Vor Einbruch der Nacht

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Filmdaten
Deutscher Titel Vor Einbruch der Nacht
Originaltitel Juste avant la nuit
Produktionsland Frankreich, Italien
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1971
Länge 106 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Claude Chabrol
Drehbuch Edward Atiyah (Roman)
Claude Chabrol
Produktion André Génovès
Musik Pierre Jansen
Kamera Jean Rabier
Schnitt Jacques Gaillard
Besetzung

Vor Einbruch der Nacht ist ein Spielfilm des französischen Regisseurs Claude Chabrol aus dem Jahr 1971. Das Drehbuch basiert auf Edward Atiyahs Roman The Thin Line aus dem Jahr 1951 und stellt einen erfolgreichen Pariser Werbefachmann (gespielt von Michel Bouquet) in den Mittelpunkt, der nach dem Mord an seiner Geliebten mit Gewissensbissen und dem Wunsch nach Sühne konfrontiert wird. Der Film, der seine Uraufführung am 31. März 1971 in Frankreich feierte,[1] wurde von Cinegai S.p.A. und Les Films de la Boétie produziert.[2]

Handlung[Bearbeiten]

Der Pariser Werbefachmann Charles Masson hat Erfolg in seinem Beruf. Er führt eine tadellose Ehe mit der eleganten Hélène und hat zwei wohlgeratene Kinder. Die Familie hat ein schwarzes Dienstmädchen bei sich integriert und bewohnt eine moderne Vorortvilla. Heimlich unterhält Charles aber eine Affäre mit der masochistisch veranlagten Laura. Sie ist die Ehefrau des befreundeten Innenarchitekten François Tellier und gleichzeitig Freundin von Hélène. Charles und Laura geben sich leidenschaftlich gern SM-Spielen hin. Bei einem neuerlichen Treffen erdrosselt Charles Laura jedoch während des Liebesakts. Wie betäubt lässt Charles den Leichnam in der extra für die Seitensprünge genutzten Wohnung zurück. Er sucht Trost in einer nahegelegenen Bar, wo er sich betrinkt. Dort trifft er auf François, dem er aber die Wahrheit verheimlicht.

Die Seitensprünge von Charles sind jedoch nicht unbemerkt geblieben. Ein Freund Lauras, der den beiden die Wohnung zur Verfügung stellte, ist Charles begegnet. François wird darüber in Kenntnis gesetzt, bittet jedoch den Bekannten die Polizei aus dem Spiel zu lassen. Die Untersuchungen der Kriminalpolizei laufen ins Leere, und die Massons nehmen am Begräbnis von Laura teil. Charles verfällt währenddessen immer mehr in Apathie und erleidet eines Nachts einen Nervenzusammenbruch. Er kommt zu dem Schluss, dass er Laura und die sexuelle Macht, die sie über ihn hatte, gehasst hat und dass er für das Verbrechen bezahlen muss.

Von Gewissensbissen und Sühnebedürfnis gepeinigt, berichtet Charles seiner Ehefrau Hélène im darauffolgenden Erholungsurlaub von der Affäre und der Tötung. Streit und Schuldzuweisungen bleiben jedoch aus. Hélène kann die Beweggründe ihres Ehemanns nachvollziehen und ist ihm trotz allem zugetan. Sie rät ihm, weder die Polizei aufzusuchen noch François etwas zu sagen. Charles, der für einen Arbeitskollegen Sympathien zu hegen beginnt, der Geld der Firma veruntreut, wendet sich daraufhin an François. Aber der Witwer rät seinem alten Freund ebenfalls dazu, die Affäre auf sich beruhen zu lassen. Ein Geständnis bei der Polizei könnte Laura auch nicht zurückbringen, aber Charles und seine Familie zerstören.

Sowohl Hélène als auch François versuchen Charles dazu zu überreden das Verbrechen zu vergessen und weiterzuleben. Er beginnt aber, mehr und mehr an der selbst auferlegten Schuld zusammenzubrechen. Als auch die Polizei seine Hinweise verwirft, plant Charles, sich gegen den Willen seiner Frau, die keinen moralischen Nutzen in diesem Unterfangen sieht, am nächsten Tag zu stellen. Als er Hélène um ein Schlafmittel bittet, serviert sie ihm ein Glas Wasser mit einer Überdosis Laudanum, legt sich neben ihm ins Bett und schaltet das Licht aus.

Kritiken[Bearbeiten]

„Ein gelegentlich etwas konstruierter, aber mit psychologischer Finesse inszenierter Film, der eindrucksvoll zerstörerische Aspekte einer nur halb vollzogenen Emanzipation von bürgerlich-christlichen Moralvorstellungen behandelt.“

Lexikon des internationalen Films[3]

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung urteilte, dass Chabrols Filme von außen gesehen, „so glatt, perfekt, funktionstüchtig“ wie jene von Claude Lelouch erscheinen würden. Michel Bouquets und Stéphane Audrans Figuren seien für „Denkende“ kaum genüsslich verzehrbar, sofern man nicht, gemäß dem Paten, „das Morden als unvermeidbare Tätigkeit dem Lebensrhythmus Arrivierter“ einbeziehe. „Der Zynismus wäre dann vollkommen“, so der Rezensent der FAZ.[4]

David Robinson (The Times) zog Vergleiche zu Chabrols Die untreue Frau (1969), in der Thema und Figurenkonstellation ähnlich gelagert seien. Der Mord sei mehr als im vorangegangenen Werk nur ein Zwischenfall, „ein beinahe willkürliches Motiv für das moralische Drama“, das mit kühler Eleganz und Esprit und einer „merkwürdigen unsentimentalen Wärme“ ausgelegt sei, konzentriert und ökonomisch. Chabrol bleibe ein „meisterhafter Geschichtenerzähler [...].“[5]

Der US-amerikanische Kritiker Roger Ebert (Chicago Sun-Times) pries Vor Einbruch der Nacht als einer von Chabrols besten Filmen über sein favorisiertes Thema – dem „dunklen Verlangen und gepflegten Geheimnissen“ hinter der französischen Bourgeoisie. Der Film sei eine „Meditation über Schuld.“[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Sowohl für den Part der Hélène in Vor Einbruch der Nacht als auch für ihre Rolle in Luis Buñuels Oscar-gekröntem Werk Der diskrete Charme der Bourgeoisie (1972) wurde Stéphane Audran 1974 mit dem Britischen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Atiyah, Edward: The Thin Line. Davies : London, 1951.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Release dates in der Internet Movie Database (aufgerufen am 16. September 2010)
  2. vgl. Company credits in der Internet Movie Database (aufgerufen am 16. September 2010)
  3. Vor Einbruch der Nacht im Lexikon des Internationalen Films
  4. vgl. Der moralische Mörder. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. September 1972, S. 2
  5. vgl. Robinson, David: The charm of Chabrol's bourgeoisie. In: The Times, 13. April 1973, Issue 58757, S. 11
  6. vgl. Ebert, Roger: Just Before Nightfall, 24. Februar 1976 (aufgerufen am 15. September 2010)