelt von einem lebendig gewordenen Pfannkuchen, der vor seinen Zubereitern in einen Wald entflieht und dort auf verschiedene Tiere trifft, die ihn fressen wollen. Bei jeder Begegnung mit einem neuen Tier zählt der Pfannkuchen die Lebewesen auf, die er bis dahin getroffen hat.

Fassungen[Bearbeiten]

Märchen und Sagen aus Hannover[Bearbeiten]

1854 veröffentlichten Carl und Theodor Colshorn ihre Sammlung Märchen und Sagen aus Hannover. Das Buch enthält mit Vom dicken fetten Pfannekuchen eine aus Salzdahlum mündlich überlieferte Form des Märchens. Die wörtliche Rede des Textes ist in Plattdeutsch gehalten ("Dicke fette Pannekauken, blief stahn, eck will di fräten!"). Im Gegensatz zu den meisten anderen Versionen des Märchens, wird der Pfannkuchen in Colshorns Überlieferung mit einem Paar Beinen dargestellt. Sie benutzt ein lautmalerisches "lief kanntapper, kanntapper", um die Fortbewegungsform des Pfannkuchen mit einer Art Galopp aufzuzeigen. Als Köche beschreibt der Text "drei alte Weiber". Am Ende der Erzählung trifft der Pfannkuchen auf drei hungrige Waisenkinder und lässt "sich von ihnen essen." Häschen Wippsteert, Wulf Dicksteert, Zicke Langbart, Perd Plattfaut und Su Haff sind die für die getroffenen Tiere benutzten Namen.

Pannekaken[Bearbeiten]

Peter Christen Asbjørnsen veröffentlichte Anfang der 1840er-Jahre in Norwegen seine Märchensammlung Norske Folkeeventyr, die den Text Pannekaken enthält. Asbjørnsens Version beschreibt eine Mutter, die Pfannkuchen für ihre sieben Kinder backt. Durch einen Versprecher der Mutter wird der Pfannkuchen lebendig und rollt ("trillet og trillet") aus dem Haus. Das Märchen endet, indem ein Schwein das Vertrauen des Pfannkuchens erschleicht und ihn daraufhin frisst.

Kolobok[Bearbeiten]

Briefmarke der Ukraine

Der Russe Alexander Nikolajewitsch Afanassjew veröffentlichte in seiner Sammlung Russische Volksmärchen ebenfalls einen ähnlichen Text. Die Hauptfigur wird hier jedoch von einem rollenden Kloß dargestellt, der den getroffenen Tieren nach Art eines Kettenmärchens (Bezeichnung für Märchen, die Motive oder Handlungsteile wiederholend aneinanderreihen, wodurch Episoden gebildet werden[1]) jeweils ein Lied vorsingt. Auch diese Version endet mit einer List und der Kloß wird gefressen[2].

In den anderen slawischen Sprachen erscheint der Name der Hauptfigur und Titel des Märchens dann jeweils angepasst - statt russisch Kolobok (kyrillisch Колобок) heißt das Märchen in tschechischer Sprache O Koblížkovi mit der Hauptfigur Koblížek, einer Verkleinerungsform von den Pączki-ähnlichen Kobliha. In der slowakischen Sprache nennt sich das Märchen dann O Pampúchovi mit der Hauptfigur Pampúšik, einer Verkleinerungsform von Pampúch - über das ukrainische Pampuchki ist hier die Namensverwandschaft zu Pączki sichtbar.

Kolobok-Smileys[Bearbeiten]

Die traditionelle Darstellung in osteuropäischen Märchenbüchern als gelber Kloß mit Gesicht führte dazu, dass im Internet die bildliche Darstellung der Smileys als gelbes Gesicht häufig als Kolobok bezeichnet werden. In dieser internationalen Verwendung ist der Name Kolobok auch unveränderlich, während sonst der Hauptcharakter des osteuropäischen Märchens jeweils sprachlich angepasst erscheint und einen Namen in Anlehnung an eine regional vorherrschende runde Speise übernimmt. Der Name „Kolobok“ ist dabei abgeleitet von russisch „kolo bok“ wörtlich „runde Seite“, übertragen auf die Smileys, also „Rundgesicht“.

Verwandte Märchen[Bearbeiten]

Die Grundidee der Speise, die davonläuft, wurde im englischen Sprachraum in der Erzählung vom Gingerbread Man verarbeitet. Der Hauptcharakter ist hier ein Lebkuchenmännchen, und dieser Pfefferkuchenmann läuft davon.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Universal-Lexikon
  2. Märchen Der Pfannkuchen (PDF; 27 kB) bei maerchenfrank.de